• © Historisches Archiv des OSV

Geldgeschichte für die Azubis

Letzte Woche haben an der Nord-Ostdeutschen Sparkassenakademie in Potsdam wieder die Einführungsseminare für Auszubildende begonnen. Seit fünf Jahren steht dabei auch die Sparkassengeschichte mit auf dem Programm. Bei meinen Veranstaltungen erfahren die Azubis unter anderem, wann ihre Sparkassen im 19. Jahrhundert gegründet wurden, seit wann es Girokonten gibt und was der Punkt im Sparkassenlogo eigentlich bedeutet. Auch die Geldgeschichte ist Thema. Denn so alt wie die Sparkassen sind, haben sie schon mit verschiedenen Währungen zu tun gehabt. Gegründet wurden sie in der Zeit der Taler-Währung. Heute erfahren neue Auszubildene aus Berlin (OSV), Brandenburg (Sparkasse Barnim) und Sachsen-Anhalt (Sparkasse Mansfeld-Südharz) etwas über diese Epoche.

Damals machten im Königreich Preußen zwar 30 Silbergroschen einen Taler. Aber 12 Pfennige ergaben einen Silbergroschen. 360 Pfennige waren also ein Taler. Kniffelig. Warum eigentlich 12 und nicht 10 Pfennige? Nun, die Zahl 12 erlaubte die Teilung in mehr einfache Zahlen ohne Bruch. König Friedrich Wilhelm III., den Sie auf dem Taler abgebildet sehen, wollte bei der Geldreform 1821 das alte 12er-System beibehalten. Und so blieb das Duodezimalsystem bis zur Einführung der Mark im Deutschen Reich bestehen. 1871 wurde die neue Währung festgelegt, die sich aus 100 Pfennigen zusammensetzte. Statt Silbergroschen gab es dann 10-Pfennige-Stücke. Zum 1. Januar 1875 musste überall in Deutschland auf Markrechnung umgestellt sein. Natürlich auch bei den Sparkassen. Das war die erste Währungsreform in ihrer Geschichte.

  • Berichtenswert fand die Deutsche Sparkassenzeitung, dass junge Leute aus Sangerhausen bei der westdeutschen Partnersparkasse, der Kreissparkasse Hildesheim, ihre Ausbildung absolvierten. : © Deutscher Sparkassenverlag

Das Ausbildungsjahr beginnt

Blogserie, Teil 49

Am 1. September 1990 begannen bei den DDR-Sparkassen rund 1.250 junge Menschen ihre Ausbildung. Investitionen ins Personal mussten damals unbedingt getätigt werden. Die Institute waren im Vergleich zu denen in der Bundesrepublik Deutschland unterbesetzt.* Erstmals konnten die Ost-Sparkassen eigenverantwortlich über die Zahl der Azubis bestimmen. Bisher hatten planwirtschaftliche Zuteilungen für eine Unterversorgung gesorgt.** So waren für 1990 eigentlich nur 260 Lehrlingseinstellungen vorgesehen, bei einem Gesamtbestand von etwa 20.000 Beschäftigten. Die Sparkasse Rostock, aufgegangen 1994 in der OstseeSparkasse Rostock, berichtete über die Neuerungen.

„Im September 1990 begann auch bei der Berufsausbildung eine neue Zeit. Das Berufsziel heißt auch bei uns wieder ‚Bankkaufmann‘. Diese neue Ausbildung, die nach der Ausbildungsverordnung Bankkaufmann und einem Rahmenplan des Kultusmunisteriums erfolgt, erforderte umfangreiche organisatorische und qualitative Veränderungen. Anstelle der 10 – 15 vorgegebenen Ausbildungsplätze für weibliche Schulabgänger konnten wir entsprechend unseres Bedarfs 25 Ausbildungsplätze, auch für männliche Bewerber, zur Verfügung stellen.“ ***

Wurde man bislang in zwei Jahren zum „Finanzkaufmann“ mit der Spezialrichtung Geld und Kredit ausgebildet, galt es nun, in drei Jahren den Abschluss „Bankkaufmann“ zu erwerben. Laut Beschluss des DDR-Parlaments vom 19. Juli 1990 war das Berufsbildungsgesetz der Bundesrepublik vom 14. August 1969, zuletzt geändert durch das Berufsbildungsförderungsgesetz vom 23. Dezember 1981, die neue rechtliche Grundlage für die Ausbildung.**** Damit herrschten einheitliche gesamtdeutsche Ausbildungsregelungen. Eine Besonderheit im Osten war jedoch, dass die bei den westdeutschen Sparkassen obligatorische Probezeit entfiel.***** Ende 1990 wurden in Brandenburg 193, in Mecklenburg-Vorpommern 205, in Thüringen 266, in Sachsen-Anhalt 395 und im Freistaat Sachsen 490 Sparkassenazubis gezählt.******

Die Ausbildung war dual organisiert. Die Volkskammer hatte am 19. Juli auch ein Berufsschulgesetz beschlossen. Zwar stieg die Zahl der Auszubildenden der ostdeutschen Sparkassen vor 30 Jahren stark an, die Kapazitäten der kommunalen Berufsschulen standen jedoch in keinem Verhältnis.******* Mit Unterstützung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und weiterer Spitzenverbände wurden die Lehrkräfte fachlich qualifiziert. Unterstützung erfuhren die ostdeutschen Sparkassen von ihren Partnerinstituten, indem zum Beispiel Azubis für eine Weile dort lernen konnten. Bei der Kreissparkasse Hildesheim wollten vor 30 Jahre sogar 18 junge Leute ihre dreijährige Ausbildung absolvieren, um danach in der heimatlichen Sparkasse zu arbeiten.********

Fortsetzung am 07.09.2020

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* Der Präsident des DSGV führte bei einem Seminar für Landräte und Oberbürgermeister am 20. August 1990 aus, dass die Sparkassen in der Bundesrepublik dreimal so viel Kunden betreuten, aber über zehnmal so viel Personal wie die DDR-Sparkassen verfügten. Das Verhältnis 10 zu 1 zeige sich auch bei den Lehrlingseinstellungen. Vgl. Referat Präsident Dr. h. c. Helmut Geiger: Sparkassen im Wettbewerb, in: Historisches Archiv des OSV, HA 76/2004 a-c Bd. 2

** Vgl. Wysocki, Josef/ Günther, Hans-Georg: Geschichte der Sparkassen in der DDR 1945 bis 1990, Stuttgart, 2. Aufl., 1998, S. 247

*** Geschäftsbericht der Sparkasse Rostock für 1990, S. 12

**** Vgl. Gesetz über das Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland in der Deutschen Demokratischen Republik – IGBBi – vom 19. Juli 1990, in: Gesetzblatt der DDR, Teil I, Nr. 50, 13.08.1990, S. 907 ff.

***** Vgl. Backhaus, Jürgen: DDR übernimmt Berufsbildungsrecht, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 61, 10.08.1990, S. 5.

****** Vgl. Jahresbericht 1990/1991 des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes, S. 35

******* Es gab im Herbst 1990 lediglich 15 kommunale Berufsschulen und maximal 80 Lehrkräfte in Ostdeutschland. Vgl. Geiger, Walter/ Günther, Hans-Georg: Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens 1990 bis 1995, Stuttgart, 1998, S. 176 f.

******** Vgl. DDR-Azubis in Hildesheim, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 61, 10.08.1990, S. 5.

  • Zeugnis einer Fusion von 1943 : © Historisches Archiv des OSV

Geschichte für die Auszubildenden der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin

Heute ist es wieder soweit. Seit 2015 bekommen wir regelmäßig Anfang September Besuch von den neuen Auszubildenden der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin. Der Nachwuchs der Sparkasse macht bei einem Ausflug in die Hauptstadt Station beim Ostdeutschen Sparkassenverband und bekommt hier eine Einführung in die Sparkassengeschichte geboten. Eine bunte Bilderpräsentation ist vorbereitet. Werbefilme aus verschiedenen Epochen warten auf ihre Aufführung. Objekte, etwa Spardosen und Sparbücher, sind aus dem Archiv in Potsdam nach Berlin gebracht. Denn es gibt Geschichte zum Anfassen. Und auch die historischen Logos der Sparkassenorganisation werden nicht bloß angeschaut.

Zur Entwicklung der Marke Sparkasse gehört aber noch mehr, denken wir nur an die Farbe. Weil‘s um Geld ging und geht, steht natürlich auch die Währungsgeschichte auf der Agenda. Den Anfang macht der Taler. Nicht nur die deutsche, sondern insbesondere die regionale Sparkassengeschichte ist Thema. Das erste Institut war 1848 die Sparkasse des Ruppiner Kreises. Technische Neuerungen, wie die ersten Selbstbedienungsautomaten, werden vorgestellt. Ihr Einsatz erfolgte in der DDR aber nur in Großstädten und Ballungsgebieten. Bei den Kreissparkassen Wittstock, Neuruppin und Kyritz gab‘s vor 30 Jahren noch keine. Die drei Sparkassen verschmolzen 1993 zur Sparkasse Ostprignitz-Ruppin. Dass es sich dabei nicht um die erste Fusion in der Geschichte handelte, erfahren die Auszubildenden.

  • Sparbuch Eberswalde Rentenmark Reichsmark

    Ab 1923 gab es die Rentenmark und ab 1924 die Reichsmark. Währungsumstellungen wurden auf bzw. in Sparkassenbüchern vermerkt. : © Historisches Archiv des OSV

Sparkassengeschichte für Sparkassenazubis

… heißt es ab dieser Woche wieder. Bei den Einführungsseminaren für Auszubildende an der Nord-Ostdeutschen Sparkassenakademie in Potsdam ist die Geschichte ein Programmpunkt, den das Historische Archiv des OSV liefert. Dabei wird es wie immer auch ums Geld gehen. Da es Sparkassen schon seit 200 Jahren in unserem Verbandsgebiet gibt, haben sie auch schon mit einigen Währungen zu tun gehabt. Die Geldpolitik der Regierenden hatte leider manchmal auch katastrophale Auswirkungen auf die Institute und ihre Kudinnen und Kunden. So vernichtete die große Inflation Anfang der 1920er-Jahre die Ersparnisse von Generationen. Hauptursache für die Ruinierung der Währung war die maßlose Kreditvergabe der Reichsbank an den deutschen Staat. Erst als der Regierung der Zugriff auf die Notenpresse verwehrt wurde und die Rentenmark neben die entwertete Mark trat, endete 1923 die Hyperinflation. Im Folgejahr wurde die Reichsbank von der Reichsregierung unabhängig. Die neue deutsche Währung hieß nun Reichsmark. Das Umstellungsverhältnis war 1 Reichsmark = 1 Billion Mark.

  • Ansichtskarte Schule Sparkasse Aschersleben

    Ansichtskarte Verlag Papierhandlung Ludwig Siever in Aschersleben, versendet 1932; Bestand: Historisches Archiv des OSV

Geprüft in Aschersleben

Eine satzungsmäßige Aufgabe des OSV ist die Förderung der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen. Dazu wird eine Akademie unterhalten. Auch in früheren Zeiten war die Bildungsarbeit ein wichtiges Verbandsthema. So konnten Beamte und Angestellte von Gemeinden, die in Sparkassen arbeiteten, Ende der 1920er-Jahre zum Beispiel an der Verwaltungsschule in Aschersleben Lehrgänge absolvieren. Dafür gab es sogar überregionales Interesse.

Interessantes ist etwa zur Abschlussprüfung des Sparkassenlehrgangs im Frühjahr 1928 überliefert. Für die schriftliche Prüfung musste eine Sparkassenbilanz aufgestellt werden. Verschiedene Rechenaufgaben (Effektenabrechnungen, Diskontberechnung, Devisenabrechnungen) waren zu lösen. Und es stand eine knifflige Aufgabe aus dem Bereich Hypotheken- und Kreditwesen auf dem Plan. Alle 21 Prüflinge bestanden, davon drei mit dem Prädikat „recht gut“ und vier mit „gut“. Den übrigen Teilnehmern wurde „Erfolg“ bescheinigt.

Über die Benotung entschied die Prüfungskommission. Sie bestand aus dem Oberbürgermeister von Aschersleben als Vorsitzendem, dem Oberbürgermeister von Stendal, dem Kämmerer der Stadt Schönebeck und dem Direktor der Stadtsparkasse Aschersleben. Auch der Geschäftsführer des für die Provinz Sachsen, für Anhalt und Thüringen zuständigen Regionalverbandes gehörte der Kommission an.

  • Eine Seite aus dem Tagebuch des 6. Internatslehrgangs für Sparkassenlehrlinge des Bezirkes Dresden 1962 : © Historisches Archiv des OSV

Sparkassenlehrlinge auf Ostereiersuche

Auf den ersten Blick erkennt man es nicht, was die jungen Menschen auf dem freien Gelände hier im sächsischen Johnsbach vor mehr als 50 Jahren machen. Doch die zu den Fotos gesellten, liebevollen Zeichnungen erklären die Szenerie. Die lachenden Gesichter der glücklichen Finderinnen tun ihr Übriges. Es ist Ostern im Jahr 1962. Der 6. Internatslehrgang der zukünftigen Finanzkaufmänner und -frauen für die Sparkassen des Bezirkes Dresden geniesst den Ostersonntag.

Insgesamt nahmen fast 50 – hauptsächliche weibliche – Sparkassenlehrlinge an dem vierwöchigen Kurs teil. Viel freie Zeit blieb den Teilnehmern wahrscheinlich nicht. Der Tag begann 6.30 Uhr mit dem Wecken und Frühsport und endete nach acht Stunden Unterricht und gemeinsamen – meist politischen – Abendveranstaltungen mit der Bettruhe um 22.00 Uhr. Und das Montag bis Samstag.

Zu jedem Lehrgang wurde ein detailreiches, mit vielen Fotos versehenes Tagebuch geführt. Einige davon gelangten auch in unser Archiv. Für uns sind diese Zeitzeugen gelebter Alltagsgeschichte ebenso wichtig, wie z. B. die Akten von Vorstandssitzungen. Ergänzen sie doch das Bild, welches wir uns von der Vergangenheit machen. Nüchternes Verwaltungshandeln – für die Geschichtsschreibung unerlässlich – und die darin agierenden Menschen, setzen Stück für Stück das Puzzle der Vergangenheit zusammen.