• Die Sparkassen-Rundschau war ein seit 1926 halbmonatlich erscheinendes Heft, das kostenlos an die Sparkassenkundschaft abgegeben wurde. : © Aus dem Bestand des Historischen Archivs des OSV

Vom Schmücken des Weihnachtsbaumes – anno 1931

Vor 90 Jahren gab es in der Kundenzeitschrift „Sparkassen-Rundschau“ zahlreiche Tipps und Hinweise zur Thematik, welche wir Ihnen keinesfalls vorenthalten wollen. Soll es ein bunt-glitzernder Wunderbaum werden oder ein „architektonischer Winkelbaum“? Wie geht man am besten zu Werke und zu welcher Unsitte sollte man sich niemals hinreißen lassen?

Damit wünscht Ihnen allen das Archiv-Team des OSV ein frohes Fest, einen gelungenen Weihnachtsbaum und geruhsame Tage bis zum neuen Jahr.

Claudia Wöhnl, Britta Weschke & Thomas Einert

  • © Foto: Jörg Wolf

Eine frühe Publizitäts- und Werbemaßnahme der Landesbausparkasse Sachsen

In seinem Blogeintrag vom 1. März 2020 hatte Thomas Einert im Zusammenhang mit dem Beginn des Bausparens bei der Stadtsparkasse Chemnitz im Jahr 1930 den Abschluss von Vorratsbausparverträgen durch die Gemeinden und deren Übertragung an private Bauwillige erwähnt.

Nicht nur in Chemnitz, auch in anderen sächsischen Gemeinden, die Mitglieder des am 8. November 1929 gegründeten „Zweckverbandes für die Landesbausparkasse Sachsen“ waren, wurde dieses Verfahren genutzt. So schlug beispielsweise im November 1930 der Sparkassenausschuss der Gemeinde Arnsdorf/Sa. den Gemeindeverordneten den Abschluss von 5 Verträgen zu 6.000 RM und im August 1931 nochmals den Abschluss von weiteren Vorratsverträgen mit einer Gesamtbausparsumme von 30.000 RM vor. Ende 1931 teilte der Zuteilungsausschuss der Bausparkasse einen dieser Verträge zu. Die Gemeinde gab den Vertrag Anfang 1932 an einen Bausparer weiter, der bereits Mitte 1931 bei der Spar- und Girokasse Arnsdorf/Sa. um ein Hypothekendarlehen auf ein neu zu erbauendes Vierfamilienhaus nachgesucht hatte.*

In den Jahren der seit 1929 andauernden weltweiten Wirtschaftskrise stellte die Beschaffung dieser Vorratsverträge durch die Gemeinden aus zeitgenössischer Sicht ein Mittel zur „ständigen Förderung der Bautätigkeit“ und damit zu einem „Fortschritt im Kampf gegen die Arbeitslosennot“ (bei Verwendung für Neubauzwecke) sowie zur „regelmäßigen Einflußnahme auf die örtliche Wohnhausentschuldung“ (bei Verwendung zur Ablösung hochverzinslicher Hypothekendarlehen) dar.**

Das o. g. Vierfamilienhaus wurde 1932 gebaut. Um auf die Mitfinanzierung der Baukosten durch die Landesbausparkasse Sachsen hinzuweisen, durfte bzw. musste der Bauherr die abgebildete Messingtafel mit dem Satz „Erbaut mit Hilfe der Landesbausparkasse Sachsen“ und der Jahreszahl „1932“ an seinem Neubau anbringen. Dort verblieb die Tafel, bis man sie im Zuge einer Sanierung des Hauses im Jahr 1994 entfernte. Als Hersteller ist auf der Tafel die Firma „Amandus Northmann / Dresden“ genannt. Diese „Dresdner Gravier- und Präge-Anstalt“ hatte ihre Geschäftsräume Ende 1932 auf der Pillnitzer Straße 31 in Dresden.***

Der Verweis auf die Finanzierung von Sanierungs- oder Bauvorhaben durch öffentliche Förderdarlehen oder -zuschüsse mittels anzubringender Tafeln wird noch heute u. a. im Rahmen der Schulhausbau- oder Städtebauförderung mit Fördermitteln der Europäischen Union, der Bundesrepublik oder des Freistaates Sachsen praktiziert.

Jörg Wolf
seit über 25 Jahren Privatforscher zur sächs. Sparkassengeschichte

* Protokollbuch Sparkasse der Gemeinde Arnsdorf/Sa., S. 35, S. 42, S. 45, S. 47.
** Landesbausparkasse Sachsen Dresden: Zwischenbericht für das 1. Geschäftsjahr 1930 (1. März – 31. Dezember 1930), S. 6.
*** Adreßbuch für Dresden und Vororte […] 1933, I. Teil, S. 562.


  • © Historisches Archiv des OSV

3 Mark zum Schulanfang

Dieses Sparbuch mit einem Startguthaben von 3 Mark verschenkte vor genau 100 Jahren die Sparkasse in Dresden. Ob sich der 6jährige Walter* wohl über das Geschenksparbuch gefreut hat? Leider ist es bei der einen Einlage geblieben. Zur Förderung des Sparsinns gab die Stadtsparkasse diese speziellen Sparkassenbücher heraus. Es handelte sich um eine Werbemaßnahme, um neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Bis zur Mündigkeit im Alter von 21 Jahren blieb die Stammeinlage übrigens gesperrt. Der nicht sparfreudige Schüler hatte somit keine Möglichkeit, das Geld zu vernaschen. Auch als junger Mann ist er nicht ans Spargutgaben gekommen, denn dieses wurde nach der verheerenden Inflation 1923 von den Eltern nicht zur Umwertung angemeldet. Es lohnte wohl nicht. Letztlich hätte die Stadtsparkasse nach gesetzlichen Bestimmungen fünf Reichspfennige gutgeschrieben.

* Der vollständige Name des Kunden wurde retuschiert.

  • Titelblatt von einer der vielen Kundenzeitschriften der Sparkassen der DDR, 1961 : © Historisches Archiv des OSV

„Camping – Liebe – Feuerstuhl“

Das sind Peter und seine „Ische“ Helga auf dem Weg in die Sommerfrische. Wir haben das Jahr 1961 und die Arbeiterjugend der DDR geht gern zelten. So jedenfalls steht es zu lesen in einer Kundenzeitschrift der Sparkassen der DDR. Wenn man der ausgebenden Werbe- und Anzeigengesellschaft DEWAG glauben darf, ist diese 8-seitige Jugendillustrierte „eines der besten Werbemittel dieses Jahres und wird bestimmt viel Anklang finden.“

Sprachlich an die Zielgruppe angepasst, werden schöne und nicht überlaufene Campingplätze vorgestellt sowie reizvolle Wanderrouten und Fahrstrecken beschrieben. Die Vorteile des Lagerlebens werden ausführlich gepriesen: „[…] ohne Anzug, ohne tägliches Rasieren, ohne immer pünktlich essen gehen zu müssen, mal richtig tun und lassen können, was einem gerade ein- oder gefällt. Überall da, wo Campingfreunde sind, wird gelacht und gesungen, der Flachs blüht, und es wird gesponnen.“

Aber so ein Urlaub will auch finanziert sein! Wie man das als „junge Werktätige“ in der DDR den 1960er Jahren anstellt, davon erzählt das Heft auch: „Die Sparkasse ist Millionen Sparern ein unentbehrlicher Freund, bietet mit den verschiedensten Sparformen vorteilhafte Anlagemöglichkeiten, bietet Sicherheit und verwaltet die Spareinlagen für friedliche, den Interessen der ganzen Bevölkerung dienenden Zwecken.“

Eine Möglichkeit war das Vertragssparen. Mit aus heutiger Sicht traumhaften 3 % bis 4 % Zinsen, konnten Peter und Helga ihr Geld ganz schnell vermehren. Bei einer monatlichen Sparsumme von zum Beispiel 20 DM hatte man bei 3 % Zinsen bereits am Ende des zweiten Jahres 495 DM zur Verfügung. Damit ließ sich in der DDR sehr gut Urlaub machen.

  • Lesezeichenserie der Sparkassen der DDR von 1957 : © Historisches Archiv des OSV

Olympische Spiele & Lesezeichen

Morgen ist bei den 32. Olympischen Sommerspielen in Tokio Halbzeit. Vor 65 Jahren fanden die Spiele im australischen Melbourne statt. Daran erinnert eine schön gestaltete Lesezeichenserie der Sparkassen der DDR, die sich in unserem Archivbestand befindet.

In den 1950er und 1960er Jahren standen die DDR-Sparkassen in Sachen Werbung den westdeutschen Instituten in Nichts nach; weder im Umfang, in der Vielfalt noch in der Gestaltung der Werbemittel. Von Anfang an wurde jedoch viel Wert darauf gelegt, die Jugend für das Sparen zu gewinnen. In jeder Schule gab es sogenannte Schulsparlehrer, die die Spargroschen der Kleinsten einsammelten und dafür Sparkmarken ausgaben. Diese wurden dann fleißig in Schulsparmarkenhefte geklebt. Die Spargelder brachte der Lehrer dann zur Sparkasse. Eine Fülle von kleinen Werbegeschenken, wie Stundenpläne, Lineale, Zirkel, Löschblätter, Stifte u. Ä. motivierte die Schülerinnen und Schüler, in ihrer Spartätigkeit nicht nachzulassen.

Sehr beliebt waren hierbei Lesezeichen. In unserem Archiv haben wir allein 20 verschiedene Serien zu den unterschiedlichsten Themen, wie Sport, Technik, Tiere oder Denkmäler und Hauptstädte Europas.

Die abgebildeten Lesezeichen zeigen drei Olympiasiegerinnen der Sommerspiele von 1956. Die Rückseiten enthalten neben den Siegerinnen der letzten Jahre in der jeweiligen Sportart, kleine Anekdoten aus dem Leben der Sportlerinnen. So erfährt man z. B. über Ursula Happe, der Siegerin im 200-m-Brustschwimmen, dass sie bereits Mutter zweier Kinder ist. Oft habe sie schon einige Trainingseinheiten absolviert, bevor sie ihre Kinder zur Schule brachte.

Über die tschechische Diskuswerferin Olga Fikotova (Bildmitte) wird berichtet, dass die „äußerst graziöse Medizinstudentin “ nach den Spielen den amerikanischen Olympiasieger im Hammerwerfen, Harold Conolly, geheiratet habe, zu ihm nach Boston übergesiedelt sei, aber weiterhin Staatsbürgerin der CSR geblieben ist. Die Siegerin im 80-m-Hürdenlauf, Shirley Strickland aus Australien (rechtes Lesezeichen), führe ihre Schnelligkeit auf das Jagen von Kängurus auf der Farm ihres Onkels zurück.

  • Das zentrale Werbemotiv der Sparkassenorganisation konnte nun auch von den Ost-Sparkassen verwendet werden. : © Historisches Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes

Weltspartag 1990 – die Ost-Sparkassen feiern wieder mit

Der Weltspartag hat eine lange Tradition. Ausgerufen 1924 in Mailand auf dem Ersten Internationalen Sparkassenkongress, sollte er als Feiertag des Sparens ein wichtiges Signal für den wirtschaftlichen Neuanfang nach der Inflationszeit sein.

Seitdem wird er jedes Jahr Ende Oktober von den meisten Banken und Sparkassen begangen. Auch die Sparkassen in den ostdeutschen Bundesländern nahmen am 30. Oktober 1990 die Tradition wieder auf.

Von Hagenow bis Chemnitz und von Nordhausen bis Görlitz – überall wurde im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt. Es gab Zeitungsanzeigen, Postwurfsendungen, Plakate, Radiospots und vieles mehr. Die Sparkassen nutzten alle Kanäle der Kundenansprache und waren damit erfolgreich. Die zahlreich erschienenen Kundinnen und Kunden sowie alle Interessierten konnten sich am Tag selbst über kleine Werbegeschenke, Kulturveranstaltungen und Preisauslosungen freuen. Mancherorts hatte der Weltspartag sogar Volksfestcharakter.

Wie zum Beispiel bei der Sparkasse Erfurt. Auf dem Anger vor dem Erfurter Dom stand eine große Bühne, auf der mehrere Musikgruppen auftraten und Podiumsgespräche mit Sparkässlern stattfanden; Marktstände, ein Straßenzirkus und eine Puppenbühne rundeten das Bild ab.

Neben den vielen Vergnügungen spielte auch die finanzielle Beratung der Kundinnen und Kunden eine wichtige Rolle. So stand auf dem Erfurter Anger eine mobile Sparkassenfiliale, in der man sich über die neueingeführten Sparkassenprodukte ausführlich aufklären lassen konnte.

Die Sparkasse in Halle nutzte den Weltspartag 1990 zum großen Teil für den Aufbau von Partnerschaften für das Jugendmarketing. Sie organisierte in verschiedenen Wohngebieten Kinderfeste und bezog die ansässigen Schulen mit ein.

Alle Sparkassen berichteten im Nachgang von gelungenen Veranstaltungen und freuten sich über die positive Resonanz der Teilnehmenden. Der Weltspartag war im Osten wieder angekommen.

Auch wenn heutzutage die klassischen Sparformen wenig ertragreich sind, ist es sicher kein Fehler, den Weltspartag zum Anlass zu nehmen, sich über seine Vermögensbildung und Altersvorsorge Gedanken zu machen.