• © Historisches Archiv des OSV

Ein Sparbuch der Sparkasse der Residenzstadt Potsdam

Es ist wieder an der Zeit, ein außergewöhnliches Sparbuch aus unserem Archivbestand vorzustellen. Im Mittelpunkt des Interesses soll aber nicht das hübsche Bienenkorb-Motiv stehen, das im Blog schon mehrfach thematisiert worden ist. Auffällig ist das Sparkassenbuch wegen der Bezeichnung „Sparkasse der Residenzstadt Potsdam“. Sie findet sich nicht nur auf dem Cover. Eröffnet wurde das Buch im Januar 1928. Zu diesem Zeitpunkt „residierte“ Wilhelm II. schon seit fast einem Jahrzehnt in den Niederlanden. Im November 1918 war er geflohen und hatte als preußischer König und Deutscher Kaiser abgedankt. Damit hatte Potsdam die Funktion als Residenzstadt verloren. Die Stadtverwaltung behielt die Bezeichnung jedoch bei. Noch Anfang der 1930er-Jahre tauchte sie in den Sparbüchern der kommunalen Sparkasse auf.

  • Die Daten für die Grafik sind dem Geschäftsbericht der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig für 1989, Seite 6 entnommen. : © Historisches Archiv des OSV

Personalnot bei der Sparkasse Leipzig

Am 10. Januar 1990 fertigte die Stadt- und Kreissparkasse Leipzig, nach der Sparkasse der Stadt Berlin das größte Institut in der DDR, ihren Jahresabschluss für 1989 aus. Durch die Unterlagen der Staatsbank der DDR ist nicht nur er, sondern sind auch die Abschlüsse der anderen ostdeutschen Sparkassen in unserem Archiv überliefert. Allein aus Leipzig haben wir jedoch zugleich den zugehörigen Geschäftsbericht im Bestand. In ihm sind die Probleme, welche die Großsparkasse im System der zentralistischen Planwirtschaft hatte, klar benannt.

Wegen der Mangelwirtschaft konnte die Sparkasse zum Beispiel nicht ausreichend Drehstühle für ihre Beschäftigten beschaffen. Und weil die neuen Geldautomaten aus DDR-Produktion öfters ausfielen, war die Kundschaft sauer. Beschwert wurde sich auch über lange Wartezeiten am Schalter. Dabei war der Sparkasse doch gar nicht genügend Personal zugestanden worden. Die Personalsituation hatte sich 1989 sogar weiter verschlechtert. Es gab 128 Ab- und 71 Zugänge. Die Unterbesetzung war aber kein neues Phänomen, wie der Geschäftsbericht darlegt. Für eine hohe Fluktuation sorgten etwa die schlechten Arbeitsbedingungen und die unterdurchschnittliche Entlohnung.

  • Die Karte wurde am 31.12.1899 geschrieben und am 1.1.1900 in der Post in Lengefeld gestempelt. (Ansichtskarte eines unbekannten Verlags; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Zur Jahreswende

Die ältesten Ansichtskarten im Bestand des Historischen Archivs des OSV, die Sparkassen zeigen, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts versendet. Genau am letzten Tag des Jahres 1899 wurde diese Postkarte geschrieben. Es wurde sich für einen Weihnachtsgruß bedankt. Es folgten Glückwünsche zur Jahrhundertwende. Zum neuen Jahrzehnt hingegen möchte wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, alles Gute wünschen. Kommen sie fröhlich & gesund in 2020 an. Insbesondere senden wir an dieser Stelle und mit passendem Motiv herzliche Grüße an Horst Möckel vom Historischen Archiv der Erzgebirgssparkasse in Schwarzenberg und bedanken uns für die liebe Stollenpost zur Adventszeit.

  • Werbeplakat der DDR-Sparkassen von 1958. : © Historisches Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes

Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen ein heiteres und entspanntes Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Liebsten. Vielleicht haben Sie ja sogar das Vergnügen, „Winterfreuden“ zu erleben.

Bleiben Sie uns auch im nächsten Jahr gewogen, wenn wir unsere Blogserie zur Wendezeit bei den Sparkassen der DDR weiterführen, Fundstücke aus unserem Archiv präsentieren und wissenswerte Sparkassengeschichten erzählen.

Ihre Blogautoren

Britta Weschke, Thomas Einert & Claudia Wöhnl

  • Münzgeld aus der DDR : © Historisches Archiv des OSV

Vor 30 Jahren: DDR-Lebensmittelpreise

Einzelhandelsverkaufspreise ausgewählter Nahrungs- und Genußmittel 1989*

Nahrungsmittel:
1 Liter Trinkmilch 0,68 Mark
1 kg Roggenmischbrot 0,52 Mark
1 kg Weißbrot 1,00 Mark
1 kg Salzheringe 1,20 Mark
1 kg Margarine 2,00 Mark
1 kg Schweineschmalz 3,10 Mark
1 kg Räucherspeck 4,00 Mark
1 kg Landleberwurst 6,20 Mark
1 kg Jagdwurst 6,80 Mark
1 kg Gouda-Käse 7,20 Mark
1 kg Hackepeter 7,60 Mark
1 kg Schweinekotelett 8,00 Mark
1 kg Tollenser-Käse 9,40 Mark
1 kg Tafelbutter 9,60 Mark
1 kg Rindfleisch, Schmorfleisch ohne Knochen 9,80 Mark

Genußmittel:
1 Filter-Zigarette 0,16 Mark
0,33 Liter helles Vollbier 0,48 Mark
100 g Vollmilch-Schokoladentafel 3,85 Mark
0,7 Liter Klarer mit Weinbrand „Goldbrand“ 14,50 Mark
1 kg Bohnenkaffee „Rondo“ 70,00 Mark

* Statistisches Jahrbuch der DDR 1990, S. 309

  • Kundentresen mit Alarmschalter für den Sparkassenmitarbeiter? (Ansichtskarte Verlag H. Wöhlke in Bad Salzelmen; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Ein Blick in die Sparkasse

Die vielen historischen Postkarten im Bestand unseres Archivs können von Mitgliedssparkassen des OSV für verschiedenste Zwecke genutzt werden, sei es nun als Kalendermotive oder Ausstellungsobjekte. Fast alle Ansichtskarten zeigen Außenansichten von Sparkassenhauptstellen, die üblicherweise in Gemeindeämtern, Rat- oder Kreishäusern untergebracht waren. Die entsprechende Beschilderung beziehungsweise Beschriftung am Gebäude weist auf das jeweilige Institut hin.

Innenansichten sind nur wenige überliefert. Einen Einblick gewährte zum Beispiel die Stadtsparkasse Bad Salzelmen im heutigen Sachsen-Anhalt. Dieses Institut hatte eine verhältnismäßig kurze Geschichte. Eine Sparkasse bestand in Groß Salze seit 1894. Die Umbenennung in Bad Salzelmen war 1926. Sechs Jahre später erfolgte die Eingemeindung nach Schönebeck (Elbe), dessen Stadtsparkasse dadurch eine weitere Geschäftsstelle bekam.

Doch widmen wir uns der interessanten Abbildung. Das Foto zeigt den Arbeitsbereich des Kassenpersonals, etwa Tische für je zwei Mitarbeiter mit schicker Beleuchtung. Hinten steht ein Telefon. Am Tresen wurde die Kundschaft bedient. Erkennen Sie den Schalter links? Handelte es sich etwa um einen Alarmknopf für den Kassenbeamten? Eigentlich ist es ja undenkbar, dass derartig Sicherheitsrelevantes öffentlich dargestellt wurde.