• Was mag das wohl sein?

  • Nur wenn echte Reichsmarkmünzen in den passenden Schlitz gesteckt werden, hält sich das Gerät in Waage.

  • Ab 1924 wurde in Deutschland die Reichsmark eingeführt. Und nur für diese Münzen konnte das Gerät verwendet werden. Die davor geltende Mark, wie hier die 1/2 Mark von 1918 aus unserem Bestand, lässt sich damit nicht prüfen.

Was ist das für ein Ding?

Es ist circa 13 cm lang, 2,5 cm breit und 3 cm hoch. Es hat unterschiedliche, mit Zahlen beschriftete Schlitze am oberen Teil und eine wippenähnliche Mechanik. Mit etwas Phantasie könnte man es für eine Art Waage halten.

In der Verpackung lag eine ausführliche Beschreibung des Herstellers. Und so wurde schnell klar: Es handelt sich um den Hartgeldprüfer FAVORIT, hergestellt Mitte der 1920er-Jahre. Die Hamburgische Münzverwaltung schreibt dazu: „Der uns von Ihnen zur Begutachtung eingereichte Münzprüfer Favorit eignet sich zur Feststellung der am häufigsten im Zahlungsverkehr vorkommenden falschen 5.-, 3.-, 2.- und 1.- Reichsmarkstücke, die aus Zinn oder einer Zinnlegierung gegossen und teilweise versilbert sind. Die Handhabung dieses Münzprüfers erfordert keinerlei besondere Kunstgriffe, so daß jedermann ohne weiteres die aus Zinn oder seinen Legierungen nachgegossenen falschen Münzen von den echten Silbermünzen mit ihm zu unterscheiden vermag.“

Entdeckt haben wir das Gerät bei der ersten Begutachtung des neuesten Depositalbestandes in unserem Archiv, der von der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien seinen Weg zu uns gefunden hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die Sparkassenkassierer mit diesem kleinen Gerät schnell und unkompliziert Entscheidungen über die Echtheit der eingezahlten Geldstücke getroffen haben.

Unsere Begeisterung über den Neuzugang ist natürlich groß. Was für ein tolles Ausstellungsobjekt! Dessen erster Einsatz in unserer aktuellen Wanderausstellung „Geldgeschichte(n)“ ist bereits beschlossen.

  • Die ADREMA ganz nah: Der Druckarm und das darunter befindliche Farbband sind gut zu erkennen. Dazwischen legte man das zu bedruckende Dokument. Unter dem Farbband lag die Metallplatte und wartete auf ihren Einsatz. : © Frank Ossenbrink

  • adrema_zeichnung_1930er-jahre

    Die Zeichnung ist aus einer Gebrauchsanweisung zur ADREMA und zeigt ein Modell der 1930er-Jahre. Links (mit 10508 bezeichnet) befindet sich der Einlegeschacht für die Metallplatten bzw. Matrizen.

  • Dies ist "unsere" ADREMA auf ihrer Premierenausstellung 2009 in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin. : © Historisches Archiv des OSV

Technik, die vor 100 Jahren begeisterte

Vor etwa 100 Jahren ging es in den Schreibstuben größerer Firmen, in Rathäusern und anderen Einrichtungen mit viel Schriftverkehr noch gemächlich bis beschwerlich zu. Teils an Schreibpulten mit Feder und Tinte oder aber auch schon an Tischen mit Schreibmaschinen mit so klangvollen Namen wie Excelsior, Olympia oder Gisela, wurde Adresse um Adresse geschrieben oder getippt.

Um dem ein Ende zu bereiten, befassten sich viele Techniker und Tüftler damit: ein maschinelles Verfahren zu entwickeln, das wiederkehrende Aufschriften schnell, in Schreibmaschinenschrift und fehlerfrei herstellt. In Deutschland war das 1913 – der spätere Marktführer – Julius Goldschmidt mit seiner Firma ADREMA-Maschinenbau mbH in Berlin. Übrigens steht ADREMA hierbei, Sie werden es sich denken, für ADREssiere MAschinell.

Grundprinzip war folgendes: Auf einer Metallplatte, meist aus Zink, wurden Name und Adresse mit einer Stanzmaschine eingeprägt. Bis zu 250 dieser Platten legte man dann in den auf der ADREMA befindlichen Schacht. Von hier wurden sie per Druckluft und elektrisch auf dem ADREMA-Tisch unter ein Farbband transportiert. Hier senkte sich ein Druckarm auf das vom Bediener eingelegte Papier – ja, etwas musste noch von Hand gemacht werden – und der Adressendruck war fertig. Danach wanderte die Metallplatte in den Ausgabeschuber. Arbeitserleichterung und Zeiteinsparung waren enorm.

Wann genau die ADREMA Einzug in die Sparkassen hielt, ist uns nicht bekannt. Aber wir wissen, dass diese „kleinen“ Helfer in vielen Instituten lange im Einsatz waren; teilweise bis 1990. In unserem Archivbestand befindet sich ebenfalls eine ADREMA, komplett mit Stanzmaschine, Metallplatte und Gebrauchsanweisung. Diese konnten wir von der damaligen Kreissparkasse Wernigerode als Dauerleihgabe übernehmen. Seitdem ist die Maschine schon vielfach auf Wanderschaft gewesen. Mit unserer Ausstellung „So sind die Sparkassen entstanden …“ tourte sie durch zahlreiche Sparkassenfilialen.