• Keiner Magd, sondern einer Köchin gehörte das Sparbuch von 1887. : © Historisches Archiv des OSV

Wappenkunde in Magdeburg

Wenn man sich mit alten Sparkassenbüchern beschäftigt, so fallen sie oft sofort ins Auge, die kunstvoll gestalteten Wappen der kommunalen Träger der Insitute. In früheren Zeiten existierten sehr viele eigenständige Sparkassen. Und so birgt das Historische Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes mit seinem Bestand an Sparbüchern auch eine umfangreiche Wappensammlung. Vorgestellt wurde im Blog zum Beispiel bereits das faszinierende Cottbuser Wappentier.

Hier ist das dekorative Wappen der Stadt Magdeburg zu sehen. Es ziert unser ältestes Sparkassenbuch aus Sachsen-Anhalt. 1887 wurde es bei der Zweigstelle Neustadt der Stadtsparkasse Magdeburg ausgestellt. Das Magdeburger Stadtwappen ist ein sogenanntes redendes Wappen, denn es symbolisiert den Stadtnamen. Eine Magd steht über einer Burg mit geöffnetem Tor. Diese Darstellung findet sich klein in Fenstern des geviertelten Wappenschildes zusammen mit fünfblättrigen Rosen, einem weitverbreitenen heraldischen Zeichen. Doch die weibliche Figur ist noch einmal abgebildet, auf einem Helm stehend. In der Hand hält sie immer einen Kranz als Symbol ihrer Reinheit, ihrer Jungfernschaft.

  • Bei der Stadtsparkasse Magdeburg wurden bis zum 30. Juni 1990 80.120 Auszahlungsquittungen mit einem Gesamtbetrag von 73,7 Millionen DM ausgestellt. Mindestens 100 und höchstens 2.000 DM konnten ab dem Folgetag per Quittung ausgereicht werden. Der Empfang war auf der Rückseite mit Unterschrift zu bestätigen. : © Stadtsparkasse Magdeburg

  • Arbeitsanweisung der Staatsbank der DDR zum Umgang mit DM-Auszahlungsquittungen vom 31. Mai 1990; Bestand: Historisches Archiv des OSV

Bilanz der ersten Woche

Blogserie, Teil 41

Zum 1. Juli 1990 wurde die Deutsche Mark gesetzliches Zahlungsmittel in der DDR. Ab diesem Tag begannen die ostdeutschen Sparkassen, die Bevölkerung mit der neuen Währung auszustatten. Pro Person konnten bis zu 2.000 DM für die erste Woche ausgezahlt werden. Wer zuvor bei der Abgabe seines Kontoumstellungsantrags eine Auszahlungsquittung beantragt hatte, erhielt Geld. Überliefert ist, dass bei den DDR-Sparkassen vom 1. bis zum 6. Juli 1990 auf 4,3 Millionen dieser Quittungen rund 4,1 Milliarden DM ausgehändigt wurden.*

Vom 3. bis zum 6. Juli fand die Auszahlung bei dem Geldinstitut statt, das die Quittung ausgestellt hatte. Am 1. und 2. Juli konnte man nicht nur direkt bei der Hausbank, sondern auch bei zusätzlichen Auszahlungsstellen Bares bekommen.** Tausende Sonderauszahlungsstellen wurden für diese beiden Tage eingerichtet. Dafür waren Kreiskommissionen, die von den Direktoren und Direktorinnen der Sparkassen geleitet wurden, zuständig.*** Unterstützung erfuhren sie von den Bezirks-, Kreis- und Gemeindeverwaltungen. Nicht zu vergessen die personelle Hilfe der westdeutschen Betreuungssparkassen, die Mitarbeiter auch zur Abwicklung der Währungsumstellung in die DDR entsandten.

Die Sparkässler hatten aber nicht nur mit der Auszahlung der Deutschen Mark zu tun. Mehr als 3,2 Millionen Bürger gaben in der ersten Juliwoche ihre restlichen Ostmarkbestände bei den Sparkassen ab, da nur Guthaben auf Konten umgewertet wurden. Der Freitag vor 30 Jahren war der letztmögliche Tag für Einzahlung und Antragstellung, wenn man nicht unverschuldet verhindert war.**** Die bei den 196 Sparkassen der DDR bis zum 6. Juli anfallenden Bestände in Mark mussten noch am gleichen Tag auf ein Verrechnungskonto bei der nächsten Staatsbankfiliale eingezahlt werden, damit die Umstellung durchgeführt werden konnte.

„Auf der Grundlage entsprechender Festlegungen der Deutschen Bundesbank wurde mit der Staatsbank Berlin dafür folgende technische Abwicklung vereinbart: Die Sparkassen ermitteln die vorhandenen Bestände in Mark der DDR und fertigen über den noch einzuzahlenden Betrag auf das Verrechnungskonto 2 einen Einzahlungsbeleg an, der vom Direktor der Sparkasse gegenzuzeichnen ist. Grundlage dafür sind telefonische Mitteilungen der Zweigstellenleiter, die anhand der Kassenabschlüsse erfolgen. Der einzuzahlende Betrag ist der zuständigen Staatsbankfiliale telefonisch durch einen vom Direktor der Sparkasse beauftragten Abteilungsleiter mitzuteilen. Diese Mitteilung muss spätestens zwischen 17.00 und 18.00 Uhr am Freitag, dem 6.7.1990, erfolgen.“ *****

Am Wochenende stellte die EDV 24,7 Millionen Sparkassenkonten um. Umstellungsbelege wurden ausgedruckt, welche die Kundinnen und Kunden in der Folgewoche abholen konnten. Ab Montag, den 9. Juli 1990, durften sie auch wieder frei über ihre Konten verfügen. In der ersten Juliwoche war der normale Service der Sparkassen nämlich nicht verfügbar. Wegen der Arbeit zur Durchführung der Währungsunion ruhte das Geschäft. Für den Geschäftsabschluss mussten in dieser Zeit zum Beispiel die Zinsen für das erste Halbjahr 1990 berechnet werden. Danach erfolgte die Umstellung. Im Ergebnis wurden zum Stichtag 30. Juni insgesamt Spareinlagen in Höhe von 50 Milliarden Mark 1 zu 1 und von 96 Milliarden Mark 2 zu 1 in DM umgetauscht.******

Fortsetzung am 16.07.2020

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* Vgl. Sparkassenverband der DDR: Presseinformation – Fakten zur Arbeit der Sparkassen in den ersten 4 Wochen nach der Währungsumstellung, 27.07.1990; Bestand: Historisches Archiv des OSV – Rundschreibenbestand

** Vgl. Deutsche Bundesbank: Modalitäten der Währungsumstellung (Kontoguthaben bei Geldinstituten und Bargeld) in der Deutschen Demokratischen Republik am 1. Juli 1990, 21.05.1990; Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA 78/2004 Bd. 3

*** Vgl. Geiger, Walter/ Günther, Hans-Georg: Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens 1990 bis 1995, Stuttgart, 1998, S. 138

**** Personen, die damals objektiv nicht in der Lage waren, konnten bis spätestens 30. November 1990 eine nachträgliche Umstellung beantragen. Dabei musste man glaubhaft machen, dass man unverschuldet außerstande war, rechtzeitig das Geld einzuzahlen oder den Antrag zu stellen. Vgl. Staatsbank der DDR: Hinweise der Staatsbank der DDR zur Währungsumstellung im Rahmen der Währungsunion zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland, 21.05.1990; Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA Pötzl 13/2004

***** Um Übermittlungsfehler auszuschließen, erfolgte parallel die Information durch den Innenrevisor der Sparkasse an die Bezirksgeschäftsstelle des Sparkassenverbandes der DDR, welche die betreffende Filiale der Staatsbank anrief. Vgl. Sparkassenverband der DDR – Verbandsdirektor Horst Oberländer an die Direktoren der Bezirksgeschäftsstellen, 04.07.1990; Bestand: Historisches Archiv des OSV – Rundschreibenbestand

****** Vgl. Geiger/ Günther, 1998, S. 312

  • Das Diagramm zeigt die Zahl der Fusionen, die zwischen 1991 und 2013 im Geschäftsgebiet stattfanden. : © Historisches Archiv des OSV

  • Das Diagramm zeigt die Zahl der Sparkassen am Jahresende. : © Historisches Archiv des OSV

Fusionen seit der Wende

Als im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 die ostdeutschen Länder neu gegründet wurden, existierten in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern Sachsen und Sachsen-Anhalt insgesamt 160 Sparkassen. Heute wirken in diesem Geschäftsgebiet des Ostdeutschen Sparkassenverbandes fusionsbedingt 45 Institute.

Die erste Verschmelzung fand am 1. Juli 1991* statt. Aus der Sparkasse Potsdam, der Stadt- und Kreissparkasse Brandenburg und den Kreissparkassen Belzig, Nauen und Oranienburg wurde die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam. Die letzte Fusion war vor über vier Jahren. Am 1. September 2013 fusionierte die Sparkasse Rügen mit der Sparkasse Vorpommern.

Die meisten Fusionen erfolgten im Jahr 1994. Durch Kreisgebietsreformen entstanden neue Gewährträgerstrukturen, an die die Sparkassen anzupassen waren. Der Verband begleitete den Prozess beratend. Schwerpunkte waren dabei zum Beispiel die rechtliche Vorbereitung und Durchführung der Vereinigungen sowie die betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und technischen Umsetzungen.

Während sich die Zahl der Institute in Sachsen-Anhalt seit 1992 um zwei Drittel verringert hat, betrug der Rückgang im Freistaat Sachsen über drei Viertel. Hier bestanden ehemals die meisten Sparkassen, 50 an der Zahl. Von insgesamt 83 Fusionsprozessen fanden 31 in Sachsen statt. Allein im Geschäftsgebiet der Ostsächsische Sparkasse Dresden gab es sechs. Dieses größte Institut Sachsens entstand am 1. Mai 2004 durch Zusammenführung der Stadtsparkasse Dresden und der Sparkasse Elbtal-Westlausitz.

Aber nicht alle heute bestehenden Sparkassen haben Fusionen hinter sich, etwa in Sachsen die Kreissparkasse Döbeln. In Mecklenburg-Vorpommern betrifft das die Sparkasse Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz, in Sachsen-Anhalt die Stadtsparkassen Dessau und Magdeburg. Die Stadt Schwedt erstritt 1994 vor dem brandenburgischen Landesverfassungsgericht ein Urteil zur Eigenständigkeit ihrer Sparkasse. Die Stadtsparkasse Schwedt ist die kleinste Sparkasse im OSV-Gebiet.

* Die Daten im Artikel beziehen sich auf die rechtliche Fusion.

  • Früher Stadtsparkasse - heute Stadtsparkasse - Magdeburg (Ansichtskarte unbekannter Verlag, um 1910; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Das Diagramm zeigt die Bevölkerungszahl der Städte und die Anzahl der Konten bei den dort ansässigen Sparkassen im Jahr 1916. : © Historisches Archiv des OSV

Hauptstadtsparkassen im Vergleich

Potsdam, Dresden, Magdeburg und Schwerin – das sind die Hauptstädte der Bundesländer, in denen die Sparkassen dem Ostdeutschen Sparkassenverband angehören. Hier haben unterschiedlich große Institute ihren Sitz. Ende 2016 hatten die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam 10,032 Milliarden und die Ostsächsische Sparkasse Dresden 9,735 Milliarden Euro Kundeneinlagen. Bei der Stadtsparkasse Magdeburg waren es 2,036 Milliarden und bei der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin 1,750 Milliarden Euro.

Lassen Sie uns 100 Jahre zurückgehen und schauen, welche Institute damals in den Städten ansässig waren und wie es sich mit den Kundeneinlagen verhielt. In Dresden gab es 1916 die Stadtsparkasse. Diese hatte 150,941 Millionen Mark Einlagen. Bei der Stadtsparkasse in Magdeburg lagen 123,391 und bei der in Potsdam 29,665 Millionen Mark. Die private Ersparnisanstalt in Schwerin kam auf 18,116 Millionen Mark.*

Auf welche Konten sich diese Gesamtguthaben verteilten, können sie dem Diagramm (Abbildung 2) entnehmen. Auch die Bevölkerungszahl der Städte wurde angegeben, denn sie war und ist eine wichtige Rahmenbedingung für die Größe einer Sparkasse. Wenn Sie sich fragen, warum es gerade in Potsdam verhätnismäßig viele Sparkassenkonten gab, können Sie gern den Autor zu den sozialen und wirtschaftlichen Hintergründen kontaktieren.

Von den einstigen Hauptstadtsparkassen ist übrigens Magdeburg heute die einzige, die sich in alleiniger Trägerschaft einer Landeshauptstadt befindet. Alle anderen im ersten Absatz genannten Institute sind bis 2007 infolge von Fusionen entstanden. So hat sich die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam durch Vereinigungen zur größten Flächensparkasse in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt.

* Zwei Jahre später wurde diese Sparkasse kommunal.

 

 

  • Ansichtskarte Reichsbank Berlin

    In der Berliner Jägerstraße befand sich die Reichsbank - die erste deutsche Zentralbank. (Ansichtskarte Verlag Leuchtenberg & Stöckmann in Berlin, versendet 1905; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Ausschnitt Sparbuch Magdeburg

    Die Zinsen wurden den Kundinnen und Kunden im Sparbuch gutgeschrieben. Manche Sparkassen mussten allerdings in den 1890ern die Kredit- und Einlagenzinsen herabsetzen. (Abb. Ausschnitt Sparbuch der Stadtsparkasse Magdeburg) : © Historisches Archiv des OSV

  • Nachweisung Magdeburg 1895

    Bei der Stadtsparkasse in Magdeburg bekam die Kundschaft 3 % Einlagenzinsen. (Abb. Nachweisung in der Fachzeitschrift Sparkasse) : © Historisches Archiv des OSV

  • Tabelle Zinsen preuss. Provinz Sachsen

    Magdeburg lag damals in der preußischen Provinz Sachsen. Die Mehrzahl der Sparkassen in dem Landesteil gewährte 1895 Zinsen von 3 1/3 beziehungsweise 3 %. Damals konnten sie erwirtschaftet werden. : © Historisches Archiv des OSV

Die erste deutsche Zentralbank und ihre Zinspolitik

Derzeit befinden wir uns in einer historischen Niedrigzinsphase. Seit es Sparkassen in unserem Verbandsgebiet gibt, waren die Zinsen noch nie so niedrig wie jetzt. Ursächlich dafür ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Sie bestimmt den Leitzins, zu dem sich Banken bei ihr refinanzieren können. Derzeit liegt er bei lediglich 0,05 %. Seit 1999 ist die EZB für die Festlegung zuständig. Damals startete sie mit immerhin 3,00 %.

Die erste Zentralbank, die für uns Deutsche zuständig war, hieß Reichsbank. Sie nahm 1876 die Geschäfte auf. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs wachte sie über eine stabile Währung. Das Diskontieren von Wechseln war in dieser Zeit ihr wichtigstes Aktivgeschäft. Der Reichsbankdiskont stellte das bedeutendste Instrument zur Steuerung in der Währungs- und Wirtschaftspolitik dar. Eng mit dem Diskontsatz hing der Lombardsatz zusammen. Es konnten Waren und Wertpapiere bis zu dem Höchstsatz bei der deutschen Zentralbank als Pfand beliehen werden.

Die Höhe des Diskonts und die Bedingungen der Wechselaufnahme waren modifizierbar. Die Kreditnachfrage wurde damals mittels dieses Leitzinses beeinflusst. So versuchte die Reichsbank zum Beispiel, durch eine Senkung die Wirtschaft anzukurbeln. Der Zinssatz spiegelte die Konjunktur wider. So wies etwa ein niedriger Diskont auf eine schwache Wirtschaft und niedrige Preise hin. Er verriet eine Sättigung des Kapitalmarktes.

In den Jahren 1876 bis 1914 wurde der Reichsbankdiskont insgesamt 142 Mal verändert, vor allem aus ökonomischen Gründen. Seinen niedrigsten Stand zeigte der deutsche Leitzins dabei für längere Zeit in 1894 und 1895 mit 3 %. Auch der Privatdiskont an der Berliner Börse war, natürlich für damalige Verhältnisse, niedrig. Zugleich verringerte sich die Rendite festverzinslicher Wertpapiere.

Die kommunalen Sparkassen reagierten bereits in den 1890ern auf Veränderungen am Geld- und Kapitalmarkt. Der Entwicklung des Landeszinsfußes galt es zu folgen. Die allgemeine Geschäftslage bedingte Anpassungen der Kreditzinsen. Durch eine Ermäßigung der Hypothekenzinsen wollten Kassen das Geschäft ankurbeln. Um über die Runden zu kommen, wurde gleichzeitig eine gewisse Kürzung der Einlagenzinsen anberaumt. Es agierten aber nicht alle Institute gleich. Hinzu kam, dass die staatlichen Aufsichtsbehörden Herabsetzungen zum Teil untersagten. Denn die Zinspolitik der Sparkassen war damals nicht frei.