• Ansichtskarte Stadttheater Halle 1910

    Die Stadt finanzierte mit Gewinnen ihrer Sparkasse unter anderem das Theater. (Ansichskarte Verlag Hans Duckow in Halle a. S., versendet 1910; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Das gesellschaftliche Engagement der Sparkasse in Halle (Saale)

Weil das gesellschaftliche Engagement für die Sparkassen ein wichtiges Thema war und ist, folgt dem Beitrag vom 12. Februar nun ein weiterer Einblick in die Historie, diesmal der Saalesparkasse. 1819 gründeten Hallenser Bürger eine Sparkasse, die dann auf die 1857 eröffnete Stadtsparkasse überging. Sie entwickelte sich zur größten kommunalen Sparkasse im Regierungsbezirk Merseburg. Eine Denkschrift zum 50-jährigen Jubiläum zeigt ihre Erfolgsgeschichte. Das Werk behandelt auch ausführlich das soziale Engagement. So ist etwa überliefert, für welche gemeinnützigen und wohltätigen Zwecke die Stadt als Gewährträgerin allein im Jahr 1906 „Überschüsse“ ihrer Sparkasse verwendete.

 

  • Unterhaltung der Anlagen in den Pulverweiden 2.500 Mark
  • Beitrag an den Verschönerungsverein 1.000 Mark
  • Aufforsten städtischen Ödgeländes 500 Mark
  • Bepflanzung der Kommunikationswege 1.000 Mark
  • Für Verschönerungszwecke 5.500 Mark
  • Für das Stadttheater 41.439 Mark
  • Für die Zwecke des städtischen Museums 13.000 Mark
  • Beitrag an den Kunstverein 300 Mark
  • Vergütung an den Dirigenten des Stadtsingechors 300 Mark
  • Beitrag an den Kunstgewerbeverein 500 Mark
  • Beitrag an das Germanische Museum in Nürnberg 100 Mark
  • Beitrag an den Verein zur Erhaltung der Denkmäler in der Provinz Sachsen 100 Mark
  • Zum Fonds für den Ausbau der Moritzkirche 6.454,09 Mark
  • Zum Fonds für den Ausbau der Moritzburg 6.454,08 Mark
  • Zur Unterstützung von Witwen und Waisen städtischer Beamten 1.000 Mark
  • Zur Unterstützung von nicht angestellten städtischen Bediensteten und deren Familien 3.000 Mark
  • Beitrag an das bakteriologische Untersuchungsamt 3.300 Mark
  • Betriebskosten der Desinfektionsanstalt 16.430 Mark
  • Für Benutzung der Flussbäder durch Volksschüler 600 Mark
  • Für Schreibmaterialien und Bücher bedürftiger Schüler 7.787 Mark
  • Für Näh- und Strickmaterialien bedürftiger Schülerinnen 770 Mark
  • Betriebskosten der Haushaltungsschule 5.100 Mark
  • Beitrag zu den Kosten des Mädchenhorts 450 Mark
  • Vergütung für den unentgeltlichen Besuch des Zoologischen Gartens durch Schulkinder 4.000 Mark
  • Mehrausgabe für Hilfsschule 12.640 Mark
  • Für warmes Frühstück an arme Kinder der städtischen Volksschulen während des Winters 5.000 Mark
  • An die Kliniken für die poliklinische Behandlung der kranken Armen 14.200 Mark
  • Vergütung für die ärztliche Behandlung der Armen in den Vororten 1.000 Mark
  • Beihilfe an den Frauen-Verein Halle-Giebichenstein 1.000 Mark
  • Kosten der Naturalverpflegungsanstalt 8.700 Mark
  • Zuschuss zur Theodor Schmidt-Stiftung (Kinderasyl) 2.359 Mark
  • Zur Unterstützung der Kinderbewahranstalten und der Krippe 1.240 Mark
  • Zuwendungen an die Kinderhorte 8.800 Mark
  • Unterstützung für verschämte Arme 13.000 Mark
  • Für bau- und kunsthistorische Gegenstände 1.000 Mark
  • Beitrag an den deutschen Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke 100 Mark
  • Beitrag an den Verein zur Errichtung von Trinkerheilstätten 100 Mark
  • Beitrag an die Mädchenherberge „Marthahaus“ 500 Mark
  • Beitrag zum Arbeitsnachweis 3.000 Mark
  • Beitrag für die Ferienkolonien 1.000 Mark
  • Beitrag zur Abhaltung von Turnspielen 500 Mark
  • Beihilfe an die Kinder-Heil- und Pflegestätte 400 Mark
  • Zuschuss zu den Freibädern 6.235 Mark
  • Zuschuss zu den Frei-Eisbahnen 750 Mark
  • Konto-Gegenbuch Sparkasse Doemitz 1924

    © Historisches Archiv des OSV

Ein Konto-Gegenbuch für den Giroverkehr

Im letzten Blogbeitrag sahen Sie ein Rechnungsbuch, das in Sachsen beim Überweisungsverkehr genutzt wurde. Für den Giroverkehr waren in dem Land zunächst aber nicht die Sparkassen selbst zuständig. In anderen Teilen Deutschlands konnte hingegen per Überweisung direkt über Spareinlagen verfügt werden. Dem Hannoverschen Sparkassenverband angeschlossene mecklenburgische Institute führten den Giroverkehr ab 1917 ein. Zu den ersten gehörte die Stadtsparkasse in Dömitz an der Elbe. Hier diente ein Konto-Gegenbuch zur Übersicht der Zahlungen. Gutschriften und Lastschriften finden sich etwa in diesem Exemplar, das ein Landwirt aus Quickborn auf der anderen Seite des Flusses ab 1924 nutzte.

  • In diesem Rechnungsbuch verzeichnete ein Fleischermeister in Lindenthal (Leipzig) ab 1930 Überweisungen. Der Ort nahm bereits vor 110 Jahren am kommunalen Giroverkehr teil. : © Historisches Archiv des OSV

Die ersten sächsischen Girokassen

Im Königreich Sachsen wurde bekanntlich zuerst der bargeldlose Zahlungsverkehr durch das Engagement von Dr. Johann Christian Eberle eingeführt. Am 5. Oktober 1908 fanden sich Vertreter sächsischer Stadt- und Landgemeinden in Dresden zusammen und gründeten den Giroververband Sächsischer Gemeinden. Sie wollten Girostellen einrichten, um den Überweisungsverkehr durchführen zu können. Diese Girokassen wirkten neben den Sparkassen. Die Geschäftsführung war getrennt, auch wenn dasselbe Personal im gleichen Gebäude zuständig war. Am 2. Januar 1909 wurde der Giroverkehr in Sachsen mit einer Verrechnungsstelle (Girozentrale) in der Landeshauptstadt aufgenommen. Im Historischen Archiv des OSV ist eine Liste vom 20. Februar 1909 überliefert, die alle am Überweisungsverkehr teilnehmenden Mitgliedsgemeinden beinhaltet. Sie sehen sie hier in alphabetischer Reihenfolge.

Adorf im Vogtland – Annaberg – Aue – Auerbach im Vogtland

Bautzen – Berggießhübel – Bernstadt – Bischofswerda – Böhlitz-Ehrenberg Borna – Brand bei Freiberg – Briesnitz – Brunndöbra – Buchholz – Burgstädt

Callnberg – Colditz – Copitz – Crottendorf im Erzgebirge

Dippoldiswalde – Dittersdorf im Erzgebirge – Döbeln – Döhlitz – Dohna

St. Egidien – Ehrenfriedersdorf – Eibenstock – Einsiedel – Elsterberg Elterlein – Engelsdorf-Sommerfeld

Falkenstein – Flöha – Frankenberg – Freiberg – Frohburg

Geithain – Geringswalde – Gersdorf im Bezirk Chemnitz – Geyer – Glauchau Göppersdorf bei Burgstädt – Gottleuba – Groitzsch – Großenhain Großröhrsdorf bei Pulsnitz – Großzschocher-Windorf – Grüna bei Chemnitz

Hainichen – Hartha – Hartmannsdorf im Bezirk Leipzig – Hohenstein-Ernstthal

Kamenz – Kirchberg – Klingenthal – Kohren – Königstein – Kötzschenbroda Kreischa

Lausigk – Lauter – Leisnig – Lengefeld – Leuben bei Dresden – Leubnitz bei Werdau – Leutzsch – Lichtenstein – Liebertwolkwitz – Liebstadt – Limbach Lindenthal – Löbau – Lößnitz – Lohmen – Loschwitz – Lugau – Lunzenau

Marienberg – Markneukirchen – Markranstädt – Meerane – Meißen Mittweida – Mockau – Möckern – Mügeln bei Pirna – Mylau

Naundorf bei Kötzschenbroda – Netzschkau – Neusalza – Neustadt Neustädtel – Niederplanitz – Niederschlema – Nossen

Oberfrohna – Oberlungwitz – Oberplanitz – Oberschlema – Oederan Oelsnitz im Vogtland – Oetzsch bei Leipzig – Olbernhau – Oschatz

Pausa – Pegau – Penig – Pirna – Pulsnitz

Radebeul – Radeburg – Reichenbach im Vogtland – Riesa – Rochlitz Rodewisch

Sayda – Scheibenberg – Schlettau – Schneeberg – Schönefeld – Schönheide Schwarzenberg – Sebnitz – Siebenlehn – Siegmar – Stollberg – Stolpen Strehla

Taucha – Thum – Tolkewitz – Treuen

Wahren – Waldenburg – Waldkirchen bei Zschopau – Weinböhla Weißenberg – Werdau – Wilkau – Wittgensdorf bei Chemnitz – Wolkenstein Wurzen

Zittau – Zöblitz

  • Kinder vor der Städtischen Sparkasse in Mühlberg/Elbe (Abb. Ausschnitt Ansichtskarte Verlag F. Elteste in Mühlberg a. E., versendet 1908; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Das Engagement der Sparkasse in Mühlberg/Elbe

Schon lange engagieren sich Sparkassen für die Gesellschaft. Als sie noch unselbstständige kommunale Einrichtungen waren, beschlossen etwa Stadtverwaltungen mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden die zweckgebundene Verwendung von sogenannten Überschüssen. Nach Bildung ausreichender Sicherheitsreserven konnten auf diese Weise bestimmte Projekte im Geschäftsgebiet, in dem Fall im Stadtkreis, gefördert werden. Interessante Hinweise auf das historische Engagement finden wir heute zum Beispiel in alten Festschriften.

So berichtete bereits die Sparkasse in Mühlberg an der Elbe anlässlich ihres 40. Geburtstags am 1. Oktober 1906 von ihren bisherigen Leistungen für die Allgemeinheit. Man hatte sich unter anderem an den Ausrüstungskosten der Freiwilligen Feuerwehr und der Kirchensanierung beteiligt. Auch an die Jugend war gedacht worden. Mit Sparkassengewinnen wurde eine Kleinkinderschule, also ein Kindergarten, errichtet und unterhalten. Des Weiteren war Geld für den Bau einer Turnhalle geflossen.

  • © Historisches Archiv des OSV

Zeit ist Geld

3,5 Prozent Zinsen gab es vor 100 Jahren bei der Sparkasse in Leipzig, der einlagenstärksten in Sachsen. Die Verzinsung begann gemäß der Satzung mit dem Tag der Einzahlung und hörte mit dem Tag der Rückzahlung auf. Die Zinserträge konnten jährlich vom 2. bis zum 31. Januar zu den üblichen Geschäftszeiten abgehoben werden. Dabei war das Sparkassenbuch vorzulegen. Wenn man nicht zur Auszahlung vorbeikam, wurden die Zinsen auf das Guthaben gerechnet und weiter verzinst. Dies konnte jede Kundin und jeder Kunde in der Sparkassensatzung nachlesen, die in allen Sparbüchern eingebunden war. Das Geldinstitut wies außerdem durch den abgebildeten Aufkleber auf dem Buchdeckel darauf hin, dass die Zinsen nicht verfielen. Offenbar war der Andrang im Januar groß. Man wollte der Kundschaft erklären, dass Schlange stehen nicht notwendig war. Wie viele Menschen sich aufmachten, um ihren Eintrag zu bekommen, ist leider nicht bekannt. Überliefert ist jedoch, dass es damals 415.380 Sparkassenbücher gab und 6,8 Millionen Mark Zinsen gutgeschrieben wurden.

  • Im Königreich Sachsen vermehrte sich die Zahl der Sparkassen enorm. : © Historisches Archiv des OSV

Das Land der vielen Sparkassen

In Sachsen wurde vor über 200 Jahren die erste Sparkasse im Verbandsgebiet des OSV gegründet. In dem Land gab es eine besondere Entwicklung des Sparkassenwesens, sodass schließlich 1919 sage und schreibe 370 Institute existierten. Dabei handelte es sich um 369 kommunale Geldinstitute und die Fürstlich-Schönburgische Sparkasse in Waldenburg. Besonders zahlreich sind Sparkassen in der Trägerschaft von Stadt- und Landgemeinden im Königreich Sachsen gegründet worden. Kreissparkassen mit Zweigstellen wie in Preußen gab es nicht. Lediglich einige Gemeindeverbandssparkassen entstanden. Filialen hatten vor allem die Großstadtsparkassen. Dominierend waren aber in der Fläche die etlichen eigenständigen Kleinsparkassen. Vor allem in der Mitte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrte sich der Bestand deutlich. Der Höhepunkt war vor 100 Jahren erreicht. Danach ging die Zahl zurück. Heute bestehen im Freistaat Sachsen zwölf Sparkassen.