• Für die Sanierung des historische Rathausportals links gab es bereits 1870 Geld von der Sparkasse. (Abb. Ausschnitt Ansichtskarte Graph. Verlags-Anstalt Dresden, um 1910; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Das gemeinnützige Engagement der Sparkasse in Wittenberg

Nicht nur im Rahmen ihrer jüngsten Geburtstage engagieren sich Sparkassen für die Gesellschaft und geben Geld für Projekte in den Bereichen Kunst und Kultur, Soziales, Sport, Bildung und Wissenschaft sowie Umwelt. Interessant ist immer wieder, das Wirken der Sparkassen bis zu den Anfängen zurückzuverfolgen. Heute habe ich zum Beispiel in eine Festschrift geschaut, welche die Stadtsparkasse Wittenberg zum 100. Jubiläum herausgegeben hat. Diese 1825 eröffnete Sparkasse war die erste Gründung im Geschäftsgebiet der Sparkasse Wittenberg.

Belegt sind Zuweisungen für gemeinnützige Zwecke schon ab 1864, nachdem ausreichende Sicherheitsreserven aufgebaut waren. In diesen Zeiten durfte die Stadt als Träger mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden die Verwendung verfügen. Mit 6.000 Talern wurde in dem Jahr der Zustand von Straßen verbessert. Immer wieder sind Beträge für Pflasterarbeiten ausgegeben worden. Auch Bürgersteige wurden erneuert. Diese nannte man damals Trottoirs. Bemerkenswerter sind Zuschüsse beim Bau anderer Einrichtungen für die Menschen in der Lutherstadt. Hier einige Beispiele aus dem 19. Jahrhundert: 1874 Bau einer Bade- und Schwimmanstalt, 1876 Bau der Schule in der Schlossvorstadt, 1877/79 Bau des Bürgerhospitals, 1884 Anlegung eines Springbrunnens im Kreisgarten, 1886 Bau einer Bade- und Bedürfnisanstalt und 1897 Bau eines Spritzenhauses für die Feuerwehr. Weil wir beim Thema Wasser sind: Zur Versorgung der Stadtbevölkerung brauchte es am Ende des Jahrhunderts neue Leitungen und einen Umbau des Wasserwerks. Damit Wasser fließen konnte, floss Geld der Sparkasse.

Ab 1878 profitierten gemeinnützige Anstalten beziehungsweise Institute von den Überschüssen der Stadtsparkasse. Die einzelnen Einrichtungen sind nicht namentlich erwähnt, wenngleich insgesamt erhebliche Beträge gegeben wurden, etwa 46.201,45 Mark im Jahr 1895. Im 20. Jahrhundert setzte sich das Engagement fort. Selbst während des Ersten Weltkriegs gab es Geld für gemeinnützige Zwecke. Mit der Inflation nach Kriegsende waren die wirtschaftlich guten Zeiten aber erst einmal vorbei. Überliefert ist, dass die Stadtsparkasse Wittenberg von 1864 bis 1918 insgesamt mehr als 1,5 Millionen Mark an Überschüssen bereitstellte. Eine stattliche Summe!

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser in unseren Mitgliedssparkassen, auch gern erfahren möchten, was Ihr Institut in früheren Zeiten schon bewirkt hat, so stellen Sie gern eine Rechercheanfrage an Ihr Historisches Archiv des OSV. Das gesellschaftliche Engagement gehört nämlich zur DNA der Sparkassen. Damit hebt man sich von Wettbewerbern ab. Es geht um mehr als Geld. Gutes tun und darüber reden war auch schon früher angesagt. Deswegen finden sich nicht nur in zu transkribierenden Quellentexten, sondern auch in leicht zugänglichen Publikationen viele Hinweise, wie die Allgemeinheit von den Gewinnen der kommunalen Sparkassen profitierte.

  • © 1. Stadtkarte/Weg: Google, Kartendaten © 2021 GeoBasis-DE/BKG (©2009); 2. Bild Marienplatz 9: https://www.sparkasse-mecklenburg-schwerin.de; 3. weitere Bilder: Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes

  • Sparkasse am Leninplatz (Marienplatz), 1980er Jahre : © Historisches Archiv des OSV

  • Schwerin um 1909 : © Historisches Archiv des OSV

  • Sparbücher aus Schwerin, 1942 und 1905 : © Historisches Archiv des OSV

  • Sieben Skulpturen schmücken das Haus Puschkinstraße/Ecke Lindenstraße. Im Bild die Allegorien auf die Wohltätigkeit, Arbeitsamkeit, Sparsamkeit und das Bewahren des Ersparten. : © Historisches Archiv des OSV

  • Blick in die Ausstellung, Puschkinstraße/Ecke Lindenstraße : © Historisches Archiv des OSV

  • Ausstellungsraum, Detailbild Vitrine : © Historisches Archiv des OSV

  • Unsere kleine Zeitreise endet am Schweriner Schloss, mit garantierter Erholung an oder auf den Gewässern der Stadt! : © Historisches Archiv des OSV

Auf einem Spaziergang durch Schwerin 200 Jahre Sparkassengeschichte erleben

Sommer, Sonne, Städtetrip. Unser Vorschlag für Sie: ein Besuch der sehenswerten Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns. Schwerin. Ein altehrwürdiger Ort, dem bereits 1160 das Stadtrecht verliehen worden ist.

In Corona-Zeiten ist es wahrlich nicht einfach, unterwegs zu sein, geschweige denn, Kultureinrichtungen zu besuchen. Doch ein historischer Stadtrundgang ist immer möglich. Wir haben für Sie anlässlich des Geburtstages der ältesten mecklenburgischen Sparkasse am 5. Juni einen Spaziergang zusammengestellt, der Sie auf die Spuren von Sparkassengeschichte(n) aus 200 Jahren führt:

Wir starten unsere Zeitreise in der Gegenwart, auf dem Marienplatz 9. Hier befindet sich heute der Hauptsitz der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, die mit der jüngsten Fusion in diesem Jahr nun zu den größten der acht Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern gehört. Über 500 Beschäftigte, die Auszubildenden eingeschlossen, stehen mit ihren Beratungsleistungen vor Ort den Menschen der Landeshauptstadt und des Landkreises Ludwigslust-Parchim stets zur Seite, auch in Pandemiezeiten. Die Aktivitäten im Jubiläumsjahr finden Sie hier.

Doch zurück zu unserer

1. Station, Marienplatz 9

Dieser zentrale Ort führte einst die Landstraßen nach Schwerin zusammen. Im 19. Jahrhundert sprach man noch vom „Platz vorm Mühlentor“. Erst 1843 benannte man den Platz um. Er erhielt seinen wohlklingenden Namen nach einer Schwester des Großherzogs Paul Friedrich (1800-1842), Enkel und Nachfolger von Friedrich Franz I., der uns noch einmal begegnen wird auf unserer Tour.

Seit 1938 ist der Platz um einen imposanten Backsteinbau reicher. In das modern ausgestattete Gebäude setzten die Architekten eine Kassenhalle, die mit dekorativen Holzbildhauerarbeiten und Deckenmalereien ausgeschmückt wurde. Es lohnt sich, einen Blick hineinzuwerfen. Die Sparkasse bezog das Haus als „Sparkasse der Landeshauptstadt Schwerin von 1821“ und war fortan in der Straße „An der Sparkasse“ zu finden. Heute, wie schon davor, heißt sie wieder Helenenstraße, ebenfalls nach einer Schwester von Paul Friedrich.

62 Mitarbeiter zählte die Sparkasse damals. Sie arbeiteten mit einem maschinellen Buchungsverfahren für den Giroverkehr, hatten ein automatisches Transportband für Sparbücher zur Verfügung, eine Frankiermaschine und ab 1940 sogar eine Geldzählmaschine. Die Bilanzsumme der Sparkasse betrug 1938 fast 27 Millionen Reichsmark, bereits 1929 war die 10-Millionen-Grenze überschritten worden. Der wachsende Geschäftsverkehr hatte letztlich zum Hausbau und zur Erweiterung des Betriebes geführt. So wurden 1936 fünf Grundstücke gekauft, die der Architekt und Stadtplaner Professor Paul Fliehter mit einem Neubau gestaltete, „der den stärkeren Verkehr abwickelt und zugleich Geschäftszentrum der Stadt ist.“

Bevor wir weitergehen, blicken Sie noch einmal in Richtung Deutsche Bank Filiale, Marienplatz 1-2. Hier gab es 1921 nach der Fusion mit der Vorschuß- und Grundbesitzerbank eine Zweigstelle der 1918 städtisch gewordenen Sparkasse, deren Hauptsitz sich zu dieser Zeit noch in der Königstraße, der heutigen Puschkinstraße, befand.

Zwischenstationen

Auf dem Weg dorthin – zu unserer 2. Station – machen wir einen kleinen Abstecher zu den Ursprüngen der Stadt Schwerin. So geht es vom Marienplatz über die Helenen-, Mecklenburg-, Schmiede- und Bischofstraße direkt zum ältesten Bauwerk der Stadt, dem Dom. Neben dem Schloss gehört er wohl zu den eindrucksvollsten Wahrzeichen Schwerins. Seine Grundsteinlegung fand 1171 statt, also nur wenige Jahre nach der Stadtgründung. Doch bis der ursprünglich romanische Bau, den Heinrich der Löwe persönlich mit einweihte, seinen über 117 Meter hohen Turm erhielt, sollten noch mehr als 600 Jahre vergehen. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts war es soweit und damit in jenem Jahrhundert, das bis heute mit seinen zahlreichen Um- und Neubauten das ehemals großherzogliche Stadtbild prägt.

Wenn Sie den Dom besucht und ausgiebig bewundert haben, dann lassen Sie uns die  Bischofstraße weitergehen und auf der Friedrichstraße links abbiegen. Wir stehen nun auf der Arsenalstraße und haben den Pfaffenteich, umgeben von zahlreichen denkmalgeschützten Gebäuden, vor uns. Eine Pracht. Und bevor wir nun die August-Bebel-Straße entlangschlendern, könnten Sie einen weiteren Abstecher in die Arsenalstraße machen. Das Haus Nummer acht beherbergte zwischen 1923 und 1945 die Girozentrale Mecklenburg, eine Zweigstelle der Hannoverschen Girozentrale. Davor war es ein hochherrschaftlicher Hotelkomplex: Stern’s Hotel. 1848 wurde es eröffnet und empfing bis zum Umbau prominente Gäste, wie Richard Wagner oder Fritz Reuter. Nach 1945 fungierte es als Haus der Kultur und noch heute wird es als Kulturzentrum genutzt.

Die Straße weiter hoch finden Sie an der Ecke Arsenalstraße 20 / Wismarsche Straße 127-129 eine Geschäftsstelle der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin. Das historisierende Bankgebäude steht ebenfalls unter Denkmalschutz und stammt aus dem Jahr 1905. Die Fassade wurde saniert und erstrahlt nach dreijähriger Bauzeit seit 2018 wieder in neuem Glanz.

Auf dem Rückweg zur August-Bebel-Straße lassen Sie den Pfaffenteich, früher „Mühlenteich“ genannt, einfach auf sich wirken. Hier war der Name tatsächlich Programm. Denn am Ostufer des künstlich angelegten Gewässers bepflanzten Geistliche der Domgemeinde ihre blühenden Gärten. Direkt am See war das sehr praktisch. Linkerhand sehen Sie übrigens einen weiteren Prachtbau, das im Tudorstil in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Arsenal. Die einstige großherzogliche Waffenkammer ist heute Sitz des Ministeriums für Inneres und Sport des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Wenn wir nun die August-Bebel-Straße entlanglaufen und rechts auf die Gaußstraße abbiegen, führt uns das geradewegs auf die Schelfstraße, beginnende Puschkinstraße. Wieder nach rechts gewandt, können wir unser Ziel schon sehen, die

2. Station in der Puschkinstraße/Ecke Lindenstraße

Bis zum Umzug zum Marienplatz 1938, aufgrund des stark angewachsenen Geschäftsverkehrs, befand sich in diesem imposanten, hellgelben Gebäude die Hauptstelle der Sparkasse bzw. Ersparniß-Anstalt, wie es damals hieß. Das Haus wurde nach 1990 gründlich saniert, umgebaut und 2018 schließlich verkauft. Der äußerst repräsentative Bau stammt aus den Jahren 1856/57. Er genügte modernsten Sicherheitsanforderungen gegen Feuer und Diebstahl. Der Baumeister, Theodor Krüger, wirkte ebenfalls am inneren Umbau der Schelfkirche mit. Die Kirche, vis-à-vis von der Sparkasse, gehört zu den wenigen barocken Backsteinkirchen Norddeutschlands und war eine der bedeutendsten Grablegen der herzoglichen Familie. Es lohnt sich, auch hier einen Blick hineinzuwerfen.

Doch zurück zum Sparkassenbau. Der Beschluss zum Neubau wurde im Jahresbericht für 1856 dargelegt. Er sollte in einer nicht „zu abgelegenen Gegend der Stadt“ entstehen. Aus diesem Grund entschied man sich zum Kauf von Grundstücken nahe der Schelfkirche, riss die seinerzeit dort stehenden baufälligen Häuser ab und trug damit, wie Sie sich heute noch mit eigenen Augen überzeugen können, zur „Verschönerung der Stadt“ bei.  

Bevor Sie das Gebäude betreten, das seit einigen Monaten einen sehenswerten Ausstellungsraum zur 200-jährigen Geschichte beherbergt, lassen Sie die Fassade einmal auf sich wirken. Der neogotische Stil wurde damals ergänzt durch sechs lebensgroße Skulpturen aus Zementguss. Der auch für den Schlossbau tätige Bildhauer Carl Georg Ludwig Wiese erschuf Allegorien auf die Wohltätigkeit, die Arbeitsamkeit, die Sparsamkeit sowie das Bewahren des Ersparten. Zu bewundern auf der Seite der Lindenstraße. Wenn Sie ganz genau hinschauen, erkennen Sie bei der letztgenannten das im Arm gehaltene und auf dem Knie abgestützte große Hauptbuch der Sparkasse. Es war eines der wichtigsten Arbeitsmittel jener Zeit. Schließlich fand sich jeder Sparer akkurat mit seinen Ein- und Rückzahlungen verzeichnet in diesem Buch wieder.

Auf der Seite der Puschkinstraße, 1856 noch Königstraße, prägen zwei Figuren die Fassade, welche die Klientel darstellen und gleichzeitig typisch waren für Schwerin und Umgebung: der ländliche Arbeiter und der Handwerker. Die meisten Menschen lebten noch bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein in Mecklenburg-Schwerin von der Land- und Forstwirtschaft oder aber von der Fischerei. 1901 kam über dem Eingang eine letzte Skulptur von Ludwig Brunow hinzu: die Gelehrsamkeit. Damit haben wir insgesamt sieben Symbole, die eng mit der Sparkassenidee verbunden sind und wofür Sparkassen auch heute noch stehen.

Zu guter Letzt blicken Sie am Gebäude hinauf und erkennen abermals den romantisierenden Tudorstil mit einer auffallenden Eckausbildung. In großen Lettern wird an den ersten eigenen Sitz an dieser Stelle erinnert: „Ersparniß-Anstalt / eröffnet am fünften Juny 1821, / hierher verlegt am 7. August / 1857.“ Im ersten Stock, über den Geschäftsräumen, dürfen Sie sich die Wohnung des für diesen Neubau verantwortlich zeichnenden Sparkassendirektors und Geheimen Kanzleirats Peter Friedrich Rudolph Faull vorstellen.

Im Jahr 1918, also fast 100 Jahre nach ihrer Gründung, wurde die Ersparnisanstalt eine städtische Einrichtung. Das brachte viele Vorteile mit sich. So gab es keine Höchstgrenze mehr für Spareinlagen und der Scheck- und Überweisungsverkehr wurden aufgenommen. Eine bankmäßige Ausgestaltung des Instituts war nun möglich geworden und wurde vorangetrieben. Ab 1920 konnten Wertpapiere nicht nur sicher verwahrt, sondern auch an- und verkauft werden. Neue Annahmestellen in entfernt liegenden Stadtteilen wurden eröffnet. 1921 schließlich erfolgte die bereits erwähnte Fusion mit der Vorschuß- und Grundbesitzerbank.

Im selben Jahr fanden Verhandlungen mit der Girozentrale Hannover statt, zu der die Girozentrale Mecklenburg als Zweigstelle gehörte. Sie fungierte als Kommunalbank, betrieb kein Spareinlagengeschäft, wie die Sparkasse, sondern übernahm vielmehr deren Bankgeschäfte. Im Ergebnis reduzierte sich der Aufgabenbereich der Ersparnisanstalt wieder auf das Spareinlagen- und Hypothekengeschäft. Ein herber Rückschlag. Aus Ermangelung eigener Räumlichkeiten, bis zum bereits erwähnten Umzug in das ehemalige Hotel Stern’s am Pfaffenteich, kam die Girozentrale in der Königstraße 11 unter und nutzte zusätzlich die Sparkasseneinrichtungen gegenüber. Das Gebäude der Nummer 11 wurde übrigens um 1740 errichtet. Die Geschäftsstelle der Girozentrale nutzte das Eheschließungszimmer im Standesamt, das sich laut Historiker Wilhelm Jesse seit 1900 nicht mehr im Rathaus befand.  Mitte der 1990er Jahre wurde das denkmalgeschützte Haus saniert und beherbergt heute Wohnungen.

Wenn Sie mögen, dann schauen Sie sich unbedingt auch die Ausstellung an. Die Vitrinen zeigen interessante sparkassenhistorische Objekte aus den Sammlungen der Sparkasse selbst und des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, wie zum Beispiel Werbung längst vergangener Zeiten, Spiele, Maschinen, frühere Möglichkeiten der Geldaufbewahrung oder auch das Muster der DDR-Geldkarte. Schön ist, dass man im Ausstellungsraum auf der eigenen Reise in die Geschichte auch filmisch begleitet wird.

Haben Sie die Ausstellung gesehen, dann bewegen wir uns weiter und gelangen schließlich zur

3. Station, dem Altstädtischen Rathaus am Markt

Sie brauchen erst einmal eine kleine Verschnaufpause? Kein Problem. Die Puschkinstraße lädt, noch etwas abseits vom touristischen Trubel in der Schloßstraße und rund ums Schloss selbst, mit einigen schönen Lokalitäten zum Verweilen und Erholen geradezu ein. Wieder frisch und gestärkt den Weg anschließend fortsetzend, stehen Sie bald vor dem zweiten Domizil der Schweriner Sparkasse, dem alten Rathaus am Markt. Ein goldener Reiter ziert den Bau – der Stadtgründer Heinrich der Löwe. Zwei Zimmer, über dem Durchgang zum heutigen Schlachtermarkt gelegen, hatte die Sparkasse 1834 angemietet. Ab demselben Jahr erhielt das Rathaus zum Marktplatz hin seine noch heute erhaltene historisierende Fassadengestaltung im Stil der Tudorgotik. Ermöglicht wurde diese Verschönerung durch Sparkassengelder. Denn durch die Vorauszahlung der Miete konnte der Magistrat der Stadt nicht nur „den schon lange beabsichtigten Durchbau des Rathauses“ realisieren, sondern auch das Erscheinungsbild verbessern. Kein geringerer entwarf die Pläne als der Schinkelschüler und Schweriner Schlossbaumeister Georg Adolph Demmler (1804-1886).

Lange blieb die Sparkasse nicht an diesem Ort. Bereits 1856 stellte Direktor Faull im Jahresbericht fest: „Die […] überaus große Ausdehnung des Instituts hatte schon lange eine Unzulänglichkeit des jetzt im hiesigen Rathause […] benutzten Locals dargethan, indem eines Theils eine dringend nothwendige Vermehrung des Cassen-Personals wegen Mangels an Raum unterbleiben mußte, andern Theils der sich stets mehrende Andrang des Publicums in den Terminszeiten große Uebelstände nach sich zog.“  Der Gesamtverkehr, führte Faull weiter aus, „stieg auf mehr als eine Million Thaler.“ Interessant ist, dass der „größere Theil“ der Einlagen seinerzeit nicht aus Schwerin, sondern „aus anderen Städten und vom platten Lande“ stammte. Diese Tatsache tat dem karitativen Wirken der Sparkasse in der Stadt jedoch keinen Abbruch. Entweder vergab sie aus den jährlichen Überschüssen Geldgeschenke oder aber zinslose bzw. niedrigverzinste Darlehen. In den Jahren im Rathaus leistete die Sparkasse einen großen Beitrag, um die Not „ärmerer Volksklassen“ zu lindern. Das war dringend notwendig, denn fast die Hälfte der Bevölkerung galt als hilfsbedürftig. So kam 1856 die Eröffnung einer Suppenanstalt, die Essen auf Marken ausgab, zum richtigen Zeitpunkt. Gleichzeitig förderte die Anstalt den Straßenausbau in Schwerin. Sicherlich haben Sie auf Ihrem Spaziergang schon die Granitplatten entdeckt. Diese Befestigung der Bürgersteige förderte die Sparkasse über Jahrzehnte, ebenso wie die Einrichtung des Krankenhauses und von Schulen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Rathaus schließlich sogar für den Schweriner Verwaltungsapparat zu klein geworden. In der „Geschichte der Stadt Schwerin“ notiert Wilhelm Jesse, dass unter anderem Standesamt, Stadtkasse und Steuerverwaltung ausziehen mussten. Sie fanden schöne Domizile in der Puschkinstraße 11 und 13, gegenüber der Ersparnisanstalt. Und Sie erinnern sich: In der Puschkinstraße 11 zog einige Jahre später die erste Girozentrale für Mecklenburg ein.

Doch nun lassen Sie uns weitergehen zu unserer

4. und letzten Station, zur Schloßstraße 5

Der Puschkinstraße immer weiter nach Süden folgend, Richtung Großer Moor, biegen Sie links in die Schloßstraße ab. Vor der Nummer fünf stehend, stellen Sie sich vor, dass hier, im ehemaligen „Großherzoglichen Hofmarschall Amtsgebäude“ alles seinen Anfang nahm. Schwerin hatte zu dieser Zeit etwa 6.000 Einwohner. Im gesamten Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin lebten nach amtlicher Zählung etwa 380.000 Menschen, als am 5. Juni 1821 eine Sparkasse in einem kleinen Raum ihre Türen denjenigen „Bewohnern der Stadt Schwerin“ und „jedem Auswertigen“ öffnete, die als „minder Begüterte“ galten. Erstmals erhielten diese Bevölkerungsgruppen in der Geschichte Mecklenburgs eine Möglichkeit, „ihre geringen Ersparnisse vortheilhaft zu nutzen; sie gegen Diebstahl und andere Unglücksfälle zu sichern.“ So steht es in den „Grundeinrichtungen der Ersparniß-Anstalt zu Schwerin“ geschrieben, die im Wesentlichen vom Regierungsrat und Förderer der Sparkassenidee in Schwerin Ernst Johann Wilhelm von Schack ausgearbeitet worden ist. Als Vorlage diente ihm die Satzung der Ersparniskasse zu Neufchâtel in der Schweiz, die er in einer Schrift des Rostocker Kaufmanns Christian Friedrich Hennings fand. Nachfolgende Sparkassengründer in Mecklenburg nahmen sich Schacks Werk zum Vorbild.

Genehmigt und bestätigt wurde die wohltätig wirkende Privatanstalt von einem Großherzog, der seit seinem Regierungsantritt bestrebt war, „die Vervollkommnung aller Zustände seines Landes“ voranzutreiben. Der „leibliche und geistige Zustand eines großen Teils seiner Untertanen welcher ihn besonders nahe berührte, nämlich der bäuerlichen Bevölkerung auf den großen Domänen seines Hauses“, lag ihm sehr am Herzen. Die Rede ist von Friedrich Franz I. (1756-1837). Und so liegt es nahe, dass er sich mit eigenem Kapital ebenso an der Absicherung der Sparkasse beteiligte wie angesehene und vermögende Bürger der Stadt, von denen insgesamt zwanzig ehrenamtlich das Vorsteheramt und damit die Verantwortung für die Sparkasse übernahmen.

Die Denkschrift zum 100-jährigen Bestehen, verfasst vom zu der Zeit amtierenden Sparkassendirektor Wilhelm Schober, stellte die Entwicklung kurz nach der Gründung in Zahlen wie folgt vor: Bereits nach fünf Jahren waren 1.900 Sparer zu verzeichnen und die Einlagen auf 95.007 Taler angewachsen. Die anfangs ausgegebenen Aktien, die der Absicherung der Anstalt gedient hatten, waren vollständig zurückgezahlt. Noch vor dem 10. Jahr des Bestehens konnte die erste Million, keine 20 Jahre später die zweite, umgerechnet in Mark 1921, ausgewiesen werden. Die Sparkasse hatte sich besser entwickelt, als von den Gründern je beabsichtigt war. Die Menschen brachten der Anstalt von Anfang an großes Vertrauen entgegen, was sicherlich zu ihrem schnellen Erfolg beitrug. Beides machte es der Sparkasse schon bald nach ihrer Einrichtung möglich, sich in den Dienst „gemeinnütziger Zwecke“ zu stellen.

Das an französische Renaissancebauten erinnernde Hofmarschallamt vor dem Sie nun stehen, das 1834 aufgrund der genannten Entwicklungen zu klein geworden war für die Sparkasse, finden Sie heutzutage in einer architektonischen Version aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit hatte Schwerin etwa 40.000 Einwohner. Wie schon erwähnt, prägte insbesondere jenes Jahrhundert und Großherzog Friedrich Franz II. (1823- 1883) mit seinen in Auftrag gegebenen Bauten das Stadtbild neu und machte den Ort zu dem, was wir noch immer betrachten und genießen können: eine repräsentative Residenzstadt.

Hier endet unsere kleine historische Reise durch 200 Jahre Sparkassengeschichte in Schwerin. Vor Ihnen liegt nun das romantisch-prachtvolle Schloss, das zu besuchen, sich immer wieder lohnt. Da es natürlich noch viel mehr zu erzählen gäbe, an dieser Stelle einige interessante Tipps zum Stöbern und Nachlesen:

  • Heimspardose und Blechsparbüchse, von Kollegen im mütterlichen Keller bzw. auf dem Trödelmarkt aufgestöbert und dem Archiv für die Sammlung überlassen. : © Historisches Archiv des OSV

  • Viele Heimsparbüchsen wurden mehrmals im Jahr geleert. Die Anschaffungskosten trugen die Sparkassen. Sie behielten auch oft die Schlüssel. Die Blechspardosen wurden als Werbemittel ausgegeben. Schloss und Schlüssel besitzen sie nicht.

  • Weltspartag in Berlin 1953 - Werbung mit übergroßer Heimspardose : © Historisches Archiv der Berliner Sparkasse

Neuzugang

Ich wurde einmal gefragt, über welche Archivzugänge ich mich am meisten freuen würde. Die Antwort darauf fiel mir ausgesprochen leicht:

Da sind zum einen Sparkassenkunden, die beispielsweise etwas zu Erbstücken wissen wollen oder etwas entdeckt haben. Sind alle Fragen beantwortet, erhalten wir das betreffende Objekt oft für das Archiv. Zum anderen sind da die Kolleginnen und Kollegen. Wenn sie sich an uns wenden, dann ist es für uns in zweierlei Hinsicht toll. Denn sie haben an uns gedacht, sich Gedanken gemacht, bevor sie den für sie selbst unnütz gewordenen Gegenstand entsorgen oder einem Händler zum Kauf anbieten. So wächst unsere Sammlung um Stücke, die wir nicht durch systematische Bestandsergänzung planmäßig anschaffen. Der Überraschungseffekt ist also jedes Mal groß. Gleichzeitig finden wir unseren Eindruck bestätigt, dass wir mit unserer Arbeit wahrgenommen werden und im Hinterkopf der Belegschaft stets präsent sind. Ein schönes Gefühl.

Jüngst haben wir von Kollegen zwei Spardosen der Sparkasse der Stadt Berlin West erhalten. Eine grüne Heimspardose aus den 1950er Jahren und eine bunte Blechspardose aus den 1960er Jahren. Beide Varianten hatten wir noch nicht im Archiv. Auf den ersten Blick ähneln sie sich in der äußeren Form und ihrem Zweck. Beide sollten den Sparsinn wecken und fördern. Doch schaut man genauer hin, erzählen sie zwei sehr unterschiedliche Geschichten.

Das Heimsparkassenprinzip gehörte laut Pohl* seit 1904 zum Kleinsparwesen in Deutschland. Das ursprünglich vom amerikanischen Bankier Walter Francis Burns in den 1890er Jahren entwickelte System verbreitete sich schnell weltweit und wurde in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland zum Erfolg. Die Möglichkeit, minimalste Beträge regelmäßig zu Hause sparen zu können, ohne sich gleich mit Pfennigen auf den Weg zur örtlichen Sparkasse machen zu müssen, traf den Nerv der Zeit. Das galt insbesondere auch für die harten Aufbaujahre nach dem Krieg. 1952 fanden sich durchschnittlich 7,10 DM in jeder bundesdeutschen Heimsparbüchse einer Sparkasse. Noch 1963 lag der durchschnittliche Sparbetrag bei 12,10 DM. Fünf Jahre später stellt Schrader** fest, dass die „Summe der seit der Währungsreform eingenommenen Beträge aus allen Kleinsparverfahren […] Mitte 1968 die 10-Mrd.-DM-Grenze überschreiten [wird].“ Keine Kleinigkeit, so sein Fazit. Fast alle bundesdeutschen Sparkassen beteiligten sich am Heimsparbüchsensparen. „Ende 1966 waren mehr als 6 Millionen Spardosen der Sparkassen in Betrieb, nahezu viermal soviel wie Ende 1956“. Der Durchschnittssparbetrag pro Dose nahm fast jedes Jahr zu. Damit verzeichnete diese Sparart die vergleichsweise günstigste Entwicklung unter allen Kleinsparverfahren.

Die zweite Spardose aus den 1960er Jahren reiht sich ein in eine ganze Serie derselben Form, insbesondere aber auch derselben Werbebotschaften: „Wer spart, gewinnt“ und „Sparen macht Freude“. Wir wissen, dass diese Dosen in Berlin West bereits zum Weltspartag 1959 ausgegeben worden sind. Das Motto aus jenem Jahr „Sparen gibt Rückhalt“ klebt breit über einer mit Märchenmotiven gestalteten Blechspardose, die wir bereits im Bestand hatten. Kennzeichnend für die Serie ist, dass sie das Signet der Sparkasse der Stadt Berlin West trägt – ein außergewöhnlich dynamisches „S“, das zwischen 1955 bis 1971 verwendet und von Hans-Joachim Schlameus, Professor an der Hochschule für bildende Künste, heute Universität der Künste Berlin, kreiert wurde. Das Kleingedruckte „KOPPE SO 36“ auf der Spardose verweist auf den Hersteller, die 1888 gegründete Firma Gebr. Koppe AG. Sie ließ sich Anfang der 1950er Jahre in Berlin-Kreuzberg, Schlesische Straße 26 nieder, heute ein stylischer Mietkomplex in einem altehrwürdigen Industriebau aus den Jahren 1910 bis 1913. „SO 36“ verweist auf die frühere Postleitzahl, wobei „SO“ für Kreuzberg-Südost und „36“ für das Zustellpostamt steht.

Die Sparkasse der Stadt Berlin West arbeitete bei der Herstellung der Spardosen also mit einem ortsansässigen Unternehmen zusammen, das bekannt für seine Blechpackungen, Plakate und Tuben war, und ließ sich gestalterisch viel einfallen, um für das Sparen zu werben. Leider sind uns die oder der Gestalter namentlich nicht bekannt, doch anhand der Ergebnisse können wir feststellen, dass die Motive Gefallen gefunden haben und zur Produktion freigegeben worden sind. In den farbenfrohen Darstellungen wurden Themen aufgegriffen, die besonders Kinder in ihren Bann ziehen, wie Märchen, exotische Tiere des Zoos oder die Erforschung der Pole. Andererseits ging es um besondere Anlässe des Hauses, wie zum Beispiel den Bezug der neuen Sparkassenzentrale in der Bundesallee am 2. Juli 1965 oder das 150-jährige Jubiläum 1968. Auf den beiden letztgenannten Spardosen fehlen die Werbesprüche, sodass nichts von den herausragenden Ereignissen jener Jahre ablenkt.

Der Slogan „Sparen macht Freude“ und damit die Propagierung des Spargedankens gehört nach Angaben des Deutschen Sparkassenverlages zu den Schwerpunkten der Sparkassenwerbung in den 1950er Jahren. „Wer spart, gewinnt“ ist ein Motto, das mit dem 1952 neu eingeführten Prämiensparen seinen Anfang nimmt und viele Jahre die Sparkassenwerbung begleitete. 1974 bildete die Aktion mit dem Titel „Wer spart, gewinnt“ sogar den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Weltspartages. Sie gilt als die bis dahin größte Werbeaktion in der deutschen Sparkassengeschichte. Mit der Kombination aus Sparen und Lotterieteilnahme beim Prämiensparen, kurz PS-Sparen, ist der richtige Anreiz geschaffen worden, um das regelmäßige, langfristige Sparen für breite Bevölkerungsschichten wieder oder überhaupt erst attraktiv zu machen. Die Förderung durch den Staat begünstigte ebenfalls das längerfristige Sparen. In Berlin konnte 1963 die erste Milliarde an Spareinlagen verbucht werden, wobei die durchschnittliche Anlagezeit mehr als drei Jahre betrug. Zum Ende der 1960er Jahre, so berichtet stolz die Chronik, war jeder zweite Berliner Sparkassenkunde.

—————–

*Pohl, Hans [u. a .]: Wirtschafts- und Sozialgeschichte der deutschen Sparkassen im 20. Jahrhundert, Stuttgart, 2005.

**Schrader, Gerhard: Wird Kleinsparen noch großgeschrieben?, in: Sparkasse, 1968. H. 3, S. 41-44.

  • Blick in das neu eingerichtete Historische Archiv der Sparkasse Oder-Spree in Beeskow: auf gut 85 m² werden ca. 120 laufende Meter Schrift- und Sammlungsgut verwahrt. : © Sparkasse Oder-Spree

  • Das älteste Objekt im Archiv ist ein Kontenbuch der Sparkasse Müllrose aus dem Jahr 1857. : © Sparkasse Oder-Spree

  • Das Foto des kriegszerstörten Sparkassengebäudes in Beeskow ist besonders eindrucksvoll. Heute ist die Filiale topsaniert und ein zentraler Anlaufpunkt im Herzen der Stadt. : © Sparkasse Oder-Spree

  • Ein schönes Ausstellungsobjekt ist auch die gut erhalten gebliebene Registrierkasse. : © Sparkasse Oder-Spree

  • Zahlreiche Schreib-, Buchungs- und Rechenmaschinen sowie Telefonapparate lagern in Beeskow. : © Sparkasse Oder-Spree

Auf dem Weg zum Jubiläum

Am 1. Oktober 2022 begeht die Sparkasse Oder-Spree ihr 200. Jubiläum. Aufgrund der Bedeutung dieses historischen Ereignisses wurde bereits 2016 beschlossen, sich intensiv und frühzeitig um die entsprechenden Vorbereitungen zu kümmern.

Begonnen hatte alles mit einer Willensbekundung, eine Festschrift bzw. Chronik zu erstellen. Auf der Suche nach Kooperationspartnern, die über umfängliche Erfahrungen bei der Aufarbeitung von Sparkassenhistorie verfügen, stieß die Sparkasse auf die „KLIO – Falk, Hauer GbR. Gesellschaft für historische Recherche und Bildung, Berlin“. Dahinter stehen Frau Dr. Beatrice Falk und Herr Dr. Friedrich Hauer.

Relativ kurzfristig wurde ein erstes Angebot für die Erstellung einer Festschrift eingeholt, wobei es zunächst auch nur darum ging, Umfang und Aufwand für ein derartiges Vorhaben abzuschätzen. Eine erste Bestandsaufnahme ergab zahlreiche Publikationen und Manuskripte, die bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückreichen und die der Geschichte von Vorgängerinstituten der Sparkasse Oder-Spree gewidmet sind. Das sind z. B. Jubiläumsbroschüren, Festschriften und Chroniken. Was jedoch fehlt, ist eine Geschichte der jetzigen Sparkasse Oder-Spree einschließlich ihrer Vorgängersparkassen.

Um weitere Unterlagen zu finden, wurde eine Umfrage innerhalb der Sparkasse gestartet. Sie ergab, dass in nahezu allen Geschäftsstellen oder Bereichen historische Unterlagen und Objekte in unterschiedlichem Umfang lagerten. Daraus entstand die Aufgabe, sich einen vorläufigen Überblick über die Materialien zu verschaffen. Eine mühselige Kleinarbeit, wie sich schnell herausstellte.

Dann wurde diskutiert, alle vorhandenen Dokumente an einem zentralen Ort zu lagern. Im Ergebnis war die Idee für den Aufbau eines historischen Archivs geboren. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort wurde ein Archivraum mit Rollregalen im Untergeschoss der Sparkassengeschäftsstelle Beeskow ausgewählt.

Die Entstehung des historischen Archivs

Nach diesem Klärungsprozess erhielt „KLIO“ den Auftrag für die konkreten Arbeiten zum Aufbau des historischen Archivs. In der Folge wurden die Kolleginnen und Kollegen gebeten, die in ihren Bereichen vorhandenen historischen Unterlagen nach Beeskow bringen zu lassen.

Den Möglichkeiten entsprechend wurde in den Räumen des entstehenden historischen Archivs ein „spartanisches“ Büro eingerichtet, das „KLIO“ ermöglichte, vor Ort die vorhandenen zeitgeschichtlichen Dokumente zu sichten, zu bewerten und zu ordnen.

Sofern in den Geschäftsstellen oder Bereichen historische Bestände in größerem Umfang lagerten, wurden diese von „KLIO“ dort gesichtet sowie bewertet und erst dann erfolgte der Transport der aufzubewahrenden Unterlagen nach Beeskow.

In einer ersten Arbeitsphase stellte sich heraus, dass die Arbeiten so umfänglich waren, dass nicht alle Orte innerhalb der Sparkasse Oder-Spree aufgesucht werden konnten. Wer jetzt vielleicht denkt, ob der nun entstehende Mehraufwand nicht vorher hätte abgeschätzt werden können, dem sei der Vergleich mit seinem eigenen Boden oder Keller angeraten. Wer dort einmal anfängt aufzuräumen oder etwas zu suchen, verschätzt sich leicht, mit welchem Zeitaufwand diese Arbeiten am Ende verbunden sind. So erging es auch der Sparkasse. Unter dem Motto: „Wer A sagt muss auch B sagen“, entschloss sie sich im Interesse der Fortführung und des Abschlusses der Arbeiten für den Aufbau eines historischen Archivs, den Auftrag an „KLIO“ zu erweitern.

Im Sommer 2020 wurden die Arbeiten beendet. Auf einer Fläche von gut 85 m² ist ein zentrales „Historisches Archiv“ mit über 120 laufenden Metern an Schrift- und Sammlungsgut entstanden.

Wie bereits eingangs erwähnt, kam der Sparkasse Oder-Spree zugute, dass sie und ihre Vorgängerinstitute sich im Laufe der Zeit auf vielfältige Art und Weise ihrer Geschichte gewidmet haben. Das reicht vom bloßen Aufbewahren bis zum zielgerichteten Sammeln von Unterlagen, Materialien und Objekten aus der Alltagsarbeit, die als historisch relevant erachtet wurden. Sie bilden heute vor allem einen Teil des Sammlungsgutes. Besonders hilfreich war, das im Jahr 2007 von der Sparkasse Oder-Spree selbst eingerichtete Traditionskabinett, in dem bereits zahlreiches Archivmaterial aufbewahrt wurde.

Ein Ergebnis von unschätzbarem Wert

Das historische Archiv kann über zwei Findbücher erschlossen werden. Eines davon verzeichnet das Schriftgut, konkret den Aktenbestand. Es beginnt mit einem Abriss der Geschichte zur Sparkasse Oder-Spree und einer Bestandsbeschreibung. Das zweite mit dem Namen Inventar zur Sammlung „Chronik“ verzeichnet das Sammlungsgut. Es umfasst beispielsweise ausgewählte Dokumente, Kontenbücher und Kontenblätter, Stockregister, Banknoten, Münzen, Sparbücher, Fotos, Dias, Filme, Brigadetagebücher, Stempel, technische Geräte wie Rechen- und Saldiermaschinen, Registrierkassen, Taschenrechner, Geldzählmaschinen, Computer und auch den Nachbau eines Schreibpultes aus dem 19. Jahrhundert.

Jubiläumsbroschüre und Tafelausstellung

Nach Abschluss der Arbeiten zum Aufbau des „Historischen Archivs“ wurde mit der Erstellung der Jubiläumsbroschüre begonnen, die den Ausgangspunkt aller Überlegungen zur Vorbereitung des 200. Jubiläums im Jahr 2022 bildete.

Außerdem wird es im Jubiläumsjahr eine kleine historische Tafelausstellung geben, die gemeinsam von der Sparkasse, dem Museum Viadrina Frankfurt (Oder), „KLIO“ und der Werbeagentur Giraffe aus Frankfurt (Oder) erarbeitet wird. Präsentiert wird sie in den Geschäftsstellen in Beeskow, Eisenhüttenstadt, Erkner, Fürstenwalde und Müllrose sowie der Hauptstelle in Frankfurt (Oder)

Das Jahr 2022 soll für die Sparkasse Oder-Spree zu einem echten Höhepunkt werden. Mit dem „Historischen Archiv“, der zu Jahresbeginn vorliegenden „Jubiläumsbroschüre“ und der Ausstellung sind alle Voraussetzungen dafür geschaffen.

Holger Swazinna

Pressesprecher der Sparkasse Oder-Spree

  • © Historisches Archiv des OSV

Anfang und Ende der Goldmark

Vor 150 Jahren endete der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich formell. Im Friedensvertrag wurde unter anderem festgeschrieben, dass die besiegte Französische Republik innerhalb von drei Jahren Reparationszahlungen in Höhe von fünf Milliarden Francs zu leisten hatte. Bereits beim Schluss eines Vorfriedens am 26. Februar 1871 war dieser hohe Betrag festgelegt worden. Umgerechnet ergaben sich etwa 1,33 Milliarden Taler. Die deutschen Kriegskosten hatten die Militärs übrigens mit einer Milliarde Taler berechnet. Ein Großteil der Kriegsentschädigung wurde nicht bar, sondern mit Wechseln beglichen, die in Pfund Sterling notiert waren. Durch die Einlösung bei der Bank of England kam das Deutsche Reich an eine Menge Gold. Dieses stellte eine wichtige Grundlage für die rasche Einführung einer neuen Währung dar.

Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 übertrug die bislang von den Ländern beanspruchte Geldhoheit dem Reich. Reichsgesetze regelten fortan das Münzsystem und die Herausgabe von Papiergeld. So bestimmte am 4. Dezember des Jahres ein Gesetz die Ausprägung erster einheitlicher Reichsgoldmünzen zu 10 und 20 Mark. Eine Mark wurde in 100 Pfennige geteilt. Die Mark entsprach 1/1395 Pfund Feingold. Die Goldmünzen bestanden aus 90 % Gold und 10 % Kupfer. Ende 1871 wurden die ersten Exemplare in Preußen geprägt. Es handelte sich um Münzen zu 20 Mark, die nach staatlichen Vorgaben 7,168 Gramm Gold enthielten.

Die Goldstücke galten im ganzen Deutschen Reich als gesetzliches Zahlungsmittel. Die zumeist silbernen Münzen der Länder blieben weiter im Umlauf. Es gab damals zwei Währungen nebeneinander. Erst am 9. Juli 1873 legte ein Münzgesetz das deutsche Währungssystem eindeutig fest. Es sollte nur noch die Reichsgoldwährung geben. Eingeführt wurde goldene 5-Mark-Stücke, die nicht einmal zwei Gramm wogen.* Als Scheidemünzen gab es: Stücke zu 5, 2, 1 Mark sowie 50 und 20 Pfennig aus Silber, zu 10 und 5 Pfennig aus Nickel und zu 2 und 1 Pfennig aus Kupfer. Am 1. Januar 1876 musste überall das neue System gelten. Die meisten deutschen Länder stellten schon ein Jahr zuvor auf die Reichswährung um.

Zwar wurden Münzen aus Gold in der zweiten Hälfte der 1870er-Jahre das dominierende Zahlungsmittel. Die alten Silbertaler verschwanden aber nicht ganz von der Bildfläche. Deswegen spricht man von einer „hinkenden Goldwährung“**. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Taler offiziell im Umlauf. Für sie gab es dann Ersatz. Eine reine Goldwährung existierte im Deutschen Reich nur kurz. Bereits am Anfang des Ersten Weltkriegs wurde der Goldstandard gesetzlich faktisch abgeschafft. Die Reichsbank und die privaten Notenbanken mussten ihre Geldscheine nicht mehr in Gold einlösen. Währen des Krieges verschwanden die Goldmünzen aus dem Zahlungsverkehr. Der Staat brauchte Goldreserven, um Importe zu finanzieren. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, in patriotischer Gesinnung ihr Edelmetall für Kriegszwecke abzuliefern.

Die Geschichte der goldenen Mark begann und endete also mit einem Krieg. Nach der Niederlage Deutschlands verlangten die Siegermächte 1919 im Versailler Vertrag Reparationen. Eine erste Forderung betrug 20 Milliarden Goldmark. Dies war nicht die offizielle Bezeichnung der deutschen Währung, die durch die seit Kriegsbeginn vermehrt betriebene Papiergeldproduktion mittlerweile schon erheblich entwertet war. Vielmehr bezog sich die Festlegung auf die goldgedeckte Mark der Vorkriegszeit. Der Wert der Währung verschlechterte sich übrigens im Verlauf der Inflation noch deutlich. So zahlte die Reichsbank beispielsweise für das abgebildete 20-Mark-Stück aus Gold Ende Juli 1923 drei Millionen Mark. Anfang Februar 1924 war ein Geldschein von einer Billion Mark eine Goldmark wert.

* Sie wurden bereits 1900 wieder außer Kurs gesetzt, weil sie so klein und unpraktisch waren.
** Sprenger, Bernd: Das Geld der Deutschen. Geldgeschichte Deutschlands von den Anfängen bis zu Gegenwart, 1995, S. 179

  • © Historisches Archiv des OSV

Digitalisierung in Finsterwalde

Nun bin ich schon die zweite Woche auf Dienstreise in Finsterwalde, bei der Sparkasse Elbe-Elster. Denn hier gibt es eine Menge Arbeit. Für das Forschungsprojekt zur Erstellung einer Chronik der Sparkasse sind Papiere aus drei Jahrhunderten zu sichten und die relevanten Quellen zu fotografieren und zu scannen. Fast 8.000 Bilddateien und mehr als 60 GB Daten sind bis zum heutigen Abend zusammengekommen. Interessantes ist in den Unterlagen zu lesen, etwa zur Bedeutung der Sandsteinfiguren von 1928 am Sparkassenhauptsitz. Über dem Eingang ist links Merkur zu sehen, der als antiker Gott für Handel und Verkehr zuständig war. Die Frau rechts symbolisiert die Gütererzeugung, also die Industrie. Links vom Portal ist ein Tischler und rechts ein Töpfer dargestellt. Außerdem verzieren das Gebäude: ein Landwirt, ein Metallarbeiter, ein Maurer, ein Bergarbeiter, ein Spinner und ein Tabakarbeiter. Des Weiteren ist an die chemische Industrie und auch an die geistigen Berufe gedacht worden. Die Figuren vereinen die wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt Finsterwalde vor über 90 Jahren.

Die Sparkasse Elbe-Elster ist aber viel älter. Die ältesten hier vorhandenen Unterlagen stammen aus dem Jahr 1837 und verdeutlichen unter anderem das Sparverhalten der ersten Kundin bei der damaligen Sparkasse des Schweinitzer Kreises. Auch zu den anderen Sparkassen im heutigen Geschäftsgebiet gibt es interessante Entdeckungen. So ist das Statut der Kreissparkasse Liebenwerda von 1856 im Original erhalten. Für die 1875 gegründete Stadtsparkasse Elsterwerda ist der erste Kreditnehmer belegt. Das Hauptbuch der Stadtsparkasse Finsterwalde von 1923 ist ein wichtiges Zeugnis der Hyperinflation. Bei zwei Kreissparkassen dokumentieren Geschäftsberichte durchgehend die Jahre der NS-Diktatur. Exemplare aus der DDR befassen sich zum Beispiel mit der Planerfüllung zur „Mobilisierung der freien Mittel der Bevölkerung“. Ja, auch beim Sparen mussten staatliche Vorgaben eingehalten werden. Interessant ist, dass sich der erste Geschäftsbericht der 1995 im Rahmen einer Fusion gegründeten Sparkasse Elbe-Elster auch den historischen Wurzeln widmet.

Die hier erschlossenen Unterlagen stellen zusammen mit denen aus Landesarchiven, aus kommunalen Archiven und aus unserem Historischen Archiv eine gute Basis für das zu erarbeitende Werk dar. Dieses soll natürlich auch ordentlich bebildert sein. Deswegen scanne ich in Finsterwalde besondere Dokumente in hoher Auflösung. Gleiches gilt für aussagekräftige Objekte, etwa außergewöhnliche Sparbücher mit interessanten Einträgen und Stempeln. Das älteste Exemplar datiert übrigens ins Jahr 1896. Bemerkenswert ist die Vielfalt, die im Deutschen Reich bei der Gestaltung der Sparkassenbücher herrschte, als noch kein Corporate Design der Sparkassenorganisation existierte. So gab zum Beispiel die Kreissparkasse Liebenwerda innerhalb weniger Jahre fünf unterschiedliche Bücher heraus.