• Denkmal für Bienert in Dresden Plauen

    Im Dresdner Stadtteil Plauen wurde sogar ein Denkmal für Bienert errichtet. : © Folkard Wunderlich

  • Sparbuch Dresden 1909

    Das älteste Dresdner Sparbuch, das sich im Historischen Archiv des OSV befindet, wurde 1909 ausgestellt. Der Name des Kunden wurde retuschiert. : © Historisches Archiv des OSV

Bienerts Dresdner Sparbücher

Dies ist Gottlieb Traugott Bienert (1813-1894), ein in Dresden sehr bekannter Mann. Er betrieb unter anderem die Hofmühle im Stadtteil Plauen und schaffte es, in der sächsischen Landeshauptstadt zum Großindustriellen aufzusteigen. Bienert war zu Lebzeiten sozial engagiert. Auch noch nach seinem Tod wollte er Gutes bewirken, verfügte dies in seinem Testament. Dazu fand sich in der Zeitschrift des Deutschen-Sparkassenverbandes, „Die Sparkasse“, vom 1. Januar 1895 eine interessante Meldung.

Demnach vermachte er der Stadt Dresden eine Million Mark für wohltätige Zwecke. Ein Teil der Zinsen dieses Stiftungsgeldes sollte dazu verwendet werden, jährlich bis zu 20 armen Waisenkindern Sparbücher über 500 Mark auszustellen. Diese Jungen und Mädchen sollten sich aber durch Fleiß und Sittlichkeit ausgezeichnet haben. Da Bienert selbst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war, wollte er den jungen Menschen den Start ins Leben erleichtern und sie zum weiteren Sparen motivieren. Zusammen mit den Sparkassenbüchern wurde den Kindern seine Autobiografie überreicht. Während der Minderjährigkeit durften sie nur über die Zinsen und erst mit Erreichen des 25. Lebensjahres über das Startkapital sowie das selbst gesparte Geld verfügen.

Durch Bienerts Vermächtnis bekam also die Sparkasse der Stadt Dresden einige neue junge Kundinnen und Kunden, die ihr dann hoffentlich auch als Erwachsene treu geblieben sind. Insgesamt gab es 1895 bei der Großstadtsparkasse 224.706, zehn Jahre später bereits 329.679 und 1915 sogar 401.494 Sparbücher. Nur sehr wenige Dresdner Sparkassenbücher aus dieser Zeit sind im Historischen Archiv des OSV vorhanden. Die Ostsächsische Sparkasse Dresden verfügt jedoch über eine umfangreiche Überlieferung. Vielleicht sind dort auch einige der gestifteten Sparkassenbücher erhalten?

  • Schon bald wurden Revisoren hauptamtlich angestellt. (grafisch bearbeitete Stellenanzeige aus dem Fachblatt des Deutschen Spakassenverbandes, "Sparkasse"; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Musterformular Teltower Kreissparkasse

    Solche Unterlagen waren zu prüfen. (Musterformular für preußische Sparkassen, aus: Hannemann, Adolf: Die Sparkasse des Kreises Teltow und ihre Einrichtung, 1893; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Diese 20 Mark konnte ein brandenburgischer Verbandsrevisor 1896 für die Ausarbeitung von zwei Prüfungsberichten erhalten. : © Historisches Archiv des OSV

Die ersten Verbandsprüfer

Sachsen und Brandenburg sind die Länder im Geschäftsgebiet des OSV, in denen Verbandsrevisionen bereits im 19. Jahrhundert stattfanden. 1892 war es, als der 1886 gegründete Schlesische Sparkassenverband beschloss, seinen Mitgliedskassen, u. a. denen in der heute sächsischen Oberlausitz, die Möglichkeit einer freiwilligen Prüfung anzubieten. Einer der ersten Revisoren war Rechnungsrat Jonas aus Görlitz.

1892 begann auch der Brandenburgische Sparkassenverband, der 1884 am selben Tag wie der Deutsche Sparkassenverband errichtet worden war, mit Prüfungen. Erste Revisoren waren z. B. Kämmereikassenrendant Püschel und Kämmereikassenbuchhalter Hartwig aus Frankfurt an der Oder, Sparkassenrendant Richter aus Brandenburg an der Havel und Stadthauptkassenrendant Deichmann aus Potsdam.

Beiden Regionalverbänden war übrigens der Hannoversche Sparkassenverband von 1887 Vorbild. Er sah seine erste Hauptaufgabe in der Revision und ging diese schon 1888 an. Auch hier erfolgte zunächst keine obligatorische Prüfung. Erster Revisor war der Sparkassenbuchhalter Stackelbeck aus Osnabrück.

  • Abb. in "Führer durch Dresden", hrsg. vom Hotelinhaber Carl Radisch, 1906; Bestand: Historisches Archiv des OSV

  • Liste der anwesenden Vertreter der Gemeinden bei der Gründungsversammlung des Giroverbandes

    © Historisches Archiv des OSV

Giro von A bis Z

Bei Sparkassen können sich Bürgerinnen und Bürger heute ein Girokonto einrichten lassen. Den bargeldlosen Zahlungsverkehr der Geldinstitute gibt es in Deutschland schon seit über 100 Jahren. Das Königreich Sachsen nahm bei seiner Einführung eine Vorreiterrolle ein. Besonders verdient hat sich damals der Nossener Bürgermeister Dr. Johann Christian Eberle gemacht. Er war Vorsitzender des Sächsischen Sparkassenverbandes und des Giroverbandes Sächsischer Gemeinden.

Bereits zum Jahresbeginn 1909 begann in Sachsen der Giroverkehr. Es wurden in dem Land extra Girokassen ins Leben gerufen, die für einige Zeit neben den Sparkassen wirkten. Eingerichtet haben diese Giro-Institute zuerst die Gemeinden, deren Vertreter sich am 5. Oktober 1908 im Dresdner Hotel „Drei Raben“ zur Gründungsversammlung des Giroverbandes trafen.

Eine handschriftliche Liste mit den Namen der anwesenden Personen ist in unserem Archiv überliefert. Die Männer kamen aus Orten von A bis Z. Annaberg vertraten zum Beispiel der Bürgermeister Wilisch und der Sparkassenkassierer Heinz. Für Zöblitz war der Bürgermeister Heinrich vor Ort. Bereits seit Jahrzehnten bestanden in den Städten kommunale Sparkassen. Jetzt wirkt in der Region die Erzgebirgssparkasse, die in ihrem Archiv in Schwarzenberg viele Unterlagen ihrer Vorgängerinstitute zusammengetragen hat.