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    Das sog. Berufsbeamtengesetz nutzten die Nationalsozialisten, um zum Beispiel nach § 4 Beamte aus politischen Gründen zu entlassen. (Anzeige im Sächsichen Verwaltungsblatt, 29.9.1933, S. 657; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Wie das NS-Regime sächsische Bürgermeister aus dem Amt entfernte

Es gab nicht nur gute Zeiten in der bald 200-jährigen Sparkassengeschichte unseres Verbandsgebietes. So wurden im „Dritten Reich“ die Sparkassen „gleichgeschalt“ und in das NS-Wirtschaftssystem integriert. Üblicherweise führten im Freistaat Sachsen die Bürgermeister den Vorsitz im Verwaltungsrat der örtlichen Sparkasse. Im März 1933 besetzten die Nationalsozialisten die Rathäuser und „beurlaubten“ ihnen nicht genehme Gemeindeoberhäupter.

Das sogenannte Berufsbeamtengesetzes vom 7. April 1933 schuf dann die rechtliche Grundlage, um auch Bürgermeister zu entlassen oder in den Ruhestand zu versetzen. Es war das erste Gesetz im NS-Staat, das ganz offen Sonderrecht gegen rassisch und politisch unerwünschte Menschen durchsetzte und verfassungsmäßige Rechte von Beamten annullierte. Gemäß § 2, 4 und 6 wurden in Sachsen zahlreiche Bürgermeister entfernt. § 3, der „Arierparagraf“, fand offenbar keine Anwendung.*

„Beamte, die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, dass sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten“, sollten nach § 4 entlassen werden. Dies war eine dehnbare Auslegungsform, mit der das Regime verschiedenste Gesinnungen bestrafte. Wer sich aus nationalsozialistischer Sicht verwerflich betätigt hatte, konnte aus dem Amt entfernt werden. Auf das Gesetz folgten zahlreiche Erklärungen und Ergänzungen, die noch verschärfend wirkten.

Bald mussten Verdächtige Fragebögen ausfüllen und mit Nachweisen beim zuständigen Ministerium zur Prüfung einreichen. Auf Vorschlag des sächsischen Innenministeriums verfügte Reichsstatthalter Martin Mutschmann die Entlassungen. Sie wurden im Sächsischen Verwaltungsblatt veröffentlicht. Aber welche Bürgermeister fielen allein 1933 dem § 4 zum Opfer und wurden aus dem Gemeindedienst entfernt? Dazu habe ich Ihnen eine Liste erstellt. Wer wissen möchte, wen die anderen beiden Paragrafen betrafen, kann sich gern an den Autor wenden.

Altenberg (im Erzgebirge): Max Just
Aue: Max Ziegler
Bergen (im Vogtland): Rudolph Härtel
Bräunsdorf (Amtshauptmannschaft Chemnitz): Paul Grimm
Brünlos (im Erzgebirge): Curt Paul Kalbskopf
Cainsdorf (bei Zwickau):  Emil Albin Müller
Colmnitz (Amtshauptmannschaft Freiberg): Oswin Arnold
Cossebaude: Carl Strehle
Cröbern (Amtshauptmannschaft Leipzig): Max Jäger
Crimmitschau: Dr. Friedrich Buchwald
Cunersdorf (Amtshauptmannschaft Annaberg): Ewald Pönitz
Cunnersdorf (bei Dresden): Otto Emil Berger
Dorfstadt (im Vogtland): Julius Arthur Müller
Dresden: Dr. Wilhelm Külz
Eibenberg: Franz Morgenstern
Euba (Amtshauptmannschaft Chemnitz): Alfred Schröder
Eythra (bei Leipzig): Albert Wachler
Freital: Gustav Klimpel
Gelenau (im Erzgebirge): Eugen Richard Möckel
Gittersee: Alfred Willy Obenaus
Gornau: Fritz Hugo Geithner
Groitzsch: Erich Brendel
Großenhain: Carl Oskar Augustin
Großolbersdorf: Max Siegfried Neef
Großpösna (bei Leipzig): Kurt Saalberg
Gundorf (Amtshauptmannschaft Leipzig): Hermann Arthur Ludwig
Hartenstein (bei Zwickau): Max Richard Strobel
Hartmannsdorf (bei Chemnitz): Paul Hofmann
Hirschfelde (Amtshauptmannschaft Zittau): Eduard Heinrich Nagel
Hörnitz (bei Zittau): Karl Bruno Zimmermann
Hohndorf (Amtshauptmannschaft Flöha): Bruno Clauß
Kleinnaundorf (Amtshauptmannschaft Dresden): Otto Paul Ihle
Kleinolbersdorf (Amtshauptmannschaft Chemnitz): Johannes Ebert
Kößern (Amtshauptmannschaft Grimma): Otto Ulbricht
Krebs (Amtshauptmannschaft Pirna): Karl Reppchen
Kriebethal (Amtshauptmannschaft Döbeln): Max Otto Prötzsch
Langenhessen (Amtshauptmannschaft Zwickau): Theodor Möbius
Lauterbach (bei Marienberg): Martin Floß
Leukersdorf (Amtshauptmannschaft Chemnitz): Max Schmiedel
Lugau: Johannes Martin Hoffmann
Mittelfrohna: Reinhardt Schneider
Mittweida: Dr. Carl Aribert Huth
Nerchau: Alfred Ackermann
Netzschkau: Franz Hunger
Nünchritz (Amtshauptmannschaft Großenhain): Walter Gustav Zill
Obercrinitz (Amtshauptmannschaft Zwickau): Bruno Ebert
Oberfrohna: Walter Andrae
Oberneuschönberg (Amtshauptmannschaft Sayda): Otto Naumann
Oberseiffenbach (Bezirk Sayda): Max Alfred Franz
Oberullersdorf (Amtshauptmannschaft Zittau): Gustav Zeißig
Oberweischlitz: Johannes Max Berger
Radeberg: Dr. Erich Weise
Radeburg: Richard Hartwig
Reumtengrün (Amtshauptmannschaft Auerbach): Albin Heinrich
Riesa: Curt Hans
Robschütz (Amtshauptmannschaft Meißen)
Rothenkirchen (Amtshauptmannschaft Auerbach): Max Taubert
Rothental (im Erzgebirge): Max Ebert
Sankt Michaelis (Amtshauptmannschaft Freiberg): Paul Schultze
Schöna (Amtshauptmannschaft Pirna): Albin Emil Grützner
Seehausen (bei Leipzig): Johannes Ernst Fischer
Steinbach (im Erzgebirge): Eugen Frey
Struppen: Hermann Herbert Gläßer
Trebsen (Amtshauptmannschaft Grimma): Paul Emil Unger
Ursprung (Bezirk Stollberg): Ernst Albin Müller
Vielau (Amtshauptmannschaft Zwickau): Arno Hugo Fuchs
Wachau (Bezirk Leipzig): Hermann Arthur Kretschmar
Weesenstein: Arthur Kurt Reppchen
Weißig (bei Freital): Johannes Wohlfarth
Weißig (Bezirk Dresden): Max Willy Müller
Wilschdorf: Otto Hänel
Wittgensdorf: Arthur Müller
Wolkenburg (Amtshauptmannschaft Rochlitz): Erich Hennicker
Zittau: Dr. Oswald Koltzenburg
Zug (Amtshauptmannschaft Freiberg): Rudolf Jentzsch

* In den Sächsischen Verwaltungsblättern fanden sich keine Anzeigen bzgl. der Bürgermeister. Dies ergab eine Auftragsrecherche des Autors zur sächsischen Sparkassengeschichte im Nationalsozialismus im Jahr 2012.

  • Historisches Archiv des OSV

    Schmal und zukunftsweisend: Die älteste Dissertation im Bestand des OSV-Archivs aus dem Jahr 1892. : © Historisches Archiv des OSV

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    Dank der Aussonderung der Mannheimer Universitätsbibliothek (siehe Stempel) konnte die Schrift von Michael antiquarisch erworben werden und gelang so in den Bestand der historischen Fachliteratur unseres Archivs.

  • Historisches Archiv des OSV

    Sparkassengeschichtlich relevante Werke sind wertvolle Zeitdokumente, die vor Staub geschützt in Archivschränken untergebracht sind. Sie geben Aufschluss über Reformen sowie Entwicklungstrends der Sparkassenorganisation in ihrer jeweiligen Epoche, arbeiten oftmals vorhergehende Jahrzehnte auf und sind damit eine unverzichtbare Quelle für die Geschichtsschreibung. : © Historisches Archiv des OSV

„Eine ernste und streng wissenschaftliche Leistung“ – Die älteste Dissertation zum Sparkassenwesen im historischen Buchbestand des OSV-Archivs

1892 heißt es in einer Rezension der Zeitschrift „Sparkasse“ über die Schrift von Berthold Michael: „Es ist dieses die fleißige und wohlgelungene Erstlingsarbeit eines jungen Gelehrten, die von jedem Sparkassenbeamten nicht nur mit Interesse gelesen sondern auch mit Eifer studiert werden sollte.“

Im Alter von nur 28 Jahren hatte der Sohn des Berliner Genremalers Max Michael an der altehrwürdigen Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sein 84-seitiges Werk „Ueber die Ausdehnung der Thätigkeit der Sparkassen, insbesondere die Pflege des Checkverkehrs durch dieselben“ eingereicht, um die Doktorwürde zu erlangen.*

Mit seiner Arbeit brachte Berthold Michael ein für die Sparkassen wichtiges Thema aufs Tapet: Den Scheckverkehr. Durch diesen sollte die Bedeutung der Institute erhöht und die wirtschaftliche Förderung einer breiten Schicht des Mittelstandes begünstigt werden. Als positives Beispiel findet sich in der Schrift der Hinweis auf die Sparkasse Mühlheim an der Ruhr, die bereits 1884 die „Einführung eines Checkverkehrs bei der hiesigen Sparkasse“ bei der Königlichen Regierung, Abteilung des Innern zu Düsseldorf, beantragt hatte. Daraufhin stellte das Ministerium die Vor- und Nachteile des Scheckverkehrs gegenüber und entschied schließlich gegen den Antrag der Sparkasse. Ein Erlass von 1886 verbot den Sparkassenscheck sogar ausdrücklich. Drei Jahre später wurde dieses Verbot nochmals bekräftigt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 1892 konnte Michael zwar nicht wissen, aber vielleicht schon ahnen, dass die Umsetzung seiner Reformvorschläge noch einige Jahre dauern würde.

Erst die Wirtschaftskrise des Jahres 1907 gab den entscheidenden Anstoß zur Weiterführung des Themas. Die Geldversorgung der Wirtschaft sollte unabhängiger vom Bargeld organisiert werden. So wurde 1908 das Reichsscheckgesetz erlassen, das den bargeldlosen Zahlungsverkehr förderte, den Sparkassen die passive Scheckfähigkeit übertrug und die Einführung des Giroverkehrs ermöglichte. Bis heute gilt diese Entwicklung als Meilenstein in der Geschichte der Sparkassenorganisation, weil sie den Beginn der Herausbildung von Universalinstituten markiert.

In unserem historischen Buchbestand ist die vorliegende Dissertation die einzige aus dem 19. Jahrhundert mit Sparkassenbezug. Doch ist sie auch die älteste, die wir kennen? Eine Anfrage bei den Kollegen der Sparkassen-Bibliothek in Bonn ergab, dass sich der Dresdner Hans von Mangoldt bereits 1847 mit dem Sparkassenwesen wissenschaftlich auseinandergesetzt und eine Doktorarbeit „Über die Aufgabe, Stellung und Einrichtung der Sparkassen“ verfasst hatte. Auf beide Hochschulschriften lässt sich das Fazit des Rezensenten beziehen, das 1892 dem Michael’schen Werk galt: Sie konnten zu jener Zeit „als eine wertvolle Bereicherung der leider noch sehr dürftigen Sparkassen-Litteratur angesehen werden“.

 

*Das Wort „Check“ wurde im 19. Jahrhundert aus dem Englischen entlehnt. Zunächst gab es zwei Schreibweisen: check und cheque. In Deutschland setzte sich nach 1900 die eingedeutschte Form Scheck durch, s. a. Link.

  • Brandenburgischer Sparkassen- und Giroverband

    1924 bis 1945 brandenburgischer Verbandssitz in Berlin (Ansichtskarte unbek. Verlag, 1924; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Ein brandenburgischer Verbandssitz in Berlin

Im Wilhelminischen Kaiserreich führten die Sparkassen in Deutschland den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Form des Giroverkehrs ein. Zunächst wurde 1908 im Königreich Sachsen ein kommunaler Giroverband gegründet, dessen Mitglieder ab 1909 Überweisungen möglich machten. Die Girozentrale zur Abwicklung des sächsischen Überweisungsverkehrs befand sich in der Landeshauptstadt Dresden.

Weitere Länder folgten. So wurde zum Beispiel für die preußische Provinz Brandenburg am 23. März 1914 ein Giroverband der Kommunalverbände eingerichtet. Ehrenamtlicher Verbandsvorsteher war der Bürgermeister von Forst in der Niederlausitz. Bei der dortigen Stadtsparkasse eröffnete am 26. August 1914 die brandenburgische Girozentrale.

Der Umfang des Überweisungsverkehrs nahm stetig zu und die Verwaltung von der Provinzstadt aus war recht umständlich. Daher wurde der Verbandssitz am 1. September 1916 verlegt, nicht etwa nach Potsdam, sondern in die Reichshauptstadt. Die Geschäftsstelle und die Girozentrale befanden sich fortan in der Kronenstraße 61/63.

Im Frühjahr 1922 wurden der Giroverband und der bereits 1884 gegründete Brandenburgische Sparkassenverband zum Brandenburgischen Sparkassen- und Giroverband vereint. Zwei Jahre später bezog er sogar ein eigenes Geschäftsgebäude, in der  Alten Jakobstraße 130/132. Das hier abgebildete Objekt wurde am 11. Januar 1924  von der Lebensversicherungsgesellschaft „Viktoria“ erworben. Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der brandenburgischen Giroorganisation war der Umzug abgeschlossen.

Wie viele andere historische Bauten in Berlin, so wurde leider auch dieses repräsentative Haus im Zweiten Weltkrieg zerstört. Spreng- und Brandbomben ließen am 3. Februar 1945 lediglich den Tresor unversehrt. Eine erste Notunterkunft fand der Verband damals bei der Stadtsparkasse in Potsdam. Mit der Neugründung als Brandenburgischer Sparkassenverband am 1. August 1945 wurde schließlich die brandenburgische Landeshauptstadt offizieller Verbandssitz.

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    Die Ansichtskarte zeigt die Straßenpartie mit Sparkasse und Rathaus. (Verlag Georg Mugler, Papierhandlung, Oberlungwitz 1906; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

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    Die Ansichtskarte zeigt das Rathaus und die Sparkasse mit älteren Fahrzeugen vor dem Nachbargebäude. (Verlag Max Franke, Oberlungwitz, 1919; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Ansichten von Oberlungwitz

Vor 146 Jahren, im Jahre 1870, war der Startschuss für das Postkartenwesen in Deutschland. Alles begann mit der Amtseinführung des Generalpostdirektors Heinrich Stephan im April und dem Inkrafttreten der „Verordnung über die Einführung der Correspondenzkarte“ am 1. Juli 1870.  Unterzeichnet wurde dieser Erlass vom damaligen preußischen Ministerpräsidenten und Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes Otto von Bismarck.  Damals noch „Correspondenzkarte“ getauft, wurde sie zwei Jahre später in Postkarte umbenannt.

Im Jahre 1906 gelaufen – nur 110 Jahre jung – ist eine unserer ältesten Postkarten hier im Historischen Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes mit einem Sparkassengebäude-Motiv.  Sie zeigt in schlichtem Schwarz-Weiß die Straßenpartie mit Rathaus und integrierter Gemeindesparkasse im sächsischen Oberlungwitz. Das Historische Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes beherbergt zurzeit über 500 Post- und Ansichtskarten mit Sparkassenmotiven.

Und nun zu ein paar kleinen Eckdaten der Sparkasse in Oberlungwitz: Sie wurde 1893 gegründet. Ab 1943 endete bereits die Eigenständigkeit des Institutes. Die Sparkasse Oberlungwitz wurde am Jahresende in die Spar- und Girokasse Hohenstein-Ernstthal eingegliedert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Sparkassen in der sowjetischen Besatzungszone neu gegründet. In Oberlungwitz gab es ab dann eine Zweigstelle der Kreissparkasse Glauchau. Mit der großen Verwaltungsreform 1952 in der DDR bestand hier nun eine Zweigstelle der Kreissparkasse Hohenstein-Ernstthal. Seit 1996 gehört Oberlungwitz zum Geschäftsgebiet der Sparkasse Chemnitz.  Das Oberlungwitzer Rathaus mit Stadtverwaltung befindet sich heute noch in der Hofer Str. 203.  Die Sparkasse ist nicht mehr in diesem Gebäude untergebracht, sondern in der Hofer Str. 211.

Unsere zweite Postkarte mit dem Oberlungwitzer Rathaus ist dagegen eine „kleine Schönheit“ mit ihrer Farbigkeit und aufwendigen Ausführung. Der Gestalter der Postkarte hat sogenannte „Goldfenster“ am Rathaus und dessen Nachbargebäuden aufbringen lassen. Kippt man die Karte, erweckt es den Eindruck von an- und ausgehendem Licht. Dezent koloriert bis ins kleinste Detail ist die 1919 gelaufene Postkarte. Dieses Schmuckstück gehört zu den Lieblingsmotiven der Praktikantin.

Caroline Ludwig (Studentische Praktikantin im Archiv des OSV)

  • Historisches Archiv des OSV

    Historische Postkarten und weitere Fotos von zahlreichen Sparkassengeschäftsstellen standen zur Auswahl. Es galt, das passende Jahrzehnt dem Bild zuzuordnen. Alle Mitspieler fanden richtige Lösung. : © Historisches Archiv des OSV

  • Historisches Archiv des OSV

    Die Vorbereitungen am Messestand des Archivs sind in vollem Gange. Gleich geht's los und die ersten Veranstaltungsteilnehmer kommen ... : © Historisches Archiv des OSV

  • Historisches Archiv des OSV

    Mit Spaß am Spiel stellten sich die Sparkassenmitarbeiter der Herausforderung, Fotos des vergangenen Jahrhunderts in die richtige Zeit einzuordnen. : © Historisches Archiv des OSV

Schätzen Sie mal! Wie alt sind diese Fotos?

Das war die Aufgabe, die wir gestern vielen Kollegen unserer Verbandssparkassen stellten. Anlass war der 36. Vertriebsring im Kongresshotel am Templiner See in Potsdam. Dort kommen dreimal jährlich die Vertriebsmitarbeiter der ostdeutschen und schleswig-holsteinischen Sparkassen zusammen, um sich über neue Vertriebs- und Kommunikationskonzepte zu informieren.

Wir vom Historischen Archiv des OSV konnten nun bereits zum siebten Mal an unserem Messestand Sparkassengeschichte und -geschichten präsentieren. Sparkassengeschichte zum Anfassen, Inspirieren und Integrieren. Zum Anfassen – weil wir jedes Mal historische Objekte aus unserem Archiv ausstellen und erklären. Zum Inspirieren – da wir allen Kollegen, die an unseren Stand kommen, eine kleine Zeitreise anbieten und Möglichkeiten für History Marketing bzw. History Communication in Sparkassen aufzeigen. Last but not least stellen wir auch immer bereits vom Historischen Archiv umgesetzte Projekte vor, die den wertvollen Einsatz von Sparkassengeschichte(n) belegen.

Dieses Mal lag unser Fokus auf historischem Fotomaterial und dessen vielfältigsten Einsatzmöglichkeiten. In unserem Archiv lagern über 500 Ansichtskarten mit Sparkassengebäuden, von Wiek auf Rügen bis Klingenthal im Vogtland. Viele der Karten sind über 100 Jahre alt.

Hinzu kommt ein großer Fotobestand von mehr als 5.000 Bildern. Auch hier ist die Bandbreite sowohl geografisch als auch zeitlich enorm. Gern stellen wir unseren 45 Mitgliedssparkassen historisches Bildmaterial zur Verfügung.

Sie planen ein Event zum Jubiläum, möchten einen Sparkassenkalender herausgeben oder Ihre Geschäftstellen mit historischen Fotos verschönern? Melden Sie sich. Wir helfen gern weiter.

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    Die Ansichtskarte zeigt das Schild der Sparkasse am Rathaus. (Ansichtskarte Kunstverlag W. Meyerheim in Berlin, 1925; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

130 Jahre Sparkasse in Werder (Havel)

Am 1. November 1886 war es soweit. Im Kämmereikassenraum des Rathauses der brandenburgischen Stadt Werder (Havel) eröffnete eine Sparkasse. 40 Jahre lang befand sie sich in dem Gebäude, gelegen in der historischen Altstadt auf der Havelinsel. Im Interesse der Kundschaft wurde die Geschäftsstelle dann 1926 in das neue Stadtzentrum verlegt. Die Adresse lautete nun: Unter den Linden 14. Neun Jahrzehnte später ist in der Eisenbahnstraße 201 eine Sparkassenfiliale zu finden.

Doch zurück zu den Anfängen. Der Magistrat unter Bürgermeister Franz Dümichen und die Stadtverordnetenversammlung beschlossen im Jahr 1885 die Gründung auf Anregung des Brandenburgischen Städtetages. Als eine Einrichtung zur Selbsthilfe war die Sparkasse gedacht. Der Vorstand des Städtetages wollte das Vorsorgen durch regelmäßges Sparen fördern.

„Es soll der kleine Mann, für den die Uebung wirthschaftlicher Tugenden gradwegs eine Lebensfrage ist, zu Fleiß, Ordnung und Mäßigkeit angeregt, durch eigene Kraft wirthschaftlich gehoben werden; er soll in dem ersparten Kapital ein Hilfsmittel für den Fall der Noth, für den Fall fehlender Arbeit erhalten.“

Nach zwei Monaten Geschäftsbetrieb existierten bei der Stadtsparkasse 75 Sparbücher mit insgesamt 6.499,29 Mark Guthaben. 1892 gab es bereits über 1.000 Bücher und 1902 schon über eine Million Mark Einlagen. Dem Gründungsauftrag nach sollte mit den Kapitalien dem Bedürfnis der Mitbürger nach Grundkredit entgegengekommen werden. Ab 1888 sind Darlehn gegen Hypotheken oder Grundschuld belegt. Außerdem konnten Bürger durch Faustpfand, Schuldschein oder Wechsel Kredit bekommen.

Die Stadtsparkasse konnte „Überschüsse“ verbuchen und Rücklagen bilden. Als diese für 1908 die vorgeschriebene Höhe erreicht hatten, durfte dem Träger Geld für gemeinnützige Zwecke überwiesen werden. Die Stadt erhielt auf Beschluss der Aufsichtsbehörden 8.356,42 Mark. Auch die Verwendung war von der Zustimmung des Potsdamer Regierungspräsidenten abhängig. Wofür der Betrag wohl ausgegeben wurde? Dafür gibt es womöglich Belege im Brandenburgischen Landeshauptarchiv und im Archiv der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam.