• Im neuen Rathaus (Bildmitte) befand sich der Hauptsitz der Stadtsparkasse Eberswalde von 1905 bis 1938. Dort ist der Kassierer des Instituts verewigt. (Ansichtskarte Verlag Georg Naumann in Eberswalde, versendet 1939; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Der gefesselte Kassierer im Rathaus

In Eberswalde befindet sich der Hauptsitz der Sparkasse Barnim. Bereits im Jahr 1862 wurde in der Stadt eine Nebenstelle der Sparkasse des Kreises Oberbarnim eingerichtet. 15 Jahre später bekam Eberswalde dann eine eigene Sparkasse. Die Stadtsparkasse begann am 1. Oktober 1877 mit ihrer Geschäftstätigkeit im Rathaus. Am ersten Tag wurden 4.500 Mark von Kundinnen und Kunden eingezahlt. Damit kaufte die Sparkasse Eberswalder Stadtobligationen. Bald nahm das Kreditgeschäft Fahrt auf.

Zuständig für die Kassenführung war der langjährige Rendant, Stadtrat Paul Radack. 40 Jahre später wurde er aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenbürger ernannt. Sogar eine Straße in Eberswalde trägt seinen Namen. Die Ausdehnung der Geschäfte des Geldinstituts brachte einen Ausbau des Personals mit sich. Ende des 19. Jahrhunderts bekam Radack Verstärkung durch einen verbeamteten Gegenbuchführer und einen Buchhalter. Es gab auch räumliche Veränderungen. 1905 zog die Stadtsparkasse in das neue Rathaus ein, in dem auch heute noch die Stadtverwaltung sitzt.

Bei der Gestaltung des Gebäudeinneren wurde Radack eine besondere Ehre zuteil. Man porträtierte ihn gefesselt neben dem Zugang zum Tresor. Gegenüber wurde eine alte Frau, die ihr Erspartes zur Sparkasse trägt, abgebildet. Über der Tresortür wiederum war ein Drache dargestellt, als Wächter des einbruchssicheren Raums. Noch heute erinnert diese Szene an das kommunale Geldinstitut, das bis 1938 seine Hauptstelle im Rathaus hatte. Wenn Sie einmal zu den Öffnungszeiten vor Ort sind, können Sie diese architektonische Besonderheit näher betrachten.

  • Sparkassengeschichte & Beachvolleyball - das Programm der Auszubildenden der Sparkasse Barnim beim Besuch in Berlin : © Historisches Archiv des OSV

  • Erste Standorte im Geschäftsgebiet der Sparkasse Barnim waren 1857 Bernau als Nebenstelle der Sparkasse des Kreises Niederbarnim und 1862 Eberswalde als Nebenstelle der Sparkasse des Kreises Oberbarnim. : © Historisches Archiv des OSV

Auszubildende der Sparkasse Barnim zu Besuch bei uns

Heute war es wieder einmal soweit. Im Bürogebäude am Spittelmarkt durften Britta Weschke und ich Auszubildende einer Mitgliedssparkasse des Ostdeutschen Sparkassenverbandes herzlich begrüßen. 18 Azubis der Sparkasse Barnim waren in die Hauptstadt gereist, um an unserer Bildungsveranstaltung teilzunehmen und sich anschließend beim Beachvolleyball sportlich zu betätigen.

Doch zunächst ging es für die Gäste hoch hinaus. In der 19. Etage konnten sie den Blick über Berlin schweifen lassen und bekamen von Frau Weschke Interessantes über den OSV und seine Aufgaben zu hören. Anschließend fand man sich zu einer 1 ½ stündigen Veranstaltung ein, bei der nicht nur die deutsche und regionale Sparkassengeschichte auf der Agenda standen.

Dass bereits die römischen Legionäre für das Alter vorsorgten, die Kirche im Mittelalter Zinsen verbot und sich der Autor des bekannten Romans „Robinson Crusoe“ Gedanken um eine Sparkassengründung machte, konnte ich beispielsweise ansprechen. Die erste Sparkasse der Welt entstand dann aber 1778 in Hamburg als private Einrichtung, die erste preußische 40 Jahre später in Berlin als kommunales Institut.

Und somit war man schon thematisch in der brandenburgischen Heimat angelangt, wo vor 160 Jahren der erste Sparkassenstandort im Geschäftsgebiet der Sparkasse Barnim entstand: Bernau. 1862 folgte Eberswalde, wo sich heute der Sitz der Sparkasse befindet. Wichtige Fakten zur Entwicklung bis in die heutige Zeit wurden, natürlich reich bebildert, durch eine Präsentation vermittelt. Objekte aus unserem Archiv machten die Runde. An wissenswerten Anekdoten mangelte es nicht. Denn es geht nicht darum, Inhalte „trocken“ vorzutragen. Selbstverständlich ging ich auf gute und schlechte Zeiten ein.

Die Ortskenntnis der Auszubildenden wurde zwischendurch anhand von alten Ansichtskarten von Sparkassengebäuden getestet. Sie konnten feststellen, in welcher Stadt sich die historische Geschäftsstelle befand beziehungsweise noch befindet. Auch ihr, zuvor erworbenes, Wissen um die Entwicklung der Logos der Sparkassenorganisation stellten die Azubis unter Beweis. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch unterhaltsame Werbefilme, die die Barnimer_innen sehr gut datieren konnten.

Wenn Sie als Auszubildende oder Mitarbeiter_innen eines Mitgliedsinstituts des OSV Lust haben, Ihre Sparkassengeschichte spannend präsentiert zu bekommen, dann melden Sie sich gern bei uns an. Wir machen es Ihnen einfach und bieten „maßgeschneiderte“ Präsentationen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Auch Inhouse-Termine sind möglich.

  • Der Landrat Christian Friedrich August Sommer war vor 180 Jahren Vorsitzender des Kuratoriums der Sparkasse. An ihn konnte man sich mit Kreditwünschen wenden. [Abb. in: Sparkasse des Schweinitzer Kreises (Hrsg.): 100 Jahre Kreissparkasse Herzberg, 1937, S. 12; Bestand: Historisches Archiv des OSV]

  • Siegelmarken dienten schon im 19. Jahrhundert zum Verschließen von Briefen. : © Historisches Archiv des OSV

Von der Gründung einer Sparkasse in Herzberg (Elster)

Vor 180 Jahren war es soweit. Im Hause des Kaufmanns Carl Gottlieb Caspar in der Kirchstraße 2 in Herzberg an der Elster nahm eine Kreissparkasse die Geschäftstätigkeit auf. Dieses Geldinstitut des Schweinitzer Kreises war anfangs immer dienstags und freitags von 8:00 bis 12:00 Uhr geöffnet. Am Dienstag, den 1. August 1837, betreute Caspar als Kassenführer seine ersten Kunden. Das Sparkassenbuch mit der Nummer 1 stellte er über runde 12 Taler für Fräulein Marie Sommer aus.

Sehr wahrscheinlich handelte es sich bei der ersten Kundin um die Tochter des Landrats Christian Friedrich August Sommer. Er war Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse, den man damals Kuratorium nannte. Sommer selbst hatte am 8. Juli 1837 die Eröffnung im Kreisblatt angekündigt und zugleich darauf  aufmerksam gemacht, dass die Einlagen gegen ausreichende Sicherheiten an Einwohner und Kommunen des Kreises ausgeliehen werden konnten. Schriftliche und mündliche Kreditanträge wollte der Landrat persönlich entgegennehmen.

Gemäß § 13 der Satzung der Sparkasse des Schweinitzer Kreises waren Pfanddarlehn und Hypothekenkredite im Angebot. In staatliche/kommunale Papiere sollte nur vorübergehend investiert werden, wenn sich gerade keine Kreditnehmer fanden. Nach der Sparkassengründung warb Landrat Sommer im Kreisblatt wiederholt dafür, sich mit Darlehnswünschen an ihn zu wenden. Es wird berichtet, dass bald Landwirte, aber auch Handwerker, Gewerbe- und Handeltreibende Kunden wurden. So förderte die Sparkasse die heimische Wirtschaft.

Nur wenige Meter vom einstigen Geschäftslokal der Kreissparkasse entfernt ist heute die Sparkasse Elbe-Elster vor Ort. Torgauer Straße 68 lautet die Adresse. Auch bei diesem Institut gibt es durch Grundpfandrechte gesicherte und Kommunalkredite. Natürlich ist die Produktpallette 2017 viel umfangreicher als 1837. Und auch die Öffnungszeiten haben sich im Laufe der Zeit den Bedürfnissen der Kundschaft entsprechend verändert.

  • Das Geschäft von Ernst Tolg in Löwenberg war vor 100 Jahren eine Sparkassen-Agentur. (Ansichtskarte Verlag Paul Klinke in Berlin, versendet 1913; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Die unterschiedliche Frequentierung der Nebenstellen der Ruppiner Kreissparkasse im Jahr 1919 verdeutlicht die Tabelle. : © Historisches Archiv des OSV

Ruppiner Sparkassen-Agenturen

Dass vor allem preußische Flächensparkassen früher auf von Privatleuten verwaltete Nebenstellen setzten, da sich nicht überall Zweigstellen mit richtigen Beamten rentierten, ist bereits im Blog berichtet worden. Neue Erkenntnisse gibt es nun zu einer weiteren brandenburgischen Sparkasse, der Ruppiner Kreissparkasse in Neuruppin.

Dieses Institut verfügte vor 100 Jahren über neun Nebenstellen: Dreetz, Friedrichsdorf, Gransee, Lindow, Löwenberg, Menz, Rheinsberg, Sieversdorf und Wildberg. 1919 kamen noch Altruppin und Köritz dazu. Geöffnet war damals den ganzen Tag über, während die Hauptgeschäftsstelle in Neuruppin von 8:00 bis 13:00 Uhr Kassenstunden hatte.

Vor allem Kaufleute, in Lindow auch eine Kaufmannsfrau, boten einen Sparkassen-Service an. Man konnte Geld einzahlen und ausgezahlt bekommen. Am meisten zu tun hatte damit der Kaufmann Neumann in Gransee (siehe Abbildung 2). Er war seit 1910 für die Kreissparkasse tätig. Noch länger stand der Kaufmann Tolg im Dienst der Kreissparkasse. Auch sein Geschäft in Löwenberg war eine dezentrale Anlaufstelle für die Kundinnen und Kunden der Region.

  • © Historisches Archiv des OSV

Die Anfänge des Scheckverkehrs in der Niederlausitz

Als Abbildungen dieses Artikels sehen Sie die Vorder- und Rückseite eines Scheckheftes der Haupt-Sparkasse des Markgraftums Niederlausitz. Dieses in mehreren Landkreisen wirkende Institut wurde am 1. Oktober 1824 eröffnet und hatte zahlreiche Nebenstellen. Eine befand sich in Luckau. Von dort stammt das 100 Jahre alte Heft, das mehrere Währungen erlebt hat. Dies lässt sich aus dem Vordruck und den Stempeleinträgen schlussfolgern.

Am 1. Oktober 1912 führte die Flächensparkasse den Scheckverkehr ein. Ursprünglich waren Sparkassen als reine Sparinstitute gedacht. Im Laufe der Zeit entwickelten sie sich zu Universalinstituten mit vielfältiger Produktpallette. So wurde ihnen zum Beispiel im Reichsscheckgesetz vom 11. März 1908 die passive Scheckfähigkeit zugestanden. Diesbezüglich folgte dann im Königreich Preußen am 20. April 1909 ein Erlass. Der Staat wollte damals aus volkswirtschaftlichen und politischen Gründen erreichen, dass nicht mehr soviel mit Goldmünzen, sondern bargeldlos gezahlt wurde.

Auch zur Überweisung konnten die Schecks der Haupt-Sparkasse genutzt werden. In diesem Fall musste quer über den Text der Vermerk „Nur zur Verrechnung“ geschrieben werden. Jeder Scheck war sorgfältig dem Vordruck entsprechend auszufüllen. Es gab Sicherheitsvorkehrungen. So waren unter anderem von der Zahlenreihe an der rechten Seite diejenigen Zahlen abzutrennen, die den Betrag überstiegen. Die deutlich mit Tinte geschriebene Unterschrift musste mit der bei der Sparkasse hinterlegten übereinstimmen. Radierungen waren untersagt.

Nach Feststellung der Ordnungsmäßigkeit, was damals gewöhnlich drei bis vier Tage dauerte, wurde der Scheck eingelöst, nicht nur von sämtlichen Zweigstellen der Haupt-Sparkasse des Markgraftums Niederlausitz, sondern auch von fast allen anderen deutschen Sparkassen sowie weiteren Geldinstituten. Auch die Girozentrale der Provinz Brandenburg war zuständig. Dem Giroverband der kommunalen Verbände der Provinz Brandenburg selbst sollte das Markgraftum Niederlausitz mit seiner Haupt-Sparkasse erst ab 1921 als Mitglied angehören.

  • Seit 1915 gibt es dieses Sparkassengebäude im brandenburgischen Jüterbog. Es befindet sich an der Ecke Markt (links)/ Große Straße (rechts). (Ansichtskarte Verlag S. & G. Saulsohn in Berlin, um 1915; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Der Kassenraum der Kreissparkasse vor 100 Jahren: vorn der Wartebereich, hinten die Schalter. (Abb. in: Zentralblatt der Bauverwaltung, hrsg. im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Nr. 15, 17.02.1917, S. 92; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Das historische Sparkassengebäude in Jüterbog

Am Markt 15-16 in Jüterbog befindet sich heute eine Filiale der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam. Dieses schmucke Gebäude ist über 100 Jahre alt. Im Dezember 1914 bezog es die Sparkasse des Kreises Jüterbog-Luckenwalde als neue Hauptstelle. Der Entwurf stammte von den Berliner Architekten Ernst Paulus und Olaf Lilloe. Zum Erscheinungsbild des 1913/14 errichteten Sparkassengebäudes sollen an dieser Stelle einige Worte verloren werden.

Die Fassade des Hauses entstand aus handgefertigten Ziegeln. Für die Eingänge und sonstigen Architekturteile wurde Muschelkalk verwendet. Ein besonderes Schmuckelement schuf der Bildhauer Prof. Fritz Heinemann aus Berlin-Dahlem. An der Gebäudeecke Markt/ Große Straße steht auch heute noch seine in Muschelkalkstein gehauene, jugendliche Frauengestalt des Flämings in wendischer Tracht. Sie soll die Sparsamkeit verkörpern.

Um das Ersparte zu sichern, waren sämtliche Fenster im Erdgeschoß mit geschmiedeten Gittern versehen. Die Haupteingangshalle am Markt wurde nachts durch ein eisernes Gitter verschlossen. Zu den Öffnungszeiten gelangten die Kundinnen und Kunden in den Kassenraum, der an der Gebäudeecke lag. Wie es dort aussah, zeigt die zweite Abbildung zu diesem Beitrag. Dem Sparkassenpersonal war übrigens der zweite Eingang, an der Großen Straße, vorbehalten.

Büros waren über das Erdgeschoß und die erste Etage verteilt. Vor allem im zweiten Stock befanden sich aber auch Wohnräume. Es handelte sich also um ein Geschäfts- und Wohnhaus. Und so gab es unter dem Dach eine Waschküche und einen Trockenraum. Ein paar Stockwerke tiefer, im Keller, lagen unter anderem die „feuer- und diebessichere“ Tresoranlage und die Archivräume der Kreissparkasse. Wenn die Sparkassenbeamten vor der Arbeit ihr Fahrrad abstellen oder zwischendurch den sogenannten „Abort“ aufsuchen wollten, mussten sie ebenfalls ins Kellergeschoß.