• Die Kreissparkasse Grimma war die erste Sparkasse im heutigen Verbandsgebiet, die 1990 auf das neue EDV-System umgestellt wurde. Hier erfolgte die Ausstattung mit Computern von Siemens-Nixdorf. : © Kreissparkasse Grimma/ Sparkassen-Museum Muldental e.V.

  • Die ersten Überleitungen im Freistaat Sachsen erfolgten 1990 in Grimma, Chemnitz und Bautzen. : © Historisches Archiv des OSV

Die Überleitung der EDV

Blogserie, Teil 50

Die Umstellung der Datenverarbeitung auf westdeutschen Standard stellte nach der technisch-organisatorischen Bewältigung der Währungsunion eine weitere gewaltige Aufgabe für die ostdeutsche Sparkassenorganisation dar, die rasch angegangen werden musste. Denn nur mit einem modernen, erprobten und leistungsfähigen System war es zum Beispiel möglich, die gewachsene Zahl der Geschäftsvorfälle zu bearbeiten, die Serviceleistungen deutlich zu verbessern und das Angebot neuer Produkte edv-mäßig zu unterstützen.* Bereits seit dem Frühjahr 1990 fand deswegen eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Sparkassenverband der DDR und dem Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverband statt. Als Gemeinschaftsunternehmen entstand dann am 31. August die dvs Datenverarbeitungsgesellschaft Sparkassenorganisation mbH, an der der DDR-Sparkassenverband und die dvg Hannover beteiligt waren.

Bald wurde die dvs alleiniger Anbieter von EDV-Anwendungen für die ostdeutschen Sparkassen und übernahm nicht nur Personal der DGW Datenverarbeitungsgesellschaft Geldwirtschaft mbH, sondern auch zwei Bezirksstationen, wo nun eigene Rechenzentren aufgebaut werden sollten. Während der Standort Berlin bereits am 17. November 1990 einsatzbereit war, konnte Leipzig erst am 16. Februar 1991 tätig werden. Zur Hardware vermerkt eine Dokumentation zur Entwicklung der dvs, auf der dieser Blog basiert, Interessantes für Technikfreunde. So gab es bei Inbetriebnahme der Rechenstationen 2 IBM-Großrechner, Magnetplattenlaufwerke mit 900 Gigabyte Speicherkapazit, Magnetbandeinheiten in Form von 60 Kassetten und 6 Bändern, 18 schnelle Laser- und 2 Stahlbanddrucker sowie 8 online-COM-Anlagen und 8 online-Duplizierer für Mikrofilme.**

Auch bei den Sparkassen sollte neue Technik einziehen. Bereits im Mai 1990 ermittelte man den Bedarf in Hinblick auf die künftige Terminalausstattung der Arbeitsplätze sowie den ersten Bedarf an Selbstbedienungsgeräten. Nicht nur zur Erfassung der Daten für die Währungsumstellung am 1. Juli spendete der Deutsche Sparkassen- und Giroverband 1.000 PC. Ende Mai wurde 137 Computer-Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt, weitere 384 bis Ende August eingerichtet. In der zweiten Jahreshälfte 1990 kamen noch 479 dazu. Eine Grundvoraussetzung der Überleitung vom ESER- auf das dgv-System war die vollständige Kundendatenerfassung. Das sah das endgültige Überleitungskonzept der dvs vom 7. September 1990 vor. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen wurden praxisbezogen ausgebildet, um die relevanten Daten aufnehmen zu können. Als Erfassungsbelege dienten die zur Währungsunion benötigten Umstellungsbelege. Mit von der dvs entwickelten Programmen wurden die Kundensystemdaten am PC erfasst und verarbeitet.*** Sie wurden auf Disketten gespeichert, konvertiert, auf Magnetbänder übertragen und in das neue Anwendungssystem eingespielt.

Was die Einführung moderner Hardware betrifft, so erfolgte aus pragmatische Gründen eine Zuordnung der Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zum Hersteller IBM, der in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu Siemens-Nixdorf. Vor der Überleitung mussten die Firmen die Sparkassen mit der erforderlichen EDV-Technik ausgestattet haben. Auch war die Bereitstellung von Leitungen für die Datenübertragung zwischen Sparkassen und Rechenstationen erforderlich, wobei die Kapazitäten des Telekomnetzes oft Probleme bereiteten.**** Die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Umstellungen, die an Wochenenden stattfanden, trugen spezielle dvs-Teams, die zunächst bei Pilotsparkassen praktische Erfahrungen sammelten. Den Kern der Truppe bildeten Mitarbeiter von Rechenstationen der DGW, die bereits die EDV-Altanwendungen betreut hatten und 1990 qualifiziert wurden. Unterstützung erfuhren sie insbesondere von Spezialisten der dvg Hannover, die bei Überleitungen von Pilotsparkassen Wissen weitergaben.

Die erste Überleitung gab es am 6. Oktober 1990 bei der Kreis- und Stadtsparkasse Suhl. Da Leipzig noch nicht einsatzbereit war, wurde die Sparkasse über einen Test- und Reserveserver der dvg in Braunschweig übergeleitet.***** Die Datenbestände verlagerte man später nach Leipzig, so auch die der Kreissparkasse Grimma, die am 10. November 1990 umgestellt wurde. Über das dvs-Rechenzentrum in Berlin fand am 17. November die Kreissparkasse Neustrelitz und am 1. Dezember die Stadtsparkasse Magdeburg Anschluss. Die erste Überleitung in Brandenburg fand am 9. Februar 1991 bei der Stadt- und Kreissparkasse Cottbus statt. Da waren die Pilotierungen schon abgeschlossen. Insgesamt konnten bis zum 30. November 1991 planmäßig sämtliche Sparkassen übergeleitet werden. Als letztes war die Kreissparkasse Zerbst an der Reihe. Damit war aber nur die erste Phase des Überleitungsprozesses beendet und ein einheitlicher Zahlungsverkehr sichergestellt.

Fortsetzung am 14.09.2020

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* Vgl. Abriss: Die dvs in 5jähriger Partnerschaft mit den ostdeutschen Sparkassen, 27.07.1995, S. 43; Bestand: Historisches Archiv des OSV, HAP – E 640/2010 Bd. 2

** Vgl. ebd., S. 57

*** Vgl. ebd., S. 39

**** Vgl. ebd, S. 51

***** Vgl. ebd., S. 54

  • Berichtenswert fand die Deutsche Sparkassenzeitung, dass junge Leute aus Sangerhausen bei der westdeutschen Partnersparkasse, der Kreissparkasse Hildesheim, ihre Ausbildung absolvierten. : © Deutscher Sparkassenverlag

Das Ausbildungsjahr beginnt

Blogserie, Teil 49

Am 1. September 1990 begannen bei den DDR-Sparkassen rund 1.250 junge Menschen ihre Ausbildung. Investitionen ins Personal mussten damals unbedingt getätigt werden. Die Institute waren im Vergleich zu denen in der Bundesrepublik Deutschland unterbesetzt.* Erstmals konnten die Ost-Sparkassen eigenverantwortlich über die Zahl der Azubis bestimmen. Bisher hatten planwirtschaftliche Zuteilungen für eine Unterversorgung gesorgt.** So waren für 1990 eigentlich nur 260 Lehrlingseinstellungen vorgesehen, bei einem Gesamtbestand von etwa 20.000 Beschäftigten. Die Sparkasse Rostock, aufgegangen 1994 in der OstseeSparkasse Rostock, berichtete über die Neuerungen.

„Im September 1990 begann auch bei der Berufsausbildung eine neue Zeit. Das Berufsziel heißt auch bei uns wieder ‚Bankkaufmann‘. Diese neue Ausbildung, die nach der Ausbildungsverordnung Bankkaufmann und einem Rahmenplan des Kultusmunisteriums erfolgt, erforderte umfangreiche organisatorische und qualitative Veränderungen. Anstelle der 10 – 15 vorgegebenen Ausbildungsplätze für weibliche Schulabgänger konnten wir entsprechend unseres Bedarfs 25 Ausbildungsplätze, auch für männliche Bewerber, zur Verfügung stellen.“ ***

Wurde man bislang in zwei Jahren zum „Finanzkaufmann“ mit der Spezialrichtung Geld und Kredit ausgebildet, galt es nun, in drei Jahren den Abschluss „Bankkaufmann“ zu erwerben. Laut Beschluss des DDR-Parlaments vom 19. Juli 1990 war das Berufsbildungsgesetz der Bundesrepublik vom 14. August 1969, zuletzt geändert durch das Berufsbildungsförderungsgesetz vom 23. Dezember 1981, die neue rechtliche Grundlage für die Ausbildung.**** Damit herrschten einheitliche gesamtdeutsche Ausbildungsregelungen. Eine Besonderheit im Osten war jedoch, dass die bei den westdeutschen Sparkassen obligatorische Probezeit entfiel.***** Ende 1990 wurden in Brandenburg 193, in Mecklenburg-Vorpommern 205, in Thüringen 266, in Sachsen-Anhalt 395 und im Freistaat Sachsen 490 Sparkassenazubis gezählt.******

Die Ausbildung war dual organisiert. Die Volkskammer hatte am 19. Juli auch ein Berufsschulgesetz beschlossen. Zwar stieg die Zahl der Auszubildenden der ostdeutschen Sparkassen vor 30 Jahren stark an, die Kapazitäten der kommunalen Berufsschulen standen jedoch in keinem Verhältnis.******* Mit Unterstützung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und weiterer Spitzenverbände wurden die Lehrkräfte fachlich qualifiziert. Unterstützung erfuhren die ostdeutschen Sparkassen von ihren Partnerinstituten, indem zum Beispiel Azubis für eine Weile dort lernen konnten. Bei der Kreissparkasse Hildesheim wollten vor 30 Jahre sogar 18 junge Leute ihre dreijährige Ausbildung absolvieren, um danach in der heimatlichen Sparkasse zu arbeiten.********

Fortsetzung am 07.09.2020

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* Der Präsident des DSGV führte bei einem Seminar für Landräte und Oberbürgermeister am 20. August 1990 aus, dass die Sparkassen in der Bundesrepublik dreimal so viel Kunden betreuten, aber über zehnmal so viel Personal wie die DDR-Sparkassen verfügten. Das Verhältnis 10 zu 1 zeige sich auch bei den Lehrlingseinstellungen. Vgl. Referat Präsident Dr. h. c. Helmut Geiger: Sparkassen im Wettbewerb, in: Historisches Archiv des OSV, HA 76/2004 a-c Bd. 2

** Vgl. Wysocki, Josef/ Günther, Hans-Georg: Geschichte der Sparkassen in der DDR 1945 bis 1990, Stuttgart, 2. Aufl., 1998, S. 247

*** Geschäftsbericht der Sparkasse Rostock für 1990, S. 12

**** Vgl. Gesetz über das Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland in der Deutschen Demokratischen Republik – IGBBi – vom 19. Juli 1990, in: Gesetzblatt der DDR, Teil I, Nr. 50, 13.08.1990, S. 907 ff.

***** Vgl. Backhaus, Jürgen: DDR übernimmt Berufsbildungsrecht, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 61, 10.08.1990, S. 5.

****** Vgl. Jahresbericht 1990/1991 des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes, S. 35

******* Es gab im Herbst 1990 lediglich 15 kommunale Berufsschulen und maximal 80 Lehrkräfte in Ostdeutschland. Vgl. Geiger, Walter/ Günther, Hans-Georg: Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens 1990 bis 1995, Stuttgart, 1998, S. 176 f.

******** Vgl. DDR-Azubis in Hildesheim, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 61, 10.08.1990, S. 5.

  • Ansichtskarte Verlag Fritz Opitz Nachf./ O. Burkhardt, versendet 1899; Bestand: Historisches Archiv des OSV

Unsere Älteste

Viele historische Ansichtskarten aus unserem Archivbestand sind bereits im Sparkassengeschichtsblog veröffentlicht worden. Heute präsentieren wir Ihnen das älteste Exemplar, das eine Sparkasse im OSV-Gebiet zeigt. Ein Reisender versendete sie am 22. August 1899. Offenbar machte er bei seiner Fahrt nach Dresden um 12:45 Uhr einen Zwischenstopp in Herzberg (Elster). Motiv der Karte ist das dortige Rathaus, welches die Stadtsparkasse seit ihrer Eröffnung am 1. Juli 1873 beherbergte. Dies belegt die Akte mit der Signatur C 48 Ih, Nr. 282 Bd. 1 in der Merseburger Zweigstelle des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt, die ich vor einiger Zeit digitalisieren und vor Kurzem inhaltlich erschließen konnte. Es handelte sich übrigens um die fünfte Sparkassengründung im Gebiet der heutigen Sparkasse Elbe-Elster. Das erste Institut war am 1. August 1837 die Sparkasse des Schweinitzer Kreises mit Hauptsitz in Herzberg (Elster), auf welche die Stadtsparkasse schließlich 1927 übergehen sollte.

  • Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 73, 21.09.1990, S. 9 : © Historisches Archiv des OSV

Vorstände gesucht

Blogserie, Teil 46

Ab dem 17. August 1990 wurden sie in der Deutschen Sparkassenzeitung veröffentlicht, die Anzeigen, mit denen die DDR-Sparkassen geeignetes Personal zur Besetzung der Vorstandspositionen suchten.* Meist war ein Zwei-Personen-Vorstand vorgesehen. Die Vorstandsverfassung nach dem Kreditwesengesetz (KWG) erforderte mindestens zwei Vorstände je Sparkasse, um das Vier-Augen-Prinzip zu gewährleisten.** Hunderte Leitungsstellen waren damals zu besetzen. Dies stellte eine gigantische Aufgabe dar, welche für die ostdeutschen Sparkassen auch eine existenzielle Bedeutung hatte. „Wenn es nämlich nicht gelingt, gute Führungskräfte zu identifizieren und zu bestellen, dann ist der Verlust der Marktführerschaft in allen Marktsegmenten vorgezeichnet.“ *** Zuständig für die Bestellungen waren gemäß DDR-Sparkassengesetz die Verwaltungsräte der Sparkassen, die erst gebildet werden mussten. Da aber feststand, wer die Verwaltungsratsvorsitzenden sein sollten, nämlich die Landräte oder Oberbürgermeister, konnten bereits Stellen von ihnen ausgeschrieben werden. Das Wissen nicht nur zur Wahl der Verwaltungsräte und zur Bestellung der Vorstände bekamen sie bei Informationsseminaren vermittelt, die vom 21. bis zum 25. August 1990 in Berlin stattfanden.

„In den Seminaren bestand übereinstimmend die Auffassung, man solle in den – wohl meist zweiköpfigen – Vorständen der Sparkassen möglichst ‚gemischte Doppel‘ bilden, um die Orts- und Mentalitätskenntnisse von DDR-Führungskräften mit dem bankfachlichen Know-how bundesdeutscher Sparkassen- und Bankmanager zu verbinden.“****

Als einer der Dozenten brachte der Präsident des Sparkassenverbandes der DDR, Rainer Voigt, den Kommunalpolitikern die Überlegungen zur Bestellung gemischter Vorstände nahe. Auch die Direktorinnen und Direktoren der Sparkassen konnten unter bestimmten Bedingungen mit Zustimmung des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen eine Leitungsfunktion wahrnehmen. Gemäß KWG mussten Vorstände fachlich geeignet und persönlich zuverlässig sein. Daneben gab es für die Kandidaten aus der DDR eine weitere Voraussetzung. „Sie müssen von ihrer Persönlichkeitsstruktur geeignet sein, ein geschäftspolitisch autonomes, dem Wettbewerb ausgesetztes Institut zu leiten und ihren Mitarbeitern in Dienstauffassung, Einstellung und äußeren Verhaltensweisen Vorbild sein.“***** In der DDR hatten die Direktoren gemäß § 10 (3) des Einheitsstatuts von 1975 auch für die politische Linientreue der Belegschaft zu sorgen. Eine Rolle spielte demnach bei der Einbeziehung in die Vorstände auch ihr früheres Führungsverhalten.******

„In jedem Einzelfall wird zu prüfen sein, ob die derzeitigen Sparkassenleiter, 71 Frauen und 125 Männer, die nötigen Voraussetzungen, die für die (Mit-)Leitung einer marktwirtschaftlich und universell ausgerichteten Sparkasse im Wettbewerb mit privaten und genossenschaftlichen Banken zu erfüllen sind, mitbringen. Pauschallösungen verbieten sich hier, zumal auch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in jedem Einzelfall die Geschäftsleiterqualifikation gemäß § 33 Abs. 2 Kreditwesengesetz überprüfen wird.“ *******

Für den Übergang in die Marktwirtschaft war die Bestellung der gemischten Vorstände, die bei vielen Instituten verwirklicht werden konnte, von großer Bedeutung. So erinnerte sich auch der ehemalige Verbandspräsident 30 Jahre später.******** Regionale Marktkenntnis und marktwirtschaftliche Erfahrung wurden in der Geschäftsleitung kombiniert. Die Besetzung dauerte jedoch einige Zeit. So wies der Jahresbericht des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes für 1990/1991 nicht nur für die Kreissparkasse Angermünde (Abbildung) Ende 1991 erst einen einzigen Vorstand auf. Die Suche nach Führungskräften aus den alten Bundesländern war nicht ganz einfach. Das lag etwa an der Lage und Größe ostdeutscher Sparkassen. Und natürlich war auch die Besoldung mit ausschlaggebend, die im Osten niedriger ausfiel als im Westen. Deswegen erhielten Vorstände aus Westdeutschland Zuschüsse, damit sie nicht schlechter gestellt waren als bei den Herkunftssparkassen.*********

Fortsetzung am 21.08.2020

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* Als erstes Institut warb die Kreissparkasse Dippoldiswalde.

** Auch Stellvertreter für den Fall der Verhinderung mussten gefunden werden. Ihre Zahl war nach DDR-Sparkassengesetz geringer als die der Vorstandsmitglieder.

*** Ashauer, Günther: Personalpolitische Weichenstellungen in den ostdeutschen Sparkassen: Vorstandsbestellung, in: Sparkasse, 11/1990, S. 493

**** Künftig „gemischtes Doppel“ in DDR-Sparkassenvorständen, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 67, 31.08.1190, S. 2

***** Ashauer, S. 492

****** Diese Thematik wird nur kurz abgehandelt bei: Geiger, Walter/ Günther, Hans-Georg: Neugestaltung des ostdeutschen Sparkassenwesens 1990 bis 1995, Stuttgart, 1998, S. 180

******* Ashauer, Günther: Aufbruchstimmung, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 67, 31.08.1990, S. 1

******** Vgl. Müller, Peter: Das Unmögliche möglich gemacht, in: https://www.sparkassenzeitung.de/politik/sparkassengeschichte-das-unmoegliche-moeglich-gemacht, 09.02.2020

********* Vgl. Geiger/ Günther, S. 186 ff.

  • © Historisches Archiv des OSV/ Jahresbericht der Kreissparkasse Sangerhausen 2000

20 Jahre Internet-Filiale

Heute heißt sie Internet-Filiale. Bei ihrer Einführung vor 20 Jahren wurde sie Virtuelle Geschäftsstelle genannt. Als neuer Vertriebskanal für die Sparkassen in den vier Mitgliedsländern entwickelte sie der damalige Ostdeutsche Sparkassen- und Giroverband. Die neue Plattform im Internet zeichne sich durch eine besonders übersichtliche und kundenfreundliche Benutzerführung aus, schrieb der Verband im Jahresbericht 2000. Sie sei im Hinblick auf das Produktangebot ausbaufähig und bette sich gut in das Gesamtkonzept der Mehrkanalvertriebsstrategie der Sparkassen ein. Nicht etwa Selbstzweck oder Modetrend sei die „Internetschiene“, sondern ein zusätzlicher Service für die moderne Kundschaft, der die Dienstleistungen der Geschäftsstellen spürbar ergänze und abrunde.

Bei der Kreissparkasse Sangerhausen fand die Eröffnung des weiteren Vertriebsweges am 1. September 2000 im Rahmen des Altstadtfestes statt. Um sich für das Online-Banking fit zu machen, nutzten zu dieser Zeit viele Menschen die von der Sparkasse und der Kreisvolkshochschule gemeinsam angebotenen Kurse. Es ging nicht nur um die Verwaltung des Kontos von zu Hause aus. Man konnte zum Beispiel auf der Sparkassen-Homepage ein kostenloses Musterdepot führen und sein eigenes „Börsenspiel“ starten. Unter anderem bot die Seite einen großen Immobilienteil und Finanzierungsangebote. Als regionales Geldinstitut wollte die Sparkasse auf Veranstaltungen hinweisen, natürlich auch auf solche, die sie selbst unterstützte. Vielfältig war das Angebot, das noch ausgebaut wurde.

Zweifellos ist die Etablierung der Geschäftsstelle im Internet ein wichtiger Meilenstein in der jüngeren ostdeutschen Sparkassengeschichte. Heute ist sie wichtiger denn je. Von der Innovation vor 20 Jahren soll darum auch in diesem Jahr den Auszubildenden der Sparkassen berichtet werden, die an den Einführungsseminaren der Nord- Ostdeutschen Sparkassenakademie in Potsdam teilnehmen. Auf dem Stundenplan steht die Historie morgen für die Azubis der Sparkasse Mansfeld-Südharz. Die Kreissparkasse ging 2008 in ihr auf. Bestimmt interessiert die Teilnehmenden die Internet-Filiale, die wohl in den meisten Fällen älter ist als sie selbst.

  • Sparbuch der Stadtsparkasse Karl-Marx-Stadt/ Chemnitz - In Millionen Sparkassenbüchern musste vor 30 Jahren händisch die Umstellung auf DM vermerkt werden. : © Historisches Archiv des OSV

„DDR-Sparkassen bewältigen gewaltiges Arbeitspensum“

Blogserie, Teil 44

Unter dieser Überschrift veröffentlichte die Deutsche Sparkassenzeitung auf Seite 1 eine Leistungsbilanz der ostdeutschen Sparkassen für die ersten vier Wochen seit der Währungsunion.* Die zugrunde liegende Pressemeldung des Sparkassenverbandes der DDR datiert auf den 27. Juli 1990. Sie enthält interessante Fakten zur Leistung der Sparkassen vor 30 Jahren. Demnach betrug der Arbeitsumfang damals fast das Fünffache der Vorjahre.** Für die Beschäftigten gab es seit Monaten kein normales Wochenende mehr. Oft musste täglich 12 Stunden gearbeitet werden. Hervorgehoben wurde, dass dies vor allem Frauen betraf, die in der Mehrzahl Kinder im Alter bis 6 Jahren und im schulpflichtigen Alter hatten.

Nach der ersten Juliwoche war die Ausnahmesituation noch nicht vorbei. Durch über 4 Millionen Vorgänge wurden 10 Milliarden Deutsche Mark von den Sparkassen ausgezahlt. Der Bargeldbestand in der DDR, der wegen des alleinigen Umtauschs auf Konten praktisch nicht mehr vorhanden war, wurde so wiederhergestellt. Die Meldung erwähnt, dass seit dem 9. Juli mehr als 5 Millionen Kunden fast 17 Millionen Umstellungsbelege und ihre ersten neuen Kontoauszüge abgeholt hatten. 4 Millionen Kunden ließen sich die umgestellten DM-Beträge in ihre Sparkassenbücher eintragen, um frei über das Geld verfügen und weiter sparen zu können.***

Per Rundschreiben waren die 196 Sparkassen von ihrem Verband rechtzeitig über die notwendige Kennzeichnung informiert worden. Die Staatsbank der DDR gab vor, die nächste freie Zeile unter dem letzten Eintrag durch einen Doppelstrich zu entwerten. In die folgende Zeile musste in den Spalten Datum, Rückzahlung und Einzahlung ein spezieller Stempel**** angebracht werden. In die Spalte Guthaben war der neue Saldo laut Umrechnungsabrechnung in Deutsche Mark einzutragen. Dass bei dem abgebildeten Sparbuch Spalten bereits mit DM bezeichnet sind, soll Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht irritieren. Gedruckt wurde es, als die Währung im Osten noch Deutsche Mark der Deutschen Notenbank hieß.

Wichtig war die rasche Eintragung vielen Menschen auch wegen der neuen Möglichkeit des Freizügigkeitsverkehrs mit den bundesdeutschen Sparkassen ab dem 9. Juli 1990.***** So konnten Sparkassenkunden sich maximal 2.000 DM innerhalb von 30 Tagen bei einer Sparkasse in der Bundesrepublik vom Sparbuch auszahlen lassen. Auch Einzahlungen waren möglich. Die zentrale Verrechnung erfolgte über die Stadtsparkasse Magdeburg. Zur Information der westdeutschen Institute hatte der DDR-Verband ein Merkblatt übersandt. Sie wurden unter anderem mit den unterschiedlichen Ausführungen der Sparkassenbücher bekannt gemacht.****** Von den „Notsparbüchern“ im Faltblattformat ist bereits berichtet worden. Daneben kursierten gleich drei Versionen mit rotem Pappeinband und DDR-Sparkassenlogo. Eingestanzt war in Goldschrift Deutsches Sparkassenbuch, Sparkassenbuch oder Sparbuch.

Fortsetzung am 31.07.2020

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* Vgl. DDR-Sparkassen bewältigen gewaltiges Arbeitspensum, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 60, 07.08.1990, S. 1

** Vgl. Presseinformation der Sparkassenverbandes der DDR: Fakten zur Arbeit der Sparkassen in den ersten 4 Wochen nach der Währungsumstellung, 27.07.1990, S. 2; Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA 102 4/1999

*** Vgl. ebd., S. 1

**** Die Stempel bestellte der Verband bei der Firma Schmorrde in Löbau, welche diese direkt an die Sparkassen liefern sollte. Vgl. Sparkassenverband der DDR – Verbandsdirektor Horst Oberländer an die Direktoren der Sparkassen und Bezirksgeschäftsstellen, 21.06.1990; Bestand: Historisches Archiv des OSV, Rundschreibenbestand

***** Die Sparkassenbücher der westdeutschen Sparkassen waren hingegen vorerst nicht zum Freizügigkeitsverkehr im Osten zugelassen. Vgl. Sparkassenverband der DDR – Verbandsdirektor Frank Axel: Rundschreiben Nr. 10, 04.07.1990, S. 1; Bestand: Historisches Archiv des OSV, Rundschreibenbestand

****** Vgl. Sparkassenverband der DDR – Verbandsdirektor Frank Axel an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband – Herrn Lux betr. Freizügiger Sparverkehr DDR/BRD, 19.06.1990, Anlage 1 – Merkblatt, S. 1; Bestand: Historisches Archiv des OSV, Rundschreibenbestand