• Harz, Erzgebirge oder wo sonst sind diese beiden Sparer unterwegs? DEWAG-Plakat, 1966 : © Historisches Archiv des OSV

Winterfreuden

Nun hat uns ins Ostdeutschland in letzter Zeit auch einmal ein richtiger Winter besucht. Und „Elli“ zeigt immer noch seine Wirkung. Bekanntlich ist Witterung immer des einen Freud und des anderen Leid. Oder beides zugleich. So freut sich zum Beispiel der Verfasser dieses Beitrags über die endlich wieder richtig winterliche Natur in Berlin und ärgert sich über die Verspätungen der Bahn.

Anders als heute war Schnee vor 60 Jahren wohl eher der Regelfall. Damals entstand dieses Werbeplakat der Sparkassen der DDR. Es regte die Menschen an, für ihren Winterurlaub zu sparen. Der Urlaub war und ist ein klassisches Sparziel. Aber nicht etwa mit dem guten alten Sparbuch, sondern auf dem modernen Spargirokonto sollten Gelder gesammelt werden. Dieses gab es zuerst 1964 in Ostberlin und in den Folgejahren auch bei anderen Sparkassen der Republik.

Bargeldlos konnten zum Beispiel Gehälter durch Zahlung über das Spargirokonto automatisch bei den Sparkassen landen. Es bot dieselben Zinsen wie das Sparbuch, so dass Umbuchungen unnötig schienen. Unter anderem per Scheck oder Überweisung war das Guthaben verfügbar. Auch Daueraufträge zur Abbuchung gab es. Für die Auszüge hatte man ein Heftchen. Es handelte sich also um ein fortschrittliches Konto mit Vorzügen, das den Sparverkehr rationalisieren half.

  • © Historisches Archiv des OSV

Neues Jahr, neues Statut

Zum neuen Jahr bekamen die DDR-Sparkassen vor einem halben Jahrhundert ein neues Statut. Das im Herbst von der Regierung beschlossene Werk trat am 1. Januar 1976 in Kraft. Das Geschäft der „volkseigenen Kreditinstitute“ war weiterhin stark reglementiert. Darlehen an die örtliche Wirtschaft tauchten in der Satzung gar nicht auf. Bürger bekamen etwa Geld zur Finanzierung von Konsumgütern, wenn sie denn gerade verfügbar waren. Sparkassen ermöglichten den privaten Eigenheimbau und auch Modernisierungen im Wohnungsbestand, sofern es nicht an Baumaterialien mangelte. Mit dem Kredit für junge Eheleute unterstützten sie die staatliche Sozialpolitik.

Enorme Darlehen gewährten die Geldinstitute dem SED-Staat. Das neue Statut verpflichtete die Sparkassen nämlich, ihre zeitweilig freien Mittel bei der Staatsbank der DDR anzulegen. Allein die größte Sparkasse im Lande, die in Ostberlin, hatte damals ein Guthaben von über 2,3 Milliarden Mark. Durch ihre Einlagen finanzierten die Sparkassen den volkseigenen Wohnungsbau mit. Bis 1970 war das übrigens eine ihnen direkt zugewiesene Aufgabe im sozialistischen Bankensystem gewesen. Sie wurde dann der Investitions- und Handelsbank übertragen, die jedoch bereits 1974 in der Staatsbank aufging.

  • Plakat der Sparkassen der DDR, 1953 : © Historisches Archiv des OSV

Lang lebe der Gutschein!

Wie halten Sie es in diesem Jahr, so kurz vor dem Fest? Darf es da auch ein Gutschein sein mit dem Sie Ihre Liebsten beglücken?

Laut einer aktuellen Statista-Umfrage sind Gutscheine oder Geldgeschenke die beliebteste Gabe unter dem diesjährigen Weihnachtsbaum. Fast jede oder jeder Zweite wählt diese Geschenk-Option. Das ist auch nicht verwunderlich, denn sie sind praktisch, handlich und die Gefahr in ein Fettnäpfchen zu treten, ist sehr gering.

Wohl auch deshalb gibt es Geschenk-Gutscheine seit mehr als 100 Jahren. Selbst die Sparkassen bedienten sich ihrer und boten zu zahlreichen Anlässen, wie Geburt, Schulanfang oder eben auch Weihnachten, die Gutscheine ihrer Kundschaft an. In der DDR-Zeit konnten die Beschenkten sich das Geld auch bar auszahlen lassen. Die favorisierte Variante war jedoch die Gutschrift auf ein neues oder bestehendes Sparbuch.

PS: Heute ist der Sparkassen-Geschenkgutschein nur zwei, drei Klicks entfernt. Online kaufen, online einlösen. Unser Tipp zur letzten Minute.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein wunderbares Fest & und uns allen ein friedlicheres neues Jahr!

Britta Weschke, Thomas Einert und Claudia Wöhnl

  • Sparmann ante portas, 1951 : © Historisches Archiv des OSV

Wenn der Sparmann zweimal klingelt …

In der frühen DDR bemühten sich die Sparkassen sehr, die staatlichen Vorgaben im Einlagengeschäft zu erfüllen. Spargelder wurden für den Aufbau gesammelt. Es gab sogar einen Abholeservice für Menschen, die es wegen ihres Berufs, ihrer Dienstzeit oder ihrer Hausfrauenpflichten nicht zur Sparkassenfiliale schafften. So steht es in dem Werbefaltblatt mit dem abgebildeten Cover, das wahrscheinlich in Briefkästen landete. Regelmäßig konnte der Sparmann vorbeikommen und schon Beträge ab 50 Pfennige mitnehmen. Er war auch für den Vertrieb von Sparverträgen zuständig, wobei dann ein Beitrag automatisch vom Lohn abging.

Der Sparmann agierte nicht nur Sammler, sondern auch Berater. Er sollte die Menschen davon überzeugen, dass Sparen sich lohnte. Alles koste Geld, egal ob Geburt, Hochzeit, Krankheit oder Tod. Und natürlich ebenfalls der Urlaub, Möbel und Einrichtungsgegenstände. Auch andere Argumente wurden ins Feld geführt. Geld in der Brieftasche oder zu Hause sei nicht sicher und die Versuchung, es eines Tages für unnütze Dinge auszugeben, groß. Wer solche Werbung in seiner Post fand, war informiert. Auch darüber, dass der Sparmann demnächst unverbindlich zum Gespräch vorbeikam. Klinkenputzen nannten Sparkässler diesen Dienst damals.

  • © Historisches Archiv des OSV

Das S in der Wabe

Richtig eingestellt ist er, der Dauerkalender. Dieser Werbeartikel der Stadtsparkasse Naumburg stammt aus dem Jahr 1949. Ihn ziert das alte Sparkassenlogo, das es bereits im NS-Staat gab. Es zeigt im Prinzip eine Spardose mit Einwurftrichter, in den eine Münze fällt. Jedem regionalen Sparkassenverband in der jungen DDR stand es frei, das Zeichen verwenden zu lassen oder nicht. In Sachsen-Anhalt wurde es eingesetzt. Im Archivbestand finden sich auch einige Werbefaltblätter mit dem Logo, die 1950 beziehungsweise 1951 entstanden. Im Folgejahr wurden die Länder und die Verbände abgeschafft. Ein neues, einheitliches Logo kam 1957 im Osten zum Einsatz. Die Wabenform und Geld spielten auch bei ihm eine Rolle. Der Entwurf dafür kam vom Grafiker Siegfried Riediger.

  • Vorwort des Vorsitzenden des Rates des Kreises in der Festschrift zum Sparkassenjubiläum : © Historisches Archiv des OSV

Jubiläum im Sozialismus

Kürzlich erreichte uns eine Anfrage der Sparkasse Meißen. Es werden Informationen zur Entwicklung der Großenhainer Linie des Instituts benötigt. Es entstand 2007 aus den Kreissparkassen Meißen und Riesa-Großenhain. Bereits 1994 fusionierten die Kreissparkassen Großenhain und Riesa. In letztgenannter Stadt wurde 1853 eine erste Sparkasse eröffnet. Die Großenhainer Gründung datiert ins Jahr 1839.

Bei der Recherche in unserem Archivbestand fielen gleich zwei Festschriften auf, welche in der DDR-Zeit verfasst wurden. Die damalige Kreissparkasse Großenhain veröffentlichte sowohl 1964 als auch 1989 Broschüren. Das ist außergewöhnlich und erwähnenswert. Solche Werke sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Sie entsprechen dem politischen Geschichtsbild des Sozialismus und haben oft nur begrenzten wissenschaftlichen Wert. Eine Kostprobe? Die Gründung der Großenhainer Stadtsparkasse in der „feudalistischen“ und „kapitalistischen“ Zeit wurde zum 125. Jubiläum folgendermaßen erklärt.

„Es ist keineswegs etwa an ein Handwerk, Handel und Gewerbe befruchtendes Bankunternehmen gedacht, vielmehr richtet sich seine Tätigkeit an eine ganz besondere Bevölkerungsklasse. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf jene Tage, wenn es in der Bekanntmachung [der Eröffnung] heißt: Wie die Sparkasse nun insonderheit für den Nutzen der ärmeren Klasse errichtet ist, so erwarten wir, daß dieselbe sich der dadurch für sie entspringenden Vorteile bedienen werde. Insbesondere denkt man an Dienstboten und Arbeiter, denen man Gelegenheit geben will, ihre kleinen Ersparnise ’sicher‘ und ’nutzbar‘ anzulegen. Dahinter stand der Gedanke der herrschenden Machthaber, diese Ersparnisse für ihre Profit- und Besitzinteressen zu verwenden.“