• Einführungstext zur Verordnung über die Gründung der Sächsischen Landesbank und die Abwicklung der bisher bestehenden Banken und sonstigen Geldinstitute vom 14. August 1945, in: Amtliche Nachrichten der Landesverwaltung Sachsen, 1. Jg, Nr. 3, 15.081945; Bestand: Historisches Archiv des OSV

Ende und Anfang

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg für das Deutsche Reich mit der bedingungslosen Kapitulation. Zur Finanzierung der Kriegsführung hatte sich der NS-Staat enorm verschuldet, indem er etwa Anleihen bei den Sammelstellen des Kapitals der Bevölkerung unterbrachte. Das Sparen wurde in den Kriegsjahren forciert, ja sogar steuerlich begünstigt. Das viele Geld, das die gleichgeschaltete Reichsbank herausgab, wurde abgeschöpft. Wegen der verringerten Möglichkeiten, es auszugeben, wuchsen die Ersparnisse der Bevölkerung. In Sachsen vermehrten sich die Sparguthaben bei den Sparkassen zum Beispiel von 1,6 auf 7,2 Milliarden Reichsmark. Die Einlagen wurden, auch weil das traditionelle Kreditgeschäft darbte, in Reichsanleihen und Schatzwechsel investiert. Der gesamte Wertpapierbestand betrug bei Kriegsende drei Milliarden RM, derweil Hypothekendarlehen nur noch mit 762 Millionen RM bestanden.

Die Landesverwaltung Sachsens behauptete drei Monate nach Kriegsende jedoch, sämtliche Sparguthaben seien im Krieg verpulvert worden. Mit einem lesenswerten Propagandatext wurde eine Verordnung zur Neuordnung des Finanzwesens eingeleitet und ein Schlussstrich auch mit der Staatsverschuldung begründet. Tatsächlich überstiegen die Schulden sämtliche Bar- und Buchgeldbestände sogar um rund 100 Milliarden RM. Und das Geldvolumen wiederum war ein Vielfaches des Sozialprodukts. Auf die ruinierte Währung geht der Text indes nicht ein. Dieser wurde übrigens unter der Federführung des Präsidenten Rudolf Friedrichs erarbeitet und gezeichnet. Nicht nur die Mitglieder der Moskauer Exil-KPD, die in der Landesregierung die Schlüsselpositionen besetzten, sondern auch er als linker Sozialdemokrat zielte auf ein Ende des kapitalistischen Systems ab.

Dabei handelten sie im Auftrag der Sowjetische Militäradministration. Bereits am 23. Juli 1945 befahl deren Chef, die Finanz- und Kreditorgane im Sinne der Abschaffung des Kapitalismus neu zu ordnen. Damit begann die sozialistische Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse. Das große Ziel war ein deutscher Staat nach sowjetischem Vorbild. Dazu gab es einen mehrstufigen Plan, der taktisch flexibel umgesetzt wurde. Im sozialistischen Finanzsystem hatten Sparkassen neuen Typs einen Nutzen. Sie sollten den gesellschaftlichen Aufbau finanzieren und damit den sozialistischen Machtanspruch festigen. So erfolgte auch in Sachsen am 14. August die Anordnung ihrer Neugründung ohne Rechtsnachfolge, derweil private Kreditinstitute verstaatlicht wurden, in der Landesbank aufgingen. Was die 7,2 Milliarden betraf, so durften Auszahlungen auf vor dem 8. Mai 1945 entstandene Guthaben nicht stattfinden. Sie waren zunächst „eingefroren“.

  • Die Sparkasse hatte von 1845 bis 1895 ihren Sitz im hier abgebildeten Rathaus. (Ansichtskarte Verlag F. Ullmann in Zwickau, um 1900; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • König Friedrich August II. genehmigte die Sparkassengründung der Stadt Zwickau. : © Historisches Archiv des OSV

175 Jahre Sparkasse Zwickau

Heute hat die Sparkasse Zwickau ihren 175. Geburtstag. Zu diesem Anlass beglückwünschen wir die Mitgliedssparkasse des OSV und senden herzliche Grüße nach Westsachsen. Das Institut hat sich für das Jubiläumsjahr einige Aktionen einfallen lassen. Zum Beispiel erhalten heute in der Region geborene Kinder 175 Euro von der Sparkasse geschenkt. Als sie selbst vor 175 Jahren ins Leben trat, war noch der Taler Währung. Am 16. April 1845 um 14:00 Uhr eröffnete die Stadtsparkasse Zwickau. Dies war die erste Gründung im heutigen Geschäftsgebiet der Sparkasse Zwickau. Gleich neben der Kämmerei im Rathaus befand sich die Geschäftsstelle, die anfangs immer am Mittwochnachmittag besetzt war. Als Kassierer tat hier Christian Friedrich Klösel Dienst. Er war der einzige Angestellte und erhielt für jeden Öffnungstag einen Taler als „Remuneration“, also als Vergütung.

Klösel war aber nicht allein. Bei den wöchentlichen „Expeditionen“ der Sparkasse hatte auch ein Mitglied der kommunalen Sparkassenverwaltung, der sogenannten „Deputation“, anwesend zu sein und den Tagesabschluss mit seiner Unterschrift zu bestätigen. Die staatlich genehmigte Satzung des Geldinstituts beinhaltete noch andere Sicherheitsvorkehrungen. So musste der Kassierer eine Kaution leisten. Die Tageseinnahmen durfte er nur vom einen zum anderen Mittwoch selbst verwahren. Dann kamen sie in eine Kasse, zu der er nicht allein Zugang hatte. Überliefert ist, dass im ersten Jahr 366 Einzahlungen über insgesamt 3.025 Taler und 5 Neugroschen stattfanden. 182 Sparkassenbücher wurden ausgestellt und mit Name und Wohnort der Kundinnen und Kunden versehen.

Vornehmlich für die „unbemittelten“ Einwohner des Stadtbezirks Zwickau wurde die Sparkasse gegründet. Es konnten sogar vermögende Bürger abgewiesen werden. Bei Ersparnissen von Kindern war die gesellschaftliche Herkunft hingegen nicht ausschlaggebend. Grundsätzlich waren Einlagen ab 10 Neugroschen bis 25 Taler möglich. Die Sparkassensatzung machte klar, dass die kommunale Einrichtung nicht zur „sicheren und bequemen Unterbringung […] zufällig müßig liegender Kapitalien missbraucht“ werden durfte. Bei 100 Talern Guthaben war Schluss. Wenn der Kunde das Konto nicht leerte und sich um eine andere Anlage kümmerte, kaufte die Sparkasse selbst sichere Wertpapiere für das Geld und händigte diese aus.

Interessant ist auch, dass die Sparkasse von Anfang an Wert darauf legte, die örtliche Wirtschaft mit Darlehen zu fördern. In der Eröffnungsanzeige in der Zeitung am 7. April 1845 machte die fürs Aktivgeschäft zuständige Sparkassendeputation klar, dass „sicheren Gewerbetreibenden und Geschäftsleuten […] sehr gern laufende Credite bewilligt werden“. Auch über kleinere Summen dürften sie disponieren. Und wenn sich aus der Verwaltung der Stadtsparkasse Überschüsse ergaben, so sollte satzungsgemäß ein Reservefonds für schlechte Zeiten gebildet werden. 1847 war es soweit. 61 Taler, 27 Neugroschen und 2 Pfennige waren die erste Rücklage. Ab 1856 profitierte die Trägerkommune von ihrer Sparkasse. Bereits 1864 begann die Förderung wohltätiger und gemeinnütziger Projekte. Auch dieses wichtige gesellschaftliche Engagement weist die Sparkasse in ihrer Historie als Meilenstein aus.

  • Motive von Werbepostkarten der LBS Sachsen, 1930er-Jahre : © Historisches Archiv des OSV

Vom Beginn des Bausparens in Chemnitz

Genau vor 90 Jahren nahm die Landesbausparkasse Sachsen ihre Tätigkeit auf. Dass sie in Form eines Zweckverbandes gegründet werden konnte, ist vor allem dem Engagement des sächsischen Verbandspräsidenten Dr. Johann Christian Eberle zu verdanken. Er wirkte nicht nur durch die Verbreitung des Giroverkehrs als Sparkassenreformer. Auch das Bauspargeschäft ergänzte die Tätigkeit der Sparkassen in ihrem Geschäftsgebiet. Durch das vertragliche, gemeinsame Sparen sollten der Neubau, der Kauf, der Umbau sowie die Entschuldung von Wohngebäuden gefördert werden. Das war in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, die sich im Industrieland Sachsen besonders schädlich auswirkte, nicht ganz einfach.

Dies berichtete etwa die Stadtsparkasse Chemnitz im Geschäftsbericht für 1930. So wurden lediglich von 7 Bausparern 14 Bausparverträge mit einer Gesamtvertragssumme von 100.000 Reichsmark abgeschlossen. Doch es gab Schützenhilfe. Um die örtliche Wohnungsbautätigkeit zu stärken, schlossen damals Gemeinden Verträge aus Mitteln ihrer Sparkassen ab. Diese Vorratsverträge wurden nach der Zuteilung an private Bausparer übergeleitet. Die Stadt Chemnitz schloss 300 Verträge über insgesamt 1,5 Mio. Reichsmark ab. Bei der ersten Baugeldzuteilung am 14. Dezember 1930 sollten dann zwei Verträge über 20.000 Reichsmark zugeteilt werden und der örtlichen Wohnungswirtschaft zugutekommen.

  • Auszug aus dem Regulativ der Stadtsparkasse Markneukirchen, 1903 : © Historisches Archiv des OSV

Kontenobergrenzen zur Einlagenabwehr

Lange Zeit wurde den kommunalen Sparkassen vom Staat eine sozialpolitische Funktion zugemessen, die sich in Einlagenobergrenzen manifestierte. So sollten Wohlhabende ferngehalten werden. Besonders streng zeigte sich dabei das Königreich Sachsen. So wurde 1860 vom Innenministerium vorgeschrieben, dass Sparkonten von Privatkunden 500 Taler nicht übersteigen durften. Mit der Umstellung der Währung 1875 waren das 1.500 Mark. Diese Regelung galt bis 1902, also über 40 Jahre. Es gab schrittweise Erhöhungen, 1902 auf 3.000 Mark und 1912 auf 5.000 Mark. Dies erfolgte mit dem Verweis, dass sich Gehälter und Löhne verbessert hatten und auch Arbeiter mittlerweile mehr sparen konnten.

„Die Regierung will also unbedingt daran festhalten, dass die Sparkasse nur die ersten Sparpfennige aufzunehmen und zu sammeln hat. Hat der Sparer ein kleines Kapital aufgespeichert, das groß genug ist, eine andere Anlage zu benutzen, so wird es aus dem Schutz der Sparkasse entlassen und muss selbstständig seinen Weg suchen.“*

In der Realität wurden die Sparkassen nicht nur von der „Unterschicht“ zum Sparen, sondern auch von der „Mittelschicht“ zur Geldanlage genutzt. Überliefert ist, dass die Obergrenzen wohl geschickt umgangen wurden, indem Kapital auf mehrere Sparbücher verteilt wurde. So bekam etwa jedes Familienmitglied eines ausgestellt. Oder man verwendete verschiedene Namen. Personalausweise existierten noch nicht. Eine andere Möglichkeit stellte die Nutzung mehrerer Sparkassen dar. Der Weg war nicht weit. In Sachsen bestanden besonders viele eigenständige Sparkassen.

Erwähnenswert ist, dass am Anfang des 20. Jahrhunderts gerade in wirtschaftlichen Krisenjahren die Einlagen zunahmen, weil Sachsen Geld aus Banken und industriellen Anlagen abzogen und bei den Sparkassen parkten. Gleichzeitig kam es, bedingt durch den Rückgang von Einkommen in diesen Zeiten, zu einem Rückgang der normalen Spartätigkeit. Übrigens suchten damals Anleger auch im Zuge von Zusammenbrüchen von Banken in Dresden und Leipzig einen „sicheren Hafen“.

* Braedt, Felix: Das Sparkassenwesen im Königreich Sachsen, 1912, S. 17

  • © Historisches Archiv des OSV

Berg und Tal

Hier sehen Sie eine historische Grafik, die 1950 vom Sächsischen Sparkassenverband erstellt wurde. Sie zeigt eine wechselvolle Geschichte, welche die Sparkassen und ihre Kundinnen und Kunden in 100 Jahren durchlebt hatten. Deutlich markiert sind Spareinlagenrückgänge. Sie bedürfen einiger Erklärungen. Die Ursachen waren nämlich durchaus unterschiedlich. Im Ersten Weltkrieg hob die Kundschaft viel Geld ab, um Kriegsanleihen des Deutschen Reichs zu kaufen. Mit diesen Wertpapieren wurde ein Großteil der Aufwendungen für die Kriegsführung finanziert. 1931 hingegen bewirkte vor allem der Zusammenbruch einer Großbank eine Vertrauenskrise, die sich auch auf die Sparkassen auswirkte. Es wurde vermehrt abgehoben und weniger eingezahlt. 1948 führte schließlich eine Währungsreform zur Reduzierung der Geldmenge.

Große Katastrophen zeichnen sich deutlich durch die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg und das Ende des Zweiten Weltkrieges ab. Für die einzelnen Inflationsjahre sind keine konkreten Werte eingetragen. Überliefert ist, dass die Spareinlagen bei den sächsischen Sparkassen infolge der staatlichen Geldpolitik 1923 über 51 Billiarden Mark betrugen. Dies war gar nicht grafisch umzusetzen. Als Umstellungsverhältnis galt dann 1 Billion Mark : 1 Reichsmark. Ganz auf Null ging es jedoch 1945. Gemäß Anweisung der sowjetischen Besatzungsmacht wurden die in den Kriegsjahren enorm angewachsenen Guthaben schlichtweg „eingefroren“. Durch die verbrecherische Politik des NS-Regimes war die Währung ruiniert. Glücklicherweise konnte die krisengeschädigte Kundschaft in beiden Fällen teilweise entschädigt werden.

  • © Historisches Archiv des OSV

  • Geboren wird Eberle am 3. Mai 1869 in Laumersheim in der Pfalz. Zeitlebens ist ihm der Kontakt zu Familie und Heimat wichtig. : © Historisches Archiv des OSV

  • Von 1898 bis 1919 wirkt er als Bürgermeister in Nossen. In dieser Funktion steht er auch der kommunalen Sparkasse vor. : © Historisches Archiv des OSV

  • 1907 erhalten die sächsischen Sparkassen eine politische Interessenvertretung. Auf Eberle geht nicht nur die Gründung des Sächsischen Sparkassenverbandes zurück. Ihm sind auch die Entstehung zahlreicher weiterer Verbände und Institutionen im Dienste der Sparkassenorganisation zu verdanken. : © Historisches Archiv des OSV

  • Die erste deutsche Girozentrale befindet sich bei der Sächsischen Bank in Dresden. In einem Nebenzimmer der Bank beginnt der Giroverkehr am 2. Januar 1909. An diesem Tag gehen neun Überweisungen aus fünf Girokassen ein. : © Historisches Archiv des OSV

  • Die Einführung des Sparkassen-Giroverkehrs ist Eberles größter Erfolg. : © Historisches Archiv des OSV

  • Nach mehreren Umzügen besitzt die Girozentrale Sachsen 1931 ein modernes Gebäude in Dresden. Hier ein Blick in Eberles Arbeitszimmer. : © Historisches Archiv des OSV

  • 1916 zieht die Familie Eberle nach Dresden und wohnt ab 1925 im Haus am Beutlerpark 4. Ein enger Weggefährte berichtet später, dass Eberle gewöhnlich am Vormittag in der Girozentrale in Dresden und am Nachmittag zu Hause "teils bis spät abends arbeitend, teils sein Gärtchen pflegend" tätig war. : © Historisches Archiv des OSV

  • Auch die Gründung von Verbundunternehmen der sächsischen Sparkassen ist Eberle zu verdanken. Sein Engagement zum Ausbau der Sparkassen als "Allfinanzdienstleister" ist für die damalige Zeit fortschrittlich und zukunftsweisend. : © Historisches Archiv des OSV

  • Eberles Grab wird noch heute in Ehren gehalten. Es ist auf dem Johannisfriedhof in Dresden zu finden. : © Historisches Archiv des OSV

  • Seit 1975 wird in Erinnerung an den bekanntesten deutschen Sparkassenreformer die Dr.-Johann-Christian-Eberle-Medaille in Gold verliehen. Sie ist die höchste Auszeichnung der Sparkassenorganisation und geht an Persönlichkeiten, die sich um das Sparkassenwesen über viele Jahre verdient gemacht haben. : © Historisches Archiv des OSV

Dr. Johann Christian Eberle (1869 – 1937)

Dr. Johann Christian Eberle ist der bedeutendste und bekannteste Erneuerer des Sparkassenwesens zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit 29 Jahren wird er Bürgermeister der Kleinstadt Nossen. Aktiv geht er viele Infrastrukturprojekte an und saniert während seiner Amtszeit den städtischen Haushalt. Als Kommunalpolitiker interessiert und engagiert er sich ab 1905 zunehmend auch für die Belange des gewerblichen Mittelstandes. Durch seine Herkunft sind ihm die Bedürfnisse und Probleme der Selbständigen vertraut. Da er als Bürgermeister auch der kommunalen Sparkasse vorsteht, erkennt er früh in diesen Geldhäusern ein großes ökonomisches Potential, um mittelständische Unternehmer durch Kreditvergaben zu fördern. Andererseits sieht er aber auch die Notwendigkeit einer Modernisierung des Sparkassenwesens.

Als 1908 das Reichsscheckgesetz erlassen und den Sparkassen damit die Aufnahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs gestattet wird, ergreift Eberle die Initiative. Er gründet in Sachsen den ersten deutschen Giroverband und legt damit den Grundstein für die reichsweite Verbreitung des Giroverkehrs bei den Sparkassen. Zu Beginn des Jahres 1909 wird diese Neuerung zuerst in Sachsen in die Praxis umgesetzt.

Die Einführung des Giroverkehrs wird schließlich Eberles größter Erfolg im Dienste der Sparkassenorganisation. Denn diese Reform gibt den zukunftsweisenden Impuls für die nachfolgende Entwicklung der Sparkassen zu Universalkreditinstituten. Da sich heute der Geburtstag von Eberle zum 150. Mal jährt, haben wir die wichtigsten biographischen Daten und Fakten an dieser Stelle zusammengefasst. Sie belegen eindrucksvoll sein unermüdliches Wirken für die deutsche Sparkassenorganisation:

03. 05. 1869
Geburt in Laumersheim als fünftes und letztes Kind einer pfälzischen Wein- und Obstbauernfamilie
> nach dem frühen Tod des Vaters unterstützen Eberle und seine Geschwister die Mutter bei der Bewirtschaftung des Hofes

Schulbildung
Besuch der örtlichen Volksschule
anschließend Besuch der Lateinschule in Grünstadt
danach Besuch des Gymnasiums in Speyer
> die Sozialisation im Deutschen Kaiserreich bedeutet vor allem eine autoritäre, strenge Erziehung zu Gehorsamkeit, Disziplin und Ordnung sowie zu einem ausgeprägten Nationalbewusstsein
> Eberle erteilt Nachhilfeunterricht und beteiligt sich auf diese Weise an den Kosten seiner Ausbildung

1889 – 1893
Studium der Rechts- und Staatswissenschaften im Hauptfach sowie der Philosophie und Volkswirtschaft im Nebenfach in Heidelberg, München und Leipzig

Winter 1892|93
Militärdienst in Dresden

1893
zweites Examen
Rechtsreferendar in der Verwaltung der Stadt Leipzig
Erlangung der sächsischen Staatsangehörigkeit

1894
Zulassung zum Verwaltungsdienst beim Königlichen Amtsgericht Zittau

1896
Promotion an der Juristischen Fakultät der Universität Leipzig
> Thema: „Die Verpflichtung der Parteien zur Vorzeigung von Augenscheinsachen nach dem Rechte der Reichscivilgesetzordnung“

1896 – 1898
Ratsassessor in der Stadtverwaltung Leipzig

1898 – 1919
Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister der sächsischen Kleinstadt Nossen
> während seiner Amtszeit wurden Straßen, städtische Arbeiterwohnungen, ein Krankenhaus, eine Schule und das Rathaus neu gebaut sowie die städtischen Finanzen konsolidiert

1907 – 1937
Mitgründer und ab 1908 Präsident des Sächsischen Sparkassenverbandes (SSV)
> der SSV fungiert als politische Interessenvertretung der sächsischen Sparkassen

1908 – 1937
Mitgründer und Vorsitzender des Giroverbandes Sächsischer Gemeinden (GVSG)
> der GVSG ist ein Zusammenschluss der Kommunen des Landes zur Ermöglichung und Abrechnung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs

1909 – 1918
Vorstandsmitglied der Mittelstandsvereinigung im Königreich Sachsen (MVKS)
> der MVKS ist eine 1905 in Dresden gegründete Interessenvertretung von Handwerkern und mittelständischen Unternehmern

1909 (1913) – 1916
Beteiligung an der Gründung und am Aufbau des Submissionsamtes in Leipzig, einer Unterabteilung der MVKS
Geschäftsführender Vorstand
> Ziel ist die aktive Unterstützung des ortsansässigen, gewerblichen Mittelstandes, z. B. durch juristische Beratungen

1909 – 1937
Direktor der Sächsischen Girozentrale

1912 – 1917 (inaktiv bis 1931)
Wahl zum Vorsitzenden des Reichsdeutschen Mittelstandsverbandes (RDMV)
> Vorbereitung und Durchführung der Reichsdeutschen Mittelstandstage
> der RDMV fordert u. a. die Sicherung der wirtschaftlichen Verhältnisse des gewerblichen Mittelstandes und die Erhöhung der Anzahl der Selbständigen
> aktive Arbeit des Verbandes endet nach dem Ersten Weltkrieg

1916
Heirat der 58-jährigen Witwe Helene Gruschwitz (1858-1941)
> sie bringt in die Ehe Tochter Margarethe (1883-1958) mit
> Entscheidung für Dresden als Wohnort, ab 1925 wohnt die Familie Eberle im Haus am Beutlerpark 4, das sich im Besitz des Giroverbandes befindet

1916 – 1923
Mitgründer und Vorstandsvorsitzender der Kreditanstalt Sächsischer Gemeinden (KSG)
> Zusammenschluss sächsischer Gemeinden zur gegenseitigen Bewilligung von Krediten, die in den Kommunen zur Deckung eines durch starken Bevölkerungswachstum hervorgerufenen, hohen Investitionsbedarfs benötigt werden
> Ziel ist die Unterstützung der kommunalen Aufgabenerfüllung durch Kreditgewährung

1916 – 1924
Mitgründer und Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentral-Giroverbandes (DZG)
> Interessenvertretung der Giroverbände
> dessen Bankanstalt wird die DGZ

1918
Mitgründer der Deutschen Girozentrale (DGZ)
> zentrale Abrechnungsstelle der zwölf bestehenden Regionalverbände
> die DGZ gewährleistet jedermann deutschlandweite Überweisungen von der Heimatsparkasse an einen Empfänger andernorts

1919 – 1937
Gründer und Vorstandsvorsitzender der Öffentlichen Versicherungsanstalt der Sächsischen Sparkassen (ÖVA)
> Eberle setzt sich für die Gründung öffentlicher Versicherer ein, da die Einnahmen überwiegend in der eigenen Region investiert werden

1920 – 1930
Abgeordneter im Sächsischen Landtag für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP)
> Eberle kandidiert für den Landtag nach der Niederlegung des Bürgermeisteramtes in Nossen
> Schwerpunkte seiner Arbeit bilden Fragen zur Gemeindeverwaltung in Sachsen, zum Steuerrecht und zur Geld- und Kreditwirtschaft
> er nutzt den Landtag als Forum für sein Hauptanliegen, die Prosperität der Kommunen und der mit ihnen verbundenen Sparkassen zu unterstützen

1923 – 1937
Aufsichtsratsvorsitzender der 1916 gegründeten KSG

1924 – 1937
Mitgründer und Vizepräsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV)
> der DSGV vereint den Deutschen Sparkassenverband mit dem 1916 gegründeten Deutschen Zentral-Giroverband und dem Deutschen Verband der Kommunalen Banken
> Ziel: Kräftebündelung, um dem zunehmenden Druck von Reichsbank, Privatbanken und Kreditgenossenschaften standhalten zu können
> Höhepunkt des verbandspolitischen Wirkens Eberles, der weiter am Ausbau der Sparkassen zu modernen Universalkreditinstituten arbeitet

1928 – 1937
Mitgründer und Vorstandsvorsitzender der Landesbausparkasse Sachsen (LBS)
> Eberle unterstützt die Bausparbewegung der 1920er Jahre, die mehr Menschen zu Wohneigentum verhelfen will
> in der Erweiterung der Geschäftsfelder, wie z. B. dem Bausparkassen- und Versicherungsgeschäft, sieht Eberle den Vorteil einer allumfassenden Beratung und damit langjährigen Bindung der Sparkassenkunden

1928
Mitgründer der Giroverbands-Jubiläumsstiftung
> zu Ehren Eberles ins Leben gerufen, in Erinnerung an die Gründung des GVSG 1908 und die erfolgreiche Einführung des Giroverkehrs sowie in Erinnerung an den zukunftsorientierten Ausbau des sächsischen Sparkassenwesens
> 1933 Umbenennung in „Dr. Johann Christian Eberle-Stiftung“
> seit 1968 trägt die Stiftung den Namen „Eberle-Butschkau-Stiftung

07. 12. 1937
Eberle stirbt nach kurzer, schwerer Krankheit und wird auf dem Friedhof Dresden-Tolkewitz beigesetzt.

Folgende Charaktereigenschaften werden Eberle zugeschrieben:

  • Fleiß und großes Engagement für seine Arbeit
  • begeisternde Überzeugungskraft, vor allem im Prozess der Neuausrichtung des Sparkassenwesens
    > Eberles großer Verdienst ist die durchsetzungsstarke Umsetzung bereits bekannter Konzepte. Dadurch wird er zu einer anerkannten Respektperson in der Sparkassenorganisation.
  • hohe Sozialkompetenz, was sich vor allem im verständnisvollen Umgang mit seinen Mitarbeitern zeigt
  • Bescheidenheit im Auftreten
  • seit der Kindheit tiefe Religiosität und gelebter Protestantismus, sein Leitspruch ist „Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung.“ (Römer 13, 10)
    > Im Sinne von praktizierter Nächstenliebe, die in aktiver Gemeinnützigkeit der Sparkassen ihren Ausdruck findet, ist Eberle überzeugt: „Unsere Aufgabe ist das Dienen und nicht das Verdienen.“
  • Vertretung eines konservativ-monarchistischen Weltbildes, was sich u. a. im Festhalten an der bestehenden gesellschaftspolitischen Ordnung manifestiert; zu seinen Leitfiguren gehört Bismarck
  • Heimatliebe sowie eine enge Bindung zu seiner Familie
  • Naturverbundenheit in Kombination mit einem Hang zur Einsamkeit
  • Eberle ist sehr kinderlieb und hat viele Patenkinder

Quellen und Literaturtipp:

Hillen, Barbara: Der Sparkassenreformer und sächsische Mittelstandspolitiker Johann Christian Eberle (1869-1937). Diss., Beucha 2004.

Hillen, Barbara: Neue Zeiten, neue Ziele! Johann Christian Eberle und die Modernisierung der Sparkassen. Stuttgart 2007.

Wehber, Thorsten: Die Lebensleistung von Dr. Johann Christian Eberle (1869-1937). Bonn 2016.

weiterführender Link:

Sächsische Biographie

Sparkassenzeitung