• Auf dem 2. Verbandstag des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes stimmten Sparkassen- und Kommunalvertreter erstmals gemeinsam ab. Im Präsidium saßen von links nach rechts: Peter Krakow, Dr. Volkhard Spielhagen, Michael Czupalla und Dr. Wolfgang Hemmen. (Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Ein turbulenter Verbandstag vor 30 Jahren

Am 20. März 1990 wurde der Sparkassenverband der DDR als Vorläufer unseres Ostdeutschen Sparkassenverbandes gegründet. Aber erst am 17. September 1991 erhielten auf dem 1. Verbandstag im großen Saal des Hotels Branitz – Lausitzer Kongresszentrum in Cottbus die kommunalen Gewährträger der Sparkassen satzungsrechtlich in vollem Umfang die ihnen zustehenden Rechte und konnten die Belange des Verbandes mitentscheiden. Nur 10 Minuten dauerte diese Versammlung. Die anwesenden Vertreter von 160 der 191 Mitgliedssparkassen beschlossen einstimmig eine Änderung von § 4 Absatz 1 der Satzung vom 20. März 1990.* Damit wurden die bereits als Gäste anwesenden Landräte und Oberbürgermeister gleichberechtigte Teilnehmer beim 2. Verbandstag. An dieser anschließenden Veranstaltung nahmen 176 Vorstandsvorsitzende und 162 Verwaltungsratsvorsitzende teil.

Verschiedene Punkte standen auf der Tagesordnung. Zunächst wurde der Verbandshaushalt einstimmig bestätigt. Dann sollte die Satzung umfassend geändert werden. Damit wurde den gesellschaftlichen, politischen und strukturellen Entwicklungen seit der Verbandsgründung Rechnung getragen. Den Auftrag zur Neugestaltung der Satzung hatte Präsident Rainer Voigt auf dem außerordentlichen Verbandstag am 20. September 1990 bekommen, bei dem auch die Umbenennung in Ostdeutscher Sparkassen- und Giroverband (OSGV) erfolgt war. Eine Satzungskommission aus Vertretern der Gewährträger und Sparkassen hatte sich danach an die Arbeit gemacht. Auch die Regierungen der Bundesländer des Verbandsgebiets waren eingebunden. Am 26. März 1991 lag ein Entwurf vor, der in überarbeiteter Form am 15. August 1991 von den Vertretern der kommunalen Spitzenverbände der Bundesländer und den Obmännern der Arbeitsgemeinschaften der Sparkassenvorstände verabschiedet wurde. Die Satzung war an die in der Bundesrepublik Deutschland üblichen Verbandsstrukturen und Gremien der Sparkassenorganisation angepasst. Gewährträger und Sparkassen waren gleichberechtigte Mitglieder des Verbandes. Festgeschrieben war eine den föderalen Grundsätzen entsprechende Verbandsstruktur. Die Satzung garantierte über die Arbeitsgemeinschaften der Sparkassenvorstände, die Regionalbeiräte, den Verbandsobmännerausschuss bis hin zum Verbandsvorstand eine demokratische Willensbildung unter der Berücksichtigung der Interessen der Sparkassen, ihrer Gewährträger sowie der Länder.**

Im Satzungsentwurf waren unter § 25 a auch Sonderregelungen enthalten, welche das Erlöschen der Mitgliedschaft der Mitglieder aus Thüringen betrafen. Die Einzelheiten des Ausscheidens sollten zwischen dem OSGV und dem für die Sparkassen Thüringens zuständigen Verband geregelt werden. Der Prozess des Austritts aus dem Fünfländerverband war in vollem Gange. Die Landesregierung in Erfurt hatte sich bereits im Frühjahr 1991 für eine Zusammenarbeit mit Hessen entschieden und der Hessische Sparkassen- und Giroverband einen Grundsatzbeschluss für einem Zweiländerverband gefasst. Die Vertreter aus Thüringen stellten beim 2. Verbandstag in Cottbus zwei Anträge. Der eine betraf die Beschränkung des Geschäftsgebiets der LBS Ost auf die anderen vier Bundesländer beim Ausscheiden Thüringens. Außerdem sollte § 25 a geändert werden, um Regelungen zur Vermögensauseinandersetzung festzulegen. Die vom Vorstandsvorsitzenden der Stadt- und Kreissparkasse Erfurt und vom Verwaltungsratsvorsitzenden der Kreissparkasse Gotha erläuterten Anträge wurden nach einer Diskussion mehrheitlich vom Verbandstag abgelehnt.***

Auf Bitte der Mitglieder aus Thüringen, die sich besprechen wollten, erfolgte eine viertelstündige Unterbrechung. In dieser Zeit gab es Anfragen aus dem Kreis der Verbliebenen, ob denn der Verbandstag auch ohne diese beschlussfähig sei. Das bejahte der Präsident. 285 Stimmen waren notwendig. 299 waren anwesend. Die Sitzung wurde nach 15 Minuten fortgesetzt, obwohl die Thüringer noch nicht zurück waren. Der Vorstandsvorsitzende der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig, Peter Krakow, der als Verbandsobmann fungierte, brachte den Antrag ein, zwei Stellvertreter zu wählen. Mit dieser Änderung wurde die Satzung bei Nichtteilnahme der thüringischen Vertreter einstimmig angenommen.**** Nun kamen diese wieder in den Saal, um ihn auch gleich wieder zu verlassen. Da man die Mindestregeln für ihr Ausscheiden nicht angenommen hatte, wollten sie nicht an weiteren Abstimmungen teilnehmen. Mitglieder waren sie trotzdem im Sparkassen- und Giroverband für die Sparkassen in den Ländern Brandenburg, Freistaat Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Erst am 1. Juli 1992 trat der Staatsvertrag zwischen Hessen und Thüringen über den gemeinsamen Verband in Kraft, womit sie den OSGV verließen.

Die nächste Abstimmung am 17. September 1991 betraf die Wahl des Vorsitzenden der Verbandsversammlung. Nach der neuen Satzung stellte die kommunale Seite stets diesen Präsidenten. Der sächsische Landkreistag schlug den Landrat des Kreises Delitzsch, Michael Czupalla, vor. Bei 13 Enthaltungen wurde er zum Vorsitzenden der Verbandsversammlung und damit zum Vorsitzenden des Verbandsvorstandes gewählt. Er setzte sich ins Präsidium und übernahm die Leitung der Sitzung. Neben ihm nahm Verbandsobmann Krakow Platz. Dann erfolgte die Wahl seines Stellvertreters. Der Verbandsobmännerausschuss schlug den Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Luckenwalde, Dr. Volkhard Spielhagen, vor, welcher bei 13 Enthaltungen gewählt wurde und ins Präsidium kam.***** Die Wahl der Mitglieder des Verbandsvorstandes schloss sich an. Das waren Obmänner, Vertreter der kommunalen Gewährträger und Spitzenverbände. Dann wurde eine Pause eingelegt, derweil die konstituierende Sitzung des Vorstandes stattfand. Er beschloss einstimmig, dem Verbandstag Rainer Voigt als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, also als Geschäftsführenden Präsidenten, vorzuschlagen. Dem stimmten die Anwesenden bei zwei Enthaltungen zu. Informiert wurden sie über den Vorstandsbeschluss der Bestellung des Verbandsgeschäftsführers Hans E. Giese und des Prüfungsstellenleiters Claus Friedrich Holtman.

* Ergebnisniederschrift über den 1. Verbandstag 1991 des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes am 17. September 1991 in Cottbus, S. 6; in: Historisches Archiv des OSV HAP-E 691/2010

** Jahresbericht 1990/1991 des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes, S. 11

*** Ergebnisniederschrift über den 2. Verbandstag 1991 des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes am 17. September 1991 in Cottbus, S. 7, 9; in: Historisches Archiv des OSV HAP-E 691/2010

**** ebd., S. 10

***** Das Foto zeigt im Präsidium sitzend von links nach rechts Peter Krakow, Dr. Volkhard Spielhagen, Michael Czupalla und Dr. Wolfgang Hemmen, den heutigen Leiter der Abteilungen Grundsatzfragen im OSV.

  • Claus Friedrich Holtmann auf dem 7. Ostdeutschen Sparkassentag, Potsdam 2011 : © photothek.net/Ostdeutscher Sparkassenverband

  • Feierliche Preisverleihung zur Aktion "Ältestes Sparkassenbuch gesucht", im April 2013; mit einem Präsidenten, der es verstand, "mit besonders liebenswürdigen und mit viel Humor gewürzten Geschichtskenntnissen" aufzuwarten und zu begeistern. : © photothek.net/Ostdeutscher Sparkassenverband

„mit Leib und Seele Sparkassenmann“ – Erinnerungen an Claus Friedrich Holtmann

Teil 1

Heute vor 30 Jahren kam ein Mann zum Sparkassenverband im Osten Deutschlands, der für den Präsidenten Rainer Voigt zu den „Männern und Frauen der ersten Stunde gehörte, die den fachlichen Teil vorangebracht haben.“ Als examinierter Wirtschaftsprüfer sollte er die Prüfungsstelle nach westdeutschem Vorbild aufbauen. Eine herausfordernde Aufgabe. Im Rückblick bezeichnete Voigt es als „Riesenglück“, dass „bei einer absolut unklaren Rechtslage“ im Jahr 1990 eine gestandene Persönlichkeit wie diese dafür gewonnen werden konnte: Claus Friedrich Holtmann.*

Befragt man Kolleginnen und Kollegen, so ist ihnen Holtmann als brillanter Redner und Rhetoriker, ja, als Vordenker und Macher in guter Erinnerung. Erlebnisse mit Holtmann blieben im Gedächtnis. Geschichten gibt es reichlich. Langjährige Prüferinnen und Prüfer erinnern sich sogar noch an ihr „etwas anderes“ Einstellungsgespräch mit dem Leiter der Prüfungsstelle. Er sprach viel, man hörte gern zu. Am Ende setzte er großes Vertrauen in seine Mitarbeiter, auch in die neuen. Fachkompetenz wusste er zu schätzen. Gleichzeitig war er am Menschen interessiert, fragte nach dem Befinden. „Das muss ich noch sagen“, unterstrich ein Weggefährte aus der Anfangszeit, „Holtmann war mit Leib und Seele Sparkassenmann […] und als Prüfungsstellenleiter war er ein großer Verfechter der Hilfe zur Selbsthilfe“ – insbesondere in Bezug auf die ostdeutschen Sparkassen.

Dazu passt ein Erlebnis eines 1993 frisch gebackenen Sparkassenvorstands. Im Mittelpunkt standen Nacharbeiten zur Währungsunion. Aufgrund von Fehlern in der Programmierung gab es noch zu dieser Zeit sogenannte „Aufräumarbeiten“. Holtmann rief gleich am ersten Tag der Amtszeit an und wies darauf hin, dass noch Differenzen in zwei Jahresabschlüssen seien. Der neue Vorstand hätte nun die Verantwortung und für die Richtigstellung Sorge zu tragen. Er wisse auch nicht, wie das sonst bei der Bankenaufsicht begründet werden sollte. – Das war ‘ne Ansage, kaum, dass der alte Direktor nicht mehr zuständig war. – Für mehrere Sparkassenmitarbeiterinnen türmte sich nun ein Berg von Arbeit auf. Erneut durchforsteten sie alle Listen und prüften die bereits „halb verblassten Tippstreifen“, um anschließend Bereinigungen vornehmen zu können. Alles manuell. – Erschwerend kam hinzu, dass die Aufgabe in einem Monat erledigt sein sollte. „Das war Wahnsinn“, erinnerte sich der Sparkassenvorstand. Ständig stand die Frage im Raum: Schaffen wir das? – Doch tatsächlich bekam Holtmann pünktlich die Erfolgsmeldung geliefert: „Ich möchte Ihnen Bericht erstatten: Null Differenz, wir sind durch.“ Die Antwort darauf war typisch für Holtmann: „Etwas anderes habe ich von Ihnen auch nicht erwartet.“ – Lachender Kommentar des Vorstands zu dieser Episode: „So war er. Das war der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit.“

Ein anderer Weggefährte kommt im Rückblick auf die Aufbaujahre zu der Einschätzung: „Ohne den wären wir als Verband untergegangen. Holtmann hat den Sparkassen auch die Reserven angeraten. Er hat Dinge auf den Weg gebracht, die die Sparkassen heute gut dastehen lassen […] Holtmann hat im richtigen Augenblick das Richtige gemacht und war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der Verband wäre ohne ihn nicht der Verband geblieben.“**

Wenn ich an Claus Friedrich Holtmann zurückdenke, dann fällt mir zuerst die Preisverleihung zur Aktion „Ältestes Sparkassenbuch gesucht“ ein. Sie fand im April 2013 in der 19. Etage unseres Verbandsgebäudes in Berlin-Mitte statt. Wir hatten Sparer zu Gast, die seit Jahrzehnten aktiv waren. Das kam nicht alle Tage vor. Holtmann war begeistert und widmete sich jedem einzelnen Preisträger und seiner Geschichte. Selten zuvor hatte ich ihn so gelöst und zugewandt erlebt. Im Nachgang der Feierlichkeiten erreichten uns folgende Zeilen:

Die von Ihrem Präsidenten, Herrn Claus Friedrich Holtmann, vorgenommene Preisverleihung, mit besonders liebenswürdigen und mit viel Humor gewürzten Geschichtskenntnissen (bezogen auf das deutsche Sparkassenwesen), haben meine eigene Einstellung zum Notwendigen der DEUTSCHEN SPARKASSEN erweitert und bestärkt.***

Und Holtmann selbst? Wie hat er seinen Wechsel von West nach Ost 1990 wahrgenommen? Darüber lesen Sie morgen mehr. In unserem 2. Teil lassen wir ihn persönlich zu Wort kommen.

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*Claus Friedrich Holtmann (1949-2013) hinterließ große Spuren im Ostdeutschen Sparkassenverband. Nach dem Abitur 1969 erlernte er in seiner Heimatsparkasse in Krefeld den Beruf des Sparkassenkaufmanns. Anschließend studierte er Betriebswirtschaft an der Universität Münster und wurde nach dem Abschluss Prüfungsassistent beim Sparkassenverband Niedersachsen in Hannover. 1978 legte Holtmann sein Verbandsprüferexamen an der Deutschen Sparkassenakademie in Bonn ab. Drei Jahre später machte er sein Steuerberater-, im Jahr darauf das Wirtschaftsprüferexamen. Seit 1984 arbeitete Holtmann als Stellvertretender Prüfungsstellenleiter beim Sparkassenverband Niedersachsen in Hannover. Am 1. November 1990 übernahm er die Leitung der Prüfungsstelle des Ostdeutschen Sparkassenverbandes in Berlin. Von 1999 bis 2006 wirkte Holtmann als Verbandsgeschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. 2007 trat er die Nachfolge des ersten Geschäftsführenden Präsidenten, Rainer Voigt, im einzigen Vier-Länder-Sparkassenverband Deutschlands an.

**Quelle zu den Erinnerungen: Bestand: Historisches Archiv des OSV, div. Zeitzeugengespräche mit Verbands- und Sparkassenmitarbeitern.

***Bestand: Historisches Archiv des OSV, Wanderausstellung und Preisverleihung zur Aktion: „Ältestes Sparkassenbuch gesucht!“, Schreiben eines Preisträgers.

  • Von 1991 bis 1996 wirkte die Ostdeutsche Sparkassenakademie, heute Nord-Ostdeutsche Sparkassenakademie, in Berlin-Rahnsdorf. : © Historisches Archiv des OSV/Fotograf: Volkmar Thie

  • Auszug der Satzung des Verbandes in der Fassung vom 17. September 1991 : © Historisches Archiv des OSV

Vor 25 Jahren – Gründung der Ostdeutschen Sparkassenakademie

Ein Vierteljahrhundert ist es nun schon her: Am 9. Oktober 1991 wurde die Ostdeutsche Sparkassenakademie (OSA) offiziell gegründet. Dies war die Entscheidung des Vorstandes des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes (OSGV). Bereits ein Jahr zuvor war die Vorbereitung der Gründung vom vorläufigen Verbandsrat beschlossen worden, denn gemäß der Satzung vom 20. März 1990 oblag dem Verband die Förderung der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter der Mitgliedssparkassen.

Diesbezüglich gab es eine Menge Arbeit. An den Arbeitsplätzen änderte sich damals fast alles. Vom Auszubildenden bis zur Führungskraft musste jeder mit allen Themen der Marktwirtschaft und insbesondere des Kreditwesens vertraut gemacht werden. Über 20.000 Menschen waren kurz- und mittelfristig umzuschulen und fortzubilden. Die Qualifizierung der Mitarbeiter und Führungskräfte hatte 1990 eine strategische Bedeutung bei der Entwicklung der ostdeutschen Sparkassen zu wettbewerbsfähigen Universalinstituten.

Die Nachqualifizierung stellte eine gewaltige Aufgabe dar. Nur mit der Hilfe der westdeutschen Sparkassenorganisation konnte anfangs das nötige Rüstzeug vermittelt werden, um den Übergang von der sozialistischen Plan- zur sozialen Marktwirtschaft zu meistern und dann im harten Wettbewerb mit den anderen Geldinstituten zu bestehen. Die wichtigsten Maßnahmen wurden 1990 zunächst mit Unterstützung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, der Deutschen Sparkassenakademie sowie der westdeutschen Regionalverbände und ihrer Bildungseinrichtungen durchgeführt.

Der Sparkassenverband der DDR, so hieß er bis zur Umbenennung in OSGV am 20. September 1990, übernahm organisatorische Vorbereitungen für Bildungsveranstaltungen, zum Beispiel in Berlin-Rahnsdorf. Am Fürstenwalder Damm 880 befand sich dann auch bis 1996 der erste zentrale Standort der Akademie. Bereits ab August 1991 firmierte die dortige Außenstelle für Fortbildung als Ostdeutsche Sparkassenakademie in Gründung. Die OSA musste natürlich erst einmal personell aufgebaut werden. Ende 1991 gab es erst acht Beschäftigte. Eigene Dozenten und Referenten aus dem Verbandsgebiet wurden gewonnen, sodass die  westdeutsche Sparkassenorganisation ihre Unterstützung nach und nach zurückfahren konnte.

  • Die NGZ 9004 war das erste Bargeld – Abrechnungssystem, das von der Firma NGZ produziert wurde. Dieses schwere, großformatige (20 H x 33 B x 40 T cm) Modell wurde in den 1980er-Jahren entwickelt und ist ein Aushängeschild für die NGZ als innovatives Branchenunternehmen. : © Historisches Archiv des OSV

  • Die Banknotenzählmaschine NGZ 403 LF - ebenfalls in den 80er-Jahren entwickelt. : © Historisches Archiv des OSV

Geldzählmaschinen im Sparkassengeschäft

Im Historischen Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes werden unter anderem Bücher, Akten, Karten und Werbeartikel aufbewahrt und gepflegt. Außerdem ist eine nicht geringe Anzahl von Rechen- und Büromaschinen, die ehemals in den Sparkassen genutzt wurden, vorhanden. Erst vor Kurzem konnte das Archiv zwei weitere Maschinen in seinen Bestand aufnehmen. Dies war Anlass, um zu den technischen und historischen Hintergründen der Maschinen zu recherchieren. Sie wurden dem Archiv von der Sparkasse Lüneburg überlassen, die zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung Partnersparkasse der Kreissparkasse Köthen (heute Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld) war.

Partnerschaften zwischen ost- und westdeutschen Sparkassen wurden 1990 vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband im Rahmen eines Betreuungskonzeptes beschlossen. Die ostdeutschen Sparkassen hatten es nach der Wende schwer, auf dem deutschen Finanzmarkt zu bestehen. Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion im Sommer 1990 brachte zahlreiche Umstrukturierungen mit sich. Es fehlte den ostdeutschen Sparkassen vor allem moderne Technik, um die Prozesse zu beschleunigen. Zur Unterstützung wurden Geräte, wie zum Beispiel die Rechenmaschinen der NGZ, an die Sparkassen in Ostdeutschland geschickt.

Bei den Maschinen handelt es sich um Geldzählmaschinen der Firma NGZ, die in den 1980er-Jahren hergestellt wurden. Auf den Abbildungen im Blogbeitrag sehen Sie das Bargeld – Abrechnungssystem (NGZ 9004) und die Banknotenzählmaschine (NGZ 403 LF). Die Herstellerfirma war bis 1993 in Berlin-Tempelhof und München ansässig. Seit dem Frühjahr 1994 ist ihr Hauptsitz in Dahlewitz.

Zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung hatte es sich das Unternehmen zur Hauptaufgabe gemacht, die Sparkassen der neuen Bundesländer zu betreuen. Dies war der Grundstein für viele spätere Geschäftsbeziehungen zu den ostdeutschen Sparkassen, die noch heute bestehen. Vor der deutschen Wiedervereinigung waren die NGZ, ihre Geräte und die betreuenden Mitarbeiter nur in den westdeutschen Bundesländern vertreten.

 

Kathrin Oppenkowski (Studentische Hilfskraft in Archiv und Bibliothek des OSV)

 

  • Aula der Sparkassenakademie vor 20 Jahren : © OSV

  • Seminarbereich der Akademie 1996 in der ehemaligen Shedhalle der Luftschiffwerft : © OSV

Schon seit 20 Jahren – Akademiestandort Potsdam

Vor genau 20 Jahren war es soweit. Die Ostdeutsche Sparkassenakademie (heute Nord-Ostdeutsche Sparkassenakademie) konnte am 5. August 1996 planmäßig ihren Bildungsbetrieb an einem neuen Standort aufnehmen. Laut einem Rundschreiben der Akademie begann der Lehrbetrieb mit einem Einführungslehrgang für Auszubildende am Luftschiffhafen 1 in Potsdam-West. Hier war innerhalb von drei Jahren ein modernes Schulungszentrum mit Seminarhotel entstanden.

Den Beschluss zum Bau hatte die Verbandsversammlung des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes (ab 2005 Ostdeutscher Sparkassenverband) am 15. Dezember 1992 gefasst. Das von der OSA damals genutzte Gebäude eines ehemaligen SED-Instituts in Berlin-Rahnsdorf konnte nicht als zentraler, dauerhafter Standort für ständige Bildungsveranstaltungen dienen. In der brandenburgischen Landeshauptstadt sollte in einem Gemeinschaftsprojekt der neue Verwaltungssitz der LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG und der Akademie-Neubau entstehen.

Eine fortschrittliche Ausbildungsstätte wurde in idyllischer Lage am Templiner See errichtet. An der Stelle, an der einst ein Luftschiffhafen und eine -werft bestanden hatten, erinnert seit zwei Jahrzehnten die Architektur des Gebäudekomplexes an die Zeit der Zeppeline. Im Inneren standen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sparkassenakademie moderne Arbeits- und Unterrichtsräume zur Verfügung, zum Beispiel eine Aula, 2 Hörsäle für Fachtagungen, 18 Seminarräume, 17 Gruppenarbeitsräume, 7 Lehr-Zweigstellen und 8 PC-Räume mit insgesamt 128 Arbeitsplätzen. Computerunterstütztes Lehren und Lernen sollte immer wichtiger werden.

  • Martin Luther Relief

    Zu den ersten durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und eine Sparkasse erworbenen Kunstwerken gehörte ein Luther-Relief. (Albert von Soest, Brustbild Dr. Martin Luther, 1560/70, Relief, Buchsbaumholz auf Eichenholz, Foto: G. Bröcker) : © Staatliches Museum Schwerin

20 Jahre Ostdeutsche Sparkassenstiftung

„Die Sparkassen im OSGV sind ostdeutsche Unternehmen, die sich der Aufbausituation an ihren Standorten in Ostdeutschland stellen. Ihr Selbstverständnis ist auch von dem Bewußtsein geprägt, in Regionen tätig zu sein, die zu den ältesten und gleichzeitig innovativsten Kulturlandschaften Deutschlands zählen. Beim Stolz auf ein außerordentliches Kulturerbe zwischen Tradition und Avantgarde wollen sie es nicht belassen, sondern an den Anstrengungen teilhaben, die kulturelle Substanz des Überlieferten und eine lebendige Gegenwartskunst ebenso zu erhalten und weiterzuentwickeln.“ (Rainer Voigt, 1998)

Heute vor genau 20 Jahren war es soweit. Der Prozess zur Gründung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung (OSS) war abgeschlossen. Die Idee zur Einrichtung dieses Förderinstruments hatte Rainer Voigt, Geschäftsführender Präsident des damaligen Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes (OSGV, ab 2006 Ostdeutscher Sparkassenverband = OSV). Auf der Verbandsversammlung am 5. November 1993 fassten dann die anwesenden Sparkassen- und Kommunalvertreter mehrheitlich den Beschluss zur Gründung. Mit einer Stiftungsurkunde errichtete der OSGV am 14. November 1995 die Ostdeutsche Sparkassenstiftung als Gemeinschaftswerk aller Mitgliedssparkassen. Bis zum 11. Juli 1996 wurden sämtliche Gremien besetzt. Der Hallenser Oberbürgermeister Dr. Klaus Rauen war zum Beispiel Vorsitzender des Stiftungsrats, Rainer Voigt Vorsitzender des Vorstandes und Friedrich-Wilhelm von Rauch Geschäftsführer. Er leitet bis heute die Geschäftsstelle der OSS in Berlin.

Aufgabe der Stiftung ist die Förderung und Unterstützung künstlerischer, kultureller und wissenschaftlicher Zwecke im Verbandsgebiet. 1996 wurden bereits 68 Projekte und Fördermaßnahmen bewilligt. Man ergriff selbst die Initiative, organisierte Veranstaltungen und lobte einen Preis sowie zwei Stipendien aus. Auch erste Kunstwerke und andere Kulturgüter wurden angekauft, um sie Museen, Kultureinrichtungen oder Archiven als Leihgaben zur Verfügung zu stellen. So konnte etwa Martin Luther, der vor fast 500 Jahren seine Thesen zur Kirchenreform veröffentlichte, ins Schloss Güstrow heimkehren. Das Renaissance-Bildnis war 1945 kriegsbedingt abhanden gekommen und wurde über den Kunstmarkt zurückerworben. Dies ermöglichte die Ostdeutsche Sparkassenstiftung zusammen mit der OstseeSparkasse Rostock. Projektbezogene Zusatzspenden gab es schon 1996. Zur Förderung nutzt die OSS seit damals die Erträge des Stiftungsvermögens. Außerdem erhält sie einen Teil des Zweckertrags des PS-Lotterie-Sparens, erstmalig aus dem Jahr 1995.

„Die neue Stiftung hat breite öffentliche Beachtung gefunden. So haben die Ministerpräsidenten aller vier Bundesländer, in denen die Ostdeutsche Sparkassenstiftung tätig ist, der Chef des Bundespräsidialamtes und das Bundeskanzleramt die Stiftungserrichtung als einen wichtigen Impuls der ostdeutschen Sparkassen für eine konzeptionell und langfristig angelegte Kulturförderung in den neuen Ländern gewürdigt.“ (Tätigkeitsbericht der Ostdeutschen Sparkassenstiftung 1995/96)

Schnell entwickelte sie sich zu einer sehr bedeutenden nichtstaatlichen Fördereinrichtung in Ostdeutschland. Die Stiftung hilft seit zwei Jahrzehnten, die kulturelle Infrastruktur zu sichern und dadurch unsere Heimat für Bevölkerung und Gäste attraktiver zu machen. Die OSS pflegt die Kulturlandschaft, erhält ostdeutsche Kulturgüter. In den Landeshauptstädten, den größeren Städten und dezentral wurden und werden von und mit ihr viele Projekte verwirklicht – bis Ende 2015 über 1.800. Schon in der Anfangszeit hatte die Ostdeutsche Sparkassenstiftung keine Solistenrolle. Es fand eine Zusammenarbeit mit Sparkassen, Landesverwaltungen, Kreisen und Kommunen statt. Es gab projektbezogene Allianzen mit anderen Stiftungen. Seit 2002 kooperiert die OSS sogar mit dem World Monuments Fund. So wird gemeinsam zum Erhalt ausgewählter Baudenkmäler mit herausragender kulturhistorischer Bedeutung im Verbandsgebiet beigetragen.