• Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 73, 21.09.1990, S. 9 : © Historisches Archiv des OSV

Vorstände gesucht

Blogserie, Teil 46

Ab dem 17. August 1990 wurden sie in der Deutschen Sparkassenzeitung veröffentlicht, die Anzeigen, mit denen die DDR-Sparkassen geeignetes Personal zur Besetzung der Vorstandspositionen suchten.* Meist war ein Zwei-Personen-Vorstand vorgesehen. Die Vorstandsverfassung nach dem Kreditwesengesetz (KWG) erforderte mindestens zwei Vorstände je Sparkasse, um das Vier-Augen-Prinzip zu gewährleisten.** Hunderte Leitungsstellen waren damals zu besetzen. Dies stellte eine gigantische Aufgabe dar, welche für die ostdeutschen Sparkassen auch eine existenzielle Bedeutung hatte. „Wenn es nämlich nicht gelingt, gute Führungskräfte zu identifizieren und zu bestellen, dann ist der Verlust der Marktführerschaft in allen Marktsegmenten vorgezeichnet.“ *** Zuständig für die Bestellungen waren gemäß DDR-Sparkassengesetz die Verwaltungsräte der Sparkassen, die erst gebildet werden mussten. Da aber feststand, wer die Verwaltungsratsvorsitzenden sein sollten, nämlich die Landräte oder Oberbürgermeister, konnten bereits Stellen von ihnen ausgeschrieben werden. Das Wissen nicht nur zur Wahl der Verwaltungsräte und zur Bestellung der Vorstände bekamen sie bei Informationsseminaren vermittelt, die vom 21. bis zum 25. August 1990 in Berlin stattfanden.

„In den Seminaren bestand übereinstimmend die Auffassung, man solle in den – wohl meist zweiköpfigen – Vorständen der Sparkassen möglichst ‚gemischte Doppel‘ bilden, um die Orts- und Mentalitätskenntnisse von DDR-Führungskräften mit dem bankfachlichen Know-how bundesdeutscher Sparkassen- und Bankmanager zu verbinden.“****

Als einer der Dozenten brachte der Präsident des Sparkassenverbandes der DDR, Rainer Voigt, den Kommunalpolitikern die Überlegungen zur Bestellung gemischter Vorstände nahe. Auch die Direktorinnen und Direktoren der Sparkassen konnten unter bestimmten Bedingungen mit Zustimmung des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen eine Leitungsfunktion wahrnehmen. Gemäß KWG mussten Vorstände fachlich geeignet und persönlich zuverlässig sein. Daneben gab es für die Kandidaten aus der DDR eine weitere Voraussetzung. „Sie müssen von ihrer Persönlichkeitsstruktur geeignet sein, ein geschäftspolitisch autonomes, dem Wettbewerb ausgesetztes Institut zu leiten und ihren Mitarbeitern in Dienstauffassung, Einstellung und äußeren Verhaltensweisen Vorbild sein.“***** In der DDR hatten die Direktoren gemäß § 10 (3) des Einheitsstatuts von 1975 auch für die politische Linientreue der Belegschaft zu sorgen. Eine Rolle spielte demnach bei der Einbeziehung in die Vorstände auch ihr früheres Führungsverhalten.******

„In jedem Einzelfall wird zu prüfen sein, ob die derzeitigen Sparkassenleiter, 71 Frauen und 125 Männer, die nötigen Voraussetzungen, die für die (Mit-)Leitung einer marktwirtschaftlich und universell ausgerichteten Sparkasse im Wettbewerb mit privaten und genossenschaftlichen Banken zu erfüllen sind, mitbringen. Pauschallösungen verbieten sich hier, zumal auch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in jedem Einzelfall die Geschäftsleiterqualifikation gemäß § 33 Abs. 2 Kreditwesengesetz überprüfen wird.“ *******

Für den Übergang in die Marktwirtschaft war die Bestellung der gemischten Vorstände, die bei vielen Instituten verwirklicht werden konnte, von großer Bedeutung. So erinnerte sich auch der ehemalige Verbandspräsident 30 Jahre später.******** Regionale Marktkenntnis und marktwirtschaftliche Erfahrung wurden in der Geschäftsleitung kombiniert. Die Besetzung dauerte jedoch einige Zeit. So wies der Jahresbericht des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes für 1990/1991 nicht nur für die Kreissparkasse Angermünde (Abbildung) Ende 1991 erst einen einzigen Vorstand auf. Die Suche nach Führungskräften aus den alten Bundesländern war nicht ganz einfach. Das lag etwa an der Lage und Größe ostdeutscher Sparkassen. Und natürlich war auch die Besoldung mit ausschlaggebend, die im Osten niedriger ausfiel als im Westen. Deswegen erhielten Vorstände aus Westdeutschland Zuschüsse, damit sie nicht schlechter gestellt waren als bei den Herkunftssparkassen.*********

Fortsetzung am 21.08.2020

———————–

* Als erstes Institut warb die Kreissparkasse Dippoldiswalde.

** Auch Stellvertreter für den Fall der Verhinderung mussten gefunden werden. Ihre Zahl war nach DDR-Sparkassengesetz geringer als die der Vorstandsmitglieder.

*** Ashauer, Günther: Personalpolitische Weichenstellungen in den ostdeutschen Sparkassen: Vorstandsbestellung, in: Sparkasse, 11/1990, S. 493

**** Künftig „gemischtes Doppel“ in DDR-Sparkassenvorständen, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 67, 31.08.1190, S. 2

***** Ashauer, S. 492

****** Diese Thematik wird nur kurz abgehandelt bei: Geiger, Walter/ Günther, Hans-Georg: Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens 1990 bis 1995, Stuttgart, 1998, S. 180

******* Ashauer, Günther: Aufbruchstimmung, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 67, 31.08.1990, S. 1

******** Vgl. Müller, Peter: Das Unmögliche möglich gemacht, in: https://www.sparkassenzeitung.de/politik/sparkassengeschichte-das-unmoegliche-moeglich-gemacht, 09.02.2020

********* Vgl. Geiger/ Günther, S. 186 ff.

  • Die zeitgenössische Karte zeigt das Geschäftsgebiet der Prenzlauer Kreissparkasse. (Abb. Ausschnitt Landkarte der preuß. Provinz Brandenburg; Druck und Verlag von C. Flemming in Glogau, 1844) : © Historisches Archiv des OSV

175 Jahre Sparkasse in Prenzlau

Heute ist es soweit. Die Sparkasse Uckermark kann auf 175 Jahre Sparkassengeschichte in Prenzlau zurückblicken. Am 1. Juli 1842 um 11:00 Uhr öffnete in der Stadt erstmals eine Kreissparkasse. Dabei handelte es sich nach Templin 1822 und Angermünde 1826* um die dritte Sparkassengründung im heutigen Geschäftsgebiet. Es war aber die erste kommunale Sparkasse. Die Einrichtung des Geldinstituts hatten die Kreisstände beschlossen. Das waren Vertreter der Rittergutsbesitzer, der Städte sowie der bäuerlichen Grundbesitzer des Kreises.

Und so finden sich auf der Satzung der Kreissparkasse vom 29. Oktober 1841 zum Beispiel die Unterschriften des Prenzlauer Bürgermeisters Wilhelm Grabow und des Besitzers von Gut Woddow bei Brüssow, Oskar von Arnim. Selbstverständlich unterzeichnete der amtierende Landrat, Carl von Stülpnagel-Dargitz. Er wurde Vorsitzender des Aufsichtsrats der Sparkasse. Zu seinen Mitgliedern wählte der Kreistag Grabow, von Arnim sowie jeweils einen Stellvertreter. Der einzige Angestellte der Sparkasse war Heinrich Schultze. Auch er wurde von den Kreisständen gewählt und eine Kaution für ihn festgesetzt. Schultze hinterlegte sechs Prämienscheine der Preußischen Seehandlung (Staatsbank) als Sicherheit.

174 Taler und sechs Pfennige kosteten die notwendigen Anschaffungen, um den Geschäftsbetrieb im Kreishaus aufnehmen zu können. Dazu gehörte der Kauf eines Tresors, in den unter anderem die oben bezeichneten Gutscheine und die Hypothekenunterlagen der Sparkasse gelangten. Unter gemeinschaftlichem Verschluss des Landrats, eines weiteren Aufsichtsratsmitglieds sowie des Kassenführers Schultze wurden die Bestände aufbewahrt. „Letzter behält nur soviel baares Geld, als nach der zu machenden Erfahrung zu dem täglichen Geschäftsverkehr erforderlich ist, in Händen.“**

Monatlich revidierte der Aufsichtsrat die Kasse. Außerordentliche Prüfungen konnte die Kreisversammlung jederzeit anordnen. Kontrolle war wichtig, versprach man doch der Kundschaft die völlige Sicherheit ihrer Einlagen, für die der Kreis haftete. Im ersten Geschäftsjahr zahlten 377 Kunden insgesamt 10.466 Taler, 24 Silbergroschen und 4 Pfennige ein. Ein Jahr später gab es bereits 561 und 1845 schließlich 741 Sparbücher. Das Wachstum im Einlagengeschäft wurde von der Kassenverwaltung als „Zeichen des vermehrten Vertrauens zu dieser, die Wohlfahrt des Kreises bezweckenden, Einrichtung“*** erachtet.

Angelegt werden konnte das Geld „auf Hypotheken, welche depositalmäßige Sicherheit gewähren, auf inländische, gesetzlich als pupillarisch sicher anerkannte Staatspapiere, und auf alle Arten inländischer Pfandbriefe“**. Das Kreditgeschäft stand im Mittelpunkt. 8.100 Taler betrugen die Hypothekendarlehn nach einem Jahr. Weitere 2.435 Taler lagen am 30. Juni 1843 beim Bankier Alexander Itzig in Prenzlau. Er hatte sich im Dienste der guten Sache bereit erklärt, Gelder der Sparkasse vorübergehend zu übernehmen, bis deren anderweitige Anlage erfolgen konnte. Somit war die Kreissparkasse flüssig und machte keine Zinsverluste.

 

* Vereine gründeten für die Bewohner der Kreise Templin und Angermünde 1822 bzw. 1826 Sparkassen. Die Angermünder Sparkasse wurde 1844 aufgelöst. Anfang 1858 erfolgte die Neugründung als kommunales Institut. Zu selben Zeit ging die Templiner Sparkasse in kommunale Trägerschaft über.

** Statut der Sparkasse des Prenzlauer Kreises vom 29.10.1841, am 16.2.1942 vom Prinzen von Preußen bestätigt und am 17.3.1842 vom Oberpräsidenten des Regierungsbezirks Potsdam beglaubigt (Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur 8 Strasburg 1263)

*** Übersicht der Sparkasse des Prenzlauer Kreises über das Geschäftsjahr vom 1.7.1844 bis 30.6.1845, 1.7.1845 (Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur 8 Strasburg 1263)

 

  • Sparkasse Templin Fachwerkhaus

    In der Nähe der Sparkassenfiliale in Templin befindet sich ein interessantes Fachwerkhaus. : © Thomas Einert, 2015

  • Sparkasse Templin Fachwerk

    Gleich am Markt steht das frühere Sparkassengebäude. Verschiedene Sinnsprüche zum Sparen sind an ihm zu entdecken. : © Thomas Einert, 2015

  • Sparkasse Templin Fachwerk

    © Thomas Einert, 2015

Urlaubsgrüße aus Templin

Sommerzeit – Urlaubszeit. Nicht in der Ferne im Ausland, sondern in Ostdeutschland habe ich dieses Jahr meinen Sommerurlaub verbracht. Mit dem Faltboot und dem Fahrrad ging es durch Brandenburg und Mecklenburg. Ganz wunderbare Natur- und Kulturlandschaften wurden durchfahren. Ich kann nur empfehlen, sich selbst auf den Weg zu machen und unsere schöne Heimat (unmotorisiert) zu erkunden und zu genießen.

Auch viele schmucke Städtchen lagen auf meiner Route. Gleich zweimal bin ich nach Templin gekommen, einmal auf dem Wasser- und einmal auf Radweg. Hier wurde nicht nur die Reisekasse bei Sparkasse Uckermark in der Schinkelstraße aufgefüllt, sondern auch der Proviant auf dem Wochenmarkt. Ganz in der Nähe ist zufällig auch die Sparkassengeschichte ein Programmpunkt beim Stadtbesuch geworden.

Wie bereits am Weltspartag 2013 von mir in der SparkassenZeitung und auf unserer Verbandsseite berichtet, ist in Templin 1822 die erste Sparkasse im Gebiet des Bundeslandes Brandenburg eröffnet worden. Das Kreishaus am Markt, in dem die Menschen damals ihre Silbergroschen sparten, steht leider nicht mehr. Im und sogar kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sind viele Häuser in der Innenstadt zerstört worden. Erhalten geblieben ist unter anderem ein altes Fachwerkgebäude, das nur wenige Meter von der heutigen Sparkassenfiliale entfernt steht. Dieses fiel mir ins Auge.

An Balken des Eckhauses Berliner Straße/ Schinkelstraße sind nämlich heute (noch) in goldenen Lettern Sinnsprüche zum Thema Sparen zu lesen, zum Beispiel „Wer früh sich übt in Sparsamkeit, der bringt’s im Leben doppelt weit!“. Die kommunale Kreissparkasse, ab 1858 Nachfolgeinstitut der Sparkasse für den Kreis Templin, hatte ab 1941 ihren Sitz in dem Fachwerkhaus. Damals war Sparen allerdings nicht wie heute ein individuelles, freiwilliges Vorsorgen für die eigene Zukunft, sondern Kriegspflicht. Der NS-Staat nutzte die Einlagen der Sparkassen zur Kriegsfinanzierung. Die Werbung für das Sparen war oft ideologisch geprägt. Die Sprüche am ehemaligen Sparkassengebäude in Templin fallen allerdings nicht in diese Kategorie.