• Formular Überweisung Giro

    Im Deutschen Sparkassenkalender wurde das Stettiner Formular 1913 veröffentlicht. : © Historisches Archiv des OSV

Ein Formular für einen einheitlichen Giroverkehr

Vor mehr als 100 Jahren begann der Wandel der Sparkassen zu modernen Universalinstituten. Ein sehr wichtiger Schritt auf dem Weg war die Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Besonders verdient machte sich bei seiner Etablierung der Nossener Bürgermeister Dr. Johann Christian Eberle. Zunächst wurde der Giroverkehr 1909 im Königreich Sachsen aufgenommen. Der nächste deutsche Landesteil, in dem Überweisungen getätigt werden konnten, war 1912 die Provinz Pommern im Königreich Preußen.

Hier entstand ein zweiter kommunaler Giroverband. Seine Geschäftsführung lag bei der Sparkasse Stettin. Von ihr ist ein informativer „Wegweiser für die Einführung des Giroverkehrs in Preußen“ in unserem Archiv überliefert. Er enthält auch ein Musterformular für Überweisungen, das dann sogar vom Deutschen Sparkassenverband zur einheitlichen Verwendung empfohlen wurde.

Zu seiner Nutzung, damals vor allem durch Geschäftsleute, gab die pommersche Sparkasse wichtige Tipps. So sollte die Kundschaft beim Ausfüllen per Hand unbedingt den Kopierstift benutzen. Dieser stellte vor der Erfindung des Kugelschreibers das einzige dokumentenechte Schreibgerät dar. Seine Schrift war nur schwer wegzuradieren, wobei das Papier beschädigt wurde. Überweisungen, bei denen die Sparkasse Radierungen oder Änderungen feststellte, wurden von ihr zurückgewiesen. Ebenso waren Zusätze, die nicht dem Vordruck entsprachen, unstatthaft. Die genauen Inhalte sollten natürlich leserlich eingetragen werden.

Aber was für Angaben waren zu leisten? Dies können Sie auf der Abbildung erkennen. Heute müssen Kundinnen und Kunden der Sparkasse nicht mehr unbedingt zu Stift und Papier greifen. Sie können zum Beispiel bequem per Online- oder Mobile-Banking Transaktionen durchführen.

  • Ansichtskarte Luftschiffhafen, vor 1922 (K.H.B. Verlag)

    Eingangsgebäude zum Gelände des Luftschiffhafens, auf dem im September 1911 der erste Zeppelin, die „Schwaben“, landete (Ansichtskarte Luftschiffhafen, vor 1922, K.H.B. Verlag, Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Der ehemalige Eingang zum Luftschiffhafen führt heute zum "Sportpark Luftschiffhafen".

    Der ehemalige Eingang zum Luftschiffhafen führt heute zum "Sportpark Luftschiffhafen". : © Historisches Archiv des OSV

„Zeppeline über der Havel“

Unser Historiker, Thomas Einert, geht wieder einmal auf Vortragstour. Diesmal wird er im Rahmen des 11. Industriekulturabends des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs e.V. das Thema „Luftschiffhafen und Luftschiffwerft an der Pirschheide“ beleuchten.

Sie wollen wissen, was das Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes mit Luftschiffen zu tun hat? Ganz einfach: Ein Standort des Verbandes ist das Gelände des ehemaligen Luftschiffhafens in Potsdam. Auch unser Archiv befindet sich dort. Die Adresse „Am Luftschiffhafen 1“ erinnert noch heute an die Geschichte des Areals, wo an der Stadtgrenze Potsdams zwischen 1911 und 1912 ein Luftschiffhafen mit einer riesigen Doppelhalle für Zeppeline entstand. Es wurden auch Werkstätten eingerichtet, um einen Werftbetrieb aufzunehmen und Luftschiffe für das Militär zu bauen. 1916 musste die Produktion eingestellt werden, da die Halle mittlerweile zu klein geworden war. Ihr Abriss erfolgte schließlich 1922 infolge der Bestimmungen des Versailler Vertrages.

Sie wollen mehr wissen? Dann schauen Sie vorbei!

Wo? Im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Kutschstall, Am Neuen Markt 9, in 14467 Potsdam.
Wann? Am 27. Februar 2015 um 18.00 Uhr.

  • Denkmal für Bienert in Dresden Plauen

    Im Dresdner Stadtteil Plauen wurde sogar ein Denkmal für Bienert errichtet. : © Folkard Wunderlich

  • Sparbuch Dresden 1909

    Das älteste Dresdner Sparbuch, das sich im Historischen Archiv des OSV befindet, wurde 1909 ausgestellt. Der Name des Kunden wurde retuschiert. : © Historisches Archiv des OSV

Bienerts Dresdner Sparbücher

Dies ist Gottlieb Traugott Bienert (1813-1894), ein in Dresden sehr bekannter Mann. Er betrieb unter anderem die Hofmühle im Stadtteil Plauen und schaffte es, in der sächsischen Landeshauptstadt zum Großindustriellen aufzusteigen. Bienert war zu Lebzeiten sozial engagiert. Auch noch nach seinem Tod wollte er Gutes bewirken, verfügte dies in seinem Testament. Dazu fand sich in der Zeitschrift des Deutschen-Sparkassenverbandes, „Die Sparkasse“, vom 1. Januar 1895 eine interessante Meldung.

Demnach vermachte er der Stadt Dresden eine Million Mark für wohltätige Zwecke. Ein Teil der Zinsen dieses Stiftungsgeldes sollte dazu verwendet werden, jährlich bis zu 20 armen Waisenkindern Sparbücher über 500 Mark auszustellen. Diese Jungen und Mädchen sollten sich aber durch Fleiß und Sittlichkeit ausgezeichnet haben. Da Bienert selbst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war, wollte er den jungen Menschen den Start ins Leben erleichtern und sie zum weiteren Sparen motivieren. Zusammen mit den Sparkassenbüchern wurde den Kindern seine Autobiografie überreicht. Während der Minderjährigkeit durften sie nur über die Zinsen und erst mit Erreichen des 25. Lebensjahres über das Startkapital sowie das selbst gesparte Geld verfügen.

Durch Bienerts Vermächtnis bekam also die Sparkasse der Stadt Dresden einige neue junge Kundinnen und Kunden, die ihr dann hoffentlich auch als Erwachsene treu geblieben sind. Insgesamt gab es 1895 bei der Großstadtsparkasse 224.706, zehn Jahre später bereits 329.679 und 1915 sogar 401.494 Sparbücher. Nur sehr wenige Dresdner Sparkassenbücher aus dieser Zeit sind im Historischen Archiv des OSV vorhanden. Die Ostsächsische Sparkasse verfügt jedoch über eine umfangreiche Überlieferung, die von Herrn Folkard Wunderlich betreut wird. Vielleicht sind dort auch einige der gestifteten Sparkassenbücher erhalten?

  • Schecks von Sparkassen der DDR

    Die Scheckformulare der ostdeutschen Sparkassen stammen aus den 1980er-Jahren. : © Historisches Archiv des OSV

Schon vor über 40 Jahren: Einheitliche Kontonummern

Seit einiger Zeit haben wir alle mit der IBAN (International Bank Account Number) zu tun. Dies ist eine standardisierte 22-stellige Kontonummer, die den Zahlungsverkehr innerhalb des Euro-Zahlungsraums einheitlich gestaltet. Am Anfang der Nummer steht das Länderkennzeichen, in der Bundesrepublik Deutschland „DE“. Dann kommt eine zweistellige Prüfziffer. In Deutschland folgen darauf die Bankleitzahl und die bisherige Kontonummer. Wenn diese Kontonummer weniger als zehn Stellen hat, werden in der Regel vor ihr Nullen eingefügt. Hier können Sie das Ganze noch einmal nachlesen oder Ihre IBAN berechnen.

Einheitliche, lange Kontonummern sind aber keine neue Erfindung. Bereits in der DDR wurden sie eingeführt, waren Voraussetzung für den Einsatz der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) im Zahlungsverkehr ab 1972.

Die eindeutigen Kontonummern, die auch die Funktion der Bankleitzahl hatten, finden wir zum Beispiel auf den abgebildeten Schecks wieder. Sie stammen von Sparkassen im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt. Länder gab es damals aber nicht, sondern Bezirke und Kreise. Drei Ziffern stellten hier den jeweiligen Kreis dar. Durch die „2“ wurde das Geldinstitut und durch die „4“ die Kontenart bezeichnet. Es folgte eine Prüfziffer. Am Schluss stand die Nummer der Kundin beziehungsweise des Kunden. So hatten die Kontonummern insgesamt minimal sieben und maximal 12 Stellen. Durch Bindestriche wurden sie lesbarer.

  • Sparbuch mit Kontrollmarke von 1913

    © Historisches Archiv des OSV

Eine besondere Marke – Die Kontrollmarke

Hier sehen wir ein weiteres, altes und besonderes Sparkassenbuch aus unserem Archivbestand. Es wurde 1913 zusammen mit einer Kontrollmarke ausgegeben. Diese Marken dienten als Mittel der Sicherung gegen unbefugte Abhebungen. Legitimationsprüfungen mussten damals nicht unbedingt stattfinden. Außerdem gab es zu der Zeit noch keine allgemeinen Personalausweise für alle Menschen. Den Sparkassen war es gesetzlich gestattet, bei Vorlage des Buches Auszahlungen vorzunehmen. Wenn also ein Sparkassenbuch entwendet wurde und der rechtmäßige Inhaber es nicht gleich bemerkte und meldete, konnte der Dieb versuchen, sich Geld zu holen.

Um dies zu verhindern, gaben Sparkassen Kontrollmarken aus. Diese bestanden zum Beispiel aus dem Leichtmetall Aluminium. Sie waren zweckmäßigerweise mit der gleichen Nummer wie das Sparbuch gekennzeichnet, das einen entsprechenden Stempel bekam. Fortan durften Rückzahlungen nur bei gleichzeitiger Vorlage des Buches und der Marke erfolgen. Die Kunden wurden darauf hingewiesen, beide Objekte getrennt voneinander aufzubewahren. Die Kontrollmarken, die mit einem Loch versehen waren, konnten zum Beispiel bequem am Schlüsselring befestigt oder in der Geldbörse untergebracht werden.

Und wie verhält es sich heute, 100 Jahre später, mit den Möglichkeiten zur Sicherung des Sparkassenbuches? Dazu können Sie hier etwas lesen.

  • Herzberg Landrat Sommer

    Der Herzberger Landrat Christian Friedrich August Sommer war Vorsitzender des Sparkassen-Kuratoriums. Er kontrollierte selbst den Geschäftsbetrieb der ersten Kreissparkasse im Verbandsgebiet. (Abb. in: Sparkasse des Schweinitzer Kreises (Hrsg.): 100 Jahre Kreissparkasse Herzberg, 1937, S. 12; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Revisionen der Sparkassenverwaltungen – Die Anfänge

Im letzten Jahr konnten Sie im Sparkassengeschichtsblog bereits einen Beitrag zu den ersten Sparkassenverbänden und ihren Prüfern lesen. Die Revision bekam natürlich nicht erst im Wilhelminischen Kaiserreich am Ende des 19. Jahrhunderts Bedeutung. Bereits bei den ersten kommunalen Sparkassengründungen Jahrzehnte zuvor wurde in den Satzungen festgelegt, dass interne Prüfungen zu erfolgen hatten. Zwei Beispiele möchte ich Ihnen heute in Originalschreibweise vorstellen.

So sah etwa § 13 des Statuts der ersten kommunalen Sparkasse im OSV-Gebiet, die nachweislich am 1. Oktober 1822 von der Stadt Frankfurt an der Oder eröffnet wurde, vor:

„Monatlich müssen die Vorsteher die Kasse revidieren, und zu dieser Revision ist sowohl der Magistrat als die Stadtverordneten-Versammlung berechtigt, noch besondere Deputirten zu schicken, so wie auch außerordentliche Kassenrevisionen zu veranstalten. Der Abschluß und das Revisions-Protokoll werden dem Magistrat und der Stadtverordneten-Versammlung vorgelegt.“

Und in § 16 der Satzung der ersten Kreissparkasse, die am  1. August 1837 in Herzberg an der Elster die Geschäftstätigkeit aufnahm, ist zu lesen:

„Der Rendant hat monatlich einen Kassen-Extract einzureichen und die Kasse wird am letzten Tage jedes Vierteljahres von dem Kreis-Landrath, unter Zuziehung des Deputierten […], regelmäßig, außerdem aber auch noch mehrmals im Jahre extraordinair revidiert.“

Für diese beiden und auch alle anderen preußischen Sparkassen galt nach einer königlichen Verordnung vom 19. August 1823, dass die Kassenverwaltungen an einem bestimmten Tag jeden Monat eine ordentliche Revision durchführen mussten. Außerordentliche Prüfungen waren mindestens einmal jährlich anzusetzen, ohne die Kassenbeamten zu unterrichten.