• Der Vorstandsvorsitzende der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, Andreas Schulz, stellte die Jubiläumsaktivitäten vor. Der Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald, Sven Herzberger, hielt eine Rede. Die Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming, Kornelia Wehlan, kam auch dazu. : © Historisches Archiv des OSV

  • kurzweilige Ausstellungsführung durch den Verbandshistoriker unter anderem für Landrätin Kornelia Wehlan : © Historisches Archiv des OSV

200 Jahre Sparkasse in Lübben und Luckau

Anlässlich der Gründung der Hauptsparkasse der Niederlausitz vor 200 Jahren starteten am 29. Mai 2024 in der Lübbener Geschäftsstelle die Jubiläumsaktivitäten der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam. Das Historische Archiv des OSV unterstützt dabei nicht nur mit zwei Wanderaustellungen des Verbandes, die in Lübben und Luckau Station machen. Wir liefern auch ein vielfältiges Begleitprogramm. So war es zum Beispiel gestern meine Aufgabe, zur Historie der Sparkasse in der Region zu referieren und Highlights der Ausstellung Geldgeschichte(n) anzusprechen. Da durften unterhaltsame Storys nicht fehlen.

„Vier Groschen, die der Gesell wöchentlich zurücklegt, und, anstatt auf den Tanzboden, oder in die Bierhäuser, in die Spaarbank trägt, wachsen in 20 Jahren bis auf 258 Reichstaler.“ Solche Sätze standen zum Beispiel in einer Werbeschrift, die vor der Eröffnung 1824 im Markgraftum Niederlausitz Verbreitung fand. Angesprochen wurden auch ärmere Beamte, Handwerksleute, Dienstboten und Tagelöhner. Oder Eltern, die für die Kinder sparen konnten, damit diese dann ein Lehrgeld hatten. Auch ein Flugblatt lief um. Darin rief man Prediger, Schullehrer, Gemeindevorsteher, Armenpfleger und Familienväter auf, für Sparkassenkunden in den „niederen Volksklassen“ zu sorgen, damit sich deren „moralischer Charakter“ verbessere.

Der Gründungsgedanke nicht nur bei dieser Sparkasse war es, den nichtvermögenden Menschen eine Einrichtung zu schaffen, die ihnen das Vorsorgen durch Sparen ermöglichte. Die Hauptsparkasse wurde eröffnet, „damit die Einwohner der Provinz Gelegenheit erhalten, ihre kleinen Ersparnisse nicht nur sicher, sondern auch zinsbar unterzubringen, und sich ein Capital zu sammeln, welches sie bei Verheurathungen, Ergreifung eines Gewerbes, im Alter und im Falle der Noth benutzen können.“ So ist es im Statut zu lesen, das Sie in der Ausstellung finden. Es ging also darum, dass die Menschen sich ihr Leben verbessern und Ziele verwirklichen konnten.

Auch andere geschichtsträchtige Objekte werden vor Ort präsentiert. Ein Taler aus dem Königreich Preußen spielte im Rahmen der kleinen Ausstellungsführung eine entscheidende Rolle. Mit seiner Hilfe wurde verdeutlicht, dass die Mark ursprünglich keine Währungsbezeichnung, sondern eine Gewichtseinheit war. Aus einer Mark feinen Silbers prägte man nämlich lange Zeit 14 Taler. Ein richtiges Dezimalsystem gab es auch noch nicht. Zur Gründungszeit der Sparkasse bestand der Taler aus 30 Silbergroschen. Zwölf Pfennige machten einen Silbergroschen.

Am 28. Juni 1824 beschloss der Landtag der Niederlausitz die Satzung der Sparkasse. Am Hauptsitz Lübben begann der Geschäftsbetrieb am 1. Oktober und bei der Nebenkasse in Luckau am 9. Oktober des Jahres. Zum Geschäftsgebiet der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam kamen die Orte übrigens viele Jahre später. Zum 1. Januar 2005 fusionierte die damalige Sparkasse Dahme-Spreewald. In ihr waren wiederum zum 1. Juli 1993 die Kreissparkassen Lübben und Luckau aufgegangen.

  • Die Provisorische Regierung im Dresdner Rathaus Anfang Mai 1849 (Druck nach einer zeitgenössischen Zeichnung, in: Blum, Hans: Die deutsche Revolution 1848-49, 1897, S. 405; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

Die Mairevolution in Dresden

„Da die Sparkasse 1848 ihre Krisenfestigkeit erwiesen hatte, blieb sie in den Maiunruhen des Jahres 1849 unangefochten, obwohl das Rathaus dieses Mal wirklich von Aufständischen besetzt wurde.“

So schrieb Josef Wysocki in der Chronik anlässlich des 175. Jubiläums der Stadtsparkasse Dresden 1996. Der Ausbruch der Märzrevolution 1848 verängstigte viele Dresdner Sparkassenkunden. Sie fürchteten um die Sicherheit ihrer Ersparnisse, die sie in der Sparkasse im Rathaus verwahrt und nicht als Kredite angelegt glaubten. Es folgte ein Schaltersturm. Allein im März und April wurden 65.524 Taler mehr abgehoben als eingezahlt. Der Sparkasse gelang es mit staatlicher Hilfe, allen Rückzahlungswünschen zu entsprechen. Dadurch beruhigte sich die Lage. Insgesamt betrug der Auszahlungsüberschuss in dem Jahr 87.538 Taler. 1849 nahmen die Einlagen hingegen zu.

Im Gegensatz zur preußischen Hauptstadt Berlin, wo es am 18. März 1848 zum Barrikadenkampf kam, blieb es in Sachsen im Frühjahr des ersten Revolutionsjahres friedlich. Vor 175 Jahren aber erfolgte in Dresden eine große gewaltsame Auseinandersetzung. Hintergrund des Maiaufstandes war der Konflikt um die Anerkennung der von der Frankfurter Nationalversammlung beschlossenen Reichsverfassung. Weil das sächsische Parlament für die Verfassung stimmte und die Steuerbewilligung verweigerte, löste es König Friedrich August II. am 28. April auf. Danach gab es erfolglose öffentliche Versammlungen und Petitionen mit der Forderung, dass der Monarch die Verfassung annehmen sollte.

Indes wandte sich der königliche Minister Friedrich Ferdinand von Beust an Preußen und bat um die Bereitstellung von Truppen. Wegen des Einsatzes der sächsischen Armee im Schleswig-Holsteinischen Krieg waren nämlich wenig Soldaten verfügbar. Als diese Anforderung bekannt wurde, versuchten Dresdner Bürger am 3. Mai das Zeughaus zu stürmen, um Waffen gegen die Invasoren zu bekommen. Dabei gab es die ersten Toten. Nun brach ein Aufstand los, den einige Revolutionäre schon länger vorbereitet hatten, um ihre demokratischen Vorstellungen letztlich gewaltsam durchzusetzen.

Die Minister und die königliche Familie flohen am 4. Mai auf die Festung Königstein. Im Dresdner Rathaus bildete sich eine Provisorische Regierung aus Otto Leonhard Heubner, Samuael Erdmann Tzschirner und Karl Gottlob Todt. Sie organisierte den Widerstand gegen sächsisches und dann auch preußisches Militär. Zum Führungskreis gehörte der bekannte russische Revolutionär Michael Bakunin. Auch Prominente wie Richard Wagner und Gottfried Semper beteiligten sich aktiv am Aufstand.

Auf dem Altmarkt und in den umherliegenden Straßen wurden Barrikaden errichtet, danach alle Straßen und Plätze bis in die Vorstädte abgesichert. Es gab erbitterte Gefechte. Letztlich zeigten sich die Aufständischen, darunter Mitglieder der Turnerbewegung und von Kommunalgarden, der militärischen Übermacht unterlegen. Regierung und Kämpfer verließen Dresden am 9. Mai. Berichtet wird, dass Soldaten gefangene Gegner folterten und ermordeten. Einige Anführer konnten ins Ausland flüchten. Andere erwarteten lange Haftstrafen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes begann in Sachsen eine Ära der Restauration. So wurde etwa die Vereins-, Versammlungs- und Pressefreiheit wieder abgeschafft.

  • © Historisches Archiv des OSV/ Depositum der Sparkasse Meißen

Durch Rationalisierung der Arbeit zu schnellerer Kundenbedienung

1. Mai – Internationaler Kampftag aller Werktätigen. Die Kreissparkasse Dresden war 1967 mit einem Lastkraftwagen bei der Demonstration dabei. Die in die DDR-Planwirtschaft eingebundene Sparkasse wies auf ihre Leistungen hin. Außerdem trug ein straßenseitig angebrachtes Schild die Losung „Durch Rationalisierung der Arbeit zu schnellerer Kundenbedienung“. Eine Frau hatte das mit ihrer Büromaschine zu veranschaulichen. Die Beschleunigung der Geschäftsvorfälle war unter anderem notwendig, weil sich der Kundenverkehr wegen der verkürzten Arbeitswoche auf fünf Tage zusammendrängte.

Durch die Einführung der „komplexen Einmann-Bedienung“ sollte Abhilfe geschaffen werden. Mann beziehungsweise Frau war gleichzeitig für das Kassieren, Quittieren und die Eintragungen in die Sparbücher zuständig. Demonstrierte etwa die zweite Frau am Tisch, dass es dabei kein Vier-Augen-Prinzip mehr gab? Die Einmann-Bedienung wurde ab 1965 bei der Kreissparkasse eingeführt. Dafür mussten einseitig ausgebildete und eingesetzte Beschäftigte qualifiziert werden.

Die Weiterbildung stellte auch einen Punkt in den Vereinbarungen dar, die sie mit dem Direktor treffen konnten, um möglicherweise den Ehrentitel „Kollektiv der sozialistischen Arbeit“ zu erhalten. 1967 nahmen zehn Teams der Sparkasse am Wettbewerb teil. Drei Kollektive in Radeberg und Langebrück wurden ausgezeichnet. 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichten dabei „gute Ergebnisse in ideologischer und ökonomischer Hinsicht“, so der Jahresbericht der Sparkasse.

  • Die Sparkasse der Stadt befand sich im Rathaus in der Mitte des Marktes. Dort war ein Hinweisschild angebracht. (Ansichtskarte Verlag H. Rubin & Co. in Dresden-Blasewitz, versendet 1924; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

  • Eine Filiale der Saalesparkasse gibt es heute links am Markt. (Ansichtskarte Verlag Carl Schulze in Lauchstädt, versendet 1906; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

Lauchstedt vs. Lauchstädt

Das Historische Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbandes verfügt über eine große Sammlung von Ansichtskarten mit Abbildungen historischer Sparkassen. Da finden sich auch einige Kuriositäten, zum Beispiel dieses vor genau 100 Jahren versendete Exemplar. Kennen Sie Lauchstedt? Das ist eine Stadt mit langer Geschichte, die gleich mehrfach ihren Namen änderte.

So wurde 1925 aus Lauchstedt offiziell Lauchstädt. Diese Schreibweise wurde aber schon länger verwendet, nicht nur von der 1858 gegründeten Sparkasse, die im Rathaus saß. Die zweite Abbildung des Beitrags verdeutlicht das. Die Zusatzbezeichnung „Bad“ fungierte übrigens erst ab 1925 als Teil des Stadtnamens. Damals gab es schon über 200 Jahre einen Kurbetrieb mit heilkräftigem Quellwasser.

Nicht nur als Kur-, sondern auch als Kulturstätte gewann die Stadt Bekanntheit. Seit 2008 besteht sie daher mit dem Namen Goethestadt Bad Lauchstädt. Vor Ort können Sie ein einzigartiges historisches Theater aus der Zeit des „Dichterfürsten“ besuchen. Und falls Sie vorher zur Sparkasse wollen: Sie befindet sich heute am Markt 8.

  • Sparkassenfiliale in Neubrandenburg - Stargarder Straße 13, 2024 : © Thomas Einert

Spurensuche in Neubrandenburg

Zu Ostern bin ich von Neubrandenburg nach Neustrelitz gewandert. Am Beginn des Fußmarsches stand eine Stadtbesichtigung. Empfehlenswert ist eine Umrundung der Neubrandenburger Innenstadt entlang der Mauer mit ihren beeindruckenden Toren, Türmen und Wieckhäusern. Innerhalb des Rings gibt es jedoch wenig uralte Substanz zu sehen. Vergeblich sucht man etwa den Gründungsort der Ersparnis-Anstalt zu Neubrandenburg, die am 20. Juni 1852 im Haus des Kaufmanns J. C. H. Volckmann an der Ecke Turmstraße/ Palaisstraße eröffnete. Jetzt steht an der Stelle, mit der Adresse Stargarder Straße 19, das verwaiste Kaufhof-Gebäude. Das Haus wurde übrigens in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre als Kaufhaus errichtet.

Doch zurück zur Sparkasse. Nach mehreren Umzügen kam sie 1870 in einem neuerbauten Haus in der Stargarder Straße 8 unter. Dort blieb sie bis 1945. Ende April verbrannten im Zuge der Eroberung durch die Rote Armee rund 80 Prozent der Innenstadt. Viele Fachwerkhäuser wurden vollkommen zerstört. Massive Steinbauten, wie die Sparkasse in der damaligen Adolf-Hitler-Straße, brannten aus. Der schrittweise Neuaufbau der in Trümmern liegenden Stadt begann erst nach einigen Jahren. Die Straße war mittlerweile nach Ernst Thälmann benannt und als Magistrale gedacht. In ihrem nördlichen Abschnitt entstanden Gebäude von öffentlichem Interesse. Dazu kamen Laden- und Wohnbauten. Eine solche Funktion hat auch das zwischen 1955 und 1957 errichtete Haus, welches heute die Sparkassenfiliale in der Stargarder Straße 13 beherbergt.

  • Im „Schickler-Palais“ in der Gertraudenstraße 16/17 hatte der DSGV seinen Sitz in Berlin (Foto von 1922) : © Sparkassenhistorisches Dokumentationszentrum des DSGV

  • Dr. Ernst Kleiner, Präsident des DSGV 1924-35 (Foto um 1926) : © Sparkassenhistorisches Dokumentationszentrum des DSGV

  • Das aus den Buchstaben „DSGV“ geformte erste Signet der Sparkassenorganisation, entworfen vom Grafiker Karl Schulpig : © Sparkassenhistorisches Dokumentationszentrum des DSGV

Vor 100 Jahren: Gründung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes in Berlin

In der Geschichte der Sparkassen-Finanzgruppe kommt dem Jahr 1924 eine besondere Bedeutung zu. Es war nicht nur das Jahr, in dem Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland begannen, sich von Verwerfungen der Inflationszeit zu erholen. Es war auch das Jahr, in dem sich die bis dahin separat bestehenden Sparkassen-, Giro- und Kommunalbanken- organisationen unter einem Dach, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband, vereinigten.

Die Sparkassenorganisation war dabei die älteste Wurzel. Sie war bereits 1884 entstanden, als sich der Sparkassenverband für Westdeutschland in Deutscher Sparkassenverband umbenannte und für Sparkassen aus allen Teilen des Deutschen Reichs öffnete. Der Deutscher Sparkassenverband agierte seitdem als Spitzenverband, der die Interessen der Sparkassen sowohl gegenüber den Institutionen des Deutschen Reichs als auch Preußens vertrat.

Die Giroorganisation war etwa ein Vierteljahrhundert später ins Leben getreten. Der Nossener Bürgermeister und Sparkassenvorsitzende Dr. Johann Christian Eberle hatte 1908 in Sachsen den ersten Giroverband gegründet, um einen Überweisungsverkehr zwischen den Sparkassen durchführen zu können. In der Folgejahren entstanden weitere regionale Giroverbände mit Girozentralen als Clearingstellen. Sie gründeten 1916 den Deutschen Zentral-Girover­band als ihren Dachverband.

Kommunalbanken waren erst während und nach dem Ersten Weltkrieg von Städten und Kreisen errichtet worden, weil die Rentabilität der Sparkassen durch die Inflation erheblich gesunken war. Diese Stadt- und Kreisbanken waren nicht so scharf reguliert wie die Sparkassen, weshalb sie gewinn- trächtigere Geschäfte machen konnten. 1921 schlossen sie sich im Deutschen Verband der kommunalen Banken zusammen.

Bereits bei der Gründung des Kommunalbankenverbandes wurde beschlossen, die drei Spitzenverbände baldmöglichst zu fusionieren. Die daraufhin eingeleiteten Verhandlungen zogen sich jedoch hin. Erst im Frühjahr 1924 waren die letzten Hindernisse aus dem Weg geräumt, sodass am 15. März des Jahres im Charlottenburger Rathaus der neue Einheits- verband unter dem Namen Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gegründet werden konnte. Den Vorsitz übernahm Dr. Ernst Kleiner, der zuvor den Deutschen Zentral-Girover­band geleitet hatte.

Der DSGV nahm nicht allein die typischen Verbandsfunktionen wahr. Er war auch Träger einer eigenen „Bankanstalt“, der Deutsche Girozentrale. Diese war zugleich Spitzeninstitut für den Giroverkehr und Geschäftsbank mit eigenem Kredit­geschäft. Um die Trägerschaft für die DGZ wahrnehmen zu können, besaß der DSGV die Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Der neue Verband entwickelte rasch eine beeindruckende Aktivität auf vielen Gebieten. Noch 1924 richtete er einen Zentralen Werbeausschuss ein und gab die „Deutsche Sparkassen-Zeitung“ heraus, die als Sprachrohr des Verbandes sowohl in die Sparkassenorganisation als auch in die Öffentlichkeit hinein wirkte. Im Oktober desselben Jahres nahm eine Delegation des DSGV am 1. Internationalen Sparkassenkongress in Mailand teil, wo die Gründung eines Internationalen Instituts der Sparkassen und die Einführung des Weltspartags beschlossen wurden.

Seine politische Schlagkraft bewies der DSGV in den ersten Jahren seines Bestehens, indem er die Sparkassen erfolgreich gegen Kritik verteidigte, sie würden zunehmend mit den privaten und genossenschaftlichen Banken konkurrieren und dabei ihre originären Aufgaben vernachlässigen.

Der Übergang von der Weimarer Republik in das sog. „Dritte Reich“ gelang dem DSGV und seinem Führungspersonal weitgehend reibungslos. Der Verband passte sich an die neuen Gegebenheiten an und diente den politischen und wirtschaftlichen Zielsetzungen der NS-Diktatur.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte der DSGV seine Arbeit ein, ohne jedoch aufgelöst zu werden. In den westlichen Besatzungszonen konstituierte sich 1947 eine Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen. Sie wuchs sukzessive in die Aufgabenstellungen eines Spitzenverbandes hinein und erhielt 1950 die Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Drei Jahre später nahm die Arbeitsgemeinschaft den Namen Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V. an.

Der ‚alte‘ DSGV, der fortan in Abgrenzung zu seinem Namensvetter mit dem Zusatz „ö.K.“ („öffentliche Körperschaft“) bezeichnet wurde, blieb dennoch bestehen. Er fungierte aber nicht mehr als Dachverband der Sparkassen- organisation, sondern nur noch als Träger der DGZ, die in der Bundes- republik 1949 als „verlagertes Geldinstitut“ anerkannt worden war und seit 1954 wieder alle Bankgeschäfte betrieb. Diese Funktion nimmt der DSGV ö.K. heute für die DekaBank Deutsche Girozentrale wahr.

Dr. Thorsten Wehber
Leiter des Sparkassenhistorischen Dokumentationszentrums
Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V., Bonn

Literatur:
Josef Hoffmann: Deutsche Sparkasseneinheit. Prinzipien · Politik · Organisation. Stuttgart 1969.
(Franz) Künzer: Der Einheitsverband, in: Sparkasse, Nr. 1149 v. 27. März 1924, S. 177-179.
Jürgen Mura: Geschichte der Sparkassen- und Giroverbände, in: Ders.: Entwicklungslinien der deutschen Sparkassengeschichte. Stuttgart 1987,
S. 51-65.
Janina Salden: Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband zur Zeit des Nationalsozialismus. Stuttgart 2019