• © Janny Oestreich

„Analog zur Wirklichkeit – Mediale Quellen in Archiven“

Besuch des 2. Berliner Archivtags

Als Praktikantin des Historischen Archivs des Ostdeutschen Sparkassenverbandes nutzte ich am 20.11.2018 die Gelegenheit, dem zweiten Berliner Archivtag beizuwohnen.

Die Akademie der Künste hieß am Veranstaltungstag geschätzt 200 Interessierte in ihren Räumlichkeiten willkommen. Eine beträchtliche Anzahl an Besuchern! Darunter fanden sich vor allem Archivare, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Archivdienstleister sowie Auszubildende und Studierende der Informations- und Archivwissenschaften. Auf dem Podium referierten Archivare, Professoren, Restauratoren, ein Regisseur und ein Rechtsanwalt zu Themen rund um die Sicherung und Digitalisierung des analogen Informationsgutes sowie den daraus abgeleiteten Urheber- und Nutzungsrechten.

Der Bewahrung unserer Kulturgutüberlieferungen stehen einige Probleme gegenüber: Tonbänder zerfallen, Fotomaterial verblasst, wertvolle Schriften auf Papier vergilben und brechen. Mit der Digitalisierung solcher Informationsträger wird ein Voranschreiten des Zerfalls zwar nicht beendet, doch ihr Informationsgehalt bleibt als Sicherungskopie bestehen.

Der diesjährige Berliner Archivtag setzte sich zum Ziel, ausgiebig über diesen Sachverhalt in 19 Kurzvorträgen rund um das Thema audiovisuelle Quellen in Archiven zu informieren. Die Veranstaltung diente primär dem fachlichen Austausch untereinander, welcher vor, während und nach den Vorträgen mit Hilfe einer parallel stattfindenden Archivmesse und abschließender Podiumsdiskussion erreicht wurde.

In dem Wissen, dass ich einen Beitrag zu dieser Veranstaltung für den Sparkassengeschichtsblog verfassen werde, horchte ich bei einer Vortragsreihe über die Aktivität von Berliner Archiven in sozialen Medien auf! Im Mittelpunkt standen dabei der Aufwand und Nutzen digitaler Textsammlungen. Ein Blog gibt als Erweiterung der archivischen Öffentlichkeitsarbeit allen Lesern Aufschluss darüber, was das vielfältige Berufsbild des Archivars an Aufgabenfeldern beinhaltet. Einig waren sich alle Referenten in dem Punkt, dass man mit Hilfe eines Blogbeitrages besondere Funde aus dem Archiv jederzeit publizieren kann. So handhabt es auch der Sparkassengeschichtsblog des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, der kurz vor seinem 300. Beitrag steht und nächstes Jahr sein 5. Jubiläum feiert!

Der 2. Berliner Archivtag endete, doch das Bewusstwerden über die voranschreitende Digitalisierung beginnt.

Janny Oestreich

  • © Deutsches Historisches Museum Berlin

  • © Deutsches Historisches Museum Berlin

„Sparen ist nicht sexy“

So zumindest lautete die These des amerikanischen Historikers der Princeton University, Sheldon Garon, auf der Tagung „Sparen in der Krise?“. Am 6. und 7. April trafen sich internationale Wissenschaftler in Berlin, um 200 Jahre Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des Sparens zu diskutieren. Eingeladen hatten das Deutsche Historische Museum (DHM) und die Berliner Sparkasse in das Max Liebermann Haus direkt am Brandenburger Tor. Beste Voraussetzungen also, um dem Phänomen des Sparens näher zu kommen: tolle Gastgeber, hochkarätige Redner und ein Veranstaltungsort, der keine Wünsche offen ließ.

Anlässlich des 200. Geburtstages der Berliner Sparkasse 2018 wird zur Zeit eine Sonderausstellung des DHM zu den verschiedensten Aspekten des Sparens vorbereitet. Dabei ist eine Institution, die das Sparen bereits im Namen trägt, wesentlicher Bestandteil bzw. sogar Ursprung einer weitverbreiteten und erfolgreichen Spartradition in Deutschland. Dies wurde auch auf der Tagung deutlich. Die Sparkassen – gegründet vor mehr als 200 Jahren – sei es aus philanthropischen und/oder wirtschaftlichen Überlegungen heraus, formten den sogenannten „kleinen Mann“ zum Sparer.

In internationalen Vergleichen wurde festgestellt, dass Länder mit entsprechenden Spareinrichtungen und entsprechender Propaganda stets eine hohe Sparquote verzeichnen konnten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In den USA hingegegen, wo Schulden machen so alltäglich wie Zähneputzen ist, ist das Sparen unpopulär. Erst mit der globalen Finanzkrise von 2008 wurde auch dort registriert, dass ohne Notgroschen das Armutsrisiko rasch steigt.

Sparen mag zwar nicht „sexy“ sein, jedoch sind die Alternativen, um z. B. ein Vermögen aufzubauen, eher überschaubar – wenn man mal vom Lottogewinn oder Bankraub absieht.

  • Historische Postkarten und weitere Fotos von zahlreichen Sparkassengeschäftsstellen standen zur Auswahl. Es galt, das passende Jahrzehnt dem Bild zuzuordnen. Alle Mitspieler fanden richtige Lösung. : © Historisches Archiv des OSV

  • Die Vorbereitungen am Messestand des Archivs sind in vollem Gange. Gleich geht's los und die ersten Veranstaltungsteilnehmer kommen ... : © Historisches Archiv des OSV

  • Mit Spaß am Spiel stellten sich die Sparkassenmitarbeiter der Herausforderung, Fotos des vergangenen Jahrhunderts in die richtige Zeit einzuordnen. : © Historisches Archiv des OSV

Schätzen Sie mal! Wie alt sind diese Fotos?

Das war die Aufgabe, die wir gestern vielen Kollegen unserer Verbandssparkassen stellten. Anlass war der 36. Vertriebsring im Kongresshotel am Templiner See in Potsdam. Dort kommen dreimal jährlich die Vertriebsmitarbeiter der ostdeutschen und schleswig-holsteinischen Sparkassen zusammen, um sich über neue Vertriebs- und Kommunikationskonzepte zu informieren.

Wir vom Historischen Archiv des OSV konnten nun bereits zum siebten Mal an unserem Messestand Sparkassengeschichte und -geschichten präsentieren. Sparkassengeschichte zum Anfassen, Inspirieren und Integrieren. Zum Anfassen – weil wir jedes Mal historische Objekte aus unserem Archiv ausstellen und erklären. Zum Inspirieren – da wir allen Kollegen, die an unseren Stand kommen, eine kleine Zeitreise anbieten und Möglichkeiten für History Marketing bzw. History Communication in Sparkassen aufzeigen. Last but not least stellen wir auch immer bereits vom Historischen Archiv umgesetzte Projekte vor, die den wertvollen Einsatz von Sparkassengeschichte(n) belegen.

Dieses Mal lag unser Fokus auf historischem Fotomaterial und dessen vielfältigsten Einsatzmöglichkeiten. In unserem Archiv lagern über 500 Ansichtskarten mit Sparkassengebäuden, von Wiek auf Rügen bis Klingenthal im Vogtland. Viele der Karten sind über 100 Jahre alt.

Hinzu kommt ein großer Fotobestand von mehr als 5.000 Bildern. Auch hier ist die Bandbreite sowohl geografisch als auch zeitlich enorm. Gern stellen wir unseren 45 Mitgliedssparkassen historisches Bildmaterial zur Verfügung.

Sie planen ein Event zum Jubiläum, möchten einen Sparkassenkalender herausgeben oder Ihre Geschäftstellen mit historischen Fotos verschönern? Melden Sie sich. Wir helfen gern weiter.

  • Gut gelaunt dreht Lutz Herkenrath an der Kurbel des Schulsparautomaten. : © Historisches Archiv des OSV

  • Die Sparkassenazubis legten einen lehrreichen und unterhaltsamen Zwischenstopp an unserem Messestand ein. : © Historisches Archiv des OSV

  • Georg Fahrenschon auf der Herbsttagung der Sparkassenvorstände

    Kurz vor seiner Rede besuchte DSGV-Präsident Fahrenschon den Stand des Historischen Archivs des OSV. : © Historisches Archiv des OSV

Ein Schulsparautomat erzählt …

Ach, was waren das wieder für zwei aufregende Tage. Als Schulsparautomat in den besten Jahren stand ich am 15. und 16. Oktober auf der Herbsttagung der Sparkassenvorstände des Ostdeutschen Sparkassenverbandes in Potsdam. Der History-Marketing-Messestand meiner „Bosse“ vom Historischen Archiv war wie immer gut gefüllt, aber natürlich war ich die Hauptattraktion!

Einer der ersten, der meine Kurbel benutzte, war der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. Auf dem Weg zur Aula, kurz vor seiner Rede, besuchte er gemeinsam mit dem Präsidenten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, Michael Ermrich, unseren Messestand und ließ sich meine Funktionsweise und Aufgabe im Schulsparwesen längst vergangener Zeiten erklären. Seit meiner Reparatur vor einem Jahr funktioniere ich natürlich einwandfrei und stempele alle Schulsparkarten zur höchsten Zufriedenheit, wenn ich das in aller Bescheidenheit mal sagen darf. Aber ich schweife ab …

Was mir immer gut gefällt, wenn ich mal wieder aus dem Archiv geholt werde und auf verschiedenen Veranstaltungen stehe ist, wenn sich Jugendliche oder Kinder für mich interessieren. Denn für diese Zielgruppe wurde ich mal erdacht. Hier auf der Tagung war das auch der Fall. Eine Gruppe von Sparkassenauszubildenden hatte zufällig an diesen Tagen einen Lehrgang im Kongresshotel und auch sie konnten an mir nicht einfach so vorbeigehen.

Zu guter Letzt kam am zweiten Veranstaltungstag noch Fernseh-Prominenz zu mir. Lutz Herkenrath, bekannt aus der Serie „Ritas Welt“, drehte höchst vergnügt die Kurbel und ich stempelte auch seine Karte. Wie immer verhielt ich mich professionell und ließ mir meine Aufregung nicht anmerken.

Nun bin ich zu meinen Maschinen-Kollegen ins Magazin zurückgekehrt und träume schon von meinem nächsten Einsatz …

  • Gebäauede DSGV Berlin

    Im historischen Haus des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes in Berlin fand die Tagung statt. : © Historisches Archiv des OSV

  • Dr. Thorsten Wehber DSGV

    Dr. Thorsten Wehber referierte zur Geschichte der Sparkassen im Rheinland : © Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz

  • Tabelle erste Sparkassengründungen Rheinland

    © Thorsten Wehber, DSGV

  • Sparkassenreglement 1838

    Das preußische Sparkassenreglement von 1838 förderte auch die Entwicklung der Sparkassen im Rheinland : © Historisches Archiv des OSV

Danke Rheinland!

Wie bereits berichtet, wurde Preußen vor über 200 Jahren auf dem Wiener Kongress ein großer Teil seines Nachbarlandes Sachsen zugesprochen. Zugleich erhielt das Königreich Preußen das Rheinland als Provinz. Im Rahmen des Themenjahres „DANKE* BERLIN – 200 Jahre Preußen am Rhein“ veranstaltete nun der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz eine Tagung in Berlin. Im Haus des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes standen gestern die rheinisch-preußischen Beziehungen im 19. Jahrhundert auf der Agenda.

Bei der Tagung gingen die Referenten zum Beispiel auf die Entwicklung der Wirtschafts- und Finanzpolitik (Prof. Dr. Rudolf Boch, Institut für Europäische Geschichte an der Technischen Universität Chemnitz) sowie auf bedeutende rheinische Unternehmerpersönlichkeiten ein, die sich auch politisch aktiv zeigten (Dr. Ulrich S. Soénius, Direktor Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln).

Die Konflikte zwischen dem, von den Errungenschaften der Französischen Revolution geprägten, Wirtschaftsbürgertum und dem preußisch-konservativen Beamtenstaat blieben natürlich nicht ausgespart. Es wurde lebhaft diskutiert und auch die „rheinische Art“ mancher Redner war dabei sehr erfrischend. Mehrfach wurde zur Sprache gebracht, was tatsächlich Preußen seiner Provinz zu verdanken hatte. Als Industriegebiet mit großer Wirtschaftskraft machte das Rheinland den Staat nämlich sehr viel bedeutender und mächtiger.

Dass in der Industrieregion auch gespart wurde, thematisierte Dr. Thorsten Wehber vom Sparkassenhistorischen Dokumentationszentrum des DSGV. Er referierte zur Entwicklung der nicht nur kommunalen Sparkassen. So gründete etwa der „Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit“ 1834 eine Einrichtung. Sie gewährte Kundinnen und Kunden aus der unteren Bevölkerungsschicht Extrazinsen und Prämien, wenn sie fleißig sparten. Mit Zweigstellen war diese Sparkasse in vielen Orten des Bezirks präsent. Städtische Institute wurden vor allem im dicht besiedelten Düsseldorfer, später im Aachener Regierungsbezirk errichtet. Mehr gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich Kreissparkassen.

Der Zusammenhang zwischen der industriellen Struktur des Landes und der Verbreitung der Sparkassen, gegründet als Anstalten insbesondere zur Selbstvorsorge für arbeitende „kleine Leute“, wurde besprochen. Natürlich spielten auch andere Faktoren bei Gründungen eine Rolle, unter anderem die Motivation der örtlichen Kommunal- und Bezirksverwaltungen. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich die Rheinprovinz zu einer bedeutenden Sparkassenregion, von der Impulse ausgingen, so Wehber. Es wurde etwa der erste deutsche Sparkassenverband 1881 mit Sitz in Essen etabliert. Im Gegenzug profitierte das Sparkassenwesen in der Region vom Zentralstaat. In dem Zusammenhang fand das erste preußische Rahmengesetz aus dem Jahr 1838 Erwähnung. Es förderte die Verbreitung der Anstalten und galt sogar bis weit ins 20. Jahrhundert.

  • Frankfurt am Main im April 2015: Ort der diesjährigen Arbeitstagung der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e. V. (VdW)

    Frankfurt am Main im April 2015: Ort der diesjährigen Arbeitstagung der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e. V. (VdW) : © Historisches Archiv des OSV

  • Gastgeber: das Historische Museum Frankfurt am Mainufer

    Gastgeber: das Historische Museum Frankfurt am Mainufer : © Historisches Archiv des OSV

Akten auf die Bühne? – Die Jahrestagung der VdW 2015

Tagungen ermöglichen den Blick über den Tellerrand, den Austausch mit Kollegen, und wenns richtig gut läuft, fahren die Teilnehmer mit vielen neuen Ideen und inspiriert von tollen Praxistipps nach Hause. So war es auch in diesem Jahr wieder auf der Arbeitstagung der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e. V. (VdW), zu der vom 26. bis 28. April 2015 nach Frankfurt am Main eingeladen wurde. Sie stand ganz im Zeichen des History Marketings. Ganz konkret: Im Zeichen der Inszenierung von Unternehmensgeschichte.

Bühnenpräsenz von Archivalien? Geht das, werden Sie sich fragen? Und wenn ja, wie wird das gemacht? Und vor allem: Wer soll das machen? Der Archivar, der eigentlich am liebsten über seinen Akten hockt und studiert?

Nun, von diesen Archivaren gibt es nicht mehr viele. Denn: Das Berufsbild hat sich grundlegend gewandelt und wirksame Öffentlichkeitsarbeit ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Auch in den Archiven. Das wurde in allen Vorträgen deutlich. Zur Beruhigung wurde unterstrichen, dass der Archivar nicht auf die Bühne und damit auch nicht ins Rampenlicht gehört. Vielmehr wurde sein Platz „im Souffleurkasten ausgemacht, wo er Stichpunkte geben kann und auch unbedingt sollte.“ Seine Hauptaufgabe wird jedoch im Verfügbarmachen spannender Akten und im Überprüfen der Drehbücher auf Faktentreue gesehen. Die Inszenierung selbst – das wurde schnell klar – gehört hingegen in jedem Fall in die Hände der Kreativen.

Vielleicht war das ja der interessanteste Aspekt der Tagung, zu sehen, was aus Akten und anderen Beständen auf der Bühne, im Film oder aber in Onlineanwendungen alles werden kann. Da war ein Vortrag so spannend wie der andere. Es wurde gestritten und philosophiert über den Spagat zwischen Forschung und Histotainment, und es wurde gerungen, um die Bewahrung der Authentizität und damit um nichts weniger als die Bewahrung der Glaubwürdigkeit. In diesem Spannungsfeld gab es viele Anregungen für die Praxis. Und eine ganz besondere Aufforderung: Einfach einmal das Unerwartete ausprobieren und damit überraschen. Und das alles mit Unternehmensgeschichte.

Neugierig geworden? Dann freuen Sie sich schon jetzt auf die nächsten Ausgaben der Fachzeitschrift „Archiv und Wirtschaft“, wo in der Regel die Tagungsbeiträge noch einmal nachzulesen sind.