• Der Eingang zur Tourist-Information weist eine besondere Gestaltung auf. : © Thomas Einert

  • Das Gebäude 2018 ..... : © Thomas Einert

  • .... und kurz nach seiner Fertigstellung. (Abb. Ausschnitt Ansichtskarte Verlag Carl Friedrich Fangmeier in Magdeburg, um 1940; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Die Fachwerksparkasse im Harz

Vor ein paar Tagen war ich per pedes im Harz unterwegs. Von Ilsenburg auf den winterlichen Brocken und dann hinunter nach Wernigerode führte die Wanderung. Am Ende gab es noch eine kleine Tour durch die „Bunte Stadt am Harz“ mit ihren schmucken Fachwerkhäusern. Auch am Marktplatz bin ich vorbeigekommen. Dort steht ein jahrhundertaltes Rathaus, das sicherlich alle Besucher beeindruckt.

In einem Seitenflügel befindet sich die Tourist-Information. Verwundert hat mich die Gestaltung des hölzernen Eingangsportals. Dort findet sich, flankiert von einer Frau mit Sparbüchse und einem Mann mit dicker Geldbörse, ein Sinnspruch des Barockdichters Friedrich von Logau zum Thema Reichtum. Aber lesen Sie selbst. Der Hintergrund: es handelt sich um den Eingang zu einem ehemaligen Sparkassengebäude. Bis 1997 war hier der Hauptsitz der örtlichen Sparkasse.

Der Bau scheint sehr alt zu sein. Doch er entstand erst in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre im Rahmen eines Rathausumbaus. Der Anbau wurde in Fachwerkbauweise ausgeführt. Als historisches Element hat man sogar einen Renaissance-Erker in das Dach eingefügt. Darunter sind vier Holzfiguren in Harzer Trachten angebracht, die wie die anderen geschnitzten Schmuckelemente vom Bildhauer Otto Welte stammen. Auch das Hauptgebäude zieren solche interessanten Schnitzereien.

In den Anbau zog dann die Wernigeröder Stadtsparkasse ein. Sie gab es schon seit 1849. Daneben bestand auch eine Kreissparkasse, die 1906 für das Gebiet der Grafschaft Wernigerode gegründet worden war. Nach einer Fusion 1951 bestand dann nur noch eine Kreissparkasse. Dieses Institut wiederum fusionierte zum Jahresbeginn 2008 mit den Kreissparkassen Halberstadt und Quedlinburg zur Harzsparkasse. Der Hauptsitz befindet sich heute einige Meter vom Markt entfernt, in der Gustav-Petri-Straße 8.

  • Seit 1915 gibt es dieses Sparkassengebäude im brandenburgischen Jüterbog. Es befindet sich an der Ecke Markt (links)/ Große Straße (rechts). (Ansichtskarte Verlag S. & G. Saulsohn in Berlin, um 1915; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Der Kassenraum der Kreissparkasse vor 100 Jahren: vorn der Wartebereich, hinten die Schalter. (Abb. in: Zentralblatt der Bauverwaltung, hrsg. im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Nr. 15, 17.02.1917, S. 92; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Das historische Sparkassengebäude in Jüterbog

Am Markt 15-16 in Jüterbog befindet sich heute eine Filiale der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam. Dieses schmucke Gebäude ist über 100 Jahre alt. Im Dezember 1914 bezog es die Sparkasse des Kreises Jüterbog-Luckenwalde als neue Hauptstelle. Der Entwurf stammte von den Berliner Architekten Ernst Paulus und Olaf Lilloe. Zum Erscheinungsbild des 1913/14 errichteten Sparkassengebäudes sollen an dieser Stelle einige Worte verloren werden.

Die Fassade des Hauses entstand aus handgefertigten Ziegeln. Für die Eingänge und sonstigen Architekturteile wurde Muschelkalk verwendet. Ein besonderes Schmuckelement schuf der Bildhauer Prof. Fritz Heinemann aus Berlin-Dahlem. An der Gebäudeecke Markt/ Große Straße steht auch heute noch seine in Muschelkalkstein gehauene, jugendliche Frauengestalt des Flämings in wendischer Tracht. Sie soll die Sparsamkeit verkörpern.

Um das Ersparte zu sichern, waren sämtliche Fenster im Erdgeschoß mit geschmiedeten Gittern versehen. Die Haupteingangshalle am Markt wurde nachts durch ein eisernes Gitter verschlossen. Zu den Öffnungszeiten gelangten die Kundinnen und Kunden in den Kassenraum, der an der Gebäudeecke lag. Wie es dort aussah, zeigt die zweite Abbildung zu diesem Beitrag. Dem Sparkassenpersonal war übrigens der zweite Eingang, an der Großen Straße, vorbehalten.

Büros waren über das Erdgeschoß und die erste Etage verteilt. Vor allem im zweiten Stock befanden sich aber auch Wohnräume. Es handelte sich also um ein Geschäfts- und Wohnhaus. Und so gab es unter dem Dach eine Waschküche und einen Trockenraum. Ein paar Stockwerke tiefer, im Keller, lagen unter anderem die „feuer- und diebessichere“ Tresoranlage und die Archivräume der Kreissparkasse. Wenn die Sparkassenbeamten vor der Arbeit ihr Fahrrad abstellen oder zwischendurch den sogenannten „Abort“ aufsuchen wollten, mussten sie ebenfalls ins Kellergeschoß.

  • Sparmarke Sparkasse Chemnitz

    © Historisches Archiv des OSV

  • Chemnitz Sparkasse Falkeplatz 1930

    Ab 1930 befand sich der Hauptsitz der Stadtsparkasse Chemnitz am Falkeplatz, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. (Abb. Ausschnitt aus unbekannter Zeitung, auch in: Städtische Sparkasse zu Chemnitz 1839 - 1930. Werdegang der Sparkasse seit der Gründung und die Notwendigkeit zur Errichtung eines Sparkassengebäudes, 1930; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Chemnitz Sparkasse Falkeplatz 1930

    Ab 2005 wurde das Gebäude mit Hilfe der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Freistaat Sachsen und der Sparkasse Chemnitz denkmalgerecht saniert. Am 1. Dezember 2007 eröffnete dann Bundespräsident Horst Köhler das Museum Gunzenhauser. (Abb. Ausschnitt aus unbekannter Zeitung, auch in: Städtische Sparkasse zu Chemnitz 1839 - 1930. Werdegang der Sparkasse seit der Gründung und die Notwendigkeit zur Errichtung eines Sparkassengebäudes, 1930; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Ein markantes Gebäude in Chemnitz

Hier sehen Sie eine Sparmarke aus unserem Archivbestand. Klebemarken zum Kleinsparen gab es bei sächsischen Sparkassen ab den 1880er-Jahren. Dieses Exemplar ist ein halbes Jahrhundert jünger. Es zeigt den Gebäudekomplex, in dem sich einstmals der Hauptsitz der Stadtsparkasse Chemnitz befand. Dass Institute bunte Marken mit dem Bild ihrer Häuser herstellen ließen, war in den 1930ern üblich. Altehrwürdige und moderne Bauten finden sich als Abbildungen wieder.

Das Chemnitzer Motiv war ein Neubau, den die Sparkasse damals mit Recht zu den markantesten Gebäuden der Stadt zählte. Ein Haus der Moderne. Einfach und sachlich wirkte es. Auf schmückende Elemente wurde bewusst verzichtet. Es zeigten sich eine klare Gliederung und abgewogene Proportionen. Als ein mächtiger Kubus präsentierte sich vor über 85 Jahren das Hochhaus, an dem zwei niedrigere Bauten anschlossen. Der Bau kostete rund 2,4 Millionen Reichsmark und dauerte etwa anderthalb Jahre.

Im April 1930 konnten die Verwaltung und die Hauptstelle der Sparkasse ihre neuen Räume beziehen. Am 4. Juni 1930 fand die offizielle Einweihung statt. Es gab nur eine schlichte Feier. Nachvollziehbar. Es waren nicht die besten Zeiten. Die Weltwirtschaftskrise wirkte sich gerade in Sachsen und insbesondere in der Industriestadt Chemnitz verheerend aus. Dies beschrieb auch die Sparkasse in ihren Geschäftsberichten.

Gerade wegen der Unsicherheit sparte die Bevölkerung. Weithin lesbare Schriftzüge an den Außenwänden wiesen den Kundinnen und Kunden den Weg zur Stadtsparkasse. Der Haupteingang: Zwickauer Straße 1. Von hier aus gelangte man zur Kassenhalle. Im Erdgeschoss lagen auch Arbeits- und Personalräume. Der Keller beherbergte unter anderem die Tresoranlage und die Akten. Im ersten Stock waren die Verwaltung sowie das Sitzungszimmer untergebracht.

Vor allem den hinteren Teil des Gebäudekomplexes nutzte die Sparkasse damals. Im Haus gab es außerdem viele vermietbare Büroräume. Sie waren über besondere Treppenhäuser an der Stollberger Straße zu erreichen. Erwähnt werden sollen auch die vom Falkeplatz aus zugänglichen Ladenflächen im Erdgeschoss des Hochhauses, die in der ersten Zeit ein Schnellrestaurant beherbergten. Hier befindet sich heute der Eingang zum bekannten Museum Gunzenhauser der Kunstsammlungen Chemnitz.