• In der Zeitung wurde die Eröffnung von Sparkasse und Leihhaus angekündigt. (SLUB Dresden, https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/183097%2F1#) : © SLUB Dresden

  • Neue Waage Leipzig

    In der Neuen Waage vor dem Hallischen Tor befanden sich Sparkasse und Leihhaus. (Abb. in: Below, Eduard: Das Leihhaus und die Sparcasse zu Leipzig, Leipzig, 1876; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

Von den Anfängen des Spar- und Kreditgeschäfts der Sparkasse Leipzig

Am 9. Februar 1826 hatte der Magistrat der Stadt Leipzig Wichtiges bekanntzugeben. Durch Aushänge und die Zeitung erfuhr die Bevölkerung, dass bald zwei nützliche kommunale Einrichtungen entstehen sollten. Eine Sparkasse und ein Leihhaus. Die königliche Regierung hatte deren Statuten bereits im Vorjahr genehmigt. Hier sind sie digitalisiert zu finden. Demnach wurde wenig Vermögenden ermöglicht, „ihre Ersparnisse auch im Einzelnen sicher und nutzbar anzulegen, und sich so ein kleines Kapital zu irgend einer Unternehmung oder für künftige Nothfälle zu sammeln“. Es ging also nicht nur um eine Rücklage für schlechte Zeiten, sondern auch um positive Lebensziele. Die Selbstständigkeit mit einem Gewerbe oder die Aussteuer für die Ehe waren damals zum Beispiel Sparziele.

Kleinsparerfreundlich nahm die Stadtsparkasse Einlagen ab 8 Groschen an. In Sachsen ergab ein Taler 24 Groschen. Einer bestand aus 12 Pfennigen. Pro Taler Guthaben gab es 9 Pfennige Zinsen im Jahr für die Kunden. Das waren also wie viel Prozent? Der Verarmung durch „Wucher“ sollte das kommunale Leihhaus mit fairen Darlehen vorbeugen. Die Sparkasse stellte dafür einen Teil der Einlagen bereit. Das waren im Februar 2.000 Taler. Die Leihanstalt vergab befristete Notfall-Kredite. Dabei schätzte sie den Wert von Gegenständen realistisch ein. Selbstverständlich wurden diese feuerversichert und gut verschlossen verwahrt.

„Als Pfänder werden bei dem Leihhause angenommen: Juwelen, Perlen, Uhren und andre Pretiosen, Gold- und Silbergeschirr, Medaillen, Kupfer, Messing, Zinn, Porzellaine, Spitzen, goldne und silberne Tressen, seidne, wollene und leinene Zeuge, Betten, gute Kleidungsstücke, Wäsche und andere anständige bewegliche Sachen, über deren Annehmbarkeit im Zweifel der Deputirte entscheidet.“

Deputierte waren Abgeordnete des Magistrats. Sie führten die Aufsicht und verwahrten auch die Hauptkasse. Das gemeinsame Personal bestand am Anfang aus einem Buchhalter, Kassierer, Schreiber und einem Hausmeister. Die Geschäftszeiten waren getrennt. Berichtet wird, dass die Institute am 20. (Leihhaus) und 22. Februar (Sparkasse) den Betrieb aufnahmen. Sie befanden sich im Gebäude der Neuen Waage vor dem Hallischen Tor (Abbildung 2). Es gab eine Menge zu tun. Im ersten Jahr fielen über 3.000 und im zweiten fast 5.000 Ein- und Auszahlungen an. Weil die Leipziger Sparkasse großen Zuspruch fand, mussten bald weitere Möglichkeiten zur Anlage der Ersparnisse gefunden werden. Und so startete sie 1828 mit ihrem eigenen Kreditgeschäft.

  • Altes und Neues Rathaus in Görlitz (Abb. Ausschnitte Ansichtskarten Künstlerpostkartenverlag Salzuflen, 1902 sowie Dr. Trenkler Co., Leipzig, 1904; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

Die Anfänge der Stadtsparkasse in Görlitz

Im vergangenen Jahr feierte die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien mit unserer Unterstützung ihren 200. Geburtstag. Nicht nur im Rahmen einer Ausstellung in Zittau wurde dabei auch die Sparkassengeschichte in Görlitz thematisiert. Hier befand sich bereits 1830 der Sitz einer großen Flächensparkasse. Vor genau 175 Jahren kam eine Stadtsparkasse dazu. Sie war zunächst bei der kommunalen Pfandleihe im Haus Untermarkt 8 untergebracht. Das war ein Gebäudeteil des Alten Rathauses. Der Eingang erfolgte über die Langenstraße.

Die Sparkasse bestand laut Satzung als ein „zum Vortheil der ärmeren Klassen der Einwohnerschaft errichtetes, auf Belebung der Sparksamkeit abzweckendes Kommunal-Institut“. Kleinsparerfreundliche Einlagen ab fünf Silbergroschen wurden angenommen. Am 6. Februar 1851 stammte der erste Kunde allerdings nicht aus der Unterschicht. Der Sparkassendirektor, Stadtrat Gustav Adolf Köhler, zahlte selbst zwölf Taler ein. Ende 1851 bestanden bereits 517 Sparbücher mit Einlagen von rund 22.271 Talern.

Das Geschäftsjahr 1853 brachte erstmals Überschüsse, die in den Reservefonds flossen. Es dauerte noch eine Weile, bis Gelder für öffentliche gemeinnützige Zwecke bereitgestellt werden konnten. So gab es dann 1872 stattliche 20.000 Taler für die Errichtung einer neuen Gewerbeschule. Anlässlich des 50. Geburtstages konnte man rückblickend insgesamt fast 1,3 Millionen Mark vorweisen. Wie die Sparkasse sich auch durch Kommunalkredite für die wachsende Industriestadt Görlitz engagierte, können Sie hier nachlesen.

Erste Nebenstellen bekam das Institut 1885. Wie bei anderen preußischen Sparkassen waren das Agenturen bei Geschäftsleuten, die Geld annahmen beziehungsweise auszahlten. So hatten die Kunden kürzere Wege. Innerhalb des Alten Rathauses zog das kommunale Geldinstitut mehrfach um. 1903 wurde dann das Neue Rathaus der Sitz. Zu dieser Zeit war die Görlitzer Stadtsparkasse mit mehr als 22 Millionen Mark Spareinlagen auf über 50.000 Sparbüchern nach Breslau die zweitgrößte in der Provinz Schlesien im Königreich Preußen.

  • Vorwort des Vorsitzenden des Rates des Kreises in der Festschrift zum Sparkassenjubiläum : © Historisches Archiv des OSV

Jubiläum im Sozialismus

Kürzlich erreichte uns eine Anfrage der Sparkasse Meißen. Es werden Informationen zur Entwicklung der Großenhainer Linie des Instituts benötigt. Es entstand 2007 aus den Kreissparkassen Meißen und Riesa-Großenhain. Bereits 1994 fusionierten die Kreissparkassen Großenhain und Riesa. In letztgenannter Stadt wurde 1853 eine erste Sparkasse eröffnet. Die Großenhainer Gründung datiert ins Jahr 1839.

Bei der Recherche in unserem Archivbestand fielen gleich zwei Festschriften auf, welche in der DDR-Zeit verfasst wurden. Die damalige Kreissparkasse Großenhain veröffentlichte sowohl 1964 als auch 1989 Broschüren. Das ist außergewöhnlich und erwähnenswert. Solche Werke sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Sie entsprechen dem politischen Geschichtsbild des Sozialismus und haben oft nur begrenzten wissenschaftlichen Wert. Eine Kostprobe? Die Gründung der Großenhainer Stadtsparkasse in der „feudalistischen“ und „kapitalistischen“ Zeit wurde zum 125. Jubiläum folgendermaßen erklärt.

„Es ist keineswegs etwa an ein Handwerk, Handel und Gewerbe befruchtendes Bankunternehmen gedacht, vielmehr richtet sich seine Tätigkeit an eine ganz besondere Bevölkerungsklasse. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf jene Tage, wenn es in der Bekanntmachung [der Eröffnung] heißt: Wie die Sparkasse nun insonderheit für den Nutzen der ärmeren Klasse errichtet ist, so erwarten wir, daß dieselbe sich der dadurch für sie entspringenden Vorteile bedienen werde. Insbesondere denkt man an Dienstboten und Arbeiter, denen man Gelegenheit geben will, ihre kleinen Ersparnise ’sicher‘ und ’nutzbar‘ anzulegen. Dahinter stand der Gedanke der herrschenden Machthaber, diese Ersparnisse für ihre Profit- und Besitzinteressen zu verwenden.“

  • Ihren 100. Geburtstag feierte die Sparkasse in der sogenannten „Roten Schule" an der heutigen Straße des Friedens 12. : © Sparkassenmuseum Muldental

Die Vorbereitungen laufen

Im kommenden Jahr feiert die Sparkasse Muldental ihr 200-jähriges Bestehen. Das Historische Archiv des OSV unterstützt das Jubiläum auf verschiedene Weise. So soll etwa eine Ausstellung zur Geschichte des Unternehmens gestaltet werden. Dies bedeutet zunächst das Sammeln von interessanten Fakten und Bildern. Recherchiert wird unter anderem vor Ort in Sachsen, zum Beispiel im Staatsarchiv in Dresden und Leipzig sowie in Stadtarchiven. Die bedeutendsten Funde gibt es jedoch im Sparkassenmuseum Muldental.

Dort lagert zum Beispiel eine Akte, die Aufschluss über die Feier des runden Geburtstags am 11. April 1926 gibt. Zur Veranstaltung am Sonntagvormittag lud Bürgermeister Dr. Walter Hornig in die Aula der Realschule ein. Erwähnenswert ist, dass es sich um eine der Schulen handelt, welche die Stadtsparkasse Grimma bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit „Überschüssen“ unterstützte. Heute wird das Gebäude unweit der Sparkassenzentrale als Berufliches Schulzentrum genutzt.

Auch anlässlich des historischen Jubiläums zeigte man sich übrigens spendabel. Am Schluss seines Referats zur Entwicklungsgeschichte der Sparkasse verkündete Dr. Hornig die Gründung einer Stiftung. Nach dem Rückschlag der Inflation stellten zunächst 5.000 Reichsmark das Kapital dar. Dies war der den Gewinnen der Wertpapierabteilung der 1910 gegründeten kommunalen Girokasse zu verdanken. Die Zinserträge sollten bedürftigte Angestellte und Beamte der Stadt erhalten.

  • Ausschnitt des Leporellos : © Historisches Archiv des OSV

  • Im Rathaus befand sich die Sparkasse bis 1926. Ab 1921 hatte sie einen Kassenraum im Erdgeschoss mit Zugang von der Marktstraße. (Ausschnitt Ansichtskarte, versendet 1910: Bestand Historisches Archiv des OSV) Das Sparbuch datiert in die Zeit nach dem Umzug 1921. : © Historisches Archiv des OSV/ Sparkasse Uecker-Randow

  • Das Sparkassenbuch wurde nach dem Umzug in die Marktstraße 31 ausgestellt. Das Foto des Sparkassengebäudes ist über 90 Jahre alt. Die moderne Hauptgeschäftsstelle wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört. : © Sparkasse Uecker-Randow

Ein Faltheft mit Geschichte

Heute vor 190 Jahren beschlossen die Stadtverordneten von Pasewalk die Gründung einer Sparkasse, der ersten im Geschäftsgebiet der heutigen Sparkasse Uecker-Randow. Anlässlich des Jubiläums konzipierte das Historische Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes ein Leporello. Wichtige Stationen in der Entwicklung des Geldinstituts sind in diesem Heft zu finden. Am Anfang des Projekts stand die Recherche nach Fakten und passenden Bildern. Dass beispielsweise die Stadtsparkasse in ihrem ersten Jahresabschluss für 1836 einen Kapitalbestand von über 1.700 Talern auswies, veröffentlichte der Pasewalker Anzeiger am 21. Januar 1837. Er ist im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin.

In der Sparkassenzentrale in Pasewalk wurde man hinsichtlich der Details der Gründung 1835 fündig. Die wichtigste Quelle zur Geschichte der früheren Stadtsparkasse stellt eine Festschrift dar, die anlässlich des 100. Geburtstags erschien. Auch historische Sparkassenbücher besitzt die Sparkasse Uecker-Randow. Das älteste Exemplar stellte 1863 die Stadtsparkasse in Ueckermünde aus. Ursprünglich gehörte es der dortigen Sterbekasse, also einer Versicherung für die Bestattungskosten. Überliefert ist, dass Klaus van der Pütten aus Leopoldshagen das Buch dem Sparkassenvorstand 2004 schenkte.

Unter anderem hat uns der Bürgermeister von Ueckermünde, Jürgen Kliewe, mit Bildmaterial unterstützt. Bei Abbildungen aus dem Bestand der Sparkasse und des OSV-Archivs sind keine Quellen ausgewiesen. Zum Einsatz kam wieder unsere Postkartensammlung. Die zwei Rathäuser in Pasewalk und Strasburg (Uckermark), welche die örtlichen Sparkassen beherbergten, gibt es heute leider nicht mehr. Sie wurden am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört. Wenn’s um Geld ging … Sparkasse. Alle gezeigten Zahlungsmittel, vom Preußen-Taler bis zum Euro-Starterkit, gehören zu unserem Archivbestand.

Es gibt natürlich auch Informationen und Bilder, die es nicht auf den Flyer geschafft haben. Der Platz ist ja begrenzt. Eine Auswahl wurde getroffen. So konnten etwa die Umzüge der historischen Sparkasse in Pasewalk nicht thematisiert werden. Die Stadtsparkasse befand sich bis 1926 im Rathaus. (Bild 2) Sie übernahm dann die Kundschaft sowie die Geschäftsräume der Zweigstelle der Kreissparkasse Ueckermünde in der Ueckerstraße 38. 1932 bekam die Sparkasse schließlich eine moderne Hauptgeschäftsstelle in der Marktstraße 31, die bis 1945 bestand. (Bild 3)

Vor der Sparkasse Uecker-Randow erhielt die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien von uns solch ein kleines Faltheft mit Geschichte. Im Beratungscenter in Zittau ist die Maxi-Version aufgestellt. Andere ostdeutsche Sparkassen können sich gern an uns wenden, wenn sie so über ihren Werdegang informieren möchten. Geschichte geht übrigens nicht nur zum Geburtstag. Die Sparkasse Elbe-Elster hat es vorgemacht. Schauen Sie gern in deren Zeitstrahl. Auch die Ostsächsische Sparkasse in Dresden hat einen von uns bekommen. Er hängt vor dem History Point und war ebenfalls ein jubiläumsunabhängiges Projekt.

  • Dank der Gewinne der Zwickauer Stadtsparkasse konnte die Schwimmhalle 1904 eröffnet werden. (Ansichtskarte, 1930er Jahre - Verlag Kunstanstalt Franz Landgraf in Zwickau; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

  • Auszug der Jahresrechnung der Stadtsparkasse für 1894: Aufteilung des Reingewinns für die Schulkasse, den Bürgerhospitalfonds und die Dr. Schlobig Stiftung. Der größte Teil der Sparkassengewinne verwendete die Stadt damals für Schulzwecke, etwa für den Bau von Schulgebäuden. : © Historisches Archiv des OSV

Das gemeinnützige Engagement der Zwickauer Sparkasse

Die Sparkasse Zwickau wird heute genau 180 Jahre alt. Anlässlich des Jubiläums stellt sie besondere Spendentöpfe zur Verfügung und fördert Projekte und Vereine. Die Sparkasse engagiert sich vielseitig aktiv für das gesellschaftliche Leben und investiert so in die Zukunft der Region. Dies gehört zu ihrer Identität. Zum 175. Geburtstag widmete sich bereits ein Blogbeitrag den Anfängen der 1845 von der Stadt Zwickau gegründeten Sparkasse. Erwähnt wurde darin auch, dass 1864 die Förderung wohltätiger und gemeinnütziger Projekte begann.

In der Chronik, die der Heimatforscher Norbert Peschke zum 150. Jubiläum verfasste, finden sich wichtige Informationen zum historischen Engagement. So erzielte die Zwickauer Sparkasse ab 1847 einen Reingewinn und legte zunächst einen Reservefond zum Ausgleichen von Verlusten an. Schließlich konnte die Trägerkommune 1856 erstmals von ihrem Geldinstitut profitieren. Beträge flossen in die Stadtkasse. 1864 begann dann die Einrichtung eines separaten Fonds für den Bau und die Unterhaltung eines Waisenhauses. Es wurde später in den Komplex des Stadtkrankenhauses am Schlobigplatz integriert. Auch das Bürgerhospital in der Talstraße förderte die Sparkasse. Die Einweihung war 1895. Wenn Sie wissen wollen, wie viel Geld die Sparkasse in diesem Jahr zur Verfügung stellte, so gehen Sie doch gern zu Bild 2 dieses Beitrags.

Das Hauptbild des Artikels ist eine der Einwohnerschaft wohlvertraute Schwimmhalle, die 2000 wiedereröffnet wurde. Der Armenarzt Dr. Julius Schlobig war es, der 1869 eine orthopädische Heilbadeanstalt in Zwickau eröffnete. Nach seinem Tod übernahm die Stadt die Anlage. Zur Verwaltung des Nachlasses gab es eine Stiftung. Die Kommune beziehungsweise ihre Sparkasse investierte dann viel Geld. Der Zuschuss für die Umbaumaßnahmen betrug 408.000 Mark. 1904 war das Hallenbad fertig und die Bevölkerung konnte fortan auch im Winter schwimmen. Hier können sie mehr über die Geschichte der Einrichtung erfahren.