• In Bonn tagen am 12. und 13. Februar 1990 die Verbandsvorsteher der bundesdeutschen Regionalverbände. Ihr Beschluss zu umfangreichen partnerschaftlichen Hilfen für DDR-Sparkassen ist ein wesentlicher Meilenstein in eine wettbewerbsfähige Zukunft. : © Sparkassenhistorisches Dokumentationszentrum Bonn

Ein “voll funktionsfähiges Sparkassenwesen“ in der DDR ist das Ziel – flächendeckende Partnerschaften als Erfolg versprechender Weg

Blogserie, Teil 10

In den ersten Wochen des Jahres 1990 beschleunigt sich der Prozess der politischen und wirtschaftlichen Annäherung beider deutscher Staaten. Bereits am 7. Februar stellt die Bundesrepublik der DDR die Wirtschafts- und Währungsunion in Aussicht. Sie wird ein entscheidender Schritt zur Wiedervereinigung sein.

Angesichts dieser Entwicklung wird die Frage immer dringlicher, wie sich die westdeutsche Sparkassenorganisation gegenüber den DDR-Sparkassen positionieren soll. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) führt bereits seit Anfang Januar Gespräche mit der Abteilung Sparkassen der Staatsbank der DDR. Als sich die Verbandsvorsteher der regionalen Sparkassenverbände am 12./13. Februar in Bonn zu ihrer turnusmäßigen Sitzung treffen*, kann DSGV-Präsident Helmut Geiger seinen Kollegen daher präzise Vorschläge für das erforderliche Vorgehen präsentieren.**

Sie beruhen auf der Annahme, dass die westdeutschen Großbanken schon bald Vollbanklizenzen in der DDR erhalten und dort Zweigstellen eröffnen werden. Die DDR-Sparkassen können dieser neuen Konkurrenz nur gewachsen sein, wenn sie schnell zu universell tätigen, modernen Kreditinstituten nach bundesdeutschem Vorbild umgebaut werden. Um die Ost- Sparkassen also wettbewerbsfähig aufzustellen, ist eine schnelle Hilfe durch die westdeutsche Sparkassenorganisation notwendig.

Die Verbandsvorsteher teilen diese Überzeugung und sprechen sich für ein umfangreiches Paket von personellen und materiellen Hilfsmaßnahmen aus. Deren Kern ist ein regionales Betreuungskonzept: Westdeutsche Sparkassen sollen flächendeckend Partnerschaften mit DDR-Sparkassen eingehen und sich verpflichten, „für eine technische Mindestausstattung, für personelle Unterstützung durch Entsendung eigener Mitarbeiter und für eine ausreichende Schulung der DDR-Sparkassenmitarbeiter vor Ort zu sorgen.“

Weitere Maßnahmen sind:

·         die Entsendung von ca. 50 Kreditexperten, welche die 15 Bezirksstellen des zukünftigen DDR-Sparkassenverbandes bei der Durchführung des ERP-Programms*** unterstützen sollen

·         die sofortige Schulung der Direktoren der DDR-Sparkassen in speziellen Seminaren

·         und mittelfristige Schulungsprogramme für die mittleren Führungskräfte durch die regionalen Sparkassenakademien in der BRD

Außerdem sollen die DDR-Sparkassen Hilfe beim Aufbau eines Bausparkassensystems und einer Zentralbank erhalten sowie werbliche Unterstützung, „um möglichst rasch ein neues, vertrauensbildendes Image aufzubauen.“

Auf der Basis dieser grundlegenden Entscheidung läuft die nach dem Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ organisierte Solidaraktion an. Um sicherzustellen, dass alle 196 Ostsparkassen Unterstützung erhalten, koordinieren die regionalen Sparkassenverbände der BRD und die Sparkassen-Bezirksstellen der DDR die Zuordnung der Betreuungsinstitute aus dem Westen. Häufig übernehmen gleich mehrere von ihnen gemeinsam die Partnerschaft für eine Sparkasse in der DDR. Am Ende werden sich weit über 400 der annähernd 600 BRD-Sparkassen bei der Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens engagiert haben.

Dr. Thorsten Wehber
Sparkassenhistorisches Dokumentationszentrum des DSGV, Bonn

Fortsetzung am 13.02.2020
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* Die Verbandsvorsteherkonferenz ist ein satzungsmäßiges Gremium des DSGV, das mehrmals im Jahr zusammenkommt. Ihm gehören die Präsidenten aller regionalen Sparkassenverbände an.

** Niederschrift der Verbandsvorsteherkonferenz am 12./13. Februar 1990, Bestand: Sparkassenhistorisches Archiv des DSGV, I. B/9/47.

*** Das als Marshallplan bekannte European Recovery Program (ERP) war für den Wiederaufbau (West-)Europas nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmt. Ein im Rahmen des ERP entstandenes Sondervermögen diente seit 1949 der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen in der BRD. 1990 kamen Mittel aus diesem Sondervermögen auch Betrieben in der DDR zugute.

  • Erlebniswelt Sparkassenmuseum: Ein typischer Kassenbereich 1991, im Originalzustand erhalten. : © Historisches Archiv des OSV

  • Erlebniswelt Sparkassenmuseum: Alte Geschäftsstellen nicht hinter Glas, sondern zum Anfassen und Ausprobieren. : © Pressebild

  • Blick in die Sammlung des wiedereröffneten Sparkassenmuseums. : © René Lindenthal, Grimma

  • Die großformatige Karte "Der deutsche Kommunal-Giroverkehr" mit allen Girostellen im Jahr 1927 hat Seltenheitswert. : © Historisches Archiv des OSV

Manchmal macht auch der November alles neu – Wiedereröffnung des Sparkassenmuseums in Grimma

Vor 22 Jahren eröffnete die Sparkasse Muldental in ihrer ehemaligen Hauptstelle in Grimma ein kleines Museum. Genutzt wurde ein Raum in der früheren Direktorenwohnung in der dritten Etage. Bereits drei Jahre später erfolgte eine Erweiterung auf vier Räume. Ob Grimmaer, auswärtige Gäste oder Schulklassen – viele Besucher fanden den Weg in dieses Kleinod und waren begeistert von der Vielfalt der Sammlung.

So hätte es weitergehen können, wenn nicht etwas sehr Einschneidendes passiert wäre. In schmerzlicher Erinnerung ist den Nutzern des Hauses am Markt 13 noch das Hochwasser. Aber Wasser kann auch durch die Decke kommen. Durchaus viel, wenn es durch einen Rohrbruch aus der Wand austritt und erst nach Tagen bemerkt wird. Die Folgeschäden in drei Räumen des Museums waren im November 2015 so groß, dass es geschlossen werden musste.

Nun ist wieder November und viel ist seitdem geschafft worden. Das Museum blieb im Herzen Grimmas, zog nur zwei Etagen tiefer, in die ehemalige Geschäftsstelle der Sparkasse. Ein Verein, der eigens dafür gegründet wurde, kümmert sich um die Ausstellung. Die Mitglieder – ehemalige, aber auch aktive Sparkassenmitarbeiter – freuen sich über die Übernahme des Museums durch die Sparkasse Muldental. Auf der Tagesordnung stehen der Neuaufbau, die Erhaltung und Sicherung der Sammlung sowie das Nutzbarmachen für die breite Öffentlichkeit. Dies sind alles Dinge, die nicht zu den eigentlichen Aufgaben einer Sparkasse gehören und daher von einem Verein besser geleistet werden können.

Am 15. November 2019 – also genau vor einer Woche – hatte der Verein zur Wiedereröffnung des Museums eingeladen. Die derzeit 16 Mitglieder begrüßten viele interessierte und neugierige Gäste, Vertreter der Stadtverwaltung und Stadtinformation Grimma, der Sparkasse sowie ihres Verwaltungsrates. Auch die fleißigen Helfer der letzten Jahre, Vertreter des Ostdeutschen Sparkassenverbandes aus Berlin, die Verbundpartner und die Presse sowie das Regionalfernsehen waren gekommen.

Auf einer größeren Ausstellungsfläche konnten sich die ersten Besucher davon überzeugen, dass der Großteil der Sammlung gerettet wurde und das Angebot des Museums nach wie vor breit gefächert ist. Zu entdecken gibt es viel:  Von der Gründungsurkunde einer Sparkasse aus dem Jahr 1840, über Sparkassenbücher vor 1900 und Maschinen aus den 1930er Jahren, bis hin zu handgeschriebenen dicken Büchern, alten Telefonen und einem der ersten Handys. Zu sehen sind u. a. auch alte Plakate, Kassenbücher, Stempel, Tresorschlüssel, Spardosen, Wertpapiere, Geschenkgutscheine, Zahlungsmittel, aber auch Alltagsgegenstände aus früheren Zeiten. Man kann sich in einer Geschäftsstelle von 1937 umsehen und diese mit einer von 1991 vergleichen, ein Schreibpult ausprobieren und sogar das Geheimnis eines Schreibtisches entdecken. Wenn Besucher etwas mehr Zeit mitbringen, erfahren sie interessante Begebenheiten aus vergangenen Tagen; Kinder können sich als Kassierer hinter dem Schalter versuchen.

Die ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder bieten individuelle Führungen nach Absprache an. Bis zur direkten Erreichbarkeit des Vereins ist eine Anmeldung über die Mailadresse angelaelsner@hotmail.de oder den Hausbriefkasten möglich. Zu besonderen Ereignissen der Stadt öffnet das Museum in jedem Fall seine Türen, wie zum Beispiel während des Weihnachtsmarktes am 8. Dezember 2019 von 13 bis 17 Uhr.

Der Eintritt ins Museum und die Führungen sind kostenfrei. Um die Vereinsarbeit voranzubringen, ist jeder weitere Mitgliedsantrag gern gesehen und natürlich auch jede Spende:

Konto: Sparkassenmuseum Muldental e. V.
IBAN DE58 8605 0200 1041 0007 20

Schauen Sie vorbei! Willkommen sind insbesondere auch junge Leute, Schulklassen und Hortgruppen.

Angela Elsner
Vorsitzende des Sparkassenmuseum Muldental e. V.

  • Begrüßungsgeldauszahlung an der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg im November 1989. : © Historisches Archiv der Berliner Sparkasse

  • Anstehen fürs Begrüßungsgeld am Bus der Sparkasse der Stadt Berlin West am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg im November 1989. : © Historisches Archiv der Berliner Sparkasse

  • Schlange stehen fürs Begrüßungsgeld in der Zentrale der Sparkasse der Stadt Berlin West in der Bundesallee 171 in Berlin-Wilmersdorf im November 1989. : © Historisches Archiv der Berliner Sparkasse

  • Am S-Bahnhof Köllnische Heide in Berlin-Neukölln wird für die Begrüßungsgeldauszahlung auch ein Sparkassenbus der damaligen Kreissparkasse Aachen eingesetzt. : © Historisches Archiv der Berliner Sparkasse

Mauerfall und Begrüßungsgeld – Der große Ansturm auf die Zweigstellen der Sparkasse in Berlin

Blogserie, Teil 1

Am 9. November 1989 um 18.00 Uhr beginnt in Ost-Berlin die im DDR-Fernsehen live übertragene Pressekonferenz mit Günter Schabowski, der in diesen Tagen als Sprecher des SED-Zentralkomitees fungiert. Schabowski gibt die neue Reiseregelung bekannt und fügt auf die Nachfrage eines Journalisten, wann die neue Regelung in Kraft treten soll, hinzu: „Sofort, unverzüglich!“. Diese Meldung wird schnell in den Medien verbreitet. Die Nachrichtensendungen der ARD und des ZDF berichten darüber. Bald setzt ein Massenansturm auf die Berliner Grenzübergänge ein und bis gegen Mitternacht wird die Öffnung aller Berliner Übergänge erzwungen.

Bereits am Abend verhandelt in West-Berlin der Senat mit Vorständen der Berliner Banken und in der Nacht verkündet der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper, dass ab 10. November bei der Sparkasse und bei allen übrigen Banken im Westteil Berlins Begrüßungsgeld in Höhe von 100 DM an alle DDR-Bürger ausgezahlt wird.

Am 10. November stehen bereits früh die ersten DDR-Bürger vor den Zweigstellen der Sparkasse in den westlichen Bezirken und fragen nach dem Begrüßungsgeld. Per Telefon-Rundruf werden morgens die rund 90 Zweigstellen informiert, damit möglichst pünktlich um 9.00 Uhr die Auszahlung beginnen kann. Aufgrund des immer stärker werdenden Andrangs bilden sich vor vielen Zweigstellen lange Schlangen. Bald wird nicht nur an den Kassen, sondern auch an vielen Schreibtischen an alle Personen, die einen Personalausweis vorlegen, ausgezahlt. Um Mehrfachauszahlungen zu verhindern, werden die Personalausweise mit einem Sparkassen- bzw. Datumsstempel versehen. Der normale Bankbetrieb kommt dabei zum Erliegen.

Am größten ist der Andrang in Zweigstellen, die in der Nähe von Grenzübergängen liegen. Auch Zweigstellen, die zentral gelegen und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, wie zum Beispiel am Zoologischen Garten, werden stark frequentiert. An der Gedächtniskirche kommt auf dem Breitscheidplatz zur Entlastung der dortigen Zweigstelle zusätzlich ein Bus der West-Berliner Sparkasse für die Auszahlung des Begrüßungsgelds zum Einsatz. Die Öffnungszeiten der Zweigstellen werden verlängert. Teilweise sind sie bis spät abends und darüber hinaus auch an den Wochenenden geöffnet. Viele Mitarbeiter aus den zentralen Abteilungen helfen aus. Eine große Herausforderung stellt auch die Versorgung der Zweigstellen durch die Sparkassenzentrale mit Bargeld dar. Aber alles läuft ohne größere Probleme ab und wird von einer großen, einmaligen Euphorie getragen.

Bald werden auch zwei weitere fahrbare Zweigstellen eingesetzt. Diese beiden Sparkassenbusse kommen zur Unterstützung von der damaligen Kreissparkasse Aachen und von der Nassauischen Sparkasse nach Berlin.

Ab Ende November stehen bei der Sparkasse nur noch zehn Sonderzahlstellen für das Begrüßungsgeld bereit, die an acht Standorten konzentriert sind. Eingestellt wird die Begrüßungsgeldauszahlung am 29. Dezember 1989. In diesen Wochen hat die Sparkasse im Westteil Berlins insgesamt rund 1,2 Millionen Auszahlungen bearbeitet und damit rund 120 Millionen DM ausgegeben.

Auch im Ostteil der Stadt bilden sich im November und Dezember 1989 lange Schlangen vor den Zweigstellen der Sparkasse. Alle DDR-Bürger, die eine Reiseerlaubnis vorweisen können, und nach der Grenzöffnung ist das praktisch jeder, sind zum Umtausch von 15 Mark der DDR in DM im Verhältnis von eins zu eins berechtigt. Rund 80 Prozent aller Währungsumtausche in Ost-Berlin werden von der Sparkasse durchgeführt. Aufgrund des Andrangs stehen die Menschen stundenlang nach dem Geld an. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, müssen viele Mitarbeiter neben ihrer eigentlichen Arbeit zusätzlich in den Zweigstellen aushelfen. Auch am Abend oder an den Wochenenden wird gearbeitet.

Die beiden Berliner Sparkassen haben aufgrund des umfassenden Einsatzes und der führenden Beteiligung bei der Auszahlung des Begrüßungsgeldes und beim DDR-Mark-Umtausch sowie im Juli 1990 bei der DM-Einführung in der DDR im Rahmen der Währungsunion erheblich zum Zusammenwachsen der beiden Stadthälften beigetragen. Zum Jahresende 1990 kommen auch die seit 1948 getrennten beiden Berliner Sparkassen unter dem Dach der neu gegründeten Landesbank Berlin wieder zusammen.

Klaus-Dieter Marten

Historisches Archiv der Berliner Sparkasse

Fortsetzung folgt am 13.11.2019

  • Der Teeziegel (Bildmitte) als Zahlungsmittel erstaunte so manchen Standbesucher. : © Historisches Archiv des OSV

  • Lehrreiches und Amüsantes aus der Geschichte des Naturalgeldes erfuhren die Tagungsteilnehmer beim Grübeln über unseren Quizfragen. : © Historisches Archiv des OSV

Tee ist zum Trinken da oder doch nicht?

Gestern fand in Potsdam der 45. Vertriebsring des Ostdeutschen Sparkassenverbandes statt. Als Praktikantin des Historischen Archivs des Verbandes habe ich an diesem Event teilgenommen und mir die Vorträge von diversen Referenten angehört. Zudem konnte ich mir die verschiedenen Stände der Vertriebspartner anschauen und selbst bei der Standpräsentation des Archivs dabei sein. Neugierige Blicke zog die neue Wanderausstellung „Geldgeschichte(n)“ des Archivs auf sich. Die ausgefallenen Zahlungsmittel, wie z. B. Schneckengehäuse und Samen, aus verschiedenen Epochen und Ländern waren hautnah zu betrachten. Ein kleines Fragespiel führte zur Interaktion mit den Standbesuchern.

Wussten Sie, dass Teeziegel ein gängiges Zahlungsmittel bis ins 20. Jahrhundert in China waren? Eine doch sehr umweltfreundliche Zahlungsmethode.

Nachhaltigkeit, Kommunikation, Digitalisierung und Niedrigzins – diese vier Schlagworte standen bei den Vorträgen im Mittelpunkt. Zudem wurde auch das Image der Sparkassen thematisiert und wie dieses durch neue Werbestrategien und verschiedene Maßnahmen verbessert werden könne.

Das Vorstandsmitglied der Saalesparkasse, Alexander Meßmer, präsentierte in seinem Vortrag „Wurzeln schlagen – Was unsere Sparkasse in der Region erfolgreich macht“ die Meilensteine seines Instituts. In den 30 Jahren nach der Wende hat sich die Saalesparkasse ein hohes Ansehen in der Region erarbeitet. Sie kaufte kürzlich Wohnungen eines Neubaugebietes, was sehr gut bei den Menschen ankam. Geschlossene Filialen wurden umfunktioniert, wie z. B. zu einem Kindergarten oder Konsum. Zudem unterstützt die Saalesparkasse die regionalen Sportvereine mit eigenen Bussen, damit diese ihre Auswärtsspiele mit wenig Aufwand antreten können. Dass der Sparkasse Nachhaltigkeit auch wichtig ist, zeigte die Baumpflanzaktion anlässlich ihres 200-jährigen Jubiläums in diesem Jahr.

Somit geht die Saalesparkasse als gutes Vorbild für andere Sparkassen voran und zeigt, dass selbst in schwierigen Zeiten regionales Engagement unentbehrlich ist und erfolgreich macht.

 

Stefanie Grützner

Praktikantin im Historischen Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes

  • Diese Manille ist schlicht und ohne Ornamente oder Verzierungen. Als primitives Zahlungsmittel wurden sie vornehmlich in Westafrika verwendet. : © Historisches Archiv des OSV

  • Manille mit Ornamenten aus Westafrika. 1948 wurden die Manillen von der britischen Kolonialverwaltung in Nigeria eingezogen und ab dem 01.04.1949 waren sie endgültig als Zahlungsmittel verboten. : © Historisches Archiv des OSV

  • Paternostererbsen kamen in Süd-Nigeria und Kamerun, aber auch in Indien, als Zahlungsmittel zum Einsatz. : © Historisches Archiv des OSV

  • Um 1900 waren etwa 12 bis 15 Teeziegel nötig, um ein Schaf in der Mongolei zu kaufen. : © Historisches Archiv des OSV

Von Teeziegeln und Regenbogenschüsselchen – Teil 2

Im letzten Beitrag mit dem Titel „Von Teeziegeln und Regenbogenschüsselchen“ haben Sie zuletzt die Kaurischnecken als Zahlungsmittel im westafrikanischen Raum kennengelernt. In Westafrika wurden jedoch nicht nur Kauris eingesetzt.

Manillen

Lange Zeit handelte man mit den „Manillen“, einem westafrikanischen Ringgeld aus legiertem Kupfer bzw. Bronze. Genau genommen hielt sich der kostbare Armreif noch bis ins Jahr 1948 als offizielles Zahlungsmittel bevor er von der britischen Kolonialverwaltung in Nigeria eingezogen und ab dem 01.04.1949 endgültig als Zahlungsmittel verboten wurde. Die Manillen, die einen nicht ganz geschlossenen Kreis bilden, tauchten in ganz unterschiedlichen Anfertigungen in verschiedenen Regionen Westafrikas auf und werden dem Barrengeld zugeordnet.

Dabei beherbergt das Historische Archiv des OSV gleich zwei Formen des geschichtsträchtigen Schmuckstücks: die Standard-Manille mit schlichter Gestaltung und ohne Verzierung ist der Prototyp des europäischen Imports. Eine weniger schlichte Variante ist auf einem weiteren Foto zu sehen. Diese leicht bräunlich wirkende Manille ist mit zahlreichen Ornamenten versehen und erinnert eher an ein Schmuckstück. Allerdings war dieses Exemplar mit einem Gewicht von über 1000 g weniger zum Tragen als vielmehr zum Bezahlen gedacht. Manillen wurden gern als Wertmesser innerhalb des Sklavenhandels eingesetzt. Für etwa 12 bis 15 Manillen war es bereits möglich einen Sklaven zu „erwerben“ [1]. Darüber hinaus nutzte man die Manillen auch als Brautgeld oder Grabbeigabe.

Paternostererbsen

Es gab jedoch auch Zahlungsmittel, denen neben einer Geldfunktion, auch ein Verbrauchswert innewohnte. So wurden zum Beispiel Kakaobohnen als Naturalgeld verwendet, die jedoch einen Nachteil hatten: ihr wahrer Wert zeigte sich erst, wenn man sie konsumierte, doch dann waren sie eben „weg“. Besser nicht konsumieren sollte man die Paternostererbsen. Die kleinen roten Hülsenfrüchte, die sehr an einen Marienkäfer erinnern, kamen in Süd-Nigeria und Kamerun, aber auch in Indien, dem Land aus dem sie stammen, als Zahlungsmittel seit dem Altertum zum Einsatz. In Indien, wo sie auch „Rati“ heißen,  wurden und werden sie zudem zum Abwiegen von Gold benutzt, da ein Samen etwa einem Karat entspricht.

Circa 100 Stück der rot-schwarzen Erbsen kamen dem Wert eines Pennys gleich. In Afrika und Asien benutzte man die farbenprächtigen Samen zudem gerne für die Herstellung von Schmuckketten. Diese Art der Verwendung war in der Geschichte aber keinesfalls neu: bereits vor 400 Jahren entdeckten die Mönche die hochgiftigen Erbsen für sich und kreierten daraus ihre ganz speziellen Rosenkränze. Das in der Paternostererbse enthaltene Abrin ist ein pflanzliches Toxin, welches zu den tödlichsten Giften überhaupt zählt. Bereits 0,01 Mikrogramm pro Kilogramm können tödlich für einen Menschen sein [2]. Das Gift kann jedoch erst im zerkauten bzw. aufgebrochenen Zustand austreten, weshalb das Verschlucken einer unzerkauten Erbse nicht zwingend tödlich wäre.

Teeziegel

Weniger giftig und weitaus genießbarer ist der letzte Kandidat in der Riege der exotischen Zahlungsmittel vergangener Zeiten die im OSV-Archiv gesammelt werden. Denn neben mühsam hergestellten Glasperlen und kilogrammschweren Kupferarmbändern wurden nicht selten auch Lebensmittel als Warengeld verwendet. So kam der Teeziegel im 9. bis 20. Jahrhundert vor allem in China, Birma, Tibet, Turkmenistan, Sibirien, Russland und in der Monogolei als Zahlungsmittel auf. Der Wert der quaderförmig gepressten Teeblätter richtete sich dabei nach ihrem Gewicht und ihrer Qualität. Jedoch war die Qualität auch von der Farbe, dem Gärungsprozess und dem Verhältnis zwischen Zweigen und Teeblättern abhängig.

Der Teeziegel des OSV-Archivs stammt ursprünglich aus der Provinz Yunnan, in welcher die Stadt Pu’er zu finden ist. Die Stadt ist Namensgeber für die mittlerweile weltweit bekannte, chinesische Teesorte „Pu-Erh-Tee“. Bei der Wertbestimmung des Teeziegels gilt: je älter der Tee desto höher sein Wert. Aus diesem Grund lagerte man auch gerne die sogenannten „Pu-Erh-Ziegel“ für längere Zeit, um das angelegte Geld zu vermehren – das Geld trug sozusagen Zinsen ein. Der abgebildete Teeziegel trägt in der obersten Reihe fünf nebeneinandergereihte Sterne, während direkt darunter ein Tempel mit drei Portiken abgebildet ist. Im letzten, untersten Feld finden sich chinesische Schriftzeichen, die einen Hinweis auf die Herstellungsstätte geben. Es waren um 1900 übrigens etwa 12 bis 15 Teeziegel nötig, um ein Schaf in der Mongolei zu kaufen [3].

Celina Höffgen, Praktikantin Historisches Archiv des OSV

[1] Ostdeutscher Sparkassenverband: Geld[un]formen. Katalog zum gleichnamigen Wettbewerb und zur Wanderausstellung des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. Berlin: Sparkassenverlag, 2008, S. 27

[2] Angelika Baack, geb. Zinner: Antikonzeptive und phytoöstrogene Wirkweisen bestimmter Gewürze, Heil- und Zierpflanzen sowie pflanzlicher Lebensmittel. Hamburg, Diplomica Verlag GmbH, 2007, S. 108

[3] Moneymuseum, Texte Hadlaub, „Traditionelle Zahlungsmittel“: Online im Internet: URL: https://www.moneymuseum.com/pdf/archiv/Traditionelle%20Zahlungsmittel,%20Texte%20Hadlaub.pdf [zuletzt aufgerufen am 14.03.2019]

  • Repliken keltischer Gold- und Silbermünzen aus dem Oppidum von Manching in Bayern. Die beiden goldenen Münzen werden auch Regenbogenschüsselchen genannt. : © Historisches Archiv des OSV

  • Venezianische Chevron-Glasperlen, die ca. zwischen 1880 und 1930 nach Afrika gehandelt wurden. : © Historisches Archiv des OSV

  • Kaurischnecken, oder auch Porzellanschnecken genannt, verwendete man noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts als Zahlungsmittel. : © Historisches Archiv des OSV

Von Teeziegeln und Regenbogenschüsselchen – Teil 1

Wenn wir heute an Geld denken, dann denken wir in allererster Linie an ein Zahlungsmedium, welches die fast magische Eigenschaft besitzt, unsere bisher unerfüllten Wünsche wahrwerden zu lassen. Ob als Bar- oder Buchungsgeld – die umgangssprachlichen „Moneten“ sind heute ein fester Bestandteil unseres Lebens. Ohne Moos ist eben nichts los. Doch die Menschheit misst ihre Güter nicht erst seit gestern an Geld. Da stellt sich die Frage, wie es denn damals war, als noch keine Banknoten gedruckt werden konnten und der bargeldlose Zahlungsverkehr noch eine weit entfernte Zukunftsmelodie war?

Man war seit jeher äußerst erfinderisch was die Bezahlung von Gütern anbelangte. Ob aus Gold, Tee oder einer gar giftigen Samenart, der Vielfalt des sogenannten Primitivgeldes waren auch schon vor über tausenden von Jahren keine Grenzen gesetzt. Das Historische Archiv des OSV ist einigen dieser Formen auf den Grund gegangen und hat die, nicht selten außergewöhnlichen, Zahlungsmittel einmal genauer unter die Lupe genommen. Zu sehen sind diese Schätze außerdem im März in einer Ausstellung in zwei Filialen der Saalesparkasse. In jeweils zwei Beiträgen wollen wir Ihnen sieben dieser Exponate vorstellen.

Keltische Regenbogenschüsselchen-Stater, Quinare und Büschelquinare

Wir befinden uns in der Zeit des 3. bis 1. Jahrhunderts vor Christus. Die Kelten sind geprägt vom Handel mit den Griechen, die bereits Münzen vor allem unter der Herrschaft Alexanders des Großen in Umlauf brachten. So findet auch der Volksstamm seinen Gefallen an den kleinen, runden Zahlungsmitteln aus Gold, Silber und anderen Edelmetallen und prägt fortan seine eigenen Münzen, die sogenannten „Stater“. Die Regenbogenschüsselchen-Stater waren zumeist unebene Münzen aus Gold, die ihren Namen einem Aberglauben der Bauern auf den Feldern im Alpenvorland zu verdanken haben [1]. Dort glaubte man, dass ein Regenbogen an der Stelle die Erde berührt haben musste, an welcher zuvor aufgrund von starken Gewitterregen die kleinen schüsselförmigen Goldmünzen zutage kamen.

Zusätzlich zum „Stater“ gab es auch den „Viertelstater“, eine kleinere Version der keltischen Goldmünze. Neben den Regenbogenschüsselchen handelte man außerdem mit Quinaren und Büschelquinaren aus Silber. Ein äußerst beliebtes Motiv für die Prägung der keltischen Münzen waren Pferdeabbildungen, wie auch auf den Exemplaren des OSV-Archivs zu sehen ist. Weitere Prägemotive setzten sich aus Ornamenten, Fabelwesen sowie aus stilisierten Menschen- und Vogelköpfen zusammen. Aufgrund der fehlenden Überlieferung von Aufschriften und antiken Münzennamen ist der Wert schwer zu bestimmen. Allerdings nutzte man die Münzen zumindest bis in die Mitte des 1. Jahrhunderts überwiegend als Schatzgeld und für den Informationsaustausch.

Venezianische Chevron-Glasperlen

Wir bewegen uns von den Kelten weiter zum Adriatischen Meer, genauer nach Murano, der weltbekannten Herstellungsstätte für feinste Glasperlen. Die nordöstlich von Venedig gelegene Inselgruppe kann sich mit einer langjährigen Geschichte in der Glasproduktion rühmen und beherbergt bis heute das „Museo del Vetro“ (Glasmuseum Murano). So ist es auch nicht verwunderlich, dass insbesondere die Glas- und Keramikperlen mit der Ankunft der Europäer in Afrika und Asien, in Mode kamen.

Die Geburtsstunde der Chevron-Perlen datiert man auf etwa 1500. Während sie vorerst nur in Venedig hergestellt wurden, sollte es jedoch nicht lange dauern bis die Glasperlen auch ihren Weg hinaus in die weite Welt fanden. Die Chevron-Perlen wurden fortan im ganz großen Stil exportiert. Das Produktionsgeheimnis musste dabei unter allen Umständen von Muranos Perlenmachern gehütet werden, andernfalls war mit einer Todesstrafe zu rechnen. Die 61 aufgezogenen Chevron-Perlen aus Glas, die sich in unserem Archiv befinden, sind vorrangig in den Farben blau, weiß, rot und schwarz-braun gestreift. Im Querschnitt ist ein Sternenmuster zu erkennen, welches urtypisch für die Chevron-Glasperlen ist. Glasperlen galten vor allem im 19. Jahrhundert in Westafrika als eine Art Kleinwährung, wobei sie vorrangig für die Bezahlung von Nahrungsmitteln oder auch als Tributzahlung dienten [2].

Kaurischnecken

Im asiatischen und später auch im westafrikanischen Raum handelte man indes mit den sogenannten Kaurischnecken. Dieses vormünzliche Zahlungsmittel ist wohl das prominenteste Beispiel für Naturalgeld, da es für sehr lange Zeit, genaugenommen für über 3500 Jahre, in weiten Teilen der Erde zum Einsatz kam. Das hat unter anderem den Grund, dass die Kauris wegen ihres geringen Einzelwerts auch den Kauf von kleineren Warenmengen erlaubten.

Erste Hinweise auf die Kaurischnecken gab es in China bereits im 13. Jahrhundert vor Christus. Verwendet wurde die zumeist weiße, ovalförmige Schneckenart (Abb. 3) im Handel um die unterschiedlichsten Güter. So erhielt zum Beispiel ein Käufer um 1810 für 10 Kauris eine Kuh [3]. Durch die exakte Aufreihung der Schneckengehäuse auf einem geflochtenen Armband war auch eine ebenso exakte Wertbestimmung möglich. Übrigens erlebte man mit dem Kaurigeld aufgrund des Eingreifens der Europäer eine der ersten Inflationen in der Geldgeschichte. Während der Brautpreis um 1810 in Uganda noch bei 30 Kaurischnecken lag [4], erhöhte sich der Preis im Jahre 1957 bereits auf 10.000 Kauris.

Celina Höffgen, Praktikantin Historisches Archiv des OSV

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[1] Franziska Jungmann-Stadler: Geld: Von der Kaurischnecke zur Kreditkarte. Nürnberg: Tessloff Verlag, 2002, Band 78, S. 16

[2] Ursula Kampmann: Geld in anderen Gesellschaften: Traditionelle Zahlungsmittel aus der Sammlung Kuhn – Teil 2. Online im Internet: URL: https://www.muenzenwoche.de/de/Archiv/Geld-in-anderen-Gesellschaften-Traditionelle-Zahlungsmittel-aus-der-Sammlung-Kuhn–Teil-2/8?&id=111&type=a [zuletzt aufgerufen am 14.03.2019]

[3] Ostdeutscher Sparkassenverband: Geld[un]formen. Katalog zum gleichnamigen Wettbewerb und zur Wanderausstellung des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. Berlin: Sparkassenverlag, 2008, S. 9

[4] Ebenda