• Werbeplakat der Stadtsparkasse Chemnitz und sozialistischer Spargroschen, geprägt in Ostberlin : © Historisches Archiv des OSV

Planwirtschaft und Spargroschen

Unmittelbar nach der Währungsreform im sowjetischen Besatzungsgebiet beschloss die SED 1948 den Zweijahresplan für 1949/50. Die Sparkassen wurden in die Planwirtschaft einbezogen. Sie hatten Vorgaben im Spargeschäft zu erfüllen und die Werbung zu intensivieren. Dies betraf auch die 1945 neugegründete Stadtsparkasse Chemnitz. Von ihr stammt dieses Reklameplakat. Es weist ein interessanteres Detail auf. Abgebildet ist nämlich ein nicht ganz zeitgemäßes Geldstück.

10 Reichspfennig wurden zwar, nun ohne Hakenkreuz auf der Rückseite, in der Besatzungszeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geprägt. Mit dem Buchstaben D zum Beispiel in München. Aber ab dem 3. April 1949 waren sie in der Sowjetzone nicht mehr gültig. Mittlerweile gab es dort neue Spargroschen im sozialistischen Design. Die Münzen der Militäradministration zeigen eine auf dem Zahnrad liegende Ähre als Symbol des Zweijahresplans. Mit dem Wort „Deutschland“ erhob man sogar einen politischen gesamtdeutschen Anspruch.

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Start der Sparkasse in Wiesenburg (Mark)

Heute ist in Wiesenburg (Mark) die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam vor Ort. Dieses Sparbuch aus unserem umfangreichen Bestand wurde vor genau 100 Jahren für eine Kundin aus der kleinen Stadt ausgestellt. Die Postangestellte zahlte an dem Tag 200 Reichsmark ein. Aber nicht vor Ort, denn zu der Zeit gab es noch keine Geschäftsstelle. Erst zwei Jahre später richtete die Zauch-Belziger Kreissparkasse eine Zweigstelle ein. Leiter wurde Herr V. Senst. Der heutige Ortsteil Reetz bekam 1928 ebenfalls eine. Zu der Zeit bestanden schon einige Filialen im Kreisgebiet, zum Beispiel seit dem Eröffungsjahr 1858 der Sparkasse in Niemegk. Erst 1922 kamen Glindow, Lehnin und Michendorf dazu. Damals war bereits Landrat Edmund Bohne Vorsitzender des Verwaltungsorgans. Im Sparbuch können Sie seine Unterschrift gut erkennen.

  • Erste Sparkassenstandorte im heutigen Landkreis Barnim in verschiedenen historischen Kreisen (Abb. Ausschnitt Landkarte der preuß. Provinz Brandenburg; Druck und Verlag von C. Flemming in Glogau, 1844) : © Historisches Archiv des OSV

Historische Sparkassenstandorte im Landkreis Barnim

Die Sparkasse Barnim feiert dieses Jahr ihren 175. Geburtstag. Der Anlass ist die Gründung der Oberbarnimer Kreissparkasse mit Sitz in Freienwalde am 1. Oktober 1851. Dazu folgt hier ein separater Beitrag im Herbst. Bad Freienwalde (Oder) gehört heute bekanntlich zum Landkreis und zur Sparkasse Märkisch-Oderland. Mich interessieren an dieser Stelle die ersten Standorte im heutigen Geschäftsgebiet der Sparkasse Barnim. Das lag früher in verschiedenen historischen Kreisen.

Kreissparkassen brauchten Anlaufstellen in der Fläche, damit die Kundschaft nicht ganz so weite Wege hatte. Die erwähnte Sparkasse des Oberbarnimer Kreises richtete die erste Nebenstelle im jetzigen Barnimer Gebiet bereits 1862 in Eberswalde ein. Für den Niederbarnimer Kreis wiederum eröffnete am 3. Januar 1857 eine Sparkasse mit Sitz in Berlin. Im heutigen Barnimer Sparkassengebiet hatte sie schon im ersten Jahr eine Nebenstelle in Bernau.

Auch im damaligen Kreis Angermünde finden sich Wurzeln der Sparkasse Barnim. Die dortige kommunale Kreissparkasse wurde am 1. Januar 1858 gegründet. Ihre ersten Annahmestellen richtete sie 1879 ein, etwa in Joachimsthal und Oderberg. Doch damit nicht genug. Es gab nämlich auch noch Stadtsparkassen. Der aktuelle Hauptsitz Eberswalde bekam eine solche am 1. Oktober 1877. Übrigens: Biesenthal gründete bereits 1859 eine Stadtsparkasse und ist deswegen ebenfalls auf der Karte markiert.

  • Eichhörnchen, Bienen und Ameisen beim Sammeln : © Historisches Archiv des OSV

Spartier Ameise?

Dass Sparkassen in früheren Zeiten den Bienenkorb als Sinnbild nutzten, um für das Vorsorgen zu werben, ist in unserem Sparkassengeschichtsblog schon oft thematisiert worden. Andere Tiere legen ebenfalls Vorräte für den Winter an. Aber wirklich auch Ameisen? Sie zeigt das Cover der Klappkarte beim Sammeln. So wollte die Stadtsparkasse Ziesar vor etwa 90 Jahren Schulkinder zum Kleinsparen animieren. Dazu trug auch der alte Sinnspruch bei. Einem Jungen aus der 3. Klasse gehörte diese Sparmarkenkarte. Der sparsame Schüler beklebte sämtliche Felder der dafür vorgesehenen Seite. So kamen 4 Reichsmark zusammen, die als Guthaben auf dem Sparbuch landeten. Sicherlich für schöne Dinge und nicht für Notzeiten.

  • Zwei der Gründerväter - fotografiert und gemalt: Bürgermeister Füllkruß links (Bestand Stadtarchiv Grimma) und Verleger Göschen rechts (Bestand Museum Göschenhaus Grimma) : © Stadtarchiv Grimma und Museum Göschenhaus Grimma

  • Die Eröffnung wurde für den 11. April 1826 angekündigt. Insbesondere wenig vermögende Einwohner Grimmas wurden als Kunden angesprochen. : © Museum Göschenhaus Grimma

  • Die Ansichtskarte von 1910 zeigt das Rathaus, in dem sich die Spar- und Leihkasse von 1826 bis 1832 befand. : © Historisches Archiv des OSV

  • Stempel in einem Sparbuch, Ende 19. Jh. : © Sparkassenmuseum Muldental e.V.

Ein Verein gründet eine Sparkasse

Im Königreich Sachsen wirkten ab 1819 erste Sparkassen. Die meisten der frühen Gründungen waren keine kommunalen Einrichtungen. In einigen Städten organisierten sich fortschrittlich denkende Bürger in Vereinen und riefen solche gemeinnützig gedachten Institute ins Leben. So geschah es auch vor 200 Jahren in Grimma. Dort entstand die erste Sparkasse im Geschäftsgebiet der heutigen Sparkasse Muldental. Anlässlich des Jubiläums wird heute im örtlichen Beratungscenter die Wanderausstellung Geldgeschichte(n) des OSV eröffnet. Außerdem ist erstmals eine kompakte Ausstellung zur Historie der Sparkasse zu sehen. Unterstützung hatten wir beim letztgenannten Projekt unter anderem von Bildgebern aus Grimma.

Natürlich passen in eine kleine Ausstellung nicht alle Rechercheergebnisse. Deswegen möchte ich an dieser Stelle etwas weiter ausholen und zurückblicken. Zunächst ist da Bürgermeister Caspar Gottfried Füllkruß als wichtigster Gründervater zu nennen. Er schlug bereits Ende 1824 in der wohltätigen Gesellschaft „Heiterheit“ die Gründung einer Spar- und Leihkasse vor. Andere Mitglieder unterstützten den Plan. Eine Satzung wurde erstellt, welche die königliche Genehmigung erhielt. Die Gründer wollten solidarisch haften und die Geschäfte unentgeltlich führen. Außerdem schossen sie regelmäßig Geld zu. Auch der bekannte Buchhändler und Verleger Georg Joachim Göschen gehörte dem Verein an. Er ließ einen Vorrat an Sparbüchern kostenlos drucken. Die Ankündigung der Eröffnung erschien am 18. März 1826 in seinem Grimmaischen Wochenblatt. (Abbildung 2)

Am 11. April sollte demnach der Betrieb aufgenommen werden. Bei der Sparkasse konnten wenig vermögende Einwohner der Stadt sicher und mit Zinsgewinn Ersparnisse bilden. Insbesondere Dienstboten, Handwerker und Tagelöhner hatte man als Zielgruppe im Sinn. Kleinsparerfreundlich wurden Einzahlungen ab acht Groschen angenommen. Auch nach oben gab es eine Begrenzung. Es konnten sogar Einlagen verweigert werden, wenn sie nicht mit dem Zweck der Sparkasse vereinbar waren. Die Leihkasse wiederum sollte dem Wucher entgegenwirken, indem sie Kredite zu fairen Bedingungen ausreichte.

Geöffnet war an Dienstagen und Donnerstagen von 12:00 bis 14:00 Uhr im Rathaus. (Abbildung 3) Das dortige Sessionszimmer diente als Geschäftsstelle. In dem Raum fanden vorher immer die Sitzungen des Stadtrates statt. Er war im Winter also schon vorgeheizt. Das bedeutete Kostenersparnis. Die anfänglichen Ausgaben waren überschaubar. Sie sind durch eine Akte im Stadtarchiv überliefert, die das Mulde-Hochwasser 2002 überlebt hat. So war zum Beispiel ein Prägestempel für Wachs nötig, um Siegel auf Briefen und Dokumenten anzubringen. 20 Groschen machte er. Zwei weitere Stempel kosteten jeweils 1 Taler und 16 Groschen. Aus späterer Zeit ist uns ein Signet des Instituts überliefert. (Abbildung 4)

Als Direktor wirkte der Vereinsvorsitzende Füllkruß. Seine Kinder gehörten zu den ersten Kunden. Der Vater legte für sie Sparbücher mit Startguthaben von zwei beziehungsweise drei Talern an. Leider sind sie nicht erhalten. Das älteste Exemplar wurde 1835 eröffnet. Sie finden es im Sparkassenmuseum in Grimma im Original und als Abbildung in der Ausstellung. Der Bürgermeister war übrigens ständig zu den Geschäftsstunden anwesend und verwahrte die ganzen Spargelder im Ratsdepositengewölbe. Neben ihm taten am Anfang immer zwei Vereinsmitglieder Dienst. Ab 1827 gab es Unterstützung durch den Stadtsteuereinnehmer als Kassierer. Im Folgejahr wurde der Ratskopist zum Buchhalter.

Auch der Beginn des Kreditgeschäfts in Grimma ist gut belegt. Die Vereinsmitglieder hatten sich grundsätzlich verpflichtet, selbst Spareinlagen gegen Zinsen zu übernehmen, um den Bestand der Einrichtung zu sichern. Einwohner konnten Wertgegenstände zur Leihkasse bringen, wenn sie Geld brauchten. Am 16. April 1826 wurden eine Bürgerschützenuniform und ein Tuchrock als Sicherheit hinterlegt, wofür es 1 Taler und 16 Groschen als Darlehen gab. Bemerkenswerter ist der erste Hypothekenkredit, den am 27. April Drechslermeister Döring erhielt. Das waren 500 Taler. So startete die Mittelstandsförderung der Sparkasse.

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Sparsame Ostern

Der Osterhase guckt aber komisch auf die Zuckertüte. Was haben die beiden denn miteinander zu tun? Nun, als diese Sparkarte hergestellt wurde, fand die Einschulung noch zu Ostern statt. Erst später wurde der Termin verlegt. Für die ABC-Schützen hatte die Dresdner Sparkasse vor etwa 90 Jahren diesen Werbeartikel parat. Schon seit 1926 betrieb sie übrigens Schulsparkassen, um die Jugend zur Sparsamkeit zu erziehen.

Die Felder mit den kindgerechten Motiven galt es mit Sparmarken zu bekleben. Die gab es beim Lehrer für 10 oder 50 Pfennige das Stück. Und waren alle Felder voll, konnte die Gutschrift auf dem Sparbuch bei der Sparkasse erfolgen. Sie hatte damals 18 Anlaufstellen in Dresden. Für das Sparen in der Schule stellte sie aber nicht nur Sparmarken und -karten zur Verfügung. Besondere Sparautomaten wurden ebenfalls eingesetzt.