• Wer kann das Rästel lösen? : © Historisches Archiv des OSV

Werbung vor 100 Jahren

Nach der verheerenden Inflation in der Weimarer Republik engagierten sich die Sparkassen vielfältig, um das Einlagengeschäft wieder aufzubauen. Vertrauensbildende Maßnahmen waren angesagt. Die Menschen sollten zum Sparen mit der neuen und stabilen Währung Reichsmark bewegt werden. Es fanden unterschiedliche Aktionen statt. So wurden etwa verstärkt Heimspardosen ausgeliehen. Auch Druckschriften wurden herausgegeben. Der Deutsche Haus- und Sparkalender ist eine davon. Dieses volkstümliche Heftchen vereint Wissenswertes, Unterhaltendes und natürlich Sparerziehung beziehungsweise Reklame. In unserem Archivbestand befinden sich Exemplare ab 1925. Einige zieren die Namen von historischen Sparkassen aus unserem Verbandsgebiet. Diese zentral produzierten Werbemittel konnten nämlich individualisiert werden.

  • Harz, Erzgebirge oder wo sonst sind diese beiden Sparer unterwegs? DEWAG-Plakat, 1966 : © Historisches Archiv des OSV

Winterfreuden

Nun hat uns ins Ostdeutschland in letzter Zeit auch einmal ein richtiger Winter besucht. Und „Elli“ zeigt immer noch seine Wirkung. Bekanntlich ist Witterung immer des einen Freud und des anderen Leid. Oder beides zugleich. So freut sich zum Beispiel der Verfasser dieses Beitrags über die endlich wieder richtig winterliche Natur in Berlin und ärgert sich über die Verspätungen der Bahn.

Anders als heute war Schnee vor 60 Jahren wohl eher der Regelfall. Damals entstand dieses Werbeplakat der Sparkassen der DDR. Es regte die Menschen an, für ihren Winterurlaub zu sparen. Der Urlaub war und ist ein klassisches Sparziel. Aber nicht etwa mit dem guten alten Sparbuch, sondern auf dem modernen Spargirokonto sollten Gelder gesammelt werden. Dieses gab es zuerst 1964 in Ostberlin und in den Folgejahren auch bei anderen Sparkassen der Republik.

Bargeldlos konnten zum Beispiel Gehälter durch Zahlung über das Spargirokonto automatisch bei den Sparkassen landen. Es bot dieselben Zinsen wie das Sparbuch, so dass Umbuchungen unnötig schienen. Unter anderem per Scheck oder Überweisung war das Guthaben verfügbar. Auch Daueraufträge zur Abbuchung gab es. Für die Auszüge hatte man ein Heftchen. Es handelte sich also um ein fortschrittliches Konto mit Vorzügen, das den Sparverkehr rationalisieren half.

  • © Historisches Archiv des OSV

Neues Jahr, neues Statut

Zum neuen Jahr bekamen die DDR-Sparkassen vor einem halben Jahrhundert ein neues Statut. Das im Herbst von der Regierung beschlossene Werk trat am 1. Januar 1976 in Kraft. Das Geschäft der „volkseigenen Kreditinstitute“ war weiterhin stark reglementiert. Darlehen an die örtliche Wirtschaft tauchten in der Satzung gar nicht auf. Bürger bekamen etwa Geld zur Finanzierung von Konsumgütern, wenn sie denn gerade verfügbar waren. Sparkassen ermöglichten den privaten Eigenheimbau und auch Modernisierungen im Wohnungsbestand, sofern es nicht an Baumaterialien mangelte. Mit dem Kredit für junge Eheleute unterstützten sie die staatliche Sozialpolitik.

Enorme Darlehen gewährten die Geldinstitute dem SED-Staat. Das neue Statut verpflichtete die Sparkassen nämlich, ihre zeitweilig freien Mittel bei der Staatsbank der DDR anzulegen. Allein die größte Sparkasse im Lande, die in Ostberlin, hatte damals ein Guthaben von über 2,3 Milliarden Mark. Durch ihre Einlagen finanzierten die Sparkassen den volkseigenen Wohnungsbau mit. Bis 1970 war das übrigens eine ihnen direkt zugewiesene Aufgabe im sozialistischen Bankensystem gewesen. Sie wurde dann der Investitions- und Handelsbank übertragen, die jedoch bereits 1974 in der Staatsbank aufging.