• Das größte Institut im Sparkassenmusterland Sachsen, das sogar den internationalen Vergleich nicht scheuen musste, war vor 100 Jahren die Stadtsparkasse in der Landeshauptstadt Dresden. (Ansichtskarte Verlag Kunstanstalt Krille & Martin in Dresden, versendet 1907; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Sparsamer als die Schweden

Beim „Aufräumen“ meines Bestandes digitalisierter Unterlagen zur Sparkassengeschichte bin ich gestern über eine interessante Quelle „gestolpert“. Es handelt sich um eine Übersicht des Preußischen Statistischen Landesamtes, die Anzahl der Sparbücher und Guthaben in einzelnen „Kulturstaaten“ betreffend. Ihr ist unter anderem zu entnehmen, dass es vor 110 Jahren in anderen europäischen Staaten verhältnismäßig mehr Sparkassenkunden gab.

Die Statistik zeigt Deutschland nur im Mittelfeld. An der Spitze stand Schweden. Fast 38 % der schwedischen Bevölkerung hatte ein Konto bei einer Postsparbank oder einer sonstigen Sparkasse. Im Deutschen Reich besaßen lediglich knapp 31 % der Menschen ein Sparbuch einer öffentlichen bzw. nichtöffentlichen Sparkasse. Natürlich war die Quote in Deutschland von Land zu Land unterschiedlich. Sie betrug zum Beispiel im großen Preußen rund 30 %, im kleinen Sachsen hingegen über 63 %. Das war deutscher Spitzenwert.

Sparkassen gab es im Königreich Sachsen seit 1819 (Königsbrück), im Königreich Schweden seit 1820 (Göteborg). 1907 hatten  die Sachsen 1,471 Milliarden Mark auf ihren über 2,9 Millionen Sparkassenkonten liegen, die Schweden hingegen 824 Millionen Mark auf mehr als zwei Millionen Konten. Auch beim Durchschnittsguthaben lag das Königreich Sachsen deutlich vor dem Königreich Schweden. Auf die Gesamtbevölkerung gerechnet war das Pro-Kopf-Sparguthaben sogar mehr als doppelt so groß.