• © Historisches Archiv des OSV

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Sparen für Weihnachten?

Das Geld für Weihnachtsgeschenke rechtzeitig zusammenzusparen, daran erinnerte die Niederbarnimer Kreissparkasse in ihrem Taschenkalender bereits Monate vorm Fest (Abbildung 2).  1930 war es noch unüblich, dass Sparkassen Kredite zu Konsumzwecken vergaben. Erst einige Jahrzehnte später führten sie den Konsumentenkredit ein. „Erst sparen, dann kaufen“, war für lange Zeit die Devise.

Und selbst zum Weihnachtsfest 1930 empfahl man den Kundinnen und Kunden, ihren Liebsten nicht etwa nur Konsumgüter, sondern zum Beispiel auch Sparbüchsen (Abbildung 3) zu schenken. Heimsparbüchsen waren damals das verbreitetste Mittel im Kleinsparwesen.  Mit ihnen wollten die Sparkassen insbesondere die  Jugend zum Sparen animieren. Schon in jungen Jahren sollte das Vorsorgen erlernt werden.

Nachdem die Inflation bis 1923 den Großteil der deutschen Sparguthaben vernichtet hatte, war in den Aufbaujahren danach jeder Sparpfennig wichtig. Die Sparkassen motivierten die Menschen zu dieser Zeit mit allerlei Werbesprüchen. Diese finden sich zum Beispiel im abgebildeten Kalender und begleiteten die Kundschaft über das ganze Jahr.

1.
In guten Tagen musst Du sparen,
dann hast Du auch in schlechten Jahren.

2.
Arbeit ist die große Kraft,
die mit Sparsinn Reichtum schafft.

3.
Der Müßiggang bringt Schand‘ und Not,
der Fleiß hingegen Ehr‘ und Brot.

4.
Mit wenigem kommt man aus,
mit vielem hält man Haus.

5.
Es ist auf Erd‘ kein schöner Kleid,
denn Tugend, Ehr‘ und Sparsamkeit.

6.
Verschwender passen zu Geld,
wie wenn sich Wasser zu Feuer gesellt.

7.
Erwerben und Sparen zugleich,
macht am gewissesten reich.

8.
Darben ist nicht Sparens Kern,
sparst Du recht, dann sparst Du gern.

9.
Fleiß, Sparsamkeit und Selbstvertrauen
halfen manches Haus erbauen.

10.
Wer nicht spart, sein Geld verzettelt,
der im Alter sicher bettelt.

11.
Rechtes Glück liegt allezeit
in Arbeit nur und Sparsamkeit.

12.
Besser ists’s im Buch gespart,
als im Beutel aufbewahrt.

  • Am 29. Oktober 1932 wurde das Sparbuch in der Hauptstelle der Sparkasse am Falkeplatz ausgestellt. : © Historisches Archiv des OSV

Weltspartag 1932 in Chemnitz

Den für heute vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband proklamierten Weltspartag nehmen wir zum Anlass, diesen Tag am 29. Oktober 1932 in Chemnitz zu betrachten. An diesem Weltspartag wurden die ausgegebenen Sparbücher mit einem besonderen Stempel versehen, dem Weltspartagstempel. Eines dieser Sparbücher befindet sich im Bestand des Historischen Archivs des OSV und ist oben abgebildet.

Im Geschäftsbericht der Städtischen Sparkasse zu Chemnitz für das Jahr 1932 wurden die Werbetätigkeiten, wie die Verwendung des Weltspartagstempels, der Sparkasse in Chemnitz dargestellt:

„Ihren Höhepunkt erreichte unsere Werbung am Weltspartag, für den wir folgende Maßnahmen durchgeführt haben:

1. Zustellung der Zeitschrift ‚Der Sparkassenbote‘ als Postwurfsendung an alle Chemnitzer Ärzte, Zahnärzte, Rechtsanwälte, Dentisten, Friseure, Hotels, Restaurationen und Gartenheime (Die Zustellung erfolgt seitdem regelmäßig).
2. Lieferung passender Zeitungshalter hierzu.
3. Veranstaltung eines Preisausschreibens in einer großen Tageszeitung.
4. Vorführung zeitgemäßer Werbefilme in 6 großen Chemnitzer Lichtspielhäusern.
5. Vorführung verschiedener Diapositive in kleineren Chemnitzer Lichtspielhäusern.
6. Anzeigenserien in den großen Chemnitzer Tageszeitungen.
7. Anzeigen in Zeitschriften und Vorortszeitungen.
8. Veröffentlichungen der Weltspartagspresseartikel in den Tageszeitungen.
9. Hinweis auf den Weltspartag und auf die Rundfunkvorträge im örtlichen Teil der Tageszeitungen.
10. Verteilung von Lesezeichen und Stundenplänen an alle Chemnitzer Volksschüler.
11. Verteilung von 2000 Stück der Broschüre ‚Wo bleibt mein Wirtschaftsgeld?‘
12. Verteilung von 5000 Stück des Deutschen Haus- und Sparkalenders.
13. Verteilung von 2000 Stück der Zeitschrift ‚Der Sparkassenbote‘.
14. Verteilung von 100 Stück der Zeitschrift ‚Sparkassen-Rundschau‘.
15. Verteilung bezw. Versendung von Werbematerial für die Landesbausparkasse Sachsen.
16. Versendung der Weltspartagausgabe der Deutschen Sparkassenzeitung an Beamten-, Lehr- und Standesvereine, an Berufs- und Fachvereine für Handel, Gewerbe und Industrie, an Innungen, an die bürgerlichen Bezirksvereine, an Militärvereine sowie an Turnvereine.
17. Plakatierung der Anschlagsäulen mit dem Plakat ‚Dein Spargroschen zur Sparkasse‘.
18. Aufdruck des Weltspartagstempels auf allen neu ausgegebenen Sparkassenbüchern.
19. Ununterbrochene Öffnung aller Kassenstellen von ¼ 9 – ½ 16 Uhr.
20. Beflaggung des Sparkassengebäudes, Ausschmückung der Kassenhalle sowie des zurzeit leerstehenden Ladens mit lebenden Pflanzen und Blumen.
21. Anbringung von großen Transparenten mit der Aufschrift ‚Weltspartag‘ am Sparkassengebäude.

Das Ergebnis unserer Werbung ist als gut zu bezeichnen. Sowohl in Bezug auf die Postenzahl wie auf den Einzahlungsüberschuß war das Ergebnis des Weltspartags 1932 befriedigend.“

 

Linda Brings
Studentische Mitarbeiterin im Historischen Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes

  • Eine Moderscheinung waren um 1900 Mondscheinkarten. (Abb. Ausschnitt Ansichtskarte Verlag Edgar Schmidt in Dresden, um 1900; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Vollmond über Dresden-Striesen

Der Vollmond steht romantisch über der Sparkassenfiliale im Dresdner Stadtteil Striesen. Doch was macht der Kinderwagen zu nächtlicher Stunde vor der Geschäftsstelle? Und warum steht ihre Tür noch offen? Da stimmt doch etwas nicht.

Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um einen Ausschnitt einer sogenannten Mondscheinkarte. Um 1900 waren diese sehr beliebt. So wurde zum Beispiel durch Nachbearbeitung einer Fotovorlage die Illusion einer Nachtaufnahme erzeugt.

In Striesen war eine Sparkasse übrigens schon vor über 140 Jahren ansässig. 1892 wurde der Ort eingemeindet und die Stadtsparkasse Dresden bekam damit eine weitere Zweigstelle. Heute ist die Ostsächsische Sparkasse Dresden hier für ihre Kundinnen und Kunden da.

  • Aus der Sparkasse des Saalkreises und der Stadtsparkasse Halle wurde 1951 die Stadt- und Saalkreissparkasse Halle. : © Historisches Archiv des OSV

Ein Fusionssparbuch aus Halle (Saale)

Aus alten Sparkassenbüchern lassen sich viele historische Informationen entnehmen, zum Beispiel zur Währungsgeschichte. Aber auch Fusionen von Sparkassen belegen sie. So gibt es in unserem umfangreichen Bestand an Sparbüchern Exemplare, die solche Verschmelzungen mitgemacht haben. Dabei wurde der neue Name des Instituts einfach eingestempelt und das Buch weiter genutzt. In diesem Fall handelte es sich um die Fusion der Sparkasse des Saalkreises mit der Stadtsparkasse Halle zur Stadt- und Saalkreissparkasse Halle. Diese existierte von Anfang 1951 bis Ende 2007. Dann kamen das zuletzt benannte Institut und die Kreissparkasse Merseburg-Querfurt zusammen. Es entstand die heutige Saalesparkasse.

Eine Sparkasse des Saalkreises gab es übrigens schon seit dem Jahr 1846. Und weil 1857 auch noch eine Stadtsparkasse gegründet wurde, hatten für lange Zeit zwei kommunale Sparkassen ihren Sitz in Halle. Dies war aber in Preußen keine Besonderheit. Teilweise entstand dabei sogar eine Konkurrenzsituation. Nach Kriegsende 1945 wurden die beiden Kassen neu gegründet. Anfang der 1950er-Jahre war dann aber Schluss mit der Koexistenz. Um die Sparkassen zu rationalisieren und rentabler zu machen, erfolgten seinerzeit in der DDR zahlreiche Zusammenlegungen.

  • Die ADREMA ganz nah: Der Druckarm und das darunter befindliche Farbband sind gut zu erkennen. Dazwischen legte man das zu bedruckende Dokument. Unter dem Farbband lag die Metallplatte und wartete auf ihren Einsatz. : © Frank Ossenbrink

  • adrema_zeichnung_1930er-jahre

    Die Zeichnung ist aus einer Gebrauchsanweisung zur ADREMA und zeigt ein Modell der 1930er-Jahre. Links (mit 10508 bezeichnet) befindet sich der Einlegeschacht für die Metallplatten bzw. Matrizen.

  • Dies ist "unsere" ADREMA auf ihrer Premierenausstellung 2009 in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin. : © Historisches Archiv des OSV

Technik, die vor 100 Jahren begeisterte

Vor etwa 100 Jahren ging es in den Schreibstuben größerer Firmen, in Rathäusern und anderen Einrichtungen mit viel Schriftverkehr noch gemächlich bis beschwerlich zu. Teils an Schreibpulten mit Feder und Tinte oder aber auch schon an Tischen mit Schreibmaschinen mit so klangvollen Namen wie Excelsior, Olympia oder Gisela, wurde Adresse um Adresse geschrieben oder getippt.

Um dem ein Ende zu bereiten, befassten sich viele Techniker und Tüftler damit: ein maschinelles Verfahren zu entwickeln, das wiederkehrende Aufschriften schnell, in Schreibmaschinenschrift und fehlerfrei herstellt. In Deutschland war das 1913 – der spätere Marktführer – Julius Goldschmidt mit seiner Firma ADREMA-Maschinenbau mbH in Berlin. Übrigens steht ADREMA hierbei, Sie werden es sich denken, für ADREssiere MAschinell.

Grundprinzip war folgendes: Auf einer Metallplatte, meist aus Zink, wurden Name und Adresse mit einer Stanzmaschine eingeprägt. Bis zu 250 dieser Platten legte man dann in den auf der ADREMA befindlichen Schacht. Von hier wurden sie per Druckluft und elektrisch auf dem ADREMA-Tisch unter ein Farbband transportiert. Hier senkte sich ein Druckarm auf das vom Bediener eingelegte Papier – ja, etwas musste noch von Hand gemacht werden – und der Adressendruck war fertig. Danach wanderte die Metallplatte in den Ausgabeschuber. Arbeitserleichterung und Zeiteinsparung waren enorm.

Wann genau die ADREMA Einzug in die Sparkassen hielt, ist uns nicht bekannt. Aber wir wissen, dass diese „kleinen“ Helfer in vielen Instituten lange im Einsatz waren; teilweise bis 1990. In unserem Archivbestand befindet sich ebenfalls eine ADREMA, komplett mit Stanzmaschine, Metallplatte und Gebrauchsanweisung. Diese konnten wir von der damaligen Kreissparkasse Wernigerode als Dauerleihgabe übernehmen. Seitdem ist die Maschine schon vielfach auf Wanderschaft gewesen. Mit unserer Ausstellung „So sind die Sparkassen entstanden …“ tourte sie durch zahlreiche Sparkassenfilialen.

  • Dieser Taschenkartenleser gehört nun dank der Schenkung eines Kollegen zur Sammlung des Archivs. Er zeigte zu D-Mark-Zeiten an, wie hoch das Guthaben noch auf dem Chip der Geldkarte war, wenn man diesen aufgeladen hatte und damit bezahlte. Die Geldkarte mit multifunktionalem Chip kam 1996 auf den Markt : © Historisches Archiv des OSV

  • Taschenkartenleser als Schlüsselanhänger oder praktische Kartenhülle - der Deutsche Sparkassen Verlag bot ein vielfältiges Sortiment an. Im Sommer 1998 gab es für die Sparkassen eine Verkaufssonderaktion ab 100 Stück.

Wir lieben Geschenke …

Es ist immer wieder ein Vergnügen, wenn plötzlich Kollegen in der Tür stehen und sagen: „Ich habe da was gefunden. Wäre das vielleicht etwas fürs Archiv?“ Und weil wir nach so vielen Jahren unsere Bestände ganz gut kennen, leuchten die Augen natürlich, wenn Objekte und Unterlagen zu uns gelangen, die unsere Sammlung komplettieren und damit aus sparkassenhistorischer Sicht wertvoller machen.

Vor einigen Wochen kam just auf diese Weise eine Kartenhülle zu uns, die dem Kunden vor 20 Jahren half, Guthaben auf dem Chip der Geldkarte zu erkennen – vorausgesetzt, man hatte ihn vorher aufgeladen. Dieser sogenannte Taschenkartenleser wurde vom Deutschen Sparkassen Verlag produziert und konnte von den Sparkassen ab 100 Stück in großen Mengen eingekauft und an die Kunden verteilt werden. Er funktionierte auf Batteriebasis und zeigte bis zu drei Lade- und Entladevorgänge an sowie 15 Umsätze mit Datum und Uhrzeit. Der Verlag taufte ihn liebevoll „Chip Jack“ und brachte verschiedene Designs der Hülle auf den Markt.

„Chip Jack“ ergänzte damals eine neue Geldkarte, die es im wahrsten Sinne des Wortes „in sich hatte“. Was uns heute nicht mehr bedeutsam erscheint, gehörte vor 20 Jahren zu einer vielversprechenden technischen Innovation. Die Pilotprojekte zur Chiptechnologie waren so erfolgreich, dass 1996 erstmalig bundesweit 14,1 Millionen Karten mit einem multifunktionalen Chip ausgegeben wurden. Die Nachfrage war so groß, dass 1997 die Produktion weiter gesteigert wurde auf 18,5 Millionen Karten.

Die neue Geldkarte mit Chip bot neben den Basisanwendungen „elektronische Geldbörse“, „Electronic Cash offline“ zahlreiche Möglichkeiten für Zusatzanwendungen. Die Idee war, die Vielzahl an Karten in den Taschen der Verbraucher zu minimieren. Die Kunden, so die Marktforschung, forderten gerade diese Mehrfunktionalität.

Dank der auf dem Chip gespeicherten Zusatzanwendungen war die „intelligente Plastikkarte“ in der Lage, fortan mehrere Funktionen zu übernehmen und damit die Kundenwünsche zu erfüllen. Zu den ersten Zusatzanwendungen gehörten die Integration der Call-Card-Funktion einer privaten Telefongesellschaft, eine regionale CityCard-Funktion, der Einsatz für den papierlosen Fahrscheinkauf im öffentlichen Personennahverkehr und der Einsatz am Parkautomaten. Denkbar war außerdem die Verwendung als Pass, als Personalausweis, als Sozialversicherungs- und als Eintrittskarte in Bibliotheken, Theater oder Museen sowie als Kreditkarte. Die Technik und vor allem die absehbare Weiterentwicklung auf den Feldern Speicherkapazität, Sicherheit und Prozessorleistung machte die neue Chipkarte zum Vielkönner.

Scheitern, so hieß es 1997 in der Juliausgabe der „Betriebswirtschaftlichen Blätter“, konnte das Projekt nur an der fehlenden flächendeckenden Infrastruktur. Sie wurde als Voraussetzung für die Akzeptanz und letztendlich für die Durchsetzungskraft und den Erfolg der Chiptechnologie auf der Geldkarte definiert.

Wenn auch Sie etwas für uns haben, dann rufen Sie uns gern an. Wir freuen uns über jedes interessante Objekt, das den Weg zu uns findet.