• Die ersten vier Zahlen der DDR-Kontonummern fanden sich in den vor 30 Jahren festgelegten Bankleitzahlen wieder. Die Kreissparkasse Meißen bekam zum Beispiel die BLZ 85055002. (Aus dem Bestand: Depositum der Sparkasse Meißen) : © Historisches Archiv des OSV

  • Am 11. Mai 1990 informierte der Verband die Sparkassen über die Umstellung im Rahmen des EDV-Projekts. : © Historisches Archiv des OSV

Neues bei der EDV

Blogserie, Teil 21

Seit 1972 wurde der Zahlungsverkehr in der DDR beleglos mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung durchgeführt.* Grundlage war ein einheitliches System langer Kontonummern, die auch die Funktion der Bankleitzahl hatten. Die ersten drei Zahlen standen für den Kreis. An vierter Stelle konnte eines von insgesamt neun Geldinstituten verschlüsselt sein, zum Beispiel Sparkasse mit der 2. Die Institute nutzten gemeinsame EDV-Programme und Rechenzentren des VEB Datenverarbeitung der Finanzorgane. So befanden sich in allen 14 Bezirkshauptstädten und in Ost-Berlin Datenverarbeitungsstationen, die sämtliche Konten in den Bezirken führten. Alle Banken und Sparkassen mussten zudem an der zentralen Verrechnung über die Staatsbank teilnehmen und dort ein Konto halten.

Als reines Binnensystem, unter den Voraussetzungen einer festen Bankenstruktur mit einheitlichen Produkten und ohne Konkurrenz zwischen den Instituten, hatte das Zahlungsverkehrssystem lange funktioniert.** Rein technisch war schon das Hinzutreten neuer Geldinstitute mit dem begrenzten Kontonummernsystem nicht machbar. Grundsätzlich war das EDV-Einheitssystem nicht mit der Marktwirtschaft kompatibel. Es behinderte den Wettbewerb, erschwerte eine eigene Geschäftspolitik und die Etablierung individueller Leistungsangebote. Für die Ost-Sparkassen musste eine Lösung her. Der DSGV konstatierte:

„Der neu gegründete DDR-Sparkassenverband legt großen Wert auf möglichst schnelle EDV-Unterstützung, weil das bisherige Datenverarbeitungssystem auf die planwirtschaftliche Steuerung des Geldverkehrs durch die Staatsbank und auf eine sehr schmale Angebotspalette abgestellt war. Dieses System erlaubt keine individuelle Diversifizierung des Angebots durch unterschiedliche Banken und Bankengruppen. Eine besondere Datenverarbeitung auf die Bedürfnisse der DDR-Sparkassen abgestellt, ist deshalb unabweisbar.“ ***

Um ein leistungsfähiges einheitliches EDV-System zu bekommen, suchte der Sparkassenverband der DDR die Hilfe des Regionalverbandes in Niedersachsen und seines Rechenzentrums. Am 24. März 1990 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit der dvg – Datenverarbeitungsgesellschaft der Niedersächsischen Sparkassenorganisation mbH in Hannover paraphiert.**** Auch der für die EDV der ostdeutschen Sparkassen zuständige Betrieb, der ab dem 1. April als VEB Datenverarbeitung der Geldwirtschaft firmierte, war mit an Bord. Nach der Vereinbarung begann er, Serviceverträge nach dem Muster der dvg mit ostdeutschen Sparkassen abzuschließen. Den Nutzen der Kooperation machte Verbandspräsident Rainer Voigt den Direktoren und Direktorinnen deutlich.

„Diese Vereinbarung wurde mit dem Ziel geschlossen, in einer langfristig angelegten Zusammenarbeit an der einheitlichen Entwicklung und wirtschaftlichen Nutzung der Datenverarbeitung für die Institute unseres Verbandes mitzuarbeiten. Das geschlossene Abkommen ist darüber hinaus die Basis zur Realisierung der künftigen Aufgaben des Zahlungs- und Verrechnungsverkehrs unter marktwirtschaftlichen Bedingungen. Unsere Position im künftigen Geld- und Finanzmarkt des Landes können wir nur behaupten und ausbauen, wenn Sie, Ihre Mitarbeiter und die der anderen DDR-Sparkassen in die Lage versetzt werden, eine möglichst weit gefächerte Angebotspalette anzubieten und dv-mäßig verwalten zu lassen.“ *****

Bei der schrittweisen Erweiterung des Angebots, die am 26. April im Blog thematisiert werden soll, spielte die damals noch unzureichende EDV-Kapazität eine Rolle.****** Es war nicht möglich, sofort alle Produkte der bundesdeutschen Sparkassen zu übernehmen. Übernommen wurde jedoch rasch das Bankleitzahlensystem der Bundesrepublik, um den baldigen Zahlungsverkehr zwischen Ost und West zu gewährleisten. Vereinbart war zwischen der Bundesbank und der Staatsbank vor 30 Jahren, dass die 1. bis 3. Stelle durch die Deutsche Bundesbank vergeben wurde. An vierter Stelle stand die 5 für Sparkasse.******* Die fünfte bis achte Stelle füllte die vierstellige Vorsatzziffer der DDR-Kontonummer, die ja den Kreis angab. Auch hinsichtlich der Kontonummern gab es Änderungen, über die der Verband informierte. Sehen Sie dazu Bild 2 zu diesem Beitrag.

Fortsetzung am 12.04.2020

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* Vgl. Wysocki, Josef/ Günther, Hans-Georg: Geschichte der Sparkassen in der DDR 1945 bis 1990, 1996, S. 305 ff.

** Günther, Hans-Georg: Einheitliches DDR-Giroverkehrssystem, in: Deutsche Sparkassen-Zeitung, Nr. 20, 13.03.1990, S. 4; Bestand: Historisches Archiv des OSV

*** DSGV-Mitteilung Nr. 7, 27.3.1990; Bestand: Historisches Archiv des OSV, HAP – E 651/2010

**** Der Verbandsrat stimmte bei der ersten Sitzung mehrheitlich dafür. Vgl. Auszug aus dem Protokoll der Beratung des vorläufigen Verbandsrates des Sparkassenverbandes der DDR am 17.4.1990 – Vorlage 4/90; Bestand: Historisches Archiv des OSV, HAP – E 651/2010

***** Sparkassenverband der DDR – Der Präsident, an die Direktoren der Stadt- und Kreissparkassen und Bezirksgeschäftsstellen des Sparkassenverbandes der DDR, betr. Sparkassen – Partner in Ost und West/ Zusammenarbeit im Bereich der Datenverarbeitung, 07.05.1990, S. 1; Bestand: Historisches Archiv des OSV, HAP – E 651/2010

****** Vgl. Rundschreiben Nr. 2 des Sparkassenverbandes der DDR – Verbandsdirektor, betr. Information über die schwerpunktmäßige Erweiterung der Produktenpalette, 26.04.1990, S. 2; Bestand: Historisches Archiv des OSV – Rundschreibenbestand

******* Vgl. Sparkassenverband der DDR – Verbandsdirektor, an alle Direktoren der Bezirksgeschäftsstellen des Sparkassenverbandes der DDR, betr. Beantragung der Bankleitzahlen, 23.04.1990; Bestand: Historisches Archiv des OSV – Rundschreibenbestand

  • DDR-Bankensystem zum Stand 01.04.1990 : © Historisches Archiv des OSV

  • DDR-Bankensystem vor der Reform : © Historisches Archiv des OSV

Kein Aprilscherz: Die Reform des DDR-Bankensystems vor 30 Jahren

Blogserie, Teil 20

Am 8. März 2020 sind im Blog Änderungen des Staatsbank-Gesetzes und des Sparkassen-Statuts der DDR thematisiert worden. Diese Maßnahmen erfolgten im Rahmen einer Bankenreform, die zum 1. April 1990 wirksam wurde. Die staatliche verordnete Aufgabenabgrenzung in der ostdeutschen Kreditwirtschaft fand ihr Ende. Die Staatsbank verlor ihre herausragende Stellung. Es gab nun ein zweistufiges Bankensystem. Unabhängig von der Zentralbank durften Geschäftsbanken mit verschiedenen Eigentumsformen tätig sein. Die Universalbanken konnten nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten entscheiden, welche Geschäfte sie führten.* Die Kundschaft wiederum hatte die Wahl, welche Bank sie nutzen wollte.

„Zur großen politischen Freiheit, die sich die Menschen in der DDR erkämpft haben, kommt nun auch in vielen wirtschaftlichen Bereichen die Freiheit der Auswahl, und so können unter anderem private Haushalte, Selbständige und Firmenleitungen auch ihre Geldadresse wählen. Zuteilung ist nicht mehr vorgesehen.“ **

Tätig war jetzt die Deutsche Kreditbank AG, die als Neugründung die Geschäftsbankfunktion der Staatsbank übernahm. Daneben bestanden: die Genossenschaftsbank Berlin, die Deutsche Außenhandelsbank AG, die Deutsche Handelsbank AG, die Genossenschaftsbanken für Handwerk und Gewerbe sowie Bäuerliche Handelsgenossenschaften mit Bankfunktion, Reichsbahnsparkassen und kirchliche Kreditgenossenschaften.*** Die Deutsche Post bekam eine Postbank.

Auch die Sparkassen erfüllten Geschäftsbankaufgaben. Ihnen wurde mit der Bankenreform die Möglichkeit geboten, sich zu universell tätigen Kreditinstituten zu entwickeln und viele bankwirtschaftliche Leistungen anzubieten. Sie konnten Kundengruppen gewinnen, für die sie bis dahin nicht zuständig sein durften.**** In ihren staatlich zugewiesenen Geschäftsbereichen, etwa Sparwesen, waren sie noch „Marktführer“. Es wurde ein harter Konkurrenzkampf erwartet, nicht nur mit oben genannten Instituten, sondern auch mit Niederlassungen von Banken aus der Bundesrepublik Deutschland und aus anderen Ländern. Sie standen in den Startlöchern, um den Markt im Osten „schnell und systematisch durch ein Filialnetz zu erobern“. *****

Fortsetzung am 06.04.2020

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* Vgl. Beschluss des Ministerrats zur Schaffung eines zweistufigen Bankensystems in der DDR vom 8. März 1990, S. 6 (Anlage); Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA Günther 1/2004

** Hennemann, Horst: DDR-Sparkassen auf Marktkurs, in: Sparkasse, 04/1990, S. 146; Bestand: Historisches Archiv des OSV

*** Beschluss des Ministerrats zur Schaffung eines zweistufigen Bankensystems in der DDR vom 8. März 1990, S. 7 (Anlage); Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA Günther 1/2004

**** Rainer Voigt nannte in seiner Rede zum Verbandstag am 20. März 1990 zum Beispiel mittlere Produktions-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe, die bislang die Staatsbank betreute.

***** Hennemann, S. 147

  • Am 8. März 1990 wurde der Sparkassenverband im Sparkassenstatut rechtlich verankert. : © Historisches Archiv des OSV

Rechtliche Weichenstellungen

Blogserie, Teil 17

Am 6. März 1990 beschloss die Volkskammer der DDR (Parlament) einstimmig die Änderung des Gesetzes über die Staatsbank. Das stellte einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem freien Bankenmarkt im Osten dar. Die Staatsbank sollte nicht mehr von der Regierung abhängig sein. Die Tätigkeit als Emissionsbank, als Kredit- und Verrechnungszentrum wurde festgeschrieben. Die Erhaltung der Stabilität der Währung stand im Mittelpunkt. Bisherige Aufgaben konnten Geschäftsbanken übertragen werden. Die Aufsicht über die Tätigkeit der Geschäftsbanken und Sparkassen wurde von der Staatsbank wahrgenommen.*

Am 9. März verkündete der Vorsitzende des Staatsrates die Regelungen. Bereits am Tag zuvor hatte der Ministerrat der DDR (Regierung) Änderungen des Statuts der DDR-Sparkassen bekanntgegeben. Die Sparkassen sollten zwar ihre Aufgaben nicht mehr in Durchführung der Beschlüsse der SED erfüllen, galten aber weiterhin als volkseigene Kreditinstitute.** Die Aufsichtsfunktion der Staatsbank und ihres Präsidenten wurde festgelegt. Auch § 12 des Einheitsstatuts von 1975 erhielt eine neue Fassung.

Aufgaben des Sparkassenverbandes der DDR

  • Die Sparkassen sind Mitglied des Sparkassenverbandes. Die Aufgaben des Verbandes sind in der Satzung des Sparkassenverbandes geregelt.
  • Der Verband ist in den Bezirken durch Bezirksgeschäftsstellen vertreten. Ihnen obliegt die Durchführung der Verbandsarbeit in den Bezirken.“

Am 20. März 1990 sollten diese Neuerungen gültig werden. An diesem Tag fand die Gründungsversammlung des Sparkassenverbandes der DDR statt, welche ursprünglich für den 15. März avisiert war.*** Auch der Ort war ein anderer. Nicht ins Haus der Ministerien in Ost-Berlin, sondern ins Tagungszentrum des Ministeriums für Nationale Verteidigung in Strausberg wurden die Direktoren und Direktorinnen der 196 Sparkassen eingeladen, um die Verbandssatzung zu beschließen. Über den Ablauf des Tages wird natürlich hier im Blog am 20. März 2020 berichtet werden.

Fortsetzung am 12.03.2020

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* Vgl. Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Staatsbank der deutschen Demokratischen Republik vom 6. März 1990, § 5, in: Gesetzblatt der DDR, Teil I, Nr. 16, 12.03.1990, S. 125; Bestand: Historisches Archiv des OSV

** Vgl. Bekanntmachung über die Änderung des Statuts der Sparkassen der Deutschen Demokratischen Republik vom 8. März 1990, § 1, in: Gesetzblatt der DDR, Teil I, Nr. 19, 23.03.1990, S. 174; Bestand: Historisches Archiv des OSV

*** Vgl. Zeitlicher Ablaufplan zur Vorbereitung der Bildung des Sparkassenverbandes vom 23.01.1990, in: Historisches Archiv des OSV Akte HA 69/2004, Bd. 1

  • Die große Resonanz auf sein erstes Schreiben nimmt der Präsident des DSGV zum Anlass, um sich am 23. Februar 1990 erneut persönlich an die Sparkassenleiter der DDR zu wenden. : © Historisches Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes | Bild Helmut Geiger, 1980er Jahre, Quelle: Sparkassenhistorisches Dokumentationszentrum Bonn

  • Geiger informiert u. a. über das von den Verbandsvorstehern am 12./13. Februar 1990 verabschiedete regionale Betreuungskonzept und die konkreten Zuordnungen von westdeutschen Regionalverbänden zu Bezirken der DDR. : © Historisches Archiv des OSV

„Ihre Briefe unterstreichen […] Ihren Willen, das Sparkassenwesen in der DDR neu zu beleben“

Blogserie, Teil 14

Am 5. Januar 1990 bot der Präsident des DSGV, Helmut Geiger*, den Direktorinnen und Direktoren der Sparkassen in der DDR persönlich seine Unterstützung an.

Die große Resonanz** auf sein Schreiben beeindruckt ihn sehr, sodass er sich am 23. Februar erneut persönlich an die Sparkassenleiter im Osten wendet. Er bedankt sich für die zahlreichen Antworten, in denen „großes Interesse an mehr Information“ ausgedrückt wird. Gleichzeitig steht Geiger hinter den Direktoren, die bereit sind, die durch die anstehende Bankreform in der DDR entstehenden Möglichkeiten aktiv zu nutzen.

Nun informiert er über das mit dem in Gründung befindlichen Sparkassenverband der DDR verabredete Betreuungskonzept und erläutert dazu:

Wenn ich mich mit diesem Brief erneut an Sie wende, so vor allem, um Ihnen zu versichern, daß die Sparkassenorganisation in der Bundesrepublik bereit ist, Ihnen bei der Bewältigung Ihrer neuen Aufgaben zu helfen und Sie bei der Entwicklung eines selbständigen Sparkassenwesens in der DDR nach Kräften zu unterstützen […]

Die regionalen Sparkassen- und Giroverbände werden dafür sorgen, daß DDR-Sparkassen, die dies wünschen, mit einer oder mehreren Sparkassen der Bundesrepublik eine Partnerschaft vereinbaren können. Ziel der Partnerschaft sollte es sein, durch Bereitstellung von Arbeitsmitteln Ihre äußeren Arbeitsbedingungen zu verbessern, durch Schulung vor Ort und Mitarbeiteraustausch sicherzustellen, möglichst rasch neue kreditwirtschaftliche Aufgaben bewältigen zu können […]

Geiger übermittelt die ersten Seminartermine, die im April für alle Sparkassenleiter der DDR in West-Berlin angedacht sind und erinnert noch einmal an die Einladungen zur CeBit in Hannover, wo sich die Direktorinnen und Direktoren der DDR-Sparkassen das „technische Leistungsangebot“ der bundesdeutschen Sparkassenorganisation anschauen können. Schließlich macht er noch auf die mit Voigt geplanten, gemeinsamen Arbeitsgruppen aufmerksam, die Konzeptionen zur Verbesserung des Leistungsangebots der DDR-Sparkassen erarbeiten sollen.

Der Präsident des DSGV schließt seinen Brief mit den aufmunternden Worten:

Die Entwicklungen der letzten Monate und die Perspektiven der Zukunft stellen für uns alle eine große Herausforderung dar. Ich bin zuversichtlich, daß die Sparkassenorganisationen der DDR und der Bundesrepublik sich gemeinsam diesen Herausforderungen erfolgreich stellen werden.***

Fortsetzung am 26.02.2020

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*Helmut Geiger verstarb am 11. Januar 2020 im Alter von 91 Jahren. Rainer Voigt erinnert sich in einem Gespräch mit der Sparkassenzeitung an diese herausragende Persönlichkeit, der die ostdeutschen Sparkassen in der schnelllebigen Wendezeit so viel zu verdanken haben. Geiger wirkte insbesondere auf politischer Ebene erfolgreich im Hintergrund und hat „das Unmögliche möglich gemacht“. Lesetipp: Artikel von Peter Müller, Sparkassenzeitung online, 06.02.2020.

**Ein Brief des Sparkassendirektors der Kreissparkasse Gadebusch, Horst-Dieter Hoffmann, vom 10. Januar 1990 an Helmut Geiger steht exemplarisch für viele Antworten an den DSGV-Präsidenten. Er schildert detailliert die Probleme der DDR-Sparkassen, macht Vorschläge zu den notwendigen Änderungen und begrüßt ausdrücklich „das Zustandekommen der von Ihnen vorgeschlagenen Kooperationsvereinbarungen“. Hoffmann sieht den zu bildenden „Sparkassenverband der DDR […] als Partner […], da dieses die Beachtung unserer spezifischen Probleme sichern würde.“ Bestand: Historisches Archiv des OSV, Konvolut Horst-Dieter Hoffmann, D/13061/AUG.

***Geiger, Helmut: Schreiben an die Direktorinnen und Direktoren der Sparkassen in der DDR, Bonn, 23.02.1990, Bestand: Historisches Archiv des OSV, Konvolut Horst-Dieter Hoffmann, D/13061/AUG.

  • Bedarf der von den Sparkassen bis zum 20. Februar 1990 gemeldeten Arbeitsmittel aus den einzelnen Bezirken der DDR. : © Historisches Archiv des OSV

  • Der "Bedarf an Büroausstattung [...] wäre natürlich sehr groß, wenn man alles etwas modernisieren wollte."* Am dringendsten wurden die dargestellten Arbeitsmittel benötigt. : © Historisches Archiv des OSV

  • Insbesondere wurden diese sechs Dinge des täglichen Bürobedarfs von den DDR-Sparkassen genannt. : © Historisches Archiv des OSV

Wünsche über Wünsche

Blogserie, Teil 13

Ein Ergebnis des ersten gemeinsamen Arbeitstreffens am 6./7. Februar 1990 war die vereinbarte Meldung von einem „konkreten Bedarf an Kleinmechanisierung in den Sparkassen der DDR“ nach Bonn.

Wie wichtig gerade dieser Punkt für die Direktoren und Mitarbeiter ist, wird deutlich, wenn man näher auf die Zustände in den DDR-Sparkassen schaut. Die Staatsbank des Landes wird aus allen Teilen der Republik immer wieder mit Beschwerden über die unzumutbare Situation konfrontiert. Exemplarisch sei an dieser Stelle aus einem Brief der Stadt- und Kreissparkasse Brandenburg zitiert. Er erreicht den Präsidenten der Staatsbank Horst Kaminsky am 20. Dezember 1989 und spiegelt das Ausmaß in seiner ganzen Breite wider:

[…] Weiterhin sind die Arbeitsbedingungen äußerst mangelhaft, denn es stehen nur veraltete Büromaschinen zur Verfügung, an Kleinmechanisierung ist nicht zu denken, die Arbeitsräume sind unzureichend, keine Entlüftungen bezüglich stickiger Luft, großer Kundenlärm, eine Arbeiterversorgung fehlt gänzlich (kein Mittagessen), die Räume müssen seit einiger Zeit selbst gesäubert werden (keine Reinigungskraft), an praktischen Drehstühlen an den Arbeitsplätzen mangelt es […]**

Die Mitarbeiter betonen, dass sie in der Vergangenheit wiederholt Hinweise gegeben haben, ohne dass sich „bessere Arbeitsbedingungen“ ergeben hätten. Die Arbeitsbelastung sei durch chronische Unterbesetzung, viele Ausfälle und verlängerte Öffnungszeiten fast unerträglich geworden; 12-Stunden-Dienste sind eher die Regel als die Ausnahme. Dennoch – und auch das wird von den Sparkassenangestellten betont – werden die Kunden „mit großer Konzentration“, „fachgerecht und freundlich“ bedient.

Dass hier endlich eine Lösung gefunden werden muss, ist allen Verantwortlichen mehr als klar. Ein erster Schritt soll nun das unbürokratische Verfügbarmachen an benötigten Arbeitsmitteln sein. So ist die „Wunschliste“ mit insgesamt 19.325 Einzelpositionen aus den 196 DDR-Sparkassen schnell zusammengetragen und wird sofort nach Bonn gesendet.*** Von dort kommt auch prompt eine Antwort, die hoffen lässt und gleichzeitig die Schwierigkeiten aufzeigt:

Die „Anforderungen“ scheinen mir insgesamt maßvoll. Ob unsere Sparkassen alle Wünsche erfüllen können, weiß ich natürlich nicht. Probleme sehe ich vor allem bei den Telefonanlagen, PC’s sowie PKW’s bzw. Geldtransportern. Aber wir werden ja sehen. Ich hoffe sehr, unsere gemeinsame Sache kommt voran. Das Engagement vieler ist groß.****

Das Schreiben enthält eine auf den 28. Februar datierte Anlage, aus der ersichtlich wird, an welche Sparkassen im Osten bereits Arbeitsutensilien verschickt worden sind. Die ersten Lieferungen lesen sich wie ein bunter Blumenstrauß an Dingen, die heutzutage im Sparkassenalltag selbstverständlich sind. Sie reichen von Ordnern, Kugelschreiberhaltern, Stempelfarben und Schreibtischarbeitskörben über Klammergeräte, Papierschneidemaschinen, Aktenvernichter und Geldkassetten bis hin zu bespielten Disketten mit Beratungsmaterial für die Kreditgewährung, Schließfachanlagen und sogar schon einem Pkw – die Hilfsaktion des Westens ist Ende Februar 1990 also schon in vollem Gange …

Fortsetzung am 23.02.2020

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*Bedarf an Büroausstattung, Schreiben der Kreissparkasse Döbeln an die Staatsbank der DDR, Bezirksdirektion Rostock, Abteilung Sparkassen, 14.02.1990. Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA-66/2004 Bd. 1.

**An den Präsidenten der Staatsbank der DDR! Von Mitarbeitern unterzeichneter Brief der Stadt- und Kreissparkasse Brandenburg, 18.12.1989. Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA-76/2004a-c.

***“Wunschliste“ der DDR-Sparkassen vom Februar 1990 zur Deckung des jahrzehntelang unbefriedigten Bedarfs. Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA-Günther 1/2004; Grafiken zur Wunschliste enthält die Bildgalerie zu diesem Beitrag.

****Schreiben von Hans E. Giese, Referatsleiter beim DSGV und Mitglied der gemeinsamen Arbeitsgruppe DSGV-zukünftiger Sparkassenverband der DDR, an Hans-Georg Günther, Bonn, 02.03.1990. Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA-66/2004 Bd. 1.

  • Das regionale Betreuungskonzept sah Zuordnungen von Regionalverbänden zu Bezirken der DDR vor (s. a. Grafik im Teil 14 unserer Serie). Das Beispiel Hannover - Leipzig zeigt: Abweichungen, etwa durch vorhandene Städtepartnerschaften, waren möglich. : © Hans-Günther Niepage, Archiv Hillbrecht | Historisches Archiv des OSV

  • Bis Ende April 1990 hatten alle 196 DDR-Sparkassen eine oder mehrere westdeutsche Partnersparkassen. Der DSGV startete dazu eine Umfrage und veröffentlichte sein Ergebnis als detaillierte, nach Bezirken geordnete Übersicht in den Fachmitteilungen vom 15./16. Juni 1990. : © Historisches Archiv des OSV

Die Partnerschaften zwischen Ost und West werden angeschoben

Blogserie, Teil 12

Drei Tage nach Beschluss der Verbandsvorsteherkonferenz schreibt die Abteilung Sparkassen der Staatsbank der DDR die Leiter der Sparkassenbezirksstellen zur geplanten flächendeckenden Realisierung des regionalen Betreuungskonzeptes an:

Im Interesse der Herausbildung partnerschaftlicher Beziehungen zwischen den Sparkassen der DDR und der BRD wurden mit dem Sparkassen- und Giroverband der BRD erste Absprachen getroffen.

Es wurde vereinbart, daß in der nächsten Zeit Vertreter der Regionalverbände der Sparkassen der BRD direkt mit den Sparkassen der DDR Verbindung aufnehmen werden.

Ziel der Partnerschaften besteht u. a. darin

  • die Organisation und Durchführung von Schulungsmaßnahmen zu unterstützen sowie
  • materielle Hilfe zu gewähren.

Die konkreten Vereinbarungen zwischen den Sparkassen des jeweiligen Bezirkes und den Regionalverbänden der Sparkassen der BRD sind eigenverantwortlich durch die Leiter der Abteilungen Sparkassen der Bezirksdirektionen zu treffen. Diese Maßnahmen wurden durch den Präsidenten der Staatsbank der DDR bestätigt.

Wir bitten Sie, die Direktoren der Sparkassen entsprechend zu informieren.*

Die republikweite Umsetzung nahm in den Wochen danach an Fahrt auf. In ihren regelmäßigen Arbeitsberatungen beschäftigen sich die Sparkassendirektoren mit dem Stand der Entwicklung. So heißt es am 5. April 1990 zum Beispiel aus Leipzig:

Alle im Bezirk Leipzig ansässigen Sparkassen werden entsprechend zentraler Abstimmung partnerschaftliche Beziehungen zu Sparkassen des BRD-Bundeslandes Baden-Württemberg aufnehmen […] In Kürze ist damit zu rechnen, daß die genannten BRD-Partnersparkassen erste Kontakte zu den Kreissparkassen in unserem Bezirk herstellen.**

Im Protokoll heißt es weiter, dass die Stadt- und Kreissparkasse Leipzig eigene Wege geht. Denn die Städtepartnerschaft zwischen Hannover und Leipzig hätte inzwischen auch zu einer engen Beziehung beider Sparkassen geführt.

Fortsetzung am 20.02.2020

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*Schreiben der Abteilung Sparkassen der Staatsbank der DDR, Berlin, 16.02.1990. In: Geiger, Walter ; Günther, Hans Georg: Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens 1990 bis 1995, Stuttgart 1998, S. 160.

**Protokoll der Arbeitsberatung der Direktoren der Sparkassen des Bezirkes Leipzig, 05.04.1990. In: Geiger, Walter ; Günther, Hans Georg: Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens 1990 bis 1995, Stuttgart 1998, S. 161.