• Albrechtsburg Meissen

    In der Albrechtsburg befand sich die bekannte Porzellanmanufaktur von 1710 bis 1863. (Ansichtskarte Verlag F. Schmuck in Dresden, versendet 1905; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Johann Gottfried Miersch Meissen

    Johann Gottfried Miersch war einer der Gründer der Sparkasse in Meißen (Abb. in: 100 Jahre Städtische Sparkasse Meißen, bearb. von Arthur Thessel, 1928; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Personal Porzellanmanufaktur Meissen 1827

    Insbesondere für die Arbeiter des bedeutenden Staatsbetriebes wurde die Sparkasse in Meißen 1828 eröffnet. : © Historisches Archiv des OSV

Von der Porzellanmanufaktur und der Sparkasse in Meißen

Fortschrittlich denkende Bürger waren es, denen Meißen die Gründung einer Sparkasse vor fast 190 Jahren zu verdanken hat. Die wohltätige Gesellschaft „zu Rath und Tath“ rief nämlich kurz vor Weihnachten 1827 „alle Freunde des Guten und Nützlichen“ zur Gründung eines Sparkassen-Vereins auf. In der Anfangszeit des sächsischen Sparkassenwesens waren es vor allem Privatpersonen, die die Initiative ergriffen.*

Unter anderem tüchtige Meißener Kaufleute engagierten sich und steuerten Geld zu einem Sicherheitsfonds bei. Nachdem eine Satzung die Genehmigung der königlichen Regierung in Dresden erhalten hatte, konnte der Verein bei einer Versammlung am 21. Mai 1828 die Posten in Geschäft und Verwaltung der Sparkasse besetzen.

Dem Verwaltungsorgan des Instituts gehörten zum Beispiel Johann Gottfried Miersch und Johann Gottlieb Lommatzsch an. Sie waren im Bereich Malerei der bekannten Porzellanmanufaktur tätig. Dort wurden die Produkte kunstvoll gestaltet, etwa mit Blumen, Landschaften oder Figuren versehen. Christian Gottlob Steuer, der Kassierer der Manufaktur, übernahm das Ehrenamt des Kontrolleurs und Protokollführers der Sparkasse.

Für die Einwohner Meißens und der näheren Umgebung war sie gedacht, und speziell für die Arbeiter des Staatsbetriebes. Sie wurden in den Statuten konkret angesprochen. Ende 1827 waren bei der Manufaktur 354 Personen beschäftigt, davon allein 121 in der Porzellanmalerei. Betriebliche Versicherungseinrichtungen für die Pension, den Krankheits- oder Todesfall kannten sie bereits. Nun erhielten sie mit der Sparkasse des Vereins eine Möglichkeit zum individuellen und universellen Vorsorgen.

Ab dem 11. Juni 1828 konnte gespart werden. Die Eröffnung fand im Geschäftshaus der beiden Kassierer, zweier Kaufleute, am Heinrichsplatz statt. Zum 1. Januar 1837 ging dann die Verwaltung der Sparkasse auf die Stadt Meißen über. Damals betrugen die Einlagen 30.603 Taler, 10 Groschen und 6 Pfennige. Wie viel wohl die Beschäftigten der Porzellanmanufaktur schon gespart hatten? Mittlerweile arbeiteten dort 371 Menschen.

 

* Mehr dazu können Sie lesen in: Handschuh, Georg Andreas: Der öffentliche Auftrag der sächsischen Sparkassen. Von der Inpflichtnahme Privater über die Reglementierung als öffentliche Aufgabe bis zur Geschäftstätigkeit nach eigentümergeprägten Oberzielen, Baden-Baden, 2010

  • Alte Borese Naschmarkt Leipzig

    In der Alten Börse trafen sich am 27. Februar 1821 die Gründungsväter der Sparkasse. (Lithografie von Adolph Werl, 1860) : © Historisches Archiv des OSV

  • Neue Waage Leipzig

    In der Neuen Waage vor dem Hallischen Tor befanden sich Sparkasse und Leihhaus. (Abb. in: Below, Eduard: Das Leihhaus und die Sparcasse zu Leipzig, Leipzig, 1876; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

  • Brockhaus Leipzig Druckerei Maschinensaal

    Der Stich von 1867 zeigt den Maschinensaal von Brockhaus in Leipzig. Der Verleger Heinrich Brockhaus war der erste Leipziger Unternehmer, der 1828 einen Hypothekenkredit der Sparkasse erhielt. : © Historisches Archiv des OSV

  • Stempel Siegelmarke Sparkasse Leipzig

    Stempel und Siegelmarke zeigen das Wappen der Stadt Leipzig. 1912 waren die beiden Abteilungen I und II der Sparkasse wieder vereint. Das Leihhaus wurde fortan getrennt verwaltet. : © Historisches Archiv des OSV

Aus der Geschichte der Sparkasse und des Leihhauses zu Leipzig

Kennen Sie das Gebäude? Dies ist die Alte Handelsbörse auf dem Leipziger Naschmarkt. Das altehrwürdige Haus wird heute für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Früher versammelten sich hier Kaufmänner zu geschäftlichen Zwecken. Eine andere Absicht führte jedoch am 27. Februar 1821 viele bedeutende Bürger der Stadt an diesen Ort. Einer Einladung des Universitätsprofessors Hans Friedrich Pohl waren unter anderem wohlhabende Handelsleute gefolgt.

Pohl und einige andere Mitglieder der Leipziger Ökonomischen Sozietät, einer Gesellschaft zur Förderung der sächsischen Wirtschaft, wollten den Sparkassengedanken gern auch in Leipzig verwirklicht sehen. Einwohner mit geringem Einkommen sollten die Möglichkeit bekommen, mit kleinen Sparbeträgen selbst etwas für die Zukunft vorzusorgen. Die gemeinnützig denkenden Männer wählten darum an jenem Tag im Februar 1821 einen Ausschuss, der einen Gründungsplan erarbeitete.

Es sollte aber keine Sparkasse mit Privathaftung entstehen. Schon frühzeitig war die kommunale Garantie angedacht. Die Stadt führte dann die Vorarbeiten zur Gründung fort. Ab dem 25. März 1823 beschäftigte sich ein Komitee von Ratsherren damit. Der führende Kopf war der Senator, Großhändler und spätere ehrenamtliche Kassenleiter Ludwig Hartz. Geplant wurde, die Sparkasse mit einem Leihhaus zu verbinden. Dort konnten die Menschen in Notsituationen Wertgegenstände verpfänden und Geld zu erträglichen Zinsen borgen.

Die fertige Satzung beider Anstalten konnte der Stadtrat dann Mitte 1824 nach Dresden senden. Die staatliche Genehmigung erfolgte dort erst am 26. September 1825, weil die königliche Regierung noch Änderungen wünschte. Nun mussten noch geeignete Geschäftsträume und Personal gefunden werden. Schließlich konnte am 20. Februar 1826 die Leihanstalt eröffnen. Die Sparkasse folgte zwei Tage später. Damit war, nach einer Gründung in Zittau, die zweite Stadtsparkasse Sachsens entstanden.

Spar- und Leihkasse befanden sich im Gebäude der Neuen Waage vor dem Halleschen Tor in der Packhofstraße. Ein Buchhalter und ein Kontrolleur taten dort Dienst. Außerdem gab es noch eine Schreibkraft und einen Hausdiener. Ein Magistratsmitglied war Aufsichtsperson. Vor 190 Jahren hatten die Institute abwechselnd immer vormittags geöffnet. Zunächst waren nur Mittwoch und Samstag Sparkassentage. Bald wurden die Öffnungszeiten erweitert. Die Sparkasse war gut besucht. Allein bis Ende Februar 1826 zahlten die Kundinnen und Kunden 5.485 Taler und 22 Groschen ein. 2.000 Taler erhielt das Leihhaus als Vorschuss.

Weil die städtische Sparkasse bei den Leipzigerinnen und Leipzigern großen Zuspruch fand, mussten bald weitere Anlagemöglichkeiten gefunden werden. Es wurde also auch in Wertpapiere, Kommunalanleihen und Hypotheken investiert. Der erste bekannte Leipziger Unternehmer, der einen Grundkredit erhielt, war 1828 der Verleger Heinrich Brockhaus. Mit der Industrialisierung der Stadt und der Zunahme der Bevölkerung wuchs auch die Sparkasse. Das Kreditgeschäft florierte. Die Einlagen stiegen. Rasant zeigte sich die Entwicklung nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871.

Leipzig war nun eine Großstadt. Eingemeindungen brachten ab 1889 neue Zweigstellen. Zeitweilig bestanden ehemalige Vorortsparkassen auch als Filialen der Sparkasse Leipzig II mit Sitz in Reudnitz weiter. Ab 1912 gab es dann nur noch ein Institut: die Sparkasse der Stadt Leipzig. Ihr Hauptsitz befand sich im Stadthaus am Burgplatz. Die kommunale Leihanstalt wurde mittlerweile gesondert verwaltet.

Wenn Sie gern mehr zur Geschichte der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig erfahren wollen, besuchen Sie doch einmal das Sparkassenmuseum in der Schillerstraße 4.

  • Damit die Gemeindesparkasse eröffnet werden konnte, musste eine Genehmigung des Statuts durch die königliche Regierung vorliegen. Am 17. Oktober 1865 erfolgte die Erlaubnis des Dresdner Innenministeriums per Dekret. : © Historisches Archiv der Sparkasse Mittelsachsen

  • Taler Koenig Johann Sachsen

    Während der Regentschaft König Johanns bekam Lichtenberg eine Sparkasse. Das Konterfei des Regenten zierte damals sächsische Taler. Rund 7.420 Taler betrugen die Gesamteinlagen bei der Gemeindesparkasse nach einem Jahr. : © Historisches Archiv des OSV

  • Siegelmarke Gemeinde Lichtenberg

    Eine alte Siegelmarke zeigt das Wappen der Sparkassengemeinde. Solche Marken dienten zum Verschließen von Briefen. Auch Sparkassen nutzten sie. : © Historisches Archiv des OSV

  • Damit "kleine Leute" sparen konnten, ließ die Gemeinde Einzahlungen ab fünf Neugroschen zu. : © Historisches Archiv des OSV

  • Ansichtskarte Sparkasse Lichtenberg 1940

    Die Postkarte zeigt das Gebäude, in dem sich heute die Gemeindeverwaltung befindet. Auch die Sparkasse Mittelsachsen ist hier vor Ort. In einem links angrenzenden Neubau wird die Kundschaft empfangen. (Ansichtskarte Verlag E. M. Arnold in Brand-Erbisdorf, vmtl. 1936; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Vor 150 Jahren: Lichtenberg im Erzgebirge erhält eine Sparkasse

Genau 150 Jahre ist es her, dass in der Gemeinde Lichtenberg eine Sparkasse eröffnet wurde. Der 7. Januar 1866 war der erste Geschäftstag des kommunalen Geldinstituts. Das war ein Sonntag. Anfangs war immer am Sonntagmittag zwischen 11:00 und 13:00 geöffnet. Ja, die sächsische Regierung hatte solche Öffnungszeiten sogar empfohlen. So konnten Werktätige an ihrem oft einzigen freien Tag Geldgeschäfte erledigen. Es galt also schon damals, die Bedürfnisse der Kundschaft zu beachten.

Etwa 1.800 Einwohner hatte das Dorf zu der Zeit. Die Absicht des sächsischen Staates und der Lichtenberger Gemeindeväter war es, insbesondere den minderbemittelten, also nichtvermögenden Menschen eine Gelegenheit zum Sparen zu bieten. Zum Beispiel arbeitstätige Männer und Frauen konnten, im Rahmen ihrer sicher oft begrenzten Möglichkeiten, durch kleine Beträge etwas vorsorgen. In Lichtenberg wurden Einzahlungen ab fünf Neugroschen angenommen. Soviel kostete Anfang 1866 etwa ein 15-Liter-Eimer Kartoffeln. Nur zehn Neugroschen betrug Ende des Jahres der Stand des kleinsten Kontos.

Zu jedem Konto gehörte ein Einlagenbuch, in dem nicht nur Name und Wohnort, sondern auch der Stand beziehungsweise das Gewerbe verzeichnet werden sollten. Nach Ablauf des ersten Geschäftsjahres existierten 223 solcher Sparbücher, mit insgesamt 7.419 Talern, 27 Neugroschen und zwei Pfennigen Guthaben. Und wie wurde das Geld von der Sparkasse angelegt? Es gab damals nicht nur hypothekarisch, sondern auch durch Pfand oder Bürgschaft gesicherte Darlehn. Und wenn das regionale Kreditgeschäft genug einbrachte, wurden nach Füllung der Sicherheitsreserven gemeinnützige Vorhaben finanziert. Auch so konnte die Bevölkerung von ihrer Sparkasse profitieren.

Stetig wuchs die Gemeindesparkasse. Nach 30 Jahren wurden bereits mehr Sparbücher als Einwohner gezählt. Auch die Einwohnerschaft des Umlandes konnte die Einrichtung nutzen. Dort verbreiteten sich ebenfalls Sparkassen, etwa 1888 in Mulda oder 1898 in Weißenborn. Im Folgejahr entstand schließlich im heutigen Lichtenberger Ortsteil Weigmannsdorf eine Kasse. Beide Institute wirkten 44 Jahre nebeneinander und wurden dann auf die Kreisspar- und Girokasse Freiberg überführt. Heute hat in der sächsischen Bergstadt die Sparkasse Mittelsachsen ihren Sitz. Sie unterhält nicht nur in Lichtenberg eine Filiale.

  • Buergermeister Johann Friedrich Luckwaldt Schwedt

    In der Amtszeit von Bürgermeister Johann Friedrich Luckwaldt wurde in Schwedt eine Stadtsparkasse eröffnet. Unter anderem seine Unterschrift findet sich auf dem ersten Statut der Sparkasse vom 26. September 1829. : © Stadtmuseum Schwedt

  • Landkarte Schwedt Oder Brandenburg

    Schwedt war die vierte städtische Sparkasse im damaligen Brandenburg. Daneben existierten zum Beispiel noch private Sparkassen, etwa für die Einwohner des Kreises in Angermünde. (Ausschnitt Landkarte der preuß. Provinz Brandenburg; Druck und Verlag von C. Flemming in Glogau, 1844) : © Historisches Archiv des OSV

  • Ansichtskarte Rathaus Schwedt

    Im alten Rathaus von Schwedt hatte die Sparkasse von 1830 bis 1908 ihren Sitz. (Ansichtskarte, versendet 1908; Bestand: Stadtmuseum Schwedt) : © Stadtmuseum Schwedt

  • Neues Rathaus Schwedt

    1908 wurde das Neue Rathaus der Sitz der Stadtsparkasse. (Abb. in einem Sparbuch der Stadtsparkasse Schwedt, ausgestellt 1930) : © Historisches Archiv des OSV

  • Geschaefstnachweisung Stadtsparkasse Schwedt 1905

    Geschäftsnachweisung der Stadtsparkasse Schwedt für 1905 in der Zeitschrift Sparkasse (Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Vor 185 Jahren: Eröffnung eines städtischen Spar- und Kreditinstituts in Schwedt

Heute ist es soweit. Seit genau 185 Jahren gibt es die Stadtsparkasse in Schwedt. Sie ist eine der ersten kommunalen Gründungen in Brandenburg. Schwedt war nach Frankfurt an der Oder, Brandenburg an der Havel und Landsberg an der Warthe die vierte Stadtsparkasse in dieser preußischen Provinz. Wenn nur das Gebiet des heutigen Bundeslandes betrachtet wird, dann handelt es sich sogar um das dritte Institut einer Stadtgemeinde.

Die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat von Schwedt waren für die Einrichtung des Geldinstituts verantwortlich. Die Vorbereitungen zur Gründung dauerten hier, wie an vielen anderen Orten auch, ein paar Jahre. Für Verzögerungen sorgte unter anderem die königlich-preußische Regierung, die die Satzung nach ihren Wünschen gestaltet sehen wollte. Am 1. November 1830 konnte die Sparkasse schließlich mit einem staatlich genehmigten Statut die Geschäftstätigkeit aufnehmen.

Das Kassenlokal befand sich im alten Rathaus von Schwedt, das leider im Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist. In diesem Gebäude war am Anfang lediglich eine Stunde in der Woche geöffnet, jeweils am Montag. Später wurden die Öffnungszeiten dem Bedarf entsprechend erweitert. Sparwillige konnten vor 185 Jahren Beträge ab fünf Silbergroschen einzahlen. Für dieses Geld bekam man in Schwedt zum Beispiel vier Pfund Roggenbrot. Ein Pfund Butter kostete sieben Silbergroschen.

Ordnungsgemäß wurden die Ein- und Auszahlungen sowie Zinsen in den Quittungsbüchern der Kundinnen und Kunden quittiert. Ende 1831 gab es 93 dieser Sparbücher und Einlagen in Höhe von 3.289 Talern, 11 Silbergroschen und 7 Pfennigen. Ein Jahr später bestanden bereits 230 Bücher mit 6.250 Talern, 6 Silbergroschen und 1 Pfennig Gesamtguthaben. In Preußen entsprachen zu dieser Zeit 12 Pfennige einem Groschen und 30 Groschen einem Taler.

3,5 % Zinsen gab es bei der jungen Sparkasse. Sie konnten damals erwirtschaftet werden. Neben der im Statut vorgeschriebenen Anlage in Staatspapieren spielte das Kreditgeschäft wohl von Anfang an eine Rolle. Ein wichtiges Anliegen war es, die Spareinlagen „gegen gehörige Sicherheit“ weiterzugeben. So wurde kurze Zeit nach der Gründung im Schwedter Anzeiger dafür geworben, „auf Hypothek oder auch gegen Unterpfand von Papieren und Wechseln“ Geld auszuleihen.

Im Laufe der Geschichte entwickelte sich die Stadtsparkasse Schwedt als Spar- und Kreditinstitut. Insbesondere im Wilhelminischen Kaiserreich machte sie große Fortschritte. Nach der Einführung der einheitlichen Markwährung wurde 1879 die erste Million bei den Guthaben erreicht. 75 Jahre nach der Gründung waren es schon über sieben Millionen Mark. Wie das Geld der Kundschaft 1905 angelegt war, können Sie anhand der letzten Abbildung dieses Beitrags feststellen.

  • Sparkasse Templin Fachwerkhaus

    In der Nähe der Sparkassenfiliale in Templin befindet sich ein interessantes Fachwerkhaus. : © Thomas Einert, 2015

  • Sparkasse Templin Fachwerk

    Gleich am Markt steht das frühere Sparkassengebäude. Verschiedene Sinnsprüche zum Sparen sind an ihm zu entdecken. : © Thomas Einert, 2015

  • Sparkasse Templin Fachwerk

    © Thomas Einert, 2015

Urlaubsgrüße aus Templin

Sommerzeit – Urlaubszeit. Nicht in der Ferne im Ausland, sondern in Ostdeutschland habe ich dieses Jahr meinen Sommerurlaub verbracht. Mit dem Faltboot und dem Fahrrad ging es durch Brandenburg und Mecklenburg. Ganz wunderbare Natur- und Kulturlandschaften wurden durchfahren. Ich kann nur empfehlen, sich selbst auf den Weg zu machen und unsere schöne Heimat (unmotorisiert) zu erkunden und zu genießen.

Auch viele schmucke Städtchen lagen auf meiner Route. Gleich zweimal bin ich nach Templin gekommen, einmal auf dem Wasser- und einmal auf Radweg. Hier wurde nicht nur die Reisekasse bei Sparkasse Uckermark in der Schinkelstraße aufgefüllt, sondern auch der Proviant auf dem Wochenmarkt. Ganz in der Nähe ist zufällig auch die Sparkassengeschichte ein Programmpunkt beim Stadtbesuch geworden.

Wie bereits am Weltspartag 2013 von mir in der SparkassenZeitung und auf unserer Verbandsseite berichtet, ist in Templin 1822 die erste Sparkasse im Gebiet des Bundeslandes Brandenburg eröffnet worden. Das Kreishaus am Markt, in dem die Menschen damals ihre Silbergroschen sparten, steht leider nicht mehr. Im und sogar kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sind viele Häuser in der Innenstadt zerstört worden. Erhalten geblieben ist unter anderem ein altes Fachwerkgebäude, das nur wenige Meter von der heutigen Sparkassenfiliale entfernt steht. Dieses fiel mir ins Auge.

An Balken des Eckhauses Berliner Straße/ Schinkelstraße sind nämlich heute (noch) in goldenen Lettern Sinnsprüche zum Thema Sparen zu lesen, zum Beispiel „Wer früh sich übt in Sparsamkeit, der bringt’s im Leben doppelt weit!“. Die kommunale Kreissparkasse, ab 1858 Nachfolgeinstitut der Sparkasse für den Kreis Templin, hatte ab 1941 ihren Sitz in dem Fachwerkhaus. Damals war Sparen allerdings nicht wie heute ein individuelles, freiwilliges Vorsorgen für die eigene Zukunft, sondern Kriegspflicht. Der NS-Staat nutzte die Einlagen der Sparkassen zur Kriegsfinanzierung. Die Werbung für das Sparen war oft ideologisch geprägt. Die Sprüche am ehemaligen Sparkassengebäude in Templin fallen allerdings nicht in diese Kategorie.

  • Ansichtskarte Augustusburg

    Das Schloss Augustusburg im Hintergrund wurde im 16. Jahrhundert errichtet, der Ort Schellenberg 1899 in Augustusburg umbenannt. (Ansichtskarte Verlag Mohr & Dutzauer in Leipzig, versendet 1903; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Die Filialen der Sparkasse für den Amtsbezirk Augustusburg auf einen Blick: Zschopau, Schellenberg und Oederan. (Ausschnitt Landkarte Königreich Sachsen, vor 1899; Privatbestand Thomas Einert)

  • Ansichtskarte Markt Zschopau

    Sowohl im alten Rathaus (später "Deutsches Haus") als auch im neuen Rathaus (links) befand sich im Laufe der Geschichte die Stadtsparkasse Zschopau. (Ansichtskarte, unbekannter Verlag, versendet 1910; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Tabelle Einlagen 1847

    © Historisches Archiv des OSV

  • Neugroschen

    Damals wurden unter anderem Neugroschen gespart. 10 Pfennige waren ein Neugroschen. 30 Neugroschen ergaben einen Taler. : © Historisches Archiv des OSV

Von der Augustusburger Bezirkssparkasse zur Erzgebirgssparkasse

Im Königreich Sachsen wurden ab 1819 verschiedene Sparkassen gegründet. Zumeist waren sie Einrichtungen von Bürgervereinen (zuerst 1821 in Dresden) oder Städten (zuerst 1825 in Zittau). Ihr Geschäftsgebiet war oft nur auf die Ortschaften, in denen sie ihren Sitz hatten, sowie das nähere Umland begrenzt. Ein Institut mit einem größeren Wirkungsgebiet, in dem mehrere Städte lagen, begann erst vor genau 175 seine Arbeit. Am 1. August 1840 eröffnete die Sparkasse für den Amtsbezirk Augustusburg.

In Schellenberg, Oederan und Zschopau befanden sich die lokal verwalteten Filialen. Zugleich gab es eine Zentralverwaltung. Der Justizamtmann des Augustusburger Bezirks, Carl Theophilius Weißbach, war deren Direktor. Er hatte bereits 1836 auf Weisung der ihm vorgesetzten Regierungsbehörde in Zwickau die Sparkassengründung angeregt und die kommunalen Verwaltungen in die Planungen einbezogen. Dabei war schon frühzeitig klar geworden, dass es drei Kassenabteilungen geben sollte.

Dort wurde allen Einwohnern des Bezirks, insbesondere „unbemittelten“ Personen, das Vorsorgen ermöglicht. Die Menschen konnten zu verschiedenen Zwecken, etwa für Notzeiten, das Alter oder bestimmte Lebensziele, etwas Geld beiseitelegen. In der industriell geprägten Region sollten zum Beispiel die Fabrikarbeiter sparen, da sie bei Konjunkturflauten ohne Erwerb waren. Zu viele mittellose Arbeitslose konnten die öffentlichen Armenkassen schlichtweg überlasten. Das Sparen bedeutete also auch eine Entlastung für die Kommunen. Mit Sparkassen allerhand Gewinn zu erzielen, war damals allerdings keine Absicht.

Die gemeinschaftliche Sparkasseneinrichtung erzielte, wie viele andere junge Kassen auch, zunächst kleine Erfolge. Wegen der komplizierten Verwaltung war ihr aber keine weitere Aufwärtsentwicklung beschieden. Vor allem Zschopau wollte eigene Wege gehen und eine eigene Sparkasse haben. Von vornherein sah die Stadtverwaltung den Augustusburger Sparkassenverband als ein zeitweiliges Projekt. Nach dem Tode Weißbachs wurde die Einrichtung dann aufgelöst. Am 1. Juli 1847 eröffneten schließlich Stadtsparkassen in Zschopau, Schellenberg und Oederan. Die Bestände der Bezirkssparkasse wurden von ihnen übernommen. Die Städte hafteten fortan für die Einlagen.

Heute sind in der Region sowohl die Sparkasse Mittelsachsen (Oederan und Augustusburg) als auch die Erzgebirgssparkasse vor Ort. Dieses Institut bezieht sich auf die Gründung im Jahr 1840 und feiert deswegen insbesondere in Zschopau sein Jubiläum. Viele Aktionen hat die Sparkasse 2015 nicht nur für ihre Kundinnen und Kunden geplant. So wurde zum Beispiel im Zschopauer Schloss Wildeck eine Sonderausstellung zur Sparkassengeschichte im Erzgebirgskreis aufgebaut. Diese kann vom 4. bis zum 30. August 2015 im Grünen Saal des Schlosses besichtigt werden.