• Nach der Auswertung der Überleitungsberichte ergab sich für die Vorgängerinstitute der Sparkasse Mittelsachsen (Rochlitz, Hainichen, Flöha, Freiberg, Brand-Erbisdorf) dieses Bild. Die Kreissparkasse Freiberg wurde infolge der Verwaltungsreform zergliedert. : © Historisches Archiv des OSV

Die Neuordnung des sächsischen Sparkassenwesens …

… im Zweiten Weltkrieg, der Besatzungszeit und der frühen DDR war das Thema, das ich gestern an der TU Berguniversität Freiberg beleuchten konnte.* Im Auftrag der Sparkasse Mittelsachsen war ich diesmal mit einem wissenschaftlichen Vortrag in die Bergstadt gereist. Im Gepäck hatte ich eine Präsentation, die allerhand aufschlussreiche Dokumente aus unserem Archiv vorstellte. Natürlich stand auch die regionale Sparkassengeschichte im Fokus. Innerhalb weniger Jahre durchlebten die kommunalen Sparkassen in Sachsen, konkret im Geschäftsgebiet der heutigen Sparkasse Mittelsachsen, entscheidende Veränderungen.

Verschiedene Zusammenlegungen beziehungsweise Neugründungen von Instituten, von 1943 bis 1952, wurden besprochen. Wie das NS- und das SED-Regime die Sparkassen für ihre Zwecke nutzten, konnte erklärt werden. Die Integration in die zentralistische Planwirtschaft ab 1948 und die rechtlichen Rahmenbedingungen habe ich thematisiert. Auf der Agenda stand auch die Entnazifizierung der Verwaltung und des Personals der sächsischen Sparkassen und ihres Verbandes. Diesbezüglich war zu bemerken, dass die Entnazifizierung als Instrument zur Durchsetzung des kommunistischen Herrschaftsanspruchs genutzt wurde. Bereits am Anfang des Vortrags hatte ich verdeutlicht, wie die Sparkassen schon im Nationalsozalismus auch personell „gleichgeschaltet“ worden waren.

1945 begann mit der Schließung und Neugründung der Institute, ohne Rechtsnachfolge, die Neuausrichtung des sächsischen Sparkassenwesens. Das Ende der Entwicklung markierte gestern das Einheitsstatut von 1956, das die Sparkassen in der DDR als volkseigene Geldinstitute bezeichnete. Zu dieser Zeit gab es bereits keine Länder und keine Sparkassenverbände mehr. Die föderale Struktur hatte die Zentralregierung durch eine Verwaltungsreform beseitigt. Kleinere Bezirksverwaltungen existierten fortan. Auch die bisherigen Kreise und ihre Sparkassen wurden 1952 zergliedert. So musste etwa die Kreissparkasse Freiberg damals an fünf, zumeist neugegründete, Institute in der Nachbarschaft Filialen abtreten.

 

* Frau Dr. Indra Frey, Pressesprecherin der Sparkasse Mittelsachsen, leitete mit einer Einführung über die Wurzeln ihrer und der sächsischen Sparkasse/n zum Thema hin und endete dann mit einem Blick auf die heutige Zeit.

  • Die Nikolaikirche in Freiberg war der Veranstaltungsort für die Gesschichtsstunde, in der Geld- und Sparkassengeschichte Themen waren. : © Historisches Archiv des OSV

Die Freiberger Gesschichtsstunde und das liebe Geld

Gestern war es soweit: Freiberger Geschichtsstunde in der Nikolaikirche. Viel Zeit hatte ich in die Vorbereitung der Bilderpräsentation investiert, die die Geld- und Sparkassengeschichte thematisierte. Eine ganze Menge Silber stand digitalisiert und grafisch „aufpoliert“ für die Freibergerinnen und Freiberger bereit. Von mehreren Währungen, mit denen die regionale Sparkasse in ihrer Geschichte schon zu tun hatte, wurde berichtet. Vom Taler aus dem Gründungsjahr der Sparkasse 1823 bis zum Euro ging die historische Bilderreise. Parallel referierte Frau Dr. Indra Frey, Pressesprecherin der Sparkasse Mittelsachsen, über die Entwicklung der Sparkasse vor Ort. Auch diesen Teil konnte ich mit allerhand buntem Bildmaterial aus dem Historischen Archiv des OSV unterstützen.

Doch zurück zu meinem Part, der Geldgeschichte. Anekdoten durften hier nicht fehlen. So erfuhren die Gäste, dass die schönen Silbertaler durch Münzreformen im 19. Jahrhundert immer weniger Edelmetall beinhalteten. Lange Zeit hatte der Groschen nicht 10, sondern 12 Pfennige. Eine Goldwährung gab es in Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg. In diesem schwärzte der Staat dann Silbermünzen, weil das Volk das glänzende Geld hortete. Nicht erst in der DDR, sondern schon damals wurden Münzen aus Aluminium eingeführt. Die sich bis 1923 steigernde Inflation wurde ausgiebig mit Papiergeld bedacht. 387 Billionen Mark betrugen die Guthaben bei der Stadtsparkasse Freiberg am Ende der Hyperinflation. Das waren in der neuen Währung lediglich 387 Reichsmark. Ursächlich für den Untergang der Reichsmark war das verbrecherische NS-Regime.

Währungsreformen in West und Ost forcierten 1948 die Spaltung Deutschlands. Interessant ist, dass das Geld trotzdem bis 1964 den gleichen Namen hatte: Deutsche Mark. Die harte Westmark kam schließlich 1990 in die DDR. Im selben Jahr wurde unser Land wiedervereinigt. 2001 konnten sich die Menschen die ersten Euros bei ihrer Sparkasse abholen. Die DM-Münzen wurden übrigens mit zu Euros umgeschmolzen. Kam im Deutschen Reich der Reichsadler aufs Geld, so finden wir nun den Bundesadler auf in der Bundesrepublik Deutschland geprägten Eurostücken. Ja, auch etwas „Adlerkunde“ durfte gestern nicht fehlen.

Natürlich stand die Geldgeschichte nicht allein für sich. Immer wieder habe ich etwa Währungsumstellungen anhand von alten Sparbüchern verdeutlicht. Von diesen gibt es über 1.000 Stück in unserem Archiv. Und auch viele andere Zeugnisse der Geschichte der Mitgliedssparkassen des OSV, die sich bei weiteren Referaten nutzen lassen, befinden sich in Potsdam „unter Tage“. Gern unterstützen wir unsere Sparkassen, etwa im Rahmen heranrückender Jubiläen, mit Bildmaterial und Objekten. Ich komme auch gern mit einem interessanten Vortrag im Gepäck vorbei.

  • Mit ihrer Begleiterin Juliane Wiese (links) waren Auszubildende der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin am Mittwoch im OSV zu Gast. : © Historisches Archiv des OSV

  • Dass Sparkassenbücher vor ihrer Vereinheitlichung nicht nur unterschiedlich farbig waren, sondern auch verschiedene Bezeichnungen führten, erfuhren Auszubildende gestern. : © Historisches Archiv des OSV

  • Natürlich war auch der Tisch bei der Abendveranstaltung am Donnerstag wieder reich "gedeckt". : © Historisches Archiv des OSV

Immer ein buntes Programm für die Auszubildenden der Sparkassen

Auszubildende von vier Sparkassen konnte ich in dieser Woche bei zwei Veranstaltungen, in der Verbandsgeschäftsstelle in Berlin und am NOSA-Standort Potsdam, begrüßen. Sie wurden nicht nur mit ihrem Verband und der Sparkassengeschichte bekannt gemacht. Auf dem Plan stand neben der Historie der Sparkassen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz sowie der Sparkassen Muldental und Oberlausitz-Niederschlesien natürlich auch die Entwicklung der Marke.

Den Gästen aus Brandenburg und aus dem Freistaat Sachsen wurde unter anderem vermittelt, wann der bekannte Claim „Wenn’s um Geld geht – Sparkasse“ entstand (1963) und seit wann unser Logo eigentlich sparkassenrot ist (1972). Mit großem Interesse wurde auch aufgenommen, was der Punkt über dem S eigentlich bedeutet. Wissen Sie es auch?

Dann erfolgte die Übung des Erlernten. Das bewährte Logo-Klebe-Spiel kam zum Einsatz und diverse Werbefilme. Diese konnten anhand der darin abgebildeten Logos und des Slogans zeitlich eingeordnet werden. Daneben halfen sicherlich auch Hinweise, wenn zum Beispiel eine typische 80er-Jahre-Frisur zu sehen war oder 90er-Jahre-Techno im Spot erklang.

Wenngleich dieser Teil meiner Bildungsarbeit schon standardisiert ist, so erfordert das Eingehen auf die einzelnen Sparkassen doch einige Vorarbeit. Zu feststehenden Themen und Epochen müssen jeweils passende Abbildungen gefunden werden. Objekte aus unserem Archiv werden nicht nur im Original gezeigt. Digitalisierung und Bildbearbeitung nehmen einen großen Teil der Vorbereitungszeit ein. So bekommen die Auszubildenden stets eine visuell ansprechende Präsentation geboten.

  • Wissenschaft trifft Praxis: Seit 1986 kommen in Bonn Wissenschaftler und Praktiker einmal im Jahr zusammen, um sich über neue Forschungsergebnisse und Erfahrungen auszutauschen. Zum 11. Mal fand 2016 der "Bonner Akademische Sommer" als Gemeinschaftsprojekt der Wissenschaftsförderung, der Management-Akademie und der Hochschule der S-Finanzgruppe statt. : © Historisches Archiv des OSV

  • "Was bedeutet Sparkasse in Zukunft?": Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, stand den Teilnehmern für Fragen zur Verfügung und nahm in seinem Vortrag eine Standortbestimmung vor. : © Peter Himsel

  • Aus der Praxis für die Praxis: Carlo Grün, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aurich-Norden, gewährte im Forum 1 "Mit Geschichte Punkten!" einen Einblick in die eindrucksvolle Jubiläumsausstellung seines Hauses. : © Peter Himsel

  • Verbandsarbeit für die Praxis: Britta Weschke, Historisches Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, stellte die Angebote und Ergebnisse zum Thema History Marketing | History Communication für Sparkassen vor. : © Peter Himsel

Mit Geschichte punkten!

Wie das geht und sich in der eigenen Sparkasse realisieren lässt, dass konnten sich Teilnehmer des diesjährigen Bonner Akademischen Sommers im „Forum 1“ näher erläutern lassen. Durch das Forum führte kompetent und charmant der Leiter des Sparkassenhistorischen Dokumentationszentrums des DSGV, Dr. Thorsten Wehber. Er stellte nicht nur die Bedeutung der 200-jährigen Sparkassentradition heraus, sondern beantwortete auch fachliche und überregional bezogene Fragen der Zuhörer.

Carlo Grün, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aurich-Norden, gewährte in der ersten Präsentation einen Einblick in die eindrucksvolle Ausstellung „Sparkasse im Nationalsozialismus. Der Versuch einer Rekonstruktion anhand eines Dachbodenfundes“. Anschaulich und detailliert ließ er das Auditorium an den Überlegungen des Vorstandes zu den Vorbereitungen auf das 175. Jubiläum seines Hauses teilhaben. Das Ergebnis – die Jubiläumsschau  – überzeugte und weckte großes Interesse. Ein Bericht aus der Praxis für die Praxis, der einmal mehr bewies, dass es sinnvoll ist, den Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft zu spannen. Gründliche Recherchen, Zeitzeugeninterviews, persönliche Führungen von Jung und Alt unterstrichen, dass nur derjenige, der seine Vergangenheit kennt, verantwortungsbewusst die eigene Zukunft gestalten kann.

„Einmal entwickeln – vielfach nutzen“, so könnte man das Motto des zweiten Vortrages zusammenfassen. Im Mittelpunkt stand die breite Palette an Maßnahmen und Produkten rund um das Thema angewandte Sparkassengeschichte. Vorgestellt wurde das History-Marketing-Konzept des Historischen Archivs des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. Ein Konzept, das es den Mitgliedssparkassen einfach machen soll, Geschichte(n) zum eigenen Haus glaubwürdig und identitätsstiftend einzusetzen. Der Vorteil wurde schnell klar: Zentrale Fachkompetenz ermöglicht  Zeit- und Kostenersparnis vor Ort. Zahlreiche Bilder und Beispiele aus der Praxis verdeutlichten, dass die Beschäftigung mit und die Vermittlung von Sparkassengeschichte(n) auch mit geringem Aufwand realisierbar ist.

Positive Resonanz auf das Forum gab es schon am selben Abend. So dürfen wir gespannt sein, was Sparkassen aus ihrer Geschichte in Zukunft machen und wie sie ihre Einmaligkeit herausstellen werden – Punktlandung garantiert.

  • Gruppenbild Archivdelegation Shanghai

    Der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, Dr. Michael Ermrich (Mitte), begrüßte die Archivdelegation aus Shanghai. : © Ostdeutscher Sparkassenverband

  • Geschenk Delegation Shanghai

    Der Leiter der chinesischen Delegation überreichte Dr. Michael Ermrich das Gastgeschenk, einen Porzellanteller mit historischem Motiv und der Aufschrift "Shanghai Archives". : © Ostdeutscher Sparkassenverband

  • Weschke Shanghai Referat

    Britta Weschke stellte das Archiv mit seinen Aufgaben und Beständen vor. Frau He (links im Bild stehend) übersetzte an diesem Vormittag. : © Historisches Archiv des OSV

  • Einer Referat Archiv

    Thomas Einert sprach über die Öffentlichkeitsarbeit des Archivs. Er präsentierte unter anderem die Ausstellungen, die seit 2003 im Haus entwickelt werden und sich vor allem um Geld- und Sparkassengeschichte sowie Kunst drehen. : © Historisches Archiv des OSV

  • Protokoll einmal anders - Ein Delegationsteilnehmer (vorn im Bild) zeichnete den Präsidenten und die Referenten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. : © Historisches Archiv des OSV

Besuch aus Shanghai

Nicht alle Tage kommt es vor, dass man im eigenen Haus, ja, sogar im eigenen Archiv, ausländische Gäste begrüßen darf. Umso mehr freuten wir uns über das Interesse einer Archivdelegation aus Shanghai an unserem Historischen Archiv und seinen Dienstleistungen für die Sparkassen.

Heute besuchten uns nun insgesamt 19 chinesische Archivleiterinnen und Archivleiter. Der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Dr. Michael Ermrich, hieß die Gäste im Bürogebäude am Berliner Spittelmarkt herzlich willkommen. Mit einer kurzen Vorstellung des Verbandes, seiner Mitglieder und Aufgaben stimmte er auf den anschließenden Fachvortrag ein.

In diesem ging es schwerpunktmäßig um die Öffentlichkeitsarbeit eines Verbands- und Wirtschaftsarchivs. Unser Historisches Archiv beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema. Im Kontext von History Marketing | History Communication wird es gegenwärtig nicht nur ausgebaut, sondern auch professionalisiert. Von A wie Ausstellungen oder Aktionen über M wie Messestände und P wie Publikationen oder Produkte bis hin zu S wie Schulungen und Z wie Zeitzeugeninterviews konnte die gesamte Bandbreite an öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten veranschaulicht werden.

Unter dem Motto: „Tradition kann man nicht kaufen.“ wurde vor allem der Aspekt beleuchtet, der die Besonderheit der eigenen Geschichte(n) für jedes Unternehmen unterstreicht. Denn die Geschichte eines Hauses ist einzigartig und damit ein Alleinstellungsmerkmal in einer Gesellschaft, wo Qualität bereits zum Selbstverständnis gehört und dadurch keine signifikante Abgrenzungsmöglichkeit zur Konkurrenz mehr bietet. Das Handeln des Historischen Archivs des OSV beruht auf eben dieser Grundlage – ganz aktuell unter der Devise: „Wir machen es einfach.“

Die Delegation wird noch weitere Archive bei ihrem 14-tägigen Aufenthalt in Deutschland kennenlernen. Wir hoffen, dass unser Historisches Archiv nicht nur in Erinnerung bleiben wird, sondern dass wir schon bald weitere in- und ausländische Gäste bei uns begrüßen dürfen. Versprochen wurde das Wiederkommen – und eine Einladung nach Shanghai wurde auch ausgesprochen …

  • Geschichtsstudenten der Humboldt-Universität zu Berlin besuchten mit ihrer Dozentin Dr. des. Heike Wieters im Juni 2015 das Historische Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes in Potsdam. : © Historisches Archiv des OSV

  • Britta Weschke stellte das Archiv mit seinen Zuständigkeiten, Aufgaben und Projekten vor. : © Historisches Archiv des OSV

  • Thomas Einert referierte nicht nur zur Geschichte des Luftschiffhafens, sondern auch zum Versicherungsgeschäft der sächsischen Sparkassen in der Weimarer Republik. : © Historisches Archiv des OSV

  • Ansichtskarte Luftschiffhafen, vor 1922 (K.H.B. Verlag)

    Eingangsgebäude zum Gelände des Luftschiffhafens, auf dem im September 1911 der erste Zeppelin, die „Schwaben“, landete (Ansichtskarte Luftschiffhafen, vor 1922, K.H.B. Verlag, Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Angehende Historiker zu Besuch am Luftschiffhafen in Potsdam

Wenn man sich entschlossen hat, Geschichte zu studieren, ist es durchaus lohnenswert, auch einmal ein Archiv zu besuchen. Immerhin könnte es der zukünftige Arbeitsplatz sein – in jedem Fall ist das Archiv aber ein Ort, an dem sich Historiker viel und gern aufhalten.

Und auch für die Praktiker ist es wertvoll zu erfahren, was junge Studierende für Vorstellungen und Wünsche haben, was sie interessiert und wie sich das Studium gestaltet. So lag es auf der Hand, eine Anfrage bezüglich eines Archivbesuchs von Studenten der Humboldt-Universität positiv zu beantworten, Archivmaterial herauszusuchen und sich einfach einmal Zeit zu nehmen, um den wissenschaftlichen Nachwuchs am eigenen Arbeitsplatz zu begrüßen.

Der Besuch begann – wie sollte es anders sein – mit einem Rundgang. Fünf „Luftschiffe“ stehen heutzutage am Templiner See, Am Luftschiffhafen 1, in Potsdam. Die Architektur der imposanten Gebäude wollte erklärt sein. Zumal der Ort geschichtsträchtig ist.  Hier entstand 1912 eine riesige Luftschiffdoppelhalle im Auftrag der Luftschiffbau Zeppelin GmbH.  An diese Zeit erinnert zum Beispiel noch immer das markante Eingangsgebäude zum Gelände, auf dem im September 1911 der erste Zeppelin, die „Schwaben“, landete. Anhand von Modellen und Bildern wurden die historischen Fakten anschaulich vermittelt.

Nach dem Rundgang wurden die Aufgaben und aktuellen Projekte des Historischen Archivs des OSV vorgestellt. Dass gerade die Öffentlichkeitsarbeit im Sinne von History Marketing für ein Wirtschaftsarchiv von großer Bedeutung ist, wurde den Studenten schnell klar. Mit einem Sparkassenwerbefilm zum Spargedanken und der Rolle des Vorsorgens für schlechte Zeiten aus den 1930er-Jahren erfolgte der direkte Einstieg in die Sparkassengeschichte. So begaben sich die Studenten, die sich im Seminar gerade mit dem Versicherungswesen des 19. Jahrhunderts beschäftigen, gemeinsam mit dem Historiker Thomas Einert auf Zeitreise. Thematisiert wurde das Vorsorgen durch Sparen bei den Sparkassen zwischen 1778 und 1913. Auch das Versicherungsgeschäft in der Weimarer Republik wurde anhand von Archivalien beleuchtet.

Viele spannende Fragen begleiteten den Archivbesuch: Von der Bewertungspraxis bei der Übernahme der Akten in das Historische Archiv über die Möglichkeiten der Archivnutzung durch Externe bis hin zu Versicherungsstatistiken und der Auszahlungspraxis der Lebensversicherungen bei Selbstmord oder im Fall des Todes bei Kriegseinsätzen. Die Studenten wurden eingeladen, selbst zu recherchieren und anhand von Archivmaterial Antworten zu finden. Am Ende des Tages empfanden beide Seiten das Zusammentreffen als große Bereicherung – Wiederholung nicht ausgeschlossen …