• Ausstellungstafeln und Rollup zur Geschichte der Sparkasse Muldental : © Historisches Archiv des OSV

Ausstellungseröffnung in Wurzen

Am vergangenen Freitag war es soweit. Im Beratungscenter in Wurzen wurden unsere Jubiläumsausstellungen für die Sparkasse Muldental am zweiten Standort feierlich eröffnet. Vom Sparkassenvorstand Stefan Müller, dem Landrat Henry Graichen sowie dem Oberbürgermeister Marcel Buchta. Warum gerade Wurzen? Aus den Kreissparkassen Wurzen und Grimma entstand Anfang 1993 die heutige Sparkasse. Beim Event wurde, auch vom Autor, insbesondere auf die historische Sparkassengründung 1847 vor Ort eingegangen. Es handelte sich um das erste von Anfang an kommunale Institut in der Region.

Die Geschäftsstelle war damals die sogenannte Bürgerstube, die sich links vom Eingang in den oberen Rathaussaal befand. Nach Aussage des Oberbürgermeisters ist dort heute die Stadtbibliothek. Am 14. Juli 1847 stellte die Sparkasse für Emil Ulrich das erste Sparbuch aus. Insgesamt kamen am Eröffnungstag 273 Taler, 6 Neugroschen und 2 Pfennige zusammen. Der Taler bestand im Königreich Sachsen übrigens aus 30 Neugroschen zu je 10 Pfennigen. Das war schon ein Schritt in Richtung Dezimalsystem. Dass die Sparkasse nur Einzahlungen annahm, wenn die Kasse nicht voll war, und der Bürgermeister persönlich die Kreditanträge annahm, waren weitere unterhaltsame Geschichtsfakten.

Nicht nur auf Tafeln, sondern auch in Vitrinen können bis zum Jahresende die Zahlungsmittel gesichtet werden, mit denen die Sparkasse in ihrer langen Geschichte schon zu tun hatte. Das Historische Archiv des OSV hat diese aus seinem Bestand bestückt. Es gibt aber auch interessante Objekte aus dem Sparkassenmuseum in Grimma zu sehen. Schauen Sie doch gern während der Öffnungszeiten bei der Sparkasse am Jacobsplatz vorbei. Wir wünsche Ihnen an dieser Stelle schöne Einblicke in die Historie der Sparkasse und des Geldes.

  • Im Haus der ehemaligen Kreissparkasse am Markt 10 ist heute eine Filiale der Sparkasse Vorpommern untergebracht. (Ansichtskarte Verlag Dr. Phot.-Anst. Dresden, um 1920; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

Recherche in Greifswald

Greifswald ist nicht nur Hauptsitz der Sparkasse Vorpommern. Hier befindet sich auch eine Stelle des Landesarchivs von Mecklenburg-Vorpommern, das interessante Akten beherbergt. Konkret handelt es sich um Schriftgut der preußischen Aufsichtsbehörden, die zum Beispiel Satzungen genehmigten und Jahresabschlüsse kontrollierten. In diesen Beständen wurden gestern Gründungsdaten von historischen Sparkassen der Region recherchiert.

Für das oben abgebildete Institut war das nicht nötig. Es liegen uns schon einige Informationen vor. So wirkte bereits vor 170 Jahren eine Sparkasse für den Kreis Greifswald. Sie eröffnete am 5. Januar 1856. Sitz und Hauptgeschäftsstelle befanden sich am Markt 10, wo heute die moderne Sparkasse im alten Gebäude eine Filiale unterhält. Dort wurden im ersten Jahr über 30.000 Taler eingezahlt. Im Archiv sind solche ersten Geschäftsdaten von damals übrigens durch eine Akte überliefert.

  • Ein Beispiel des historischen Engagements: Die Kreissparkasse mit Sitz in Eisleben (rechts im Bild) gab Geld für den Kampf gegen Alkoholsucht. (Ansichtskarte Verlag J. C. Kind in Eisleben, versendet 1918; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

Historisches Engagement seit zehn Jahren

Am 11. August 2016 war es soweit. Auszubildende von Mitgliedssparkassen des OSV bekamen im Rahmen der Einführungswoche an der Nord-Ostdeutschen Sparkassenakademie erstmals Sparkassengeschichte von mir serviert. Vor zehn Jahren war das nach dem Abendessen. Doch bald fand dieser Programmpunkt nach dem Frühstück seinen Platz. Inhaltlich hat sich nicht sehr viel verändert. Ein Dauerthema ist unter anderem das gesellschaftliche Engagement der Sparkassen in früheren Zeiten.

Auch beim heutigen Seminar wird der praktische Einsatz von Sparkassengewinnen in den Heimatregionen der Teilnehmenden verdeutlicht. Die Sparkasse des Mansfelder Seekreises in Eisleben setzte sich beispielsweise für die Gesundheit ein. Es wurden etwa 1910 nicht nur bestehende Krankenhäuser unterstützt. So bekam der Verein zur Errichtung von Trinkerheilstätten in der Provinz Sachsen etwas Geld. Und der deutsche Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke.

Auch solche kleinen Geschichten zeigen konkret das historische Engagement für die Gesellschaft. Heute geht es um Spenden, Sponsoring oder Stiften. So fördern Sparkassen weiterhin das Gemeinwohl und helfen bei der Verbesserung der Lebensqualität in ihren Geschäftsgebieten. Sie können dabei stolz auf diese Tradition zurückblicken. Und die Auszubildenden können stolz auf ihr Unternehmen sein.

  • Relief an der Fassade des Döbelner Rathauses, das auf die Präsenz der Sparkasse hinweist - Sie war von 1912 bis 1994 im Gebäude. : © Historisches Archiv des OSV

Erfolgreiche Recherche in Döbeln

Die Unterstützung der Sparkasse Döbeln bei der Aufarbeitung und Präsentation ihrer Geschichte ist dieses Jahr ein wichtiges Projekt des historischen Verbandsarchivs. Dabei steht zunächst die Recherche in Beständen der Sparkasse sowie von Archiven auf dem Programm. So konnte der Autor letzte Woche endlich Akten im Döbelner Stadtarchiv sichten. Das Archiv befindet sich unterm Rathausdach. Viele interessante Funde wurden dort gemacht und spannende neue Informationen gewonnen. Zwei Themen möchte ich hier ansprechen.

So liegt in den Gründungsunterlagen unter anderem eine Liste der ersten Kreditnehmer der Spar- und Leihkasse von 1847. Auch heute ist das Kreditgeschäft für die Sparkasse sehr wichtig. Da sie gut wirtschaftet, kann sie verschiedenste Projekte in der Region finanziell unterstützen. Dieses Engagement ist auch historisch. Dass die Stadtsparkasse Döbeln bereits bis 1898 insgesamt eine Million Mark für gemeinnützige Zwecke bereitgestellt hatte, wusste ich schon vor dem Archivbesuch. Nun fanden sich Akten, die Aufschluss über die konkrete Verwendung in den Vorjahren geben.

Die Bevölkerung profitierte auf unterschiedliche Art von ihrer Sparkasse, die damals eine unselbstständige Einrichtung der Kommune war. Geld floss nach Genehmigung der Aufsichtsbehörde unter anderem in die Krankenhaus- und Schulkassen. Die Gemeindediakonie, das Armenarbeitshaus und dessen Kleinkinderbewahranstalt (Kindergarten) bekamen auch etwas. Zum Beispiel neue Trottoirs (Bürgersteige) und die Straßenbeleuchtung wurden mitfinanziert. Oder die öffentlichen Bedürfnisanstalten (Toiletten) sowie die Feuerwehr, das Wasserwerk, …

  • Collage: Erste Einzahlung auf Sparbuchcover : © Historisches Archiv des OSV

Wiederaufbau mit der Reichsmark

Als das Historisches Archiv des OSV anlässlich des Weltspartages 2012 öffentlich das älteste Sparbuch im Verbandsgebiet suchte, ist auch dieses Quittungs-Buch als Geschenk in unseren Bestand gekommen. Die Löbauer Sparkasse stellte es vor genau 100 Jahren aus. Die Eintragung des Kassierers an diesem 22. Juli macht etwas stutzig. Eingezahlt wurden natürlich nicht Mark. Die Reichsmark war seit 1924 die neue Währung.

Viele unserer Sparkassenbücher weisen übrigens diesbezügliche Markierungen in gestempelter oder/und handschriftlicher Form auf. Man hat unzeitgemäße Exemplare also nicht weggeworfen, sondern weitergenutzt. Verständlich. Sparsamkeit hieß die Devise. Die Aufbaujahre nach der verheerenden Hyperinflation waren auch für die Sparkassen wirtschaftlich sehr herausfordernd.

Ihre Kundschaft versuchte sich indes wieder Rücklagen aufzubauen. Die Besitzerin des abgebildeten Sparbuchs war damals ein 12jähriges Bauernmädchen. Ihre spätere Tochter, die es einsendete, vermutete ein Sparen für die Aussteuer. Ein klassisches Sparziel. Die Wanderausstellung „Ein Buch weckt Erinnerungen“, die infolge der Such-Aktion entstand, thematisiert insbesondere solche persönlichen Spargeschichten. Unsere Mitgliedsinstitute können sie nach wie vor gern beim Verband ausleihen.

  • © Historisches Archiv des OSV

Mansfelder Silber

Mit der Talerwährung starteten bekanntlich die ersten Sparkassen in unserem Geschäftsgebiet. Auf den Silbermünzen waren vorn die Landesherren abgebildet. Die Rückseite zeigte üblicherweise das jeweilige Wappen. Es gab aber auch besondere Prägungen, wie diesen 170 Jahre alten Mansfelder Ausbeutetaler. Bereits im Mittelalter wurde südöstlich des Harzes Silber abgebaut. Die Gegend um Hettstedt, Klostermansfeld, Mansfeld und Eisleben besaßen lange Zeit die Mansfelder Grafen, deren Geschlecht im 18. Jahrhundert ausstarb.

Ab 1815 gehörte das Mansfelder Land vollständig Preußen. Dessen Könige ließen dann mit dem Gewinn des profitablen Bergbaus ebenfalls sehr viele Taler prägen. Gemäß dem preußischen Münzfuß steckt der vierzehnte Teil einer feinen Mark (von knapp 234 Gramm) Silber in diesem Taler. Sicherlich hatte auch manche Sparkasse mit solch einem Geldstück zu tun. Die erste in der Region bestand übrigens bereits seit 1843 in der Stadt Eisleben.