• Konto-Gegenbuch Sparkasse Doemitz 1924

    © Historisches Archiv des OSV

Ein Konto-Gegenbuch für den Giroverkehr

Im letzten Blogbeitrag sahen Sie ein Rechnungsbuch, das in Sachsen beim Überweisungsverkehr genutzt wurde. Für den Giroverkehr waren in dem Land zunächst aber nicht die Sparkassen selbst zuständig. In anderen Teilen Deutschlands konnte hingegen per Überweisung direkt über Spareinlagen verfügt werden. Dem Hannoverschen Sparkassenverband angeschlossene mecklenburgische Institute führten den Giroverkehr ab 1917 ein. Zu den ersten gehörte die Stadtsparkasse in Dömitz an der Elbe. Hier diente ein Konto-Gegenbuch zur Übersicht der Zahlungen. Gutschriften und Lastschriften finden sich etwa in diesem Exemplar, das ein Landwirt aus Quickborn auf der anderen Seite des Flusses ab 1924 nutzte.

  • In diesem Rechnungsbuch verzeichnete ein Fleischermeister in Lindenthal (Leipzig) ab 1930 Überweisungen. Der Ort nahm bereits vor 110 Jahren am kommunalen Giroverkehr teil. : © Historisches Archiv des OSV

Die ersten sächsischen Girokassen

Im Königreich Sachsen wurde bekanntlich zuerst der bargeldlose Zahlungsverkehr durch das Engagement von Dr. Johann Christian Eberle eingeführt. Am 5. Oktober 1908 fanden sich Vertreter sächsischer Stadt- und Landgemeinden in Dresden zusammen und gründeten den Giroververband Sächsischer Gemeinden. Sie wollten Girostellen einrichten, um den Überweisungsverkehr durchführen zu können. Diese Girokassen wirkten neben den Sparkassen. Die Geschäftsführung war getrennt, auch wenn dasselbe Personal im gleichen Gebäude zuständig war. Am 2. Januar 1909 wurde der Giroverkehr in Sachsen mit einer Verrechnungsstelle (Girozentrale) in der Landeshauptstadt aufgenommen. Im Historischen Archiv des OSV ist eine Liste vom 20. Februar 1909 überliefert, die alle am Überweisungsverkehr teilnehmenden Mitgliedsgemeinden beinhaltet. Sie sehen sie hier in alphabetischer Reihenfolge.

Adorf im Vogtland – Annaberg – Aue – Auerbach im Vogtland

Bautzen – Berggießhübel – Bernstadt – Bischofswerda – Böhlitz-Ehrenberg Borna – Brand bei Freiberg – Briesnitz – Brunndöbra – Buchholz – Burgstädt

Callnberg – Colditz – Copitz – Crottendorf im Erzgebirge

Dippoldiswalde – Dittersdorf im Erzgebirge – Döbeln – Döhlitz – Dohna

St. Egidien – Ehrenfriedersdorf – Eibenstock – Einsiedel – Elsterberg Elterlein – Engelsdorf-Sommerfeld

Falkenstein – Flöha – Frankenberg – Freiberg – Frohburg

Geithain – Geringswalde – Gersdorf im Bezirk Chemnitz – Geyer – Glauchau Göppersdorf bei Burgstädt – Gottleuba – Groitzsch – Großenhain Großröhrsdorf bei Pulsnitz – Großzschocher-Windorf – Grüna bei Chemnitz

Hainichen – Hartha – Hartmannsdorf im Bezirk Leipzig – Hohenstein-Ernstthal

Kamenz – Kirchberg – Klingenthal – Kohren – Königstein – Kötzschenbroda Kreischa

Lausigk – Lauter – Leisnig – Lengefeld – Leuben bei Dresden – Leubnitz bei Werdau – Leutzsch – Lichtenstein – Liebertwolkwitz – Liebstadt – Limbach Lindenthal – Löbau – Lößnitz – Lohmen – Loschwitz – Lugau – Lunzenau

Marienberg – Markneukirchen – Markranstädt – Meerane – Meißen Mittweida – Mockau – Möckern – Mügeln bei Pirna – Mylau

Naundorf bei Kötzschenbroda – Netzschkau – Neusalza – Neustadt Neustädtel – Niederplanitz – Niederschlema – Nossen

Oberfrohna – Oberlungwitz – Oberplanitz – Oberschlema – Oederan Oelsnitz im Vogtland – Oetzsch bei Leipzig – Olbernhau – Oschatz

Pausa – Pegau – Penig – Pirna – Pulsnitz

Radebeul – Radeburg – Reichenbach im Vogtland – Riesa – Rochlitz Rodewisch

Sayda – Scheibenberg – Schlettau – Schneeberg – Schönefeld – Schönheide Schwarzenberg – Sebnitz – Siebenlehn – Siegmar – Stollberg – Stolpen Strehla

Taucha – Thum – Tolkewitz – Treuen

Wahren – Waldenburg – Waldkirchen bei Zschopau – Weinböhla Weißenberg – Werdau – Wilkau – Wittgensdorf bei Chemnitz – Wolkenstein Wurzen

Zittau – Zöblitz

  • Kinder vor der Städtischen Sparkasse in Mühlberg/Elbe (Abb. Ausschnitt Ansichtskarte Verlag F. Elteste in Mühlberg a. E., versendet 1908; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Das Engagement der Sparkasse in Mühlberg/Elbe

Schon lange engagieren sich Sparkassen für die Gesellschaft. Als sie noch unselbstständige kommunale Einrichtungen waren, beschlossen etwa Stadtverwaltungen mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden die zweckgebundene Verwendung von sogenannten Überschüssen. Nach Bildung ausreichender Sicherheitsreserven konnten auf diese Weise bestimmte Projekte im Geschäftsgebiet, in dem Fall im Stadtkreis, gefördert werden. Interessante Hinweise auf das historische Engagement finden wir heute zum Beispiel in alten Festschriften.

So berichtete bereits die Sparkasse in Mühlberg an der Elbe anlässlich ihres 40. Geburtstags am 1. Oktober 1906 von ihren bisherigen Leistungen für die Allgemeinheit. Man hatte sich unter anderem an den Ausrüstungskosten der Freiwilligen Feuerwehr und der Kirchensanierung beteiligt. Auch an die Jugend war gedacht worden. Mit Sparkassengewinnen wurde eine Kleinkinderschule, also ein Kindergarten, errichtet und unterhalten. Des Weiteren war Geld für den Bau einer Turnhalle geflossen.

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Zeit ist Geld

3,5 Prozent Zinsen gab es vor 100 Jahren bei der Sparkasse in Leipzig, der einlagenstärksten in Sachsen. Die Verzinsung begann gemäß der Satzung mit dem Tag der Einzahlung und hörte mit dem Tag der Rückzahlung auf. Die Zinserträge konnten jährlich vom 2. bis zum 31. Januar zu den üblichen Geschäftszeiten abgehoben werden. Dabei war das Sparkassenbuch vorzulegen. Wenn man nicht zur Auszahlung vorbeikam, wurden die Zinsen auf das Guthaben gerechnet und weiter verzinst. Dies konnte jede Kundin und jeder Kunde in der Sparkassensatzung nachlesen, die in allen Sparbüchern eingebunden war. Das Geldinstitut wies außerdem durch den abgebildeten Aufkleber auf dem Buchdeckel darauf hin, dass die Zinsen nicht verfielen. Offenbar war der Andrang im Januar groß. Man wollte der Kundschaft erklären, dass Schlange stehen nicht notwendig war. Wie viele Menschen sich aufmachten, um ihren Eintrag zu bekommen, ist leider nicht bekannt. Überliefert ist jedoch, dass es damals 415.380 Sparkassenbücher gab und 6,8 Millionen Mark Zinsen gutgeschrieben wurden.

  • Im Königreich Sachsen vermehrte sich die Zahl der Sparkassen enorm. : © Historisches Archiv des OSV

Das Land der vielen Sparkassen

In Sachsen wurde vor über 200 Jahren die erste Sparkasse im Verbandsgebiet des OSV gegründet. In dem Land gab es eine besondere Entwicklung des Sparkassenwesens, sodass schließlich 1919 sage und schreibe 370 Institute existierten. Dabei handelte es sich um 369 kommunale Geldinstitute und die Fürstlich-Schönburgische Sparkasse in Waldenburg. Besonders zahlreich sind Sparkassen in der Trägerschaft von Stadt- und Landgemeinden im Königreich Sachsen gegründet worden. Kreissparkassen mit Zweigstellen wie in Preußen gab es nicht. Lediglich einige Gemeindeverbandssparkassen entstanden. Filialen hatten vor allem die Großstadtsparkassen. Dominierend waren aber in der Fläche die etlichen eigenständigen Kleinsparkassen. Vor allem in der Mitte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrte sich der Bestand deutlich. Der Höhepunkt war vor 100 Jahren erreicht. Danach ging die Zahl zurück. Heute bestehen im Freistaat Sachsen zwölf Sparkassen.

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Ein Spar-Merkbüchlein aus Halle

Dieses Büchlein nutzte die Stadtsparkasse zu Halle vor 90 Jahren, um Schulkinder zum Sparen zu motivieren. Der Taschenkalender für 1929 bot allerlei Wissenswertes und Unterhaltendes, zum Beispiel aus der Fliegerei, die damals populär war. Mit dem „Pilot“ wollte man die Jungen und Mädchen zum Vorsorgen erziehen. Gerade nach der Inflation mussten die Sparkassen durch verstärkte Werbearbeit die Notwendigkeit des Sparens deutlich machen. Und eine Zielgruppe war die Jugend, die in der Schule sparen konnte. Auch Sinnsprüche wurden in der Werbung eingesetzt. Im „Spar-Merkbüchlein“ sind etwa diese Reime zu finden:

Junges Blut, spar dein Gut.
Armut im Alter wehe tut.

Willst du im Alter noch barfuß laufen,
musst du verschwenden und spielen und kaufen.
Willst du aber reiten und fahren,
musst du beizeiten sammeln und sparen.

Wer den Pfennig nicht ehrt,
ist des Talers nicht wert.

Sparsamkeit baut Hof und Haus,
niederreißt es Saus und Braus.

Sammle stetig Kleines ein:
Steter Tropfen höhlt den Stein.

Sorgen bringt das Schuldenmachen,
doch das Sparen bringt dir Lachen.

Lass dir das Sparen nicht verdrießen,
wenn auch nur kleine Tropfen fließen.

Spar zusammen Stein um Stein;
endlich wird’s ein Häuschen sein.

Faden zu Faden gibt ein Tuch,
Pfennig zu Pfennig ist bald genug.

Die Ähre wächst aus kleinem Korn,
Spartropfen werden bald zum Born.

Ohne Sparen leere Kasten,
ohne Ordnung nichts als Lasten.

Scharren und Sparen ist zweierlei,
Geiz macht zum Knechte, Sparsamkeit frei.

Wer viel begehrt, dem mangelt viel.
Wer früh aufsteht, der kommt ans Ziel.