• Übersicht der königlichen Regierung Frankfurt (Oder) über die Sparkassen im Regierungsbezirk 1846 mit Angaben in Reichstalern, Silbergroschen und Pfennigen. 30 Silbergroschen waren ein Taler, 12 Pfennige ein Silbergroschen. : © Historisches Archiv des OSV

Sparkassenstatistik vor 175 Jahren

Vor 175 Jahren waren die Landesgrenzen Brandenburgs andere als heute. Ein großer Teil des Frankfurter Regierungsbezirks lag östlich von Oder und Neiße. Nur vier Sparkassen des Bezirks hatten ihren Sitz im Gebiet des heutigen Bundeslandes. Beaufsichtigt wurden die kommunalen Sparkassen von der Abteilung des Inneren bei der Regierung in Frankfurt an der Oder. Von dieser stammt die abgebildete Übersicht mit Geschäftsdaten. Die Niederlausitzer Provinzialsparkasse mit Hauptsitz in Lübben war eine große Flächensparkasse und einlagenstärkstes Institut. Ihr folgte die Stadtsparkasse Cottbus und dieser wiederum die älteste Sparkasse des Bezirks, welche umfangreichere Sicherheitsreserven aufwies. Interessanterweise wurde ihre Eröffnung am 1. Oktober 1822 nicht vermerkt. Über die unterschiedliche Zinsspanne informiert die Tabelle. Für die Einlagen der Kundschaft bestanden verschiedene Obergrenzen. Auch die Mindestbeträge für Einzahlungen waren noch nicht einheitlich. Besonders kleinsparerfreundlich scheint die in Bobersberg (heute Bobrowice) ansässige Sparkasse gewesen zu sein.

  • Dieses Sparbuch wurde 1927, in den Aufbauzeit nach der Inflation, ausgestellt. : © Historisches Archiv des OSV

Vertrauen zur Sparkasse

Vor genau 190 Jahren wurde in Brandenburg an der Havel die erste Stadtsparkasse im Gebiet der heutigen Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam eröffnet. Auf ihre Entwicklung blickte die Stadt anlässlich des 100. Geburtstags im Verwaltungsbericht 1929/30 auf Seite 81 zurück. So habe sich das Wirken des kommunalen Geldinstituts für das Gemeinwesen als „überaus segensreich“ erwiesen. Grundlage seines Erfolgs war, den Ausführungen nach, das Vertrauen der Kundinnen und Kunden.

„Zahlreiche öffentliche Einrichtungen, deren sich heute der Bürger bedient, städtebauliche Verbesserungen und Verschönerungen sind der sichtbare Ausdruck der ihrer Tätigkeit entsprungenen Erfolge. Die Sparkasse durfte sich zu jeder Zeit ihres Bestehens des uneingeschränkten Vertrauens der Einwohnerschaft erfreuen, das allein sie befähigte, alle Hemmnisse eines von Wirtschaftskrisen, Kriegsstürmen, Revolutionswirren und Inflationsnöten so hart betroffenen Jahrhunderts kräftig zu überwinden.

Dem auch heute ungemindert anhaltenden Vertrauen zur Sparkasse ist es zu verdanken, daß nach der alles vernichtenden Inflation in sechsjähriger Aufbauarbeit bereits wieder 52 Prozent des Vorkriegseinlagenbestandes [1913] erreicht sind. Auch im neuen Jahrhundert ihres Daseins wird die Geschäftspolitik der Sparkasse darauf gerichtet sein, ihre Arbeit, den ihr vom Gesetzgeber gestellten idealen Aufgaben getreu, nicht als Selbstzweck, sondern als Dienst am Bürger und der Wirtschaft […] zu verrichten.“

  • Anto Machowicz

    Von 1916 bis 1932 war Anton Machowicz Verbandsvorsteher. (Abb. in: Zehn Jahre Deutsche Kommunal- Giroorganisation, Denkschrift von Hermann Jursch, Direktor der Deutschen Girozentrale - Deutsche Kommunalbank, 1926; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Der Präsident des Brandenburgischen Sparkassen- und Giroverbandes

Vor längerer Zeit ist im Blog über den Brandenburgischen Sparkassen- und Giroverband berichtet worden, der seinen Sitz in Berlin hatte. Der Mitbegründer und langjährige Präsident des Verbandes hieß Anton Machowicz (1864-1951). Machowicz war Stadtrat, Bürgermeister, zeitweise auch Kämmerer der Stadt Schöneberg bei Berlin. Er wirkte ab 1916 als Vorsteher des 1914 gegründeten Giroverbandes der kommunalen Verbände der Provinz Brandenburg. 1922 wurde dieser mit dem Brandenburgischen Sparkassenverband zusammengelegt. Es entstand der Brandenburgische Sparkassen- und Giroverband, dem er bis 1932 vorstand.

Die Satzung definierte die Aufgaben des Verbandschefs so: „Der Verbandsvorsteher vertritt den Verband nach außen und vollzieht die den Verband verpflichtenden Erklärungen, stellt die Verbandsbeamten und das sonstige Personal an und übt die Dienstgewalt über sie aus.“ Verdienste erwarb sich Anton Machowicz durch seine Bemühungen zur Verbreitung des Giroverkehrs in Brandenburg. Auch an der Gründung der deutschen Sparkassen- und Giroorganisation war er maßgeblich beteiligt. Erster Präsident des DSGV wurde 1924 aber nicht er, sondern sein Stellvertreter, der frühere Seelower Landrat Dr. Ernst Kleiner.

  • Sparbuch Jueterbog Tracht Flaeming

    © Historisches Archiv des OSV

Das Covergirl der Kreissparkasse

Es ist wieder an der Zeit, Ihnen ein besonderes Sparkassenbuch aus dem Archivbestand vorzustellen. Besonders ist hier die Gestaltung des Deckels. Eine junge Frau in regionaler Tracht des Flämings ist es, die das Cover des Sparbuchs einer brandenburgischen Kreissparkasse von 1945 ziert. Es handelt sich um eben jene personifizierte Sparsamkeit, die auch als Statue an der Fassade des früheren Hauptgebäudes des Geldinstituts in Jüterbog angebracht wurde. Vor Ort ist sie als die „sparsame Anna“ bekannt. Außerdem sind die Silhouetten zweier wichtiger Städte auf dem Buchcover zu erkennen: links das historische Jüterbog und rechts die Industriestadt Luckenwalde. Der Landkreis Jüterbog-Luckenwalde war das Geschäftsgebiet der Kreissparkasse. An die landwirtschaftliche Prägung der Gegend erinnert nicht nur die Kleidung der Frau mit der Spardose. Hinter ihr geht über einem Getreidefeld die Sonne unter.

  • © Historisches Archiv des OSV

Rechnerei zum Jahresabschluss

Im Kreisblatt veröffentlichte die Sparkasse des Zauch-Belzigschen Kreises eine Jahresübersicht zu sämtlichen Sparbüchern, die sie 1873 betreute. Selbstverständlich blieben die Inhaber und Inhaberinnen anonym. Einen Ausschnitt der Tabelle sehen Sie hier. Die Sparkasse wies die Einlagen der Kundschaft zum „ultimo“ aus. Dies war der letzte Bankarbeitstag vor 145 Jahren. Man addierte die Zinsen. Rechts stand die Summe. Die Beträge wurden jeweils in Talern, Silbergroschen und Pfennigen angegeben. Das war damals die Währung im preußischen Brandenburg. 30 Silbergroschen ergaben einen Taler. Zwölf Pfennige machten einen Silbergroschen. Rechnen Sie gern nach, ob die Kreissparkasse richtig lag.

  • Dieses Sparbuch wurde 1909 hergestellt. : © Historisches Archiv des OSV

Der brandenburgische Adler von Havelberg

Vor genau 170 Jahren eröffnete Havelberg in Brandenburg eine eigene Sparkasse. Brandenburg? Ja, bis zur Gebietsreform in der DDR 1952 gehörte die Stadt zu diesem Land und zwar zur Prignitz. Seit 1990 liegt sie nun in Sachsen-Anhalt. Auf die historische Zugehörigkeit zum Nachbarland verweist noch heute das fast 400 Jahre alte Stadtwappen. Es ziert der märkische Adler. Dieser schwebt zwischen zwei Türmen über dem geschlossenen Tor der Stadtmauer. Das brandenburgische Wappentier findet sich auch auf zwei alten Havelberger Sparkassenbüchern in unserem Archivbestand. Das dekorativere Exemplar sehen Sie hier.