• Vor 100 Jahren wurde der Sprengstoffanschlag verübt. (Ansichtskarte Verlag Ernst Esser, 1921; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Der Anschlag von Rodewisch

Diese Ansichtskarte aus unserem Archivbestand sieht ganz schön mitgenommen aus. Noch schlechter ist aber der Zustand des Postkartenmotivs. Vor 100 Jahren fiel das Rathaus von Rodewisch im Vogtland, in dem auch die Stadtsparkasse ihren Sitz hatte, einem Dynamitanschlag zum Opfer. Es musste danach abgerissen werden. Als Täter wurden linke Revolutionäre ausgemacht. Den Kampfgruppen des berüchtigten Max Hoelz wurde der Anschlag zugeschrieben. Er war eine zentrale Figur des Mitteldeutschen Aufstandes und hatte einiges auf dem Kerbholz. Im Frühjahr 1921 versuchten Kommunistem gemäß den Vorgaben aus Moskau, die proletarische Revolution in Deutschland mit Gewalt durchzusetzen. Auch in Sachsen wurden staatliche Einrichtungen zum Ziel von Bombenanschlägen. Im Vogtland besetzte man zum Beispiel die Rathäuser von Plauen und Falkenstein. Dass die Täter es in Rodewisch auf die Stadtsparkasse abgesehen hatten, lässt sich vermuten. Schließlich gingen auch Banküberfälle auf das Konto von Hoelz.

  • Taler mit Abbild des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin : © Historisches Archiv des OSV

Der „Angsttaler“

Diesem Silbertaler, der im Revolutionsjahr 1848 im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin geprägt wurde, fehlt etwas. Friedrich Franz II. ließ, im Gegensatz zu anderen Landesherrschern, die Kürzel „G.G.“ hinter dem „V.“ weg. Vor dem Hintergrund der politischen Unruhen der Zeit bezeichnete er sich nicht als Regent „Von Gottes Gnaden“. Diese Legitimation „von oben“ stand nämlich im Widerspruch zur Idee der Volkssouveränität. Der Großherzog zeigte sich kompromissbereit hinsichtlich der Forderungen der Bürger. Durch verschiedene Zugeständnisse gelang es seiner Regierung, den Sturz zu verhindern. Deswegen wird solch ein Geldstück als „Angsttaler“ bezeichnet. Als 1864 erstmals wieder Taler geprägt wurden, existierte allerdings nur noch eines der während der Revolution erstrittenen Rechte. Man durfte auf offener Straße Tabak rauchen. Und Friedrich Franz bezeichnete sich nun wieder als Souverän „V.G.G.“.