• Heimspardose und Blechsparbüchse, von Kollegen im mütterlichen Keller bzw. auf dem Trödelmarkt aufgestöbert und dem Archiv für die Sammlung überlassen. : © Historisches Archiv des OSV

  • Viele Heimsparbüchsen wurden mehrmals im Jahr geleert. Die Anschaffungskosten trugen die Sparkassen. Sie behielten auch oft die Schlüssel. Die Blechspardosen wurden als Werbemittel ausgegeben. Schloss und Schlüssel besitzen sie nicht.

  • Weltspartag in Berlin 1953 - Werbung mit übergroßer Heimspardose : © Historisches Archiv der Berliner Sparkasse

Neuzugang

Ich wurde einmal gefragt, über welche Archivzugänge ich mich am meisten freuen würde. Die Antwort darauf fiel mir ausgesprochen leicht:

Da sind zum einen Sparkassenkunden, die beispielsweise etwas zu Erbstücken wissen wollen oder etwas entdeckt haben. Sind alle Fragen beantwortet, erhalten wir das betreffende Objekt oft für das Archiv. Zum anderen sind da die Kolleginnen und Kollegen. Wenn sie sich an uns wenden, dann ist es für uns in zweierlei Hinsicht toll. Denn sie haben an uns gedacht, sich Gedanken gemacht, bevor sie den für sie selbst unnütz gewordenen Gegenstand entsorgen oder einem Händler zum Kauf anbieten. So wächst unsere Sammlung um Stücke, die wir nicht durch systematische Bestandsergänzung planmäßig anschaffen. Der Überraschungseffekt ist also jedes Mal groß. Gleichzeitig finden wir unseren Eindruck bestätigt, dass wir mit unserer Arbeit wahrgenommen werden und im Hinterkopf der Belegschaft stets präsent sind. Ein schönes Gefühl.

Jüngst haben wir von Kollegen zwei Spardosen der Sparkasse der Stadt Berlin West erhalten. Eine grüne Heimspardose aus den 1950er Jahren und eine bunte Blechspardose aus den 1960er Jahren. Beide Varianten hatten wir noch nicht im Archiv. Auf den ersten Blick ähneln sie sich in der äußeren Form und ihrem Zweck. Beide sollten den Sparsinn wecken und fördern. Doch schaut man genauer hin, erzählen sie zwei sehr unterschiedliche Geschichten.

Das Heimsparkassenprinzip gehörte laut Pohl* seit 1904 zum Kleinsparwesen in Deutschland. Das ursprünglich vom amerikanischen Bankier Walter Francis Burns in den 1890er Jahren entwickelte System verbreitete sich schnell weltweit und wurde in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland zum Erfolg. Die Möglichkeit, minimalste Beträge regelmäßig zu Hause sparen zu können, ohne sich gleich mit Pfennigen auf den Weg zur örtlichen Sparkasse machen zu müssen, traf den Nerv der Zeit. Das galt insbesondere auch für die harten Aufbaujahre nach dem Krieg. 1952 fanden sich durchschnittlich 7,10 DM in jeder bundesdeutschen Heimsparbüchse einer Sparkasse. Noch 1963 lag der durchschnittliche Sparbetrag bei 12,10 DM. Fünf Jahre später stellt Schrader** fest, dass die „Summe der seit der Währungsreform eingenommenen Beträge aus allen Kleinsparverfahren […] Mitte 1968 die 10-Mrd.-DM-Grenze überschreiten [wird].“ Keine Kleinigkeit, so sein Fazit. Fast alle bundesdeutschen Sparkassen beteiligten sich am Heimsparbüchsensparen. „Ende 1966 waren mehr als 6 Millionen Spardosen der Sparkassen in Betrieb, nahezu viermal soviel wie Ende 1956“. Der Durchschnittssparbetrag pro Dose nahm fast jedes Jahr zu. Damit verzeichnete diese Sparart die vergleichsweise günstigste Entwicklung unter allen Kleinsparverfahren.

Die zweite Spardose aus den 1960er Jahren reiht sich ein in eine ganze Serie derselben Form, insbesondere aber auch derselben Werbebotschaften: „Wer spart, gewinnt“ und „Sparen macht Freude“. Wir wissen, dass diese Dosen in Berlin West bereits zum Weltspartag 1959 ausgegeben worden sind. Das Motto aus jenem Jahr „Sparen gibt Rückhalt“ klebt breit über einer mit Märchenmotiven gestalteten Blechspardose, die wir bereits im Bestand hatten. Kennzeichnend für die Serie ist, dass sie das Signet der Sparkasse der Stadt Berlin West trägt – ein außergewöhnlich dynamisches „S“, das zwischen 1955 bis 1971 verwendet und von Hans-Joachim Schlameus, Professor an der Hochschule für bildende Künste, heute Universität der Künste Berlin, kreiert wurde. Das Kleingedruckte „KOPPE SO 36“ auf der Spardose verweist auf den Hersteller, die 1888 gegründete Firma Gebr. Koppe AG. Sie ließ sich Anfang der 1950er Jahre in Berlin-Kreuzberg, Schlesische Straße 26 nieder, heute ein stylischer Mietkomplex in einem altehrwürdigen Industriebau aus den Jahren 1910 bis 1913. „SO 36“ verweist auf die frühere Postleitzahl, wobei „SO“ für Kreuzberg-Südost und „36“ für das Zustellpostamt steht.

Die Sparkasse der Stadt Berlin West arbeitete bei der Herstellung der Spardosen also mit einem ortsansässigen Unternehmen zusammen, das bekannt für seine Blechpackungen, Plakate und Tuben war, und ließ sich gestalterisch viel einfallen, um für das Sparen zu werben. Leider sind uns die oder der Gestalter namentlich nicht bekannt, doch anhand der Ergebnisse können wir feststellen, dass die Motive Gefallen gefunden haben und zur Produktion freigegeben worden sind. In den farbenfrohen Darstellungen wurden Themen aufgegriffen, die besonders Kinder in ihren Bann ziehen, wie Märchen, exotische Tiere des Zoos oder die Erforschung der Pole. Andererseits ging es um besondere Anlässe des Hauses, wie zum Beispiel den Bezug der neuen Sparkassenzentrale in der Bundesallee am 2. Juli 1965 oder das 150-jährige Jubiläum 1968. Auf den beiden letztgenannten Spardosen fehlen die Werbesprüche, sodass nichts von den herausragenden Ereignissen jener Jahre ablenkt.

Der Slogan „Sparen macht Freude“ und damit die Propagierung des Spargedankens gehört nach Angaben des Deutschen Sparkassenverlages zu den Schwerpunkten der Sparkassenwerbung in den 1950er Jahren. „Wer spart, gewinnt“ ist ein Motto, das mit dem 1952 neu eingeführten Prämiensparen seinen Anfang nimmt und viele Jahre die Sparkassenwerbung begleitete. 1974 bildete die Aktion mit dem Titel „Wer spart, gewinnt“ sogar den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Weltspartages. Sie gilt als die bis dahin größte Werbeaktion in der deutschen Sparkassengeschichte. Mit der Kombination aus Sparen und Lotterieteilnahme beim Prämiensparen, kurz PS-Sparen, ist der richtige Anreiz geschaffen worden, um das regelmäßige, langfristige Sparen für breite Bevölkerungsschichten wieder oder überhaupt erst attraktiv zu machen. Die Förderung durch den Staat begünstigte ebenfalls das längerfristige Sparen. In Berlin konnte 1963 die erste Milliarde an Spareinlagen verbucht werden, wobei die durchschnittliche Anlagezeit mehr als drei Jahre betrug. Zum Ende der 1960er Jahre, so berichtet stolz die Chronik, war jeder zweite Berliner Sparkassenkunde.

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*Pohl, Hans [u. a .]: Wirtschafts- und Sozialgeschichte der deutschen Sparkassen im 20. Jahrhundert, Stuttgart, 2005.

**Schrader, Gerhard: Wird Kleinsparen noch großgeschrieben?, in: Sparkasse, 1968. H. 3, S. 41-44.

  • © Historisches Archiv des OSV

Was ist das für ein Ding? Teil 3

Im Bestand des Historischen Archivs befinden sich einige Kontrollmarken verschiedener Sparkassen, die früher zur Sicherung der Sparkassenbücher gegen unbefugte Abhebungen dienten. Sowohl Sparbuch als auch Kontrollmarke mussten am Kassenschalter vorgelegt werden. Auch diese Marke stammt aus der Zeit des Deutschen Reichs. Sie hatte wohl einen anderen Zweck. Abgebildet ist nämlich eine Spardose, die typischerweise in der Weimarer Republik oder im Dritten Reich genutzt wurde. Daneben ist eine Hand mit einem Geldstück zu erkennen, das seinen Weg findet.

Alle von den Sparkassen an die Kundschaft verliehenen Spardosen hatten ein Schild, auf dem der Name des Instituts und eine Nummer angebracht waren. Auch auf dieser abgebildeten Marke ist eine Nummer zu erkennen, die vielleicht mit der einer Heimspardose identisch ist. Da allein die Sparkasse den Schlüssel für sie hatte, die Leerung bei ihr stattfand, könnten Schlüssel und Marke zusammengehört haben. Es würde sich also um einen Schlüsselanhänger handeln. Wir freuen uns, wenn eine Leserin oder ein Leser diese Vermutung bestätigen kann. Auch Informationen über eine andere Verwendung sind uns in einem Kommentar sehr willkommen.

  • Bild 1: Porzellan-Spardosen der Sparkasse der Stadt Leipzig von 1938 (rechts) und der Städtischen Sparkasse Plauen von 1939 (links). : © Historisches Archiv des OSV

  • Bild 2: Werbeanzeigen der Porzellanfabrik Heinrich & Co., Selb in der „Sparkassen-Zeitung" vom 23. Juni 1938 (oben links), 13. August 1938 (unten links) und November 1939 - Mai 1940 (rechts). : © Deutscher Sparkassenverlag

  • Bild 3: Porzellan-Spardose für die „reifere Jugend" mit den Sparzielen Motorrad, Hochzeit und Eigenheim. : © Historisches Archiv des OSV

  • Bild 4: Porzellan-Spardose der Sächsischen Bank, gedacht für Schulkinder. : © Historisches Archiv des OSV

  • Bild 5: Links die Porzellanmarke der Firma Heinrich & Co., Selb vor 1939 (links) und ab 1939 (rechts). : © Historisches Archiv des OSV

  • Bild 6: Der Blecheinsatz mit Geldeinwurf und Schloß. Die Schlüssel verblieben bei den Sparkassen. : © Historisches Archiv des OSV

Die Heimsparbüchse, die dem Sparer gefällt! – Spardosen der Porzellanfabrik Heinrich & Co., Selb

Heute stellen wir Ihnen besonders hübsche historische Spardosen aus unserem Archiv vor.

Es handelt sich um Porzellan-Spardosen, die Ende der 1930er Jahre in Deutschland auf den Markt kamen. Sie trafen den Geschmack damaliger Sparer und ziehen auch heute noch durch ihr gelungenes Design und leuchtenden Farben Blicke auf sich.

Schon im Juli 1937 informierte der „Sparkassen-Werbedienst“ über die Porzellan-Heimsparbüchse in Glockenform als eine „aktuelle Neuheit“. Diese Spardose hatte noch eine verschließbare Entnahmeöffnung auf der Unterseite. Beim nicht genannten Hersteller handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Porzellanfabrik Heinrich & Co., Selb, die bereits 1936, anlässlich der Olympischen Spiele in Berlin, Spardosen in Form der „Olympiaglocke“ herstellte.

Die Porzellanfabrik Heinrich & Co., Selb, gegründet 1896 von dem Porzellanmaler Franz Heinrich, produzierte von 1902 bis zur Übernahme 1976 durch die Firma Villeroy & Boch im großen Maßstab hochwertige Porzellanware. Anfang der 1930er Jahre hatte Heinrich & Co., Selb etwa 500 Mitarbeiter. Das oberfränkische Selb, als „Porzellanstadt“ berühmt, beheimatete mit Hutschenreuther und Rosenthal noch zwei andere namhafte deutsche Porzellanhersteller.

Ab Juni 1938 wurde in der Sparkassen-Zeitung die Porzellan-Heimsparbüchse der Porzellanfabrik Heinrich & Co., Selb als neuartige Spardose beworben [Bild 2]. Sie hatte nun einen Münzeinwurf- und Geldentnahme-Einsatz aus Blech in der oberen Öffnung, der sich mittels eines Schlüssels öffnen ließ.

Sparkassen, Banken und Versicherungen, aber auch Privatkunden, bestellten in großer Zahl die Porzellan-Heimsparbüchse. Bereits Mitte August 1938 brüstete sich der Hersteller damit, bereits „zehntausende Verkäufe“ verzeichnen zu können [Bild 2]. Zweifelsohne erfreuten sich diese Porzellan-Spardosen großen Zuspruchs. Darauf verweist auch die Anzeige von September 1938, in der das Lob der Stadt- und Kreissparkasse Neubrandenburg für die „gefällige Form“ der Porzellan-Heimsparbüchse wiedergegeben wird.

Die damalige Reklame übertrieb sicherlich nicht, wenn sie die schöne Gestaltung und Hochwertigkeit der Porzellan-Heimsparbüchse betonte. Ins Auge stechen vor allem die liebevollen und farbenfrohen Illustrationen. Ursprünglich in vier Varianten verfügbar, wuchs die Palette bis Ende 1939 auf sechs Ausführungen an. Dabei wurde bewusst versucht, für jede Altersgruppe unter den Sparern eine eigene Version mit entsprechenden Sprüchen anzubieten. Die Anzeige die  November 1939 bis Mai 1940 geschaltet wurde [Bild 2], zeigt alle sechs Dekore für Neugeborene, Kleinkinder, Schulanfänger, Schulentlassung, reifere Jugend und Erwachsene. Die sechs- bis zehnfarbigen Drucke sind im zeittypischen Stil gehalten, wie er in den 1930ern häufig für Werbung und Kinderbuch-Illustrationen verwendet wurde.

Unser erstes Exemplar [Bild 1, rechts] wurde 1938 für die Sparkasse der Stadt Leipzig angefertigt. Die Herstellermarke auf der Unterseite ist die vor 1939 verwendete Version und das Deutsche Reichspatent war noch nicht erteilt, wie wir der Beschriftung des Blecheinsatzes entnehmen können. Diese „Erwachsenen“-Ausführung  der Porzellan-Heimsparbüchse mit dem Vers  „Die Sparsamkeit der Bienen laß Dir als Vorbild dienen!“ zeigt einen Bienenkorb mit realistisch dargestellten Bienen auf einer Blumenwiese.

Die zweite Dose aus unserem Archiv [Bild 1, Bild 3], wurde 1939 zum 100-jährigen Jubiläum von der Städtischen Sparkasse Plauen ausgegeben und zeigt den Dekor für die „reifere Jugend“. Hier werden die Sparziele abgebildet die so mancher junge Mensch damals (und sicherlich auch heute noch) hatte: ein Motorrad, eine traumhafte Hochzeit und ein Eigenheim. Begleitet wird dies von dem Vers „Gesparter Pfennig ist der Keim für Wohlstand, Glück und Eigenheim!“, der hier in Sütterlin-Schreibschrift gehalten ist. Die Herstellermarke ist die ab 1939 verwendete Form und der Blecheinsatz nunmehr mit „D.R.P.“ versehen.

Zum Abschluss zeigen wir Ihnen noch die „Schulanfänger“-Variante [Bild 4], mit Illustrationen zum Reim „Nütz‘ der Schulzeit gold’ne Jahre: lerne, spiele, wand’re, spare!“. Auch diese Spardose trägt die 1939 eingeführte Marke der Firma Heinrich & Co. Selb und wurde von der Sächsischen Bank ausgegeben.

Armin Riazi, Praktikant Historisches Archiv des OSV

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Quellen:

Franz Heinrich, www.porzellan-selb.de/project/porzellanindustrie-franz-heinrich

Porzellangeschichte, www.porzellanstrasse.de/de/porzellanstrasse/orte/selb.html

Porzellanmarken-Datenbank, www.sammler.com/porzellanmarken

Sparkassen-Werbedienst, 1937

Sparkassen-Zeitung, Jg. 1938-1940

  • © Historisches Archiv des OSV

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Sparen für Weihnachten?

Das Geld für Weihnachtsgeschenke rechtzeitig zusammenzusparen, daran erinnerte die Niederbarnimer Kreissparkasse in ihrem Taschenkalender bereits Monate vorm Fest (Abbildung 2).  1930 war es noch unüblich, dass Sparkassen Kredite zu Konsumzwecken vergaben. Erst einige Jahrzehnte später führten sie den Konsumentenkredit ein. „Erst sparen, dann kaufen“, war für lange Zeit die Devise.

Und selbst zum Weihnachtsfest 1930 empfahl man den Kundinnen und Kunden, ihren Liebsten nicht etwa nur Konsumgüter, sondern zum Beispiel auch Sparbüchsen (Abbildung 3) zu schenken. Heimsparbüchsen waren damals das verbreitetste Mittel im Kleinsparwesen.  Mit ihnen wollten die Sparkassen insbesondere die  Jugend zum Sparen animieren. Schon in jungen Jahren sollte das Vorsorgen erlernt werden.

Nachdem die Inflation bis 1923 den Großteil der deutschen Sparguthaben vernichtet hatte, war in den Aufbaujahren danach jeder Sparpfennig wichtig. Die Sparkassen motivierten die Menschen zu dieser Zeit mit allerlei Werbesprüchen. Diese finden sich zum Beispiel im abgebildeten Kalender und begleiteten die Kundschaft über das ganze Jahr.

1.
In guten Tagen musst Du sparen,
dann hast Du auch in schlechten Jahren.

2.
Arbeit ist die große Kraft,
die mit Sparsinn Reichtum schafft.

3.
Der Müßiggang bringt Schand‘ und Not,
der Fleiß hingegen Ehr‘ und Brot.

4.
Mit wenigem kommt man aus,
mit vielem hält man Haus.

5.
Es ist auf Erd‘ kein schöner Kleid,
denn Tugend, Ehr‘ und Sparsamkeit.

6.
Verschwender passen zu Geld,
wie wenn sich Wasser zu Feuer gesellt.

7.
Erwerben und Sparen zugleich,
macht am gewissesten reich.

8.
Darben ist nicht Sparens Kern,
sparst Du recht, dann sparst Du gern.

9.
Fleiß, Sparsamkeit und Selbstvertrauen
halfen manches Haus erbauen.

10.
Wer nicht spart, sein Geld verzettelt,
der im Alter sicher bettelt.

11.
Rechtes Glück liegt allezeit
in Arbeit nur und Sparsamkeit.

12.
Besser ists’s im Buch gespart,
als im Beutel aufbewahrt.

  • © Historisches Archiv des OSV

Die Sparbuch-Spardose

Es ist wieder an der Zeit, Ihnen eine außergewöhnliche Spardose aus unserem Archivbestand vorzustellen. Doch halt, das ist ja gar keine klassische Dose. In der Form eines Buches mit geprägtem Ledereinband kommt das 9 x 13,5 x 2,5 Zentimeter große Spargefäß daher. Titel des Werkes: „Der Wille zum Sparen“. Herausgeber: Städtische Sparkasse Mittweida. Ob dieses Objekt wohl einst im Bücherregal eines Kunden der mittelsächsischen Sparkasse seinen Platz fand? Ein gutes Versteck!

Vertrieben wurden derartige „Sparbücher“ vom Exporthaus John J. Moser in der Charlottenstraße 77 in Berlin. Sie hoben sich von den üblicherweise von Sparkassen an ihre Kundschaft ausgegebenen Bügelspardosen ab. Nur wenige Exemplare sind heute noch erhalten. Aus welchem Anlass die 1851 eröffnete Stadtsparkasse Mittweida solche Sparbuch-Spardosen beschaffte, wissen wir nicht. Vielleicht zum 75. Jubiläum 1926? Die Berliner Firma hatte jedenfalls bis 1927 ihren Sitz an der oben genannten Adresse im Postbezirk SW 68, der neben dem Einwurfschlitz der Spardose geprägt ist.

  • Eine Sparkassenkundin aus Dresden schenkte diese gut erhaltene Reisespardose 2011 dem Historischen Archiv des OSV. Sie schrieb: "Ich freue mich, dass meine Blechspardose einen würdigen Platz in Ihrem Archiv finden wird." : © Historisches Archiv des OSV

  • Dass diese Spardose mehr als "einfach nur" eine Spardose ist, verdanken wir den Erinnerungen ihrer ehemaligen Besitzerin. : © Historisches Archiv des OSV

Die Reise ins Archiv – Von Geschenken, Schenkern und Beschenkten

Wir sagen Danke! Doch. Wir finden, dass muss jetzt einmal sein. Unbedingt. Denn was uns alles schon erreicht hat von Sammlern, Kollegen und Sparkassenkunden – das ist toll. Und es ist wertvoll. Denn bevor etwas weggeworfen werden soll, ist die Frage nach dem Wert für andere immer eine spannende und zugleich interessante. Ja, für manch einen ist es alter Kram, für uns sind es mitunter Schätze, die Sparkassengeschichte(n) erzählen.

Neben alten Stempeln, Geldscheinen, Unterlagen aus Gründungstagen, Sparbüchern und Präsenten ausländischer Delegationen haben wir zum Beispiel auch wundervolle Spardosen erhalten. Am schönsten für uns ist, wenn sich der Besitzer oder in diesem Fall die Besitzerin noch an die Geschichte erinnert, die es mit der Schenkung auf sich hat.

Vorgestellt sei an dieser Stelle – stellvertretend für viele andere tolle Geschenke – eine Reisespardose, zu der die Besitzerin aus Dresden folgende Erinnerung notierte:

[…] Die Spardose mit Motiv Königsee und Watzmann befand sich im Besitz meiner Eltern (geb. 1902 bzw. 1904). Meine Mutter hat diese in ihrer Arbeitsstelle im Gastronomiebereich von einem Handelsreisenden geschenkt bekommen. Es wurde fleißig gespart, damit bei ihren Reisen in den Urlaub […] etwas mehr Geld zur Verfügung stand. Ich selbst – Jahrgang 1941 – habe diese Spardose als Schulkind von den Eltern bekommen und ebenfalls fleißig gespart. Bei Feierlichkeiten – z. B. Geburtstage – machte die Spardose die Runde bei meinen Tanten und Onkeln. Jeder suchte dann 10-Pfennig-Stücke in der Geldbörse. Es war jedes Mal ein Erlebnis, wenn bei 10-Mark-Inhalt die Dose aufsprang. Auch mein Sohn (geb. 1960) hat diese Spardose genutzt. Toll ist dabei, dass die Geldeingabe und Geldanzeige funktionierte, sowohl bei 10 Reichspfennigen als auch bei 10 Pfennigen der DDR oder 10 Pfennigen der Deutschen Bundesbank. Die heutigen 10-Cent-Stücke gehen allerdings nicht mehr. Meine Enkel (27 bzw. 29 Jahre) bevorzugen inzwischen eine andere Sparweise […]

Im Jahr 2011 wurde die Spardose zusammen mit ihrer ganz persönlichen Geschichte ins Archiv aufgenommen und auch schon im Foyer des OSV-Bürogebäudes am Berliner Spittelmarkt als „Objekt des Monats“ ausgestellt. Wenn auch Sie geschichtsträchtige Gegenstände oder Schriftstücke besitzen, die mit Sparen oder Ihrer Sparkasse zu tun haben, dann nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf. Wir freuen uns drauf!