• Der erste Standort des Botanischen Gartens befand sich in Schöneberg. (Ansichtskarte Verlag S. & G. Saulsohn in Berlin, um 1900; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

Vom Botanischen Garten zum Kleistpark

Im Rahmen der Kooperation mit der Berliner Sparkasse erarbeiten wir derzeit historische Ausstellungsinhalte. Interessante Fakten werden recherchiert. Aussagekräftiges Bildmaterial wird beschafft. Das gemeinnützige Engagement ist eines der Themen. So stellte die Stadtsparkasse zum Beispiel 1853 mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde 50.000 Taler für den Baufonds des geplanten Arbeits-, Siechen-, Waisen- und Irrenhauses bereit. In der ersten Hälfte der 1880er Jahre wurde die Verwendung von Überschüssen in Höhe von 887.306 Mark zum Bau von Gemeindeschulhäusern erlaubt.

Schließlich gab die Sparkasse der Stadt 1909 ganze zwei Millionen Mark zum Ankauf des alten Botanischen Gartens in Schöneberg. Belegt ist das durch einen Bericht der Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin. Seit 1679 befand sich dort ein königlicher Garten, unter anderem für die Küchenbedürfnisse des Hofes. Ab 1718 trug er offiziell den Namen Botanischer Garten. Das abgebildete Victoria-Regia-Haus wurde 1882 erbaut. Weil das Gelände zu klein war und nicht vergrößert werden konnte, zog der Botanische Garten 1910 nach Dahlem. Der ehemalige Schöneberger Garten wurde zum Park umstrukturiert. Anlässlich des 100. Todestags Heinrich von Kleists erhielt er den Namen des Schriftstellers.

  • Scheck der Girokasse Schönau, 1917 : © Historisches Archiv des OSV

Ein schöner Schönauer Scheck

Ab 1909 wurde innerhalb der deutschen Sparkassenorganisation zuerst in Sachsen der bargeldlose Zahlungsverkehr in Form des Giroverkehrs eingeführt. Dieser lag hier aber, im Unterschied zu anderen Ländern im Deutschen Reich, zunächst nicht in der Zuständigkeit der Sparkassen. Den Zahlungsverkehr, neben Giro- auch Scheckverkehr, wickelten sogenannte Girokassen ab. Diese wurden gewöhnlich von den Sparkassenbeamten in den Sparkassenräumen getrennt mitverwaltet.

So war auch die 1888 im heutigen Chemnitzer Ortsteil Schönau gegründete Gemeindesparkasse nicht selbst für den Zahlungsverkehr zuständig. 1917 fand die Gründung einer Girokasse statt, die dem Giroverband Sächsischer Gemeinden beitrat. Die Verrechnungszentrale des Verbandes befand sich in der Landeshauptstadt Dresden. Lediglich für den örtlichen Zahlungsverkehr in Schönau war hingegen der abgebildete Scheck gedacht. Er ist einer der Ältesten in unserem Archivbestand.

  • © Historisches Archiv des OSV

Der Kaiser in Silber

Der Kaiser in Gold wurde Ihnen ja bereits in einem Blogbeitrag zur Währungsgeschichte vorgestellt. In der Münzsammlung des Historischen Archivs befinden sich noch weitere Geldstücke aus der Zeit des Deutschen Reichs. Sie werden öfters ausgeliehen und ergänzen die Wanderausstellung Geldgeschichte(n). Hier sehen Sie ein 150 Jahre altes 5-Mark-Stück mit dem Bildnis des preußischen Königs und deutschen Kaisers Wilhelm I.

Hergestellt wurde es mit dem Prägezeichen A in Berlin. Gemäß dem Reichsmünzgesetz vom 9. Juli 1873 entstanden aus einem Pfund Feinsilber 20 Münzen. Eine beinhaltete 25 Gramm. Damals gab es übrigens auch Geldstücke zu 5 Mark aus Gold. Bei der Prägung von 279 Stücken kam ein Pfund Feingold zum Einsatz. Es waren also nur 1,79 Gramm enthalten. Im Gegensatz zu den kleinen Geldstücken aus Gold waren die großen aus Silber unterwertig. Der aufgeprägte Wert entsprach nicht dem Metallwert. Es handelte sich um sogenannte Scheidemünzen.

Interessanterweise war kein Bürger verpflichtet, Reichssilbermünzen im Betrag von mehr als 20 Mark anzunehmen. Auch dies stand im Gesetz. Hinsichtlich der Gestaltung gab es vor, dass auf einer Seite die Hoheitszeichen der freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck beziehungsweise die jeweiligen Landesherren abgebildet wurden. Somit trugen die Deutschen nicht nur den Kaiser aus Preußen, sondern zum Beispiel auch den König aus Sachsen in der Geldbörse.

  • Postkarte mit dem Markt und Rathaus von Zittau, postalisch gelaufen: 1917. : © Historisches Archiv des OSV

  • © Historisches Archiv des OSV

  • Das Sparbuch Nr. 1 gehörte Therese Heuser. Sie zahlte am Eröffnungstag 5 Taler ein. : © Historisches Archiv des OSV

Die Geschichte der Sparkasse in Zittau

Im Bestand des Historischen Archivs des Ostdeutschen Sparkassenverbandes befinden sich derzeit über 450 Akten mit einem Bezug zur Sparkasse Zittau. Im Rahmen meines Praktikums habe ich mit einigen dieser Akten gearbeitet und diese auch verzeichnet. Des Weiteren bin ich während meiner Arbeit auf einige Fotos gestoßen, welche u. a. die verschiedenen Geschäftsstellen der Kasse und Veranstaltungen wie eine Feier zum 175jährigen Bestehen oder eine Grundsteinlegung abbilden. Da die Sparkasse seit ihrer Gründung einigen Veränderungen unterlag, möchte ich Ihnen gerne etwas über die Entwicklung jener erzählen.

Der 28. März 1825: Ein Datum mit historischer Bedeutung, denn an diesem Tag wurde eine Sparkasse im Rathaus der Stadt Zittau eröffnet. Diese war die erste „stadtobrigkeitliche“, also die erste kommunale Sparkasse im Königreich Sachsen. Zwar wurden schon zuvor eine Sparkasse in Königsbrück im Jahr 1819 und die Dietrich`sche Spar- und Leihkasse in Annaberg im Jahr 1823 gegründet, jedoch waren dies keine Sparkassen der Kommunen, sondern Gründungen von Vereinen und Interessengemeinschaften. [1]

Wie in der Anweisung für die Teilnehmer in dem Zittauischen Sparkasseninstitut (siehe Bild Nr. 2) zu sehen ist, konnte jeder „minder bemittelte“ Bewohner der Stadt und der dazugehörigen Dörfer seine Ersparnisse zur Verzinsung in der Sparkasse abgeben. An zunächst einem Öffnungstag pro Woche kümmerten sich zwei Ratsmitglieder, zwei vertrauenswürdige, zu Kuratoren ernannte, Bürger und ein Kassierer um die Geschäfte in der Sparkasse. In Quittungsbüchern wurden alle Ein- und Auszahlungen sowie Zinsen dokumentiert (siehe Bild Nr. 3). Bereits am Eröffnungstag brachten 17 Einleger eine Summe von insgesamt 187 Talern und 12 Groschen zur Sparkasse. [2]

Im Jahre 1840 zog die bisher im Rathaus untergebrachte Sparkasse in das am Rathausplatz gelegene „Gewandhaus“ um, wo sie bis zum Jahr 1900 verblieb. Mit der Generalverordnung vom 28. Dezember 1860 nahm das Kreditgeschäft an Fahrt auf. Nun war es der Sparkasse u. a. möglich, Darlehen an Kunden auszureichen oder Geldanlagen durch städtische Obligationen zu bewilligen. Dieser Geschäftsbereich wurde zunehmend von der „Unterabteilung Girokasse“ und anschließend von der 1920 gegründeten Stadtgirokasse Zittau übernommen. [3]

Ein eigenes Gebäude erhielt die Sparkasse 1901. Das Haus „Neustadt Nr. 13“ steht heute noch. Bereits 23 Jahre später zog sie jedoch erneut um. Dieses Mal in den „Handelshof“ in der Frauenstraße, da größere und dem Geschäftsbetrieb angemessenere Räumlichkeiten benötigt wurden. [4] Nur ein Jahr später wurde die Sparkasse 100 Jahre alt. Dieser Anlass wurde nicht nur mit einer Festschrift gewürdigt, sondern auch gebührend im Rahmen einer Erinnerungsfeier mit über hundert geladenen Gästen gefeiert. [5]

Noch ausschweifender wurde wohl das 175jährige Bestehen der Sparkasse im Jahr 2000 begangen. Bis zu diesem Zeitpunkt durchlief die Sparkasse allerdings noch einige Veränderungen. So wurde sie 1931 infolge der Sächsischen Sparkassen-Verordnung eine Anstalt des öffentlichen Rechts. [6] 1944 verschmolzen Sparkasse und Girokasse zur Kreisspar- und Girokasse Zittau. [7] Im Zuge der sowjetischen Besatzung nach dem II. Weltkrieg schloß die Kasse wiederum nur ein Jahr später gezwungenermaßen durch den sogenannten „Befehl 01“. [8] Stattdessen wurden neue Sparkassen errichtet. In Zittau war dies die Stadtsparkasse Zittau mit Sitz im Handelshof. Gleichzeit kam es zur Gründung der Kreissparkasse Zittau, welche aus den bisherigen Instituten in Zittau und Großschönau gebildet wurde und ihren Sitz in Seifhennersdorf hatte, bevor sie nach Zittau in das Gebäude am Thälmannring 8 ziehen konnte. Mit Wirkung vom 1. Januar 1950 fusionierten die Stadtsparkasse und die Kreissparkasse. [9] Dies sollte jedoch nicht die letzte Veränderung gewesen sein. Im Zuge der Kreisreform 1994 fusionierten die Kreissparkassen aus Zittau und Löbau zu der Kreissparkasse Löbau-Zittau mit Sitz in Zittau. [10] Der letzte größere Höhepunkt der Geschichte der Sparkasse stellte die Fusionierung mit der Niederschlesischen Sparkasse zur Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien am 31. August 2005 dar. [11]

Das 175jährige Gründungsjubiläum 2000 wurde u. a. im Bürgersaal des Zittauer Rathauses mit zahlreichen Festreden wie vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Andreas Manschott gefeiert. [12] Bereits nächstes Jahr feiert die Sparkasse Zittau ihren 200sten Geburtstag. Wie wird wohl dieses Jubiläum gefeiert werden?

Anna-Lena Hofmann, Praktikantin Historisches Archiv des OSV

Quellen:

[1] Kreissparkasse Löbau-Zittau [Hrsg.]: 175 Jahre Sparkasse Zittau, Ein Sparkassenmann erzählt, Kreissparkasse Löbau-Zittau, 2000, S. 14.

[2] Ebd. S. 24.

[3] Ebd. S.28 f..

[4] Ebd. S. 41.

[5] Ebd. S. 68.

[6] Ebd. S. 73.

[7] Ebd. S. 94.

[8] Ebd. S. 96.

[9] Ebd. S. 100 f..

[10] Ebd. S. 168.

[11] Neumann, Ullrich: Jung geblieben: 190 Jahre Sparkasse in Zittau., online verfügbar: https://blog.spk-on.de/jung-geblieben-190-jahre-sparkasse-in-zittau/ [letzter Zugriff am 04.01.2024].

[12] Kreissparkasse Löbau-Zittau [Hrsg.]: 175 Jahre Sparkasse Zittau, Ein Sparkassenmann erzählt, Kreissparkasse Löbau-Zittau, 2000, S. 183.