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Von Billionen und Billiarden

Vor 95 Jahren musste die damalige deutsche Zentralbank, die Reichsbank, immer höhere Banknotenwerte herausgeben. Es war die Zeit der grassierenden Inflation. Nach Millionen- und Milliarden-Scheinen folgten Anfang November 1923 Geldscheine mit Billionen-Werten. Hintergrund der ungeheuren Vermehrung der Geldmenge war eine massive Verschuldung des Deutschen Reichs. Die Regierung hatte kein Interesse an einer Stabilisierung der Währung. Die Reichsbank gab dem Staat Kredit und sorgte für eine Geldflut. Die Preise stiegen aber schneller als Löhne und Gehälter. Für diese Billion konnte man auf dem Höhepunkt der Inflation im November 1923 nicht einmal zwei Kilogramm Brot kaufen.

Zur Wertaufbewahrung taugte Geld nicht mehr. Und trotzdem wurde es zur Sparkasse gebracht. In Halle, wo seit 1819 durchgehend Generationen von Menschen sparten, wurden im Jahr der Hyperinflation allein bei der Stadtsparkasse sage und schreibe 24,1 Billiarden Mark ein- und 12,7 Billiarden Mark ausgezahlt. Die Gesamteinlagen der Kundinnen und Kunden vermehrten sich 1923 von 481,1 Millionen auf fantastische 11,3 Billiarden Mark. Dieses viele Geld war eigentlich nicht mehr viel wert, denn der offizielle Umstellungskurs von Mark auf Reichsmark war 1924 eine Billion zu eins. Eine gesetzlich geregelte Aufwertung sollte dann doch noch für eine zumindest teilweise Entschädigung der Kundschaft sorgen.

  • "Ersatztaler" zu 3 Mark wurden unter anderem in Muldenhütten bei Freiberg geprägt. Für den sächsischen Herkunftsort steht der Kennbuchstabe E. : © Historisches Archiv des OSV

Ein Silberstück Währungsgeschichte – Der „Ersatztaler“

1871 wurde mit dem Deutschen Reich ein einheitlicher Nationalstaat gegründet und die Vereinheitlichung der deutschen Münz- und Währungssysteme in die Wege geleitet. Ein Reichsgesetz legte die Einteilung der neuen Rechnungseinheit Mark in 100 Pfennige fest und bestimmte die Prägung erster Reichsgoldmünzen zu 10 und 20 Mark. Für das gesamte Reichsgebiet waren diese Goldstücke Zahlungsmittel. Die Einziehung der bisher gebräuchlichen Ländermünzen wurde aber 1871 lediglich angekündigt. So gab es erst einmal eine Doppelwährung.

Erst 1873 wurde das Währungssystem endgültig gesetzlich festgelegt. An die Stelle der Landeswährungen trat die Reichsgoldwährung. Die Prägung von goldenen 5-Markstücken wurde beschlossen. Reichsmünzen aus Silber waren fortan 20- und 50-Pfennig sowie 1-, 2- und 5-Mark. Die Münzen des Deutschen Reichs erhielten eine einheitliche Gestaltung. So hatten zum Beispiel Geldstücke von 2 Mark aufwärts auf der einen Seite ein Bild des Landesherrn oder das Wappen einer der drei freien Hansestädte. Da es noch zu wenig Reichsmünzen zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs  gab, waren vorläufig unter anderem noch alte Taler zum Wert von 3 Mark gültig.

Fast sämtliche deutsche Länder führten zum Jahresbeginn 1875 das neue Reichswährungssystem ein. Dies hieß aber nicht, dass ihre alten Taler aus 16,7 Gramm Silber nun ungültig waren. Bis 1907 waren sie gesetzliche Zahlungsmittel und konnten inoffiziell sogar noch bis 1910 eingetauscht werden. Weil die Menschen an ihrer Währung hingen, wurde 1908 sogar die Prägung von 3-Markstücken aus 15 Gramm Silber als „Ersatz“ beschlossen. Umgangssprachlich avancierten diese Münzen dann zu „Talern“. 1920 verordnete das Reich schließlich die Außerkurssetzung der Silbermünzen. Diese wurden aber von der Bevölkerung in der Zeit der Inflation nicht etwa gegen Papiergeld eingetauscht, sondern gehortet.

  • In Mecklenburg wurde vor der Einführung einer Dezimalwährung mit Schillingen gerechnet. 12 Pfennige ergaben einen Schilling und 48 Schillinge den Taler. Dieser setzte sich also aus 576 Pfennigen zusammen. Was für eine Rechnerei! : © Historisches Archiv des OSV

Ein Stück Währungsgeschichte

Sparkassen gibt es in Mecklenburg seit 1821. Das erste Institut entstand in der damaligen Residenzstadt des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin und heutigen Landeshauptstadt des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin. Auch im Gebiet des heutigen Freistaats Sachsen und des Landes Sachsen-Anhalt gab es damals schon Sparkassen. 1822 entstand im Brandenburgischen die erste Sparkasse.

Brandenburg und ein großer Teil des jetzigen Sachsen-Anhalt gehörten zu dieser Zeit zum Königreich Preußen. Hier bestand die Taler-Währung. 30 Silbergroschen ergaben einen Taler und 12 Pfennige einen Silbergroschen. Im Königreich Sachsen rechneten die Sparkassen ebenfalls mit Talern. Auch in diesem Staat waren 12 Pfennige ein Groschen. Allerdings machten 24 Groschen einen sächsischen Taler.

Im Mecklenburgischen jedoch konnte der Sparkassenkassierer mit Groschen nichts anfangen. Hier kursierten Schillinge. Auch diese setzten sich aus 12 Pfennigen zusammen, der Taler wiederum aus 48 Schillingen. Bis Ende 1875 wurden diese Münzen in Zahlung genommen. In dieser Zeit vollzog sich gemäß der Einführung einer einheitlichen Mark-Währung im Deutschen Reich ein umfassender Geldumtausch. Endlich gab es in allen Landesteilen das Dezimalsystem, was das Rechnen erleichterte.

  • Sparbuecher Fuerstenberg Oder Beeskow Müllrose

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3 X 160 Jahre Sparkasse in Brandenburg

Gleich in drei Städten in Brandenburg sind heute vor 160 Jahren Sparkassen gegründet worden. Am 1. Juli 1855 eröffneten die Stadtsparkasse in Fürstenberg an der Oder (heute Eisenhüttenstadt), die Beeskower Kreissparkasse und die Stadtsparkasse in Müllrose. Vor Ort ist jetzt die Sparkasse Oder-Spree, die ihren Sitz in Frankfurt (Oder) hat. Dort wurde übrigens am 1. Oktober 1822 die erste kommunale Sparkasse Brandenburgs eingerichtet.

Aus Anlass des Jubiläums der drei Geschäftsstellen sagen wir: Alles Gute! Und weil heute auch ein währungsgeschichtlich bedeutsamer Tag ist (vor 25 Jahren hielt die D-Mark im Osten Einzug) sehen sie hier drei interessante Sparbücher aus unserem Archiv. Sie stammen aus noch früheren Zeiten, in denen die Mark (links), dann die Reichsmark (Mitte) und später die Deutsche Mark der Deutschen Notenbank (rechts) gültig war. Das erste Buch ist über 100, das zweite mehr als 70 und das dritte mindestens 50 Jahre alt. Wir sehen: Sparkassen haben in ihrer Geschichte schon viel erlebt, zum Beispiel Währungsreformen.