• Ausschnitt Lithografie von O. Simon und U. Basler von 1898, vermutlich in: Andrees Allgemeiner Weltatlas, 1899; Bestand: Historisches Archiv des OSV

Land der Superlative

Was für ein Wetter! Der Frühsommer schaut bei uns vorbei. Man bekommt direkt Lust auf Urlaub. Doch warum in die Ferne schweifen? Als Urlaubsland hat zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern viel zu bieten. So finden Sie hier als Bestandteil der riesigen Mecklenburgischen Seenplatte die Müritz. Dies ist der größte innerdeutsche See. Rings um das 117 Quadratkilometer große Gewässer ist die Müritz-Sparkasse zu Hause, etwa im Urlaubsort Röbel/Müritz. Hier wurde bereits 1832 eine Stadtsparkasse gegründet. Der jetzige Hauptsitz Waren (Müritz) bekam 1839 ein eigenes Institut.

Sage und schreibe achtmal so groß wie das „Binnenmeer“ Müritz ist Rügen. Auch diese größte Insel der Bundesrepublik Deutschland liegt in Mecklenburg-Vorpommern. Zugleich die zweitgrößte, Usedom. Auf den beiden beliebtesten deutschen Ferieninseln ist die Sparkasse Vorpommern vor Ort. Ihre Geschichte beginnt 1828 mit Sparkassengründungen in Stralsund und Greifswald. Mitte des 19. Jahrhunderts richteten dann die Stadt Usedom sowie der Kreis Rügen in Bergen Sparkassen ein.

Mecklenburg-Vorpommern ist mit circa 2.000 Kilometern auch das Bundesland mit der längsten Küstenlinie. Und an dieser wiederum gibt es einige schmucke Hafenstädte. In einer Bucht an der Ostseeküste liegt etwa die Hansestadt Wismar, deren Altstadt wie die von Stralsund zum UNESCO-Welterbe zählt. In Wismar wurde bereits Anfang 1825 eine Sparkasse eröffnet. Heute ist hier der Hauptsitz der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest.

Auch der älteste deutsche Seebadeort befindet sich an der mecklenburgischen Küste. Eingerichtet wurde er 1793 im Auftrag des Landesherrn, des Herzogs Friedrich Franz. Er selbst eröffnete die erste Badesaison in Heiligendamm, heute Stadtteil von Bad Doberan. In dieser Region ist die OstseeSparkasse Rostock für ihre Kundinnen und Kunden da. Ihre historischen Wurzeln reichen in Rostock bis ins Jahr 1825 zurück.

  • Ausschnitt der Genehmigung der Sparkasse durch König Johann von Sachsen am 30. Januar 1857 - mit Siegel und Unterschrift : © Historisches Archiv der Erzgebirgssparkasse

  • Am Annaberger Markt befand sich 1857 links im Rathaus der Sitz der Stadtsparkasse. Rechts neben der St. Annen-Kirche hat heute die Erzgebirgssparkasse ihren Hauptsitz. (Abb. Ausschnitt Ansichtskarte Lith. Anstalt Gebrüder Pilz in Schlettau, versendet 1901; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Siegelmarken des Stadtrates und der Stadtsparkasse mit dem Wappen von Annaberg, um 1900 : © Historisches Archiv des OSV

Vor 160 Jahren – Gründung der Annaberger Stadtsparkasse

In Annaberg-Buchholz finden Sie den Hauptsitz der Erzgebirgssparkasse. Kommunale Sparkassen gibt es in der Region schon seit 1840. Vor 160 Jahren wurde auch in Annaberg eine Sparkasse gegründet. Es handelte sich um ein Institut in Trägerschaft der Stadt. Es ist wichtig, dies zu erwähnen, denn eine private Sparkasse von Kaufleuten wirkte hier bereits seit 1821. Beide Einrichtungen existierten 42 Jahren nebeneinander. Dann stellte das Privatinstitut den Betrieb ein.

Am 1. Mai 1857 eröffnete die Stadtsparkasse. Ihr Geschäftsgebiet beschränkte sich auf Annaberg und die Umgebung der Stadt. Sie stand unter der Garantie der Stadtgemeinde, unter Aufsicht des Stadtrats und wurde von einer „Deputation“ aus zwei Stadträten, zwei Stadtverordneten und zwei Bürgern verwaltet. Einen Kassierer stellte der Stadtrat auf Vorschlag des damaligen Verwaltungsrats hin an. Er hatte jährlich Rechnung abzulegen. So betrugen die Einlagen der Kunden Ende 1857 nachweislich 7.106 Taler, 15 Neugroschen und 3 Pfennige. Es bestanden 211 Sparbücher.

Das Anlegen der Gelder durch die Sparkasse war damals ausschließlich gegen „pupillarische Sicherheit“ unter „Cognition“ des Stadtrats erlaubt. Mündelsicher und mit Kenntnis des Rats musste das Spargeld also untergebracht werden. Am Anfang gab es Kredit tatsächlich nur gegen hypothekarische Sicherheit sowie gegen Pfand oder Bürgschaft. Vor allem aber wurde vor 160 Jahren in Staats- und andere Wertpapiere investiert. Da die Sparkasse erfolgreich arbeitete, konnte sie einen Reservefonds aufbauen und „Überschüsse“ an die Trägergemeinde abgeben.

  • Die Rezepturen/Nebenstellen sind auch in diesem Sparbuch von 1912 aufgelistet. Der Name des Kunden wurde retuschiert. : © Historisches Archiv des OSV

  • Finden Sie die Orte im Gebiet des Kreises Jerichow 2? (Abb. Auschnitt Landkarte der preuß. Provinz Sachsen, 1912; Bestand: historisches Archiv des OSV)

Die Rezepturen der Genthiner Kreissparkasse

In Genthin ist heute die Sparkasse Jerichower Land vor Ort. Vor 140 Jahren existierten hier sogar zwei Sparkassen. Da gab es die Stadtsparkasse, die am 4. Oktober 1850 gegründet worden war. Am 1. April 1877 eröffnete die Sparkasse des Kreises Jerichow 2. Diese Kreissparkasse befand sich im Kreisständehaus und hatte immer dienstags und freitags von 10:00 bis 12:00 Uhr geöffnet. Eine erste Zweigstelle des Instituts bestand erst ab dem 1. April 1932 in Kirchmöser. Um den Einwohnern des Kreisgebiets, die nicht in der Nähe von Genthin wohnten, den Gang zur Sparkasse zu verkürzen, wurden im Zuge der Gründung 1877 sogenannte Rezepturen eingerichtet.

Die Verwaltung dieser Nebenstellen übernahmen vor allem die Dorfschulzen. Aber auch zwei Kaufleute und ein Rittergutsbesitzer finden sich unter den Personen, die vor Ort den Sparkassen-Service anboten. Zunächst waren bei ihnen nur Einzahlungen, bald auch Auszahlungen möglich. Solche Anlaufstellen der Kreissparkasse hatten die Menschen vor 140 Jahren in Scharlibbe, Rehberg, Schönhausen, Wust, Böhne, Schollene, Vieritz, Milow, Vehlen, Nitzahne, Groß Wusterwitz, Rogäsen, Tuchheim, Hohenseeden und Parey.

  • Die gute Entwicklung der Sparkasse in Neustädtel war nicht zuletzt ihrem engagierten Kassierer, dem Lehrer Geißler, zu verdanken. (Abb. in: Hergert, Ernst: 90 Jahre Sparkasse der Stadt Neustädtel i. E., 1937, S. 33; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Die Sparkasse in Neustädtel war die älteste Sparkasse in der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg. Darauf verwies die schmucke Siegelmarke zum 90. Geburtstag 1937. : © Historisches Archiv des OSV

Der Lehrer und die Sparkasse

Neustädtel, heute ein Ortsteil von Schneeberg, hieß die Bergstadt, in der die zweite kommunale Sparkasse im Geschäftsgebiet der jetzigen Erzgebirgssparkasse gegründet wurde. Vor genau 170 Jahren nahm das Institut die Geschäftstätigkeit auf. Erwartet wurden als Kunden vor allem, so stand es in der Satzung, von ihrer Hände Arbeit lebende Menschen, zum Beispiel Tagelöhner, Dienstboten, Berg- und Fabrikarbeiter. Die sogenannte unbemittelte Bevölkerung Neustädtels und der Umgebung erhielt eine Einrichtung, um etwas vom Verdienst zurückzulegen und selbst für die Zukunft vorzusorgen.

Beim Schullehrer Carl Gottlob Geißler waren die Sparwilligen an der richtigen Adresse. Er war von der Sparkassenverwaltung zum Kassierer gewählt worden und tat am Anfang immer freitags von 14:00 bis 18:00 Uhr seinen Dienst. Sparbeträge ab fünf Neugroschen durfte Geißler annehmen. Aus Neustädtel, Niederschlema, Lauter und Schneeberg stammten seine ersten Kunden am 6. März 1837. Zum Teil waren sie kilometerweit über Berg und Tal gewandert, um ihr Spargeld einzuzahlen. Insgesamt kamen am ersten Geschäftstag 345 Taler und 9 Neugroschen zusammen. 30 Sparbücher wurden ausgestellt.

Über 39 Jahre lang war Geißler als Rendant für die Sparkasse tätig, zunächst im Nebenamt und ab dem 1. Juli 1858 als ständiger Beamter. Mittlerweile waren nämlich tägliche Öffnungszeiten notwendig geworden. Mehr als 2.800 Kunden betreute die Stadtsparkasse in dem Jahr bereits. Als er 1886 in den wohlverdienten Ruhestand ging, waren es schon fast 9.000. Auch die Einlagen hatten sich stark vermehrt, von 18.456 Mark (6.152 Taler) Ende 1847 auf 4.458.032 Mark Ende 1886. Diese gute Entwicklung war auch dem engagierter Rendanten zu verdanken.

  • Der evangelische Geistliche August Günther engagierte sich für die Einrichtung einer Sparkasse in Coswig. [Abb. in Stadt- und Kreissparkasse Zerbst (Hrsg.): Hundert Jahre Sparkasse Coswig-Anhalt, 1937, S. 32; Bestand: Historisches Archiv des OSV]

  • Von ihrer Gründung 1837 bis zum Jahr 1932 befand sich die Sparkasse im Rathaus. 1887 wurde sie ein städtisches Institut. (Abb. Ausschnitt Ansichtskarte Verlag Paul Voigtländer, Rob. Bernhardt Nachf, versendet 1913; Bestand Historisches Archiv des OSV)

Vor 180 Jahren – Sparkasseneröffnung in Coswig (Anhalt)

180 Jahre sind vergangen, seit in Coswig (Anhalt) erstmals eine Sparkasse eröffnete. Zu verdanken ist die Gründung in erster Linie dem Oberprediger der Kirche St. Nicolai, August Günther. Auf Anregung der herzoglichen Landesregierung wandte er sich am 19. November 1836 an 15 Bürger der Stadt und lud sie ein, die Satzung einer Sparkasse zu entwerfen. Am 23. November fand man sich im Rathaus ein. Als Vorlagen dienten die Statuten der privaten Sparkassen in Bernburg und Ballenstedt.

Bald war das Werk vollbracht. Insgesamt 17 Personen unterzeichneten und wurden „Unternehmer“ der Coswiger Sparkasse. Günther war ihr Direktor. Aus dem Kreis der Männer waren drei als Assistenten, einer als Kassierer und einer als Buchhalter tätig – zunächst alle ehrenamtlich. Die Gemeinschaft der Männer haftete für die Sicherheit der eingezahlten Gelder. Die Garantiesumme betrug am Anfang 2.000 Taler.

Am 17. Dezember 1836 wurde die Satzung von der Landesregierung in Bernburg genehmigt. Sie veröffentlichte auch die Bekanntmachung zur Eröffnung in der Zeitung. Am ersten Mittwoch jeden Monats sollte die Sparkasse geöffnet sein. Die Kassenstunden fanden zwischen 14:00 und 17:00 im Rathaus statt. Alle Einwohner der Stadt und des Amtsbezirks Coswig sowie des Gerichtsbezirks Klieken durften die Einrichtung nutzen. Zum Beispiel für die Heirat, die Eröffnung eines Gewerbes, das Alter, aber auch für Krankheits- und andere Notfälle konnte vorgesorgt werden.

Aus sozialpolitischen Gründen war die Sparkasse damals insbesondere für Tagelöhner, Hilfsarbeiter und Dienstboten gedacht, für deren „pekuniäre und moralische Wohlfahrt“, so Günther. Die erste Kundin am 1. März 1837 war aber kein einfaches Dienstmädchen, sondern die Tochter des Coswiger Oberförsters, Johanna Doebel. Ihre Einlage: zwei Taler. Der erste Kreditnehmer war der Kleinbauer Anton, der eine Hypothek über 100 Taler aufnahm. Am Ende des Geschäftsjahres betrugen die Gesamteinlagen 1.148 Taler und sechs Groschen, die Ausleihungen 1.150 Taler.  Ein Taler und 18 Groschen waren der bescheidene Reingewinn.

  • Von 1892 bis 1908 war die Sparkasse in diesem Kreishaus untergebracht. (Abb. Ausschnitt Ansichtskarte Verlag Reinicke & Rubin in Magdeburg, versendet 1899; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Eine Sparkasse für den Landkreis Cottbus

Im Südosten des Bundeslandes Brandenburg liegt das Geschäftsgebiet der Sparkasse Spree-Neiße, der gleichnamige Kreis und die kreisfreie Stadt Cottbus. Verschiedene kommunale Sparkassen wirkten hier im Laufe der Geschichte. Erste Nebenstellen richtete bereits 1824 die kommunal-landständischen Hauptsparkasse der Niederlausitz in Guben und Spremberg ein. In Cottbus startete 1830 eine Sparkasse offiziell, wobei die Haftung erst zum 1. Januar 1833 von einem Verein auf die Kommune überging.

Die erste Kreissparkasse nahm vor 150 Jahren ihre Geschäftstätigkeit auf. Am 16. Januar 1867 kam Frau Marie Amalie Krause vom Brunschwig-Rittergut und brachte 50 Taler zum sogenannten Ständehaus in der Sandower Straße in Cottbus. Sie war die erste Kundin und bekam das Sparbuch Nummer Eins ausgestellt. Als „Rendant“ kümmerte sich der Kreissteuer-Einnehmer Herr Kuhne um alle „Kassen-, Secretariats- und Registraturgeschäfte“. Für seine Tätigkeit erhielt er im ersten Jahr ein Gehalt von 50 Talern und als Tantieme ein Prozent der Spareinlagen.

Eigene Geschäftsräume hatte die Sparkasse im Ständehaus nicht. Man teilte sich ein Zimmer mit der Kreis- und Kreis-Kommunalkasse, der Krankenkasse sowie der Kreis-Feuer-Sozietätskasse. Da die Dokumente und Geldbestände der Sparkasse gesondert untergebracht sein mussten, standen jedoch noch ein Raum für die Akten und einer mit dem Geldschrank zur Verfügung. Und dieser füllte sich. In den ersten beiden Wochen wurden 27 Konten angelegt. Die erste Gemeinde wurde am 7. März 1867 Kundin: Schorbus, heute Ortsteil von Drebkau, mit neun Talern. Auch Vereine, Stiftungen und Innungen legten sich ein Konto zu.

Sogar die Cottbus-Schwielochsee-Eisenbahngesellschaft, die die erste Eisenbahn der Lausitz (Güterverkehr mit Pferdebahn) betrieb, zahlte ein. Zum Jahresschluss bestanden dann 86 Sparbücher und Gesamteinlagen von 4.428 Talern, 3 Silbergroschen und 5 Pfennigen. 4.000 Taler waren mittlerweile in Obligationen des Kreises angelegt. In den ersten Jahren wurde vor allem in diese Wertpapiere investiert und so zum Beispiel der Eisenbahnbau finanziert. Die Verdichtung des Streckennetzes war wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Cottbus wurde ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt.