• Seite eines Sparkassen-Buchs der Gemeindesparkasse Sehma im Erzgebirge : © Historisches Archiv des OSV

100 Jahre Kapitalertragsteuer

Die Kapitalertragsteuer ist in der Bundesrepublik Deutschland eine Form der Einkommensteuer und Körperschaftsteuer. Vor 100 Jahren wurde sie im Deutschen Reich eingeführt. Am 29. März 1920 beschloss die verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung Gesetze zur Einkommensteuer und Kapitalertragsteuer, welche nach Zustimmung des Reichsrats verkündet wurden. Zinsen waren steuerbare Kapitalerträge.* Steuerpflichtig war der Gläubiger des Kapitalertrags, etwa der Sparer. Konkret wurde zu Gunsten des Reichs eine Steuer von zehn Prozent erhoben. Dies betraf Erträge ab dem 31. März 1920. Geregelt war zum Beispiel für dieses sächsische Sparbuch, dass nach Ablauf des Geschäftsjahrs die Sparkasse zehn Prozent der an den Kunden zu entrichtenden Zinsen an das Finanzamt abführte. Dies wurde natürlich ordentlich im Sparkassenbuch quittiert.

* Vgl. Kapitalertragsteuergesetz vom 29. März 1920, § 2 I.1., in: Reichsgesetzblatt Nr. 54 1920, S. 345

  • Die Karte wurde am 31.12.1899 geschrieben und am 1.1.1900 in der Post in Lengefeld gestempelt. (Ansichtskarte eines unbekannten Verlags; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Zur Jahreswende

Die ältesten Ansichtskarten im Bestand des Historischen Archivs des OSV, die Sparkassen zeigen, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts versendet. Genau am letzten Tag des Jahres 1899 wurde diese Postkarte geschrieben. Es wurde sich für einen Weihnachtsgruß bedankt. Es folgten Glückwünsche zur Jahrhundertwende. Zum neuen Jahrzehnt hingegen möchte wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, alles Gute wünschen. Kommen sie fröhlich & gesund in 2020 an. Insbesondere senden wir an dieser Stelle und mit passendem Motiv herzliche Grüße an Horst Möckel vom Historischen Archiv der Erzgebirgssparkasse in Schwarzenberg und bedanken uns für die liebe Stollenpost zur Adventszeit.

  • Nur 15 DDR-Mark durften 1 zu 1 in Deutsche Mark gewechselt werden. : © Historisches Archiv des OSV

  • © Historisches Archiv des OSV

DM für die Reise

Blogserie, Teil 3

„Zur Verbesserung der Betreuung der Bevölkerung im Reisezahlungs- verkehr sind die Sparkassen im Auftrag der Staatsbank der Deutschen Demokratischen Republik berechtigt, Zahlungsmittel in Währungen anderer Staaten […] zu verkaufen.“* So stand es in der Satzung der DDR-Sparkassen geschrieben. Allerdings bekam man vor 30 Jahren lediglich einmalig 15 DM im Verhältnis 1 zu 1 gewechselt. Mehr Reisegeld gab es nicht. Aufgrund der knappen Devisenvorräte und wohl auch, um den privaten Reiseverkehr einzudämmen, hatte die Regierung 1987 die Ausstattung so gering festgelegt. Die Reaktion der Bundesregierung war die Erhöhung des Begrüßungsgeldes auf 100 DM gewesen.

Nach der Grenzöffnung am 9. November 1989 reisten sehr viele Ostdeutsche in die Bundesrepublik und nach Westberlin. Allein bis zum 15. November sollen sich über drei Millionen Menschen ihre 15 DM geholt haben.** Innerhalb von zwei Wochen hatten etwa 12,8 Millionen Bürger rund 200 Millionen DM in der DDR eingetauscht, so der Präsident der Staatsbank Horst Kaminsky.*** Seinen Ausführungen nach gestaltete sich die Versorgung mit Devisen als logistischer Kraftakt, weil Unmengen kleinerer Banknoten und 5-DM-Münzen zentral beschafft und in alle Teile der Republik weitergeleitet werden mussten. Die enorme Arbeitsbelastung, insbesondere der weiblichen Beschäftigten der Sparkassen, thematisierte er. Ein Ende des Ansturms war da noch nicht abzusehen.

Ein Abteilungsleiter der Kreissparkasse Zschopau berichtete rückblickend: „Mit der neuen Reiseregelung hat uns im November 1989 der Tausch der 15,– DM regelrecht überrollt (ca. 60.000 Bürger haben bei uns umgetauscht). Gegenwärtig bereitet uns der DM-Tausch aus dem gemeinsamen Devisenfonds manches Kopfzerbrechen. Für die zuletzt genannten Aufgaben wurden viele Wochenenden gearbeitet.“**** Nachdem das Begrüßungsgeld zum Jahresende abgeschafft worden war, durfte der DDR-Bürger auf Grundlage eines gemeinsamen Devisenfonds von Bundesrepublik und DDR Reisegelder im Umfang von 100 Mark 1 zu 1 wechseln. Weitere 100 DM bekam man für 500 Mark. Es war nämlich für diesen Betrag ein „Aufschlag“ von 400 % festgelegt.

Der „Run“ auf die harte Mark, noch vor der Währungsunion 1990, stellte eine große Herausforderung für die ostdeutschen Sparkassen dar, weil sie bereits mit Aufgaben – auch sparkassenfremden – überladen und gleichzeitig noch unterbesetzt waren. Auch galt es, lange Öffnungszeiten zu gewährleisten. Die physische und psychische Leistungsgrenze des fast ausschließlich weiblichen Personals war erreicht. Außerdem wurde die Leistung der Angestellten verhältnismäßig schlecht honoriert. Die meisten Sparkassenfrauen bekamen 1989 lediglich 850 Mark brutto.***** So konnte es nicht weitergehen.

Fortsetzung folgt am 12.12.2019

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* Statut der Sparkassen der Deutschen Demokratischen Republik, 23.10.1975, § 7, in: Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik, Teil I, 20.11.1975, S. 703 (Historisches Archiv des OSV)

**  DDR-Staatsbank-Vizepräsident: An Abwertung der Währung wird nicht gedacht, in: Freie Presse, 16.11.1989, S. 3 (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz)

*** 200 Millionen DM bisher an Bürger der DDR ausgezahlt. ADN-Interview mit Staatsbankpräsident Horst Kaminsky, in: Freie Presse, 25.11.1989, S. 4 (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz)

**** Schreiben von E. N. an den Vorsitzenden des Ministerrats der Deutschen Demokratischen Republik, Hans Modrow, 21.1.1990 (Historisches Archiv des OSV)

***** Wysocki, Josef/ Günther, Hans-Georg: Geschichte der Sparkassen in der DDR 1945 bis 1990, 1998, S. 236

  • Versicherung Sachsen Sparkassen 1919

    Solche Werbemarken klebten die sächsischen Sparkassen zum Beispiel 1921 auf Sparbücher. : © Historisches Archiv des OSV

Die Gründung einer Versicherungsanstalt der sächsischen Sparkassen

Im Dresden fand vor genau 100 Jahren die Gründungsversammlung einer öffentlichen Lebensversicherungsanstalt der Sparkassen im Freistaat Sachsen statt. Der Verbandsvorsteher Dr. Johann Christian Eberle war es, der im Versicherungsgeschäft eine Möglichkeit erkannt hatte, die Kundenbindung der Sparkassen zu intensivieren. Wenn Menschen nicht das Sparbuch als Mittel zum Vorsorgen bevorzugten, sondern lieber in eine Versicherung investierten, so mussten die Sparkassen mit der Zeit gehen. Die Produktpalette der kommunalen Geldinstitute wurde erweitert.

Mitglieder der neuen Versicherungsanstalt wurden aber nicht die sächsischen Sparkassen selbst, sondern ihre Träger. Vertreter von 140 Gemeinden waren bei der Gründungsversammlung am 26. Mai 1919 anwesend, von Adorf im Vogtland bis Zwönitz im Erzgebirge. Sie genehmigten einstimmig den Namen der Anstalt und berieten den Satzungsentwurf. Dieser wurde nach wenigen Änderungen ebenfalls einstimmig angenommen.  Man wählte einen Verwaltungsrat. Als Gründungsmitglieder galten alle Gemeinden, die bis zum 17. Juni  1919 ihren Beitritt erklärten. Sie beteiligten sich per Umlage am Stammkapital sowie an einem Einrichtungs- und an einem Verwaltungskostenvorschuss.

Doch erst am 22. Dezember des Jahres segnete das sächsische Ministerium des Innern die Satzung der Anstalt ab. Es folgten Verhandlungen zur Mitgliedschaft im Verband der öffentlichen Lebensversicherungsanstalten Deutschlands. Da das Ministerium der Auffassung war, die Vorstandswahl sei erst nach der Satzungsgenehmigung rechtmäßig, wurde zur ersten Verbandsversammlung am 23. März 1920 eingeladen. Die Mitgliederzahl betrug nun schon 205. Die Wahl wurde wiederholt. Fünf Bürgermeister und drei Gemeindevorstände wurden einstimmig in den Vorstand gewählt.

Die Geschäftstätigkeit konnte dann am 1. April 1920 aufgenommen werden. Der erste Verwaltungsbericht betrachtet den Zeitraum bis Ende 1921. Abgeschlossen wurden demnach vor allem Kapitalversicherungen auf den Todesfall mit beziehungsweise ohne ärztliche Untersuchung. Es gab auch Rentenversicherungen. Mitte der 1920er-Jahre erfolgte die Umbenennung der Anstalt, weil nicht nur Lebensversicherungen angeboten wurden. Dazu können Sie in diesem Blogbeitrag weiterlesen.

  • Als 1918 in Oberschlema das Kurbad seinen Betrieb aufnahm, gab es bereits eine Sparkasse vor Ort. (Ausschnitt Ansichtskarte Verlag Buchbinderei Karl Eger in Schneeberg, versendet 1918; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Die Sparkasse in Bad Schlema

In Bad Schlema befindet sich heute eine BeratungsFiliale der Erzgebirgssparkasse. Bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es hier Sparkassenstandorte. Zu dieser Zeit hatten viele kleine Gemeinden ein eigenständiges Geldinstitut. Flächensparkassen mit Zweigstellen gab es im damaligen Königreich Sachsen nicht. Gemeindeverbandssparkassen waren kaum verbreitet. In Niederschlema eröffnete am 2. Januar 1903 eine Sparkasse. Am 20. Oktober 1904 folgte die Sparkasse Oberschlema. Das Motiv einer vor 100 Jahren versandten Postkarte zeigt uns ihren damaligen Sitz. 1918 ist ein bemerkenswertes Jahr in der Ortsgeschichte. Damals wurde in Oberschlema ein Radiumbad eröffnet. Die Entwicklung zu einem renommierten Badeort begann.

  • Nach der Inflation wurden Sparkassenguthaben in Mark entsprechend rechtlicher Vorschriften aufgewertet. : © Historisches Archiv des OSV

Wie aus 25.000 Mark schließlich 60 Reichspfennige wurden

Ein weiteres Sparbuch aus unserem Archivbestand, das seinen Weg in die Sonderausstellung des Deutschen Historischen Museums gefunden hat, möchte ich Ihnen heute vorstellen. Es stammt aus Schwarzenberg im Erzgebirge und verdeutlicht die Wirkungen der Inflation Anfang der 1920er-Jahre. Der Inhaber dieses Buches hatte durch seine Einzahlungen im Jahr der Hyperinflation ganze 25.000 Mark auf dem Konto. Dies waren aber in der neuen Währung lediglich 0,000.000.025 Reichsmark. Eine Billion Mark entsprachen einer Reichsmark.

Inflationsgeschädigte Sparer konnten jedoch auf eine Entschädigung hoffen. Am 1. November 1924 meldete der Kunde sein Sparkassenbuch zur Aufwertung an. Eine Verordnung des Freistaats Sachsen hatte zuvor die Sparkassen zu Anmeldestellen für Aufwertungsansprüche bestimmt. Zunächst sollten gemäß einem Reichsgesetz von 1925 ihre Aktiva, etwa Hypothekenkredite, aufgewertet werden. Erst danach konnte ein Treuhänder unter Aufsicht der obersten Landesbehörde die Einlagenhöhe festlegen. Das Aufwertungsgesetz sah bezüglich der Sparkassenguthaben vor, dass mindestens 12,5 % ihres Goldmarkwertes erstattet werden sollte.

Dieser Mindestsatz findet sich auch 1926 in der ersten sächsischen Ausführungsverordnung zum Gesetz. Anders als zum Beispiel in Preußen, gab es hier aber keinen einheitlichen Aufwertungssatz für alle Sparkassen. Festgelegt wurde, das jedes Institut soweit möglich seine Aktiven wiederherstellte. Die in Goldmark umgerechneten Markeinlagen wurden dann mit dem realen Sparkassenbesitz, der vorhandenen Teilungsmasse, ins Verhältnis gesetzt. So ergab sich ein individueller Aufwertungssatz. Dieser betrug etwa bei der Stadtsparkasse Schwarzenberg 25,7 %.

Zur Guthabenumrechung wurde in Sachsen 1926 ein vom Direktor der Sparkasse Wilhelmshaven entwickeltes System erlaubt.* Demnach waren 10.000 Papiermark am 2. März 1923 genau 1,95 Goldmark. 15.000 Papiermark entsprachen am 3. Juli 1923 wegen der fortschreitenden Inflation nur noch 0,40 Goldmark. Die Sparkasse addierte und trug 2,35 Goldmark ein. Unter Berücksichtigung des oben genannten Aufwertungssatzes erhielt der Kunde am Schluß ganze 60 Reichspfennige.

* Das einfachste Verfahren zur Errechnung des Goldwertes der Spareinlagen nebst Errechnungsmuster und Umrechnungstabellen. Ein Hilfsbuch für Sparkassen von G. Vollhaber, Sparkassendirektor, 3. Auflage, Wilhelmshaven, 1926 (Bestand Historisches Archiv des OSV)