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Mit Brief und Siegel

Die Geldanlage in Hypothekenkrediten spielte für die Sparkassen im Königreich Sachsen eine bedeutende Rolle. Sie betrugen zum Beispiel 1895 fast 600 Millionen Mark. Das waren drei Viertel der Kapitalanlagen. Aufgrund ihrer Verbreitung waren die kommunalen Sparkassen Kreditsuchenden damals übrigens besser zugänglich als die meist nur in den Groß- und Mittelstädten ansässigen anderen Grundkreditanstalten. Und es gab Darlehn auch in verhältnismäßig kleineren Beträgen. 2.000 Mark erhielten etwa zwei Damen im besagten Jahr von der Sparkasse in Leipzig-Reudnitz. Sie war für die Parochie Schönefeld zuständig. Dort lag auch Neuschönefeld und daselbst das verpfändete Grundstück.

Darüber wurde ein Hypothekenbrief ausgestellt, in den unter anderem Schulden und Zinssatz geschrieben wurden. Außerdem vermerkte das zuständige Leipziger Amtsgericht 200 Mark als Höchstbetrag für eventuell entstehende Kosten und für Stempelabgaben. Es bestätigte damit die ordnungsgemäßen Eintragungen im örtlichen Grund- und Hypothekenbuch. Die dort hinterlegte Schuld- und Pfandverschreibung der Kreditnehmerinnen lag dem Brief als Abschrift bei. In ihr finden sich detailliertere Inhalte des Vertragsverhältnisses mit der Sparkasse, die den Geldbetrag „baar dargeliehen“ hatte. Geregelt waren zum Beispiel die Folgen eines Zahlungsrückstandes zum festgelegten Zinstermin.

  • Hauptstrasse Dahme Brandenburg 1920

    Dahme in Brandenburg vor 100 Jahren; Heute befindet sich eine Sparkassenfiliale in der Hauptstraße 17, dem dritten Gebäude auf der rechten Straßenseite. (Abb. Ausschnitt Ansichtskarte Graphische Verlagsanstalt Dresden GmbH, versendet 1920; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Der Kredit der Stadtsparkasse Dahme

Am Anfang des Jahres 1877 war es, dass Dahme in der Mark Brandenburg eine eigene Sparkasse bekam. Ihre Funktion war qua Statut, „zur sicheren verzinslichen Anlage von Ersparnissen und zur Erlangung von Darlehen Gelegenheit zu bieten“. Am Ende des ersten Geschäftsjahres bestanden bei der Stadtsparkasse 113 Sparbücher mit insgesamt 84.898,66 Mark Guthaben. Auf das Sparbuch gab es damals 3 1/3 % Zinsen.

Natürlich musste das Geld der Sparerinnen und Sparer sicher und gewinnbringend verliehen werden, um ihnen diese Zinsen gewähren zu können. Dazu gab es vor 140 Jahren mehrere Möglichkeiten. Es konnten zum Beispiel Grundstücke beliehen werden. Allein 51.800 Mark machten Ende 1877 städtische und 4.800 Mark ländliche Hypotheken aus. 4,5 % betrug der Ausleihzins. Und wie sah es mit den Sicherheiten aus?

Bei Flächen auf dem Lande durfte der Beleihungswert bis zwei Drittel und bei städtischen nicht mehr als die Hälfte des durch gerichtliche Taxierung festgestellten Grundstückswertes betragen. Bei Liegenschaften war der Grundsteuerreinertrag maßgebend. Auf nicht mehr als das 20-fache konnte sich der Wert bemessen. Der maximale Beleihungswert von Gebäuden war hingegen das 12,5-fache des Gebäudesteuer-Nutzwerts beziehungsweise die Hälfte der Versicherungssumme bei der öffentlichen Feuersozietät.