• Der Silbergroschen ist 150 Jahre alt und zeigt den König von Preußen, der 1871 Deutscher Kaiser wurde. : © Historisches Archiv des OSV

Der Silbergroschen

Jahrzehntelang hatten die preußischen Sparkassen mit diesem kleinen Geldstück zu tun, dem Silbergroschen. Eingeführt wurde er durch ein Münzgesetz im Jahr 1821. Fortan machten 30 dieser Stücke einen Taler, wie auch auf der Vorderseite zu lesen ist. Die neue Rechnungsweise stellte schon einen Schritt in Richtung Dezimalsystem dar, wenngleich weiterhin 12 Pfennige einen Groschen ergaben. Wie der Name sagt, war die Münze aus Silber, allerdings nur zum Teil. Der Feingehalt dieses Exemplars betrug lediglich 220/1.000, das Feingewicht also magere 0,483 Gramm! Eigentlich irreführend. Weil sie nicht nur aus Kupfer bestanden, wurden sie im Gegensatz zu den Kupfergroschen als Silbergroschen bezeichnet. Bis 1873 wurden die silberhaltigen Groschen geprägt. Noch drei weitere Jahre galten sie im Wert eines 10-Pfennig-Stücks als Zahlungsmittel. Da hatten die Sparkassen längst ihre Bücher umgestellt auf Mark und Pfennig.

  • © Historisches Archiv des OSV

Berg und Tal

Hier sehen Sie eine historische Grafik, die 1950 vom Sächsischen Sparkassenverband erstellt wurde. Sie zeigt eine wechselvolle Geschichte, welche die Sparkassen und ihre Kundinnen und Kunden in 100 Jahren durchlebt hatten. Deutlich markiert sind Spareinlagenrückgänge. Sie bedürfen einiger Erklärungen. Die Ursachen waren nämlich durchaus unterschiedlich. Im Ersten Weltkrieg hob die Kundschaft viel Geld ab, um Kriegsanleihen des Deutschen Reichs zu kaufen. Mit diesen Wertpapieren wurde ein Großteil der Aufwendungen für die Kriegsführung finanziert. 1931 hingegen bewirkte vor allem der Zusammenbruch einer Großbank eine Vertrauenskrise, die sich auch auf die Sparkassen auswirkte. Es wurde vermehrt abgehoben und weniger eingezahlt. 1948 führte schließlich eine Währungsreform zur Reduzierung der Geldmenge.

Große Katastrophen zeichnen sich deutlich durch die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg und das Ende des Zweiten Weltkrieges ab. Für die einzelnen Inflationsjahre sind keine konkreten Werte eingetragen. Überliefert ist, dass die Spareinlagen bei den sächsischen Sparkassen infolge der staatlichen Geldpolitik 1923 über 51 Billiarden Mark betrugen. Dies war gar nicht grafisch umzusetzen. Als Umstellungsverhältnis galt dann 1 Billion Mark : 1 Reichsmark. Ganz auf Null ging es jedoch 1945. Gemäß Anweisung der sowjetischen Besatzungsmacht wurden die in den Kriegsjahren enorm angewachsenen Guthaben schlichtweg „eingefroren“. Durch die verbrecherische Politik des NS-Regimes war die Währung ruiniert. Glücklicherweise konnte die krisengeschädigte Kundschaft in beiden Fällen teilweise entschädigt werden.

  • Münzgeld aus der DDR : © Historisches Archiv des OSV

Vor 30 Jahren: DDR-Lebensmittelpreise

Einzelhandelsverkaufspreise ausgewählter Nahrungs- und Genußmittel 1989*

Nahrungsmittel:
1 Liter Trinkmilch 0,68 Mark
1 kg Roggenmischbrot 0,52 Mark
1 kg Weißbrot 1,00 Mark
1 kg Salzheringe 1,20 Mark
1 kg Margarine 2,00 Mark
1 kg Schweineschmalz 3,10 Mark
1 kg Räucherspeck 4,00 Mark
1 kg Landleberwurst 6,20 Mark
1 kg Jagdwurst 6,80 Mark
1 kg Gouda-Käse 7,20 Mark
1 kg Hackepeter 7,60 Mark
1 kg Schweinekotelett 8,00 Mark
1 kg Tollenser-Käse 9,40 Mark
1 kg Tafelbutter 9,60 Mark
1 kg Rindfleisch, Schmorfleisch ohne Knochen 9,80 Mark

Genußmittel:
1 Filter-Zigarette 0,16 Mark
0,33 Liter helles Vollbier 0,48 Mark
100 g Vollmilch-Schokoladentafel 3,85 Mark
0,7 Liter Klarer mit Weinbrand „Goldbrand“ 14,50 Mark
1 kg Bohnenkaffee „Rondo“ 70,00 Mark

* Statistisches Jahrbuch der DDR 1990, S. 309

  • Sparbuch Eberswalde Rentenmark Reichsmark

    Ab 1923 gab es die Rentenmark und ab 1924 die Reichsmark. Währungsumstellungen wurden auf bzw. in Sparkassenbüchern vermerkt. : © Historisches Archiv des OSV

Sparkassengeschichte für Sparkassenazubis

… heißt es ab dieser Woche wieder. Bei den Einführungsseminaren für Auszubildende an der Nord-Ostdeutschen Sparkassenakademie in Potsdam ist die Geschichte ein Programmpunkt, den das Historische Archiv des OSV liefert. Dabei wird es wie immer auch ums Geld gehen. Da es Sparkassen schon seit 200 Jahren in unserem Verbandsgebiet gibt, haben sie auch schon mit einigen Währungen zu tun gehabt. Die Geldpolitik der Regierenden hatte leider manchmal auch katastrophale Auswirkungen auf die Institute und ihre Kudinnen und Kunden. So vernichtete die große Inflation Anfang der 1920er-Jahre die Ersparnisse von Generationen. Hauptursache für die Ruinierung der Währung war die maßlose Kreditvergabe der Reichsbank an den deutschen Staat. Erst als der Regierung der Zugriff auf die Notenpresse verwehrt wurde und die Rentenmark neben die entwertete Mark trat, endete 1923 die Hyperinflation. Im Folgejahr wurde die Reichsbank von der Reichsregierung unabhängig. Die neue deutsche Währung hieß nun Reichsmark. Das Umstellungsverhältnis war 1 Reichsmark = 1 Billion Mark.

  • © Historisches Archiv des OSV

Rechnerei zum Jahresabschluss

Im Kreisblatt veröffentlichte die Sparkasse des Zauch-Belzigschen Kreises eine Jahresübersicht zu sämtlichen Sparbüchern, die sie 1873 betreute. Selbstverständlich blieben die Inhaber und Inhaberinnen anonym. Einen Ausschnitt der Tabelle sehen Sie hier. Die Sparkasse wies die Einlagen der Kundschaft zum „ultimo“ aus. Dies war der letzte Bankarbeitstag vor 145 Jahren. Man addierte die Zinsen. Rechts stand die Summe. Die Beträge wurden jeweils in Talern, Silbergroschen und Pfennigen angegeben. Das war damals die Währung im preußischen Brandenburg. 30 Silbergroschen ergaben einen Taler. Zwölf Pfennige machten einen Silbergroschen. Rechnen Sie gern nach, ob die Kreissparkasse richtig lag.

  • © Historisches Archiv des OSV

Von Billionen und Billiarden

Vor 95 Jahren musste die damalige deutsche Zentralbank, die Reichsbank, immer höhere Banknotenwerte herausgeben. Es war die Zeit der grassierenden Inflation. Nach Millionen- und Milliarden-Scheinen folgten Anfang November 1923 Geldscheine mit Billionen-Werten. Hintergrund der ungeheuren Vermehrung der Geldmenge war eine massive Verschuldung des Deutschen Reichs. Die Regierung hatte kein Interesse an einer Stabilisierung der Währung. Die Reichsbank gab dem Staat Kredit und sorgte für eine Geldflut. Die Preise stiegen aber schneller als Löhne und Gehälter. Für diese Billion konnte man auf dem Höhepunkt der Inflation im November 1923 nicht einmal zwei Kilogramm Brot kaufen.

Zur Wertaufbewahrung taugte Geld nicht mehr. Und trotzdem wurde es zur Sparkasse gebracht. In Halle, wo seit 1819 durchgehend Generationen von Menschen sparten, wurden im Jahr der Hyperinflation allein bei der Stadtsparkasse sage und schreibe 24,1 Billiarden Mark ein- und 12,7 Billiarden Mark ausgezahlt. Die Gesamteinlagen der Kundinnen und Kunden vermehrten sich 1923 von 481,1 Millionen auf fantastische 11,3 Billiarden Mark. Dieses viele Geld war eigentlich nicht mehr viel wert, denn der offizielle Umstellungskurs von Mark auf Reichsmark war 1924 eine Billion zu eins. Eine gesetzlich geregelte Aufwertung sollte dann doch noch für eine zumindest teilweise Entschädigung der Kundschaft sorgen.