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Der Eilenburger Bienenkorb

Dass der Bienenkorb von Sparkassen früher als Werbemotiv eingesetzt wurde, ist schon mehrfach in unserem Blog veranschaulicht worden. Er begegnete uns zum Beispiel auf Spardosen. Auch auf Sparkassenbüchern finden wir ihn wieder. Äußerst selten ist jedoch die altertümliche Darstellung, die dieser Aufkleber auf einem 100 Jahre alten Sparbuch zeigt. Sogar für die Mitte des 19. Jahrhunderts ist diese Gestaltung für die Eilenburger Stadtsparkasse belegt. Vermutlich kam der überdachte Bienenstock bereits im Gründungsjahr 1843 zum Einsatz. Das Sinnbild sollte die Kundinnen und Kunden bekanntlich an das Vorsorgen erinnern. Für den Winter benötigt das Bienenvolk Vorräte. Fleißig wie die Bienen sollte auch die Sparkassenkundschaft sammeln, nicht etwa Pollen und Nektar, sondern Geld. Dabei hatte man natürlich nicht nur Notzeiten, sondern stets auch Lebensziele im Blick.

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Währungspolitik im Zweiten Weltkrieg

Vor 75 Jahren verfassten der Heimatschriftsteller Fritz Resch und der Sparkassendirektor Paul Walther ein Manuskript für eine Chronik der Stadtsparkasse Glauchau. Mitten im Zweiten Weltkrieg – fast alle männlichen Beschäftigten waren bei der Wehrmacht, einer war bereits gefallen, die einzige Zweigstelle „aus kriegsbedingten personellen Gründen“ geschlossen – widmeten sich die Herren der Historie. Offiziell gab es die am 3. Juni 1844 eröffnete Stadtsparkasse schon gar nicht mehr. Der Reichswirtschaftsminister hatte aus Rationalisierungsgründen eine Fusion zur Kreisspar- und Girokasse Glauchau angeordnet. Die Autoren lieferten trotzdem zum 100. Geburtstag eine Erfolgsgeschichte des Unternehmens.

Zweifelsohne bietet dieses Werk aus unserem Archivbestand interessante Informationen zur Glauchauer Sparkassengeschichte.  So erfahren wir zum Beispiel, dass vor 175 Jahren der Tanzsaal im Rathaus die erste Geschäftsstelle war. Es tritt aber an manchen Stellen die Ideologie des Nationalsozialismus deutlich zu Tage. Von den „unheilvollen Machenschaften des Weltjudentums“ schrieb Walther zum Beispiel im Zusammenhang mit der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg. Die Währungspolitik des NS-Regimes stellte er heraus. So sei die Kaufkraft der Reichsmark im Zweiten Weltkrieg durch „straffe Wirtschafts- und Verbrauchslenkung, durch Lohn- und Preisstopps“ gesichert worden. Der Glaube an eine stabile Währung war wichtig für Sparkasse und Staat.

Tatsächlich blieb die Teuerungssrate niedrig, obwohl die Geldmenge enorm vermehrt wurde. Der riesige Überhang an Geld, dem keine Güter zum Kaufen gegenüberstanden, führte zu einer rasanten Steigerung der Spareinlagen. Diese haben sich in Glauchau von Ende 1939 bis Ende 1943 mehr als verdreifacht. Sparkassen schöpften, zum Beispiel durch das Eiserne Sparen, überschüssige Kaufkraft ab und trugen mit der Zeichnung von Reichsanleihen zur Kriegsfinanzierung bei. Der Staat verschuldete sich massiv. Durch seine Politik ruinierte er die Währung.

  • Solche Werbemarken klebten die sächsischen Sparkassen zum Beispiel 1921 auf Sparbücher. : © Historisches Archiv des OSV

Die Gründung einer Versicherungsanstalt der sächsischen Sparkassen

Im Dresden fand vor genau 100 Jahren die Gründungsversammlung einer öffentlichen Lebensversicherungsanstalt der Sparkassen im Freistaat Sachsen statt. Der Verbandsvorsteher Dr. Johann Christian Eberle war es, der im Versicherungsgeschäft eine Möglichkeit erkannt hatte, die Kundenbindung der Sparkassen zu intensivieren. Wenn Menschen nicht das Sparbuch als Mittel zum Vorsorgen bevorzugten, sondern lieber in eine Versicherung investierten, so mussten die Sparkassen mit der Zeit gehen. Die Produktpalette der kommunalen Geldinstitute wurde erweitert.

Mitglieder der neuen Versicherungsanstalt wurden aber nicht die sächsischen Sparkassen selbst, sondern ihre Träger. Vertreter von 140 Gemeinden waren bei der Gründungsversammlung am 26. Mai 1919 anwesend, von Adorf im Vogtland bis Zwönitz im Erzgebirge. Sie genehmigten einstimmig den Namen der Anstalt und berieten den Satzungsentwurf. Dieser wurde nach wenigen Änderungen ebenfalls einstimmig angenommen.  Man wählte einen Verwaltungsrat. Als Gründungsmitglieder galten alle Gemeinden, die bis zum 17. Juni  1919 ihren Beitritt erklärten. Sie beteiligten sich per Umlage am Stammkapital sowie an einem Einrichtungs- und an einem Verwaltungskostenvorschuss.

Doch erst am 22. Dezember des Jahres segnete das sächsische Ministerium des Innern die Satzung der Anstalt ab. Es folgten Verhandlungen zur Mitgliedschaft im Verband der öffentlichen Lebensversicherungsanstalten Deutschlands. Da das Ministerium der Auffassung war, die Vorstandswahl sei erst nach der Satzungsgenehmigung rechtmäßig, wurde zur ersten Verbandsversammlung am 23. März 1920 eingeladen. Die Mitgliederzahl betrug nun schon 205. Die Wahl wurde wiederholt. Fünf Bürgermeister und drei Gemeindevorstände wurden einstimmig in den Vorstand gewählt.

Die Geschäftstätigkeit konnte dann am 1. April 1920 aufgenommen werden. Der erste Verwaltungsbericht betrachtet den Zeitraum bis Ende 1921. Abgeschlossen wurden demnach vor allem Kapitalversicherungen auf den Todesfall mit beziehungsweise ohne ärztliche Untersuchung. Es gab auch Rentenversicherungen. Mitte der 1920er-Jahre erfolgte die Umbenennung der Anstalt, weil nicht nur Lebensversicherungen angeboten wurden. Dazu können Sie in diesem Blogbeitrag weiterlesen.

  • Bestaetigung Sparkasse Penig 1849

    Die Bestätigung ist im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen auf Seite 108 abgedruckt. : © Historisches Archiv des OSV

Die Genehmigung der Sparkasse in Penig

Auf der Festung Königstein bestätigte der während des Dresdner Maiaufstands geflohene sächsische König Friedrich August II. vor 170 Jahren das Statut der Sparkasse in Penig. Ein besonderer Fall. Denn normalerweise holten Sparkassengründer die Genehmigung vor der Geschäftsaufnahme ein. Diese war in Penig 1847. 1849 wurde nachträglich eine Satzung abgesegnet, die gewisse Rechtsvorteile brachte. Nur von der Obrigkeit genehmigte Sparkassen sollten zum Beispiel zur Anlegung von Mündelgeldern genutzt werden.

Voraussetzung war natürlich eine ausreichende Sicherung der Einlagen. Darauf achteten die Aufsichtsbehörden. Sparkassen gab es damals in Sachsen unter der Garantie von Gemeinden sowie von Aktienvereinen oder Privatpersonen. Es existierten sogar genossenschaftlich organisierte Institute. Und wohl auch Mischformen. So ist zu lesen, dass in Penig der Erzdiakon Johann August Gotthold Göbel und seine Vereinsfreunde solidarisch haften wollten. Interessant ist, dass darüber hinaus eine subsidiäre Haftung der Stadt festgeschrieben wurde.

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Eberle auf dem Deutschen Sparkassentag

Gerade findet in den Hallen der Hamburg Messe der 26. Deutsche Sparkassentag statt. Dazu sind hochkarätige Referentinnen und Referenten geladen, die an zwei Tagen zu verschiedensten Themen sprechen. Über das vielfältige Programm der größten Zusammenkunft der Sparkassen-Finanzgruppe können Sie sich hier informieren.

Blicken wir 110 Jahre zurück, so war der Sparkassentag nicht viel mehr als die Mitgliederversammlung des damaligen Deutschen Sparkassen-Verbandes. Er fand am 4. Dezember 1909 im Charlottenburger Rathaus statt. Bedeutend war die Veranstaltung, weil es um die Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ging. Drei Referenten besprachen geeignete Formen. Einer von ihnen war der sächsische Verbandsvorsteher und Nossener Bürgermeister Dr. Johann Christian Eberle.

Er befürwortete eine Anpassung des Sparkassengedankens an die neue Zeit. Die Weiterentwicklung der Sparkassen sollte sich nach den realen Bedürfnissen des täglichen Lebens richten. Den bargeldlosen Zahlungsverkehr nannte er „einen neuen Trieb aus der alten Wurzel der Sparkassen“*. Auch der Verrechnungsverkehr konnte wirtschaftlich schwächer gestellten Menschen nützlich sein. Die Möglichkeit des Personalkredits für den Mittelstand thematisierte Eberle.

Seine engagierte Werbung für den Giroverkehr hatte Erfolg. Die dringende Notwendigkeit zur Modernisierung wurde von den Teilnehmern erkannt. Der Verbandstag empfahl mit überwältigender Mehrheit die Gründung von Überweisungsverbänden in den Ländern. Als geeignet galt dabei das in Sachsen seit Anfang 1909 praktizierte System. Nach diesem Vorbild sollte zunächst in Pommern 1912 der nächste Giroverband tätig werden.

* Die Rede findet sich in Die Sparkasse – Amtliches Fachblatt des Deutschen Sparkassen-Verbandes Nr. 668/1910 S. 1-3 und Nr. 669/1910 S. 21-23.

  • Anto Machowicz

    Von 1916 bis 1932 war Anton Machowicz Verbandsvorsteher. (Abb. in: Zehn Jahre Deutsche Kommunal- Giroorganisation, Denkschrift von Hermann Jursch, Direktor der Deutschen Girozentrale - Deutsche Kommunalbank, 1926; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Der Präsident des Brandenburgischen Sparkassen- und Giroverbandes

Vor längerer Zeit ist im Blog über den Brandenburgischen Sparkassen- und Giroverband berichtet worden, der seinen Sitz in Berlin hatte. Der Mitbegründer und langjährige Präsident des Verbandes hieß Anton Machowicz (1864-1951). Machowicz war Stadtrat, Bürgermeister, zeitweise auch Kämmerer der Stadt Schöneberg bei Berlin. Er wirkte ab 1916 als Vorsteher des 1914 gegründeten Giroverbandes der kommunalen Verbände der Provinz Brandenburg. 1922 wurde dieser mit dem Brandenburgischen Sparkassenverband zusammengelegt. Es entstand der Brandenburgische Sparkassen- und Giroverband, dem er bis 1932 vorstand.

Die Satzung definierte die Aufgaben des Verbandschefs so: „Der Verbandsvorsteher vertritt den Verband nach außen und vollzieht die den Verband verpflichtenden Erklärungen, stellt die Verbandsbeamten und das sonstige Personal an und übt die Dienstgewalt über sie aus.“ Verdienste erwarb sich Anton Machowicz durch seine Bemühungen zur Verbreitung des Giroverkehrs in Brandenburg. Auch an der Gründung der deutschen Sparkassen- und Giroorganisation war er maßgeblich beteiligt. Erster Präsident des DSGV wurde 1924 aber nicht er, sondern sein Stellvertreter, der frühere Seelower Landrat Dr. Ernst Kleiner.