• Ansichtskarte Rathaus Wittenberg

    Im ersten Stock des Rathauses im Westgiebel (links vorn) befanden sich 1825 die Räumlichkeiten von Kämmereikasse und Sparkasse. (Ansichtskarte, Verlagshaus Louis Glaser, Leipzig, um 1910; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Sparkasseneröffnung in Wittenberg vor 190 Jahren

Heute ist ein besonderer Tag für Wittenberg. Am 5. Januar 1825, also vor genau 190 Jahren, fand dort die erste Einzahlung bei der Sparkasse statt. Bereits am 10. März 1824 hatte der Stadtrat deren Einrichtung beschlossen. Im November des Jahres war ihre Satzung schließlich von der Regierung genehmigt worden. Eine Besonderheit bei der Gründung war, dass neben Vertretern des Stadtrates und der Gemeinde der amtierende Landrat dem Verwaltungsausschuss des Instituts angehören sollte.

Die Sparkasse stand nicht nur der Wittenberger Bevölkerung, sondern auch den in den Städten und Dörfern des Kreises wohnenden Menschen offen. Im Wittenberger Rathaus, in den Räumlichkeiten der Kämmereikasse, nahm 1825 der Stadtkämmerer Herr Kelch als Rendant die Spargelder der Kundinnen und Kunden an. Geöffnet war zunächst immer am Montag und Mittwoch. Am Ende des ersten Geschäftsjahres betrugen die Einlagen bereits 1.479 Taler.

Die kommunale Sparkasse ist eine der ältesten im Verbandsgebiet. Die erste deutsche Stadtsparkasse wurde am 26. Juni 1801 in Göttingen, die erste im OSV-Gebiet am 1. Oktober 1822 in Frankfurt an der Oder eröffnet. Im Jahr 1825 erfolgen sogar mehrere Gründungen (Eröffnungen). Auf die Sparkasse in Weißenfels wird meine Blog-Kollegin Claudia Wöhnl in einem Beitrag eingehen. Daneben werden zu gegebener Zeit noch zwei weitere Institute angesprochen. Eine Liste mit Gründungsdaten möchte ich auch dieses Jahr veröffentlichen, um so die lange Tradition des Sparkassenwesens in unserem Verbandsgebiet zu dokumentieren.

  • Dieses Sparbuch stellte die Ersparnis-Anstalt Schwerin 1905 einer Kundin aus. Ihre Einlagen wurden zum "Johannis"-Termin verzinst. : © Historisches Archiv des OSV

Zum Ende des Jahres

Heute ist der 31. Dezember, der letzte Tag des Kalenderjahres. Für viele Sparkassen endete auch schon in früheren Zeiten an diesem Tag das Geschäftsjahr. Das Rechnungsjahr wurde abgeschlossen. Die Kundinnen und Kunden bekamen ihre Zinsen ausgerechnet. Aber nicht bei allen Sparkassen deckte sich das Rechnungs- mit dem Kalenderjahr. In Mecklenburg zum Beispiel spielten bestimmte Termine eine Rolle. Sie orientierten sich an kirchlichen Gedenk- beziehungsweise Festtagen: „Antoni“ im Januar, „Johannis“ im Juni und „Michaelis“ im September. Im mecklenburgischen Finanz- und Bankwesen waren dies wichtige Termine, an denen Jahreslöhne, Steuern und Zinsen fällig wurden. Bedeutung hatten sie unter anderem für die Sparkassen in Wismar, Neustrelitz und Grabow.

  • Erich Zweigert Bürgermeister Guben

    Vorstandsmitglied: Bürgermeister Erich Zweigert aus Guben : © Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv

  • Landrat Nicolaus von Handjery

    Der Teltower Landrat von Handjery war Vorstandsvorsitzender des Sparkassenverbandes. (Abb. in: Petersilie, Erich: Die Sparkasse des Kreises Teltow von 1858 - 1908, 1908, S. 17; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Verbandsgründung am Nikolaustag – Der Brandenburgische Sparkassenverband

Vor genau 130 Jahren, am Nikolaustag 1884, wurde ein Verband für die kommunalen Sparkassen der preußischen Provinz Brandenburg und der Stadt Berlin gegründet. Er war nach dem Sächsischen Sparkassenverband der zweite Regionalverband, der die Interessen von Sparkassen im heutigen OSV-Gebiet vertrat. Zugleich handelte es sich um den dritten Regionalverband in Deutschland überhaupt.

Am 6.12.1884 fand im Berliner Rathaus der erste Brandenburgische Sparkassentag statt. 39 Sparkassenvertreter waren vor Ort. Zum Vorsitzenden der Verbandsversammlung wählten sie den Bürgermeister Erich Zweigert aus Guben. Dann erfolgten die Beratung und die Annahme des Verbandsstatuts. Wahlen zum und im Vorstand machten den Landrat des Teltower Kreises, Nicolaus Prinz von Handjery, zum Vorstandsvorsitzenden. Zweigert wurde Mitglied des Vorstandes. Seine Funktion war die des stellvertretenden Schriftführers.

  • Statut Sparkasse Lübben 1897

    Erste Seite des Statuts der Niederlausitzer Provinzialsparkasse, Fassung von 1897 : © Historisches Archiv des OSV

  • Ansichtskarte Schloss Ständehaus Hauptsparkasse Luebben 1909

    Ansichtskarte, Verlag W. Charles in Lübben, versendet 1909; Bestand: Historisches Archiv des OSV

Der Agrarkredit in der Geschichte – Hypothekendarlehn für Bauern der Niederlausitz

Vor Kurzem fand in Potsdam der sechste Agrarkonvent des Ostdeutschen Sparkassenverbandes statt. Bei der Veranstaltung wurde die Bedeutung des Agrarkreditgeschäfts für die Sparkassen betont und ihre Rolle als regionale Geldinstitute thematisiert. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, ging am 24.11.2014 auf die lange Tradition bäuerlichen Wirtschaftens ein. Auch der landwirtschaftliche Kredit von Sparkassen hat eine lange Tradition, z. B. in der Niederlausitz.

Sparkassen nahmen bereits im 19. Jahrhundert Einlagen an und vergaben Darlehn, auch an Bauern. Eine wichtige Anlage stellte der Realkredit dar. Vor dem Hintergrund der Lage des Geschäftsgebietes und der Konkurrenz anderer Geldinstitute vor Ort wurden zumeist städtische und ländliche Grundstücke beliehen. Es gab sogar Kassen, bei denen die ländlichen Hypotheken überwogen.

Eine war die in mehreren Landkreisen wirkende Kommunal-Ständische Sparkasse der Niederlausitz in Lübben, ein bedeutendes Kreditinstitut. 1909 entfielen ein Fünftel der ländlichen Sparkassenkredite Brandenburgs auf sie. Selbstständige Bauern waren damals ihre landwirtschaftlichen Hypothekenschuldner. Schon lange zählten sie zu den Kunden. Kurze Zeit nach der Eröffnung der Sparkasse vor über 190 Jahren (am 1.10.1824) hatte der erste Bauer einen Kredit bekommen. Er hieß Johann George Möbus und ließ ein Grundstück in Lindow beleihen.

  • Bronzebueste des Fuersten von Schoenburg-Waldenburg 1880

    Büste Otto Victor I. von Schönburg, 2014 : © Sabine Hausmann

Der Fürst von Schönburg-Waldenburg als Sparkassengründer

Erste Sparkassengründungen im Gebiet unseres Verbandes erfolgten bereits vor 195 Jahren. Für die Einrichtung einer privaten Sparkasse durch den Standesherrn Peter Karl Wilhelm von Hohenthal in Königsbrück und einer Vereinigung angesehener Bürger in Halle sind die genauen Eröffnungsdaten bekannt: 1. Januar und 1. Juli 1819. Ein Bild des Grafen, der als erster eine Sparkasse etablierte, ist hier zu finden.

Ein weiterer paternalistisch herrschender Adeliger war damals Fürst Otto Victor I. von Schönburg (1785–1859). Er soll 1819 ebenfalls eine Sparkasse ins Leben gerufen haben, in der Töpferstadt Waldenburg. Es ist nicht überliefert, an welchem Tag sie erstmals öffnete. Wichtige Unterlagen der Einrichtung sind wohl insbesondere beim Brand des Waldenburger Schlosses im Revolutionsjahr 1848 verlorengegangen.

Aber nicht nur durch eine Sparkassengründung hat sich Otto Victor I. verdient gemacht. Er gilt auch als Gründer des Museums der Stadt. Dort begrüßt seit diesem Sommer sogar eine Bronzebüste von 1880, die den Fürsten in seinen besten Jahren darstellt, die Besucherinnen und Besucher. Sie hat durch glückliche Umstände die Zeiten überdauert und steht nun im Eingangsbereich des Gebäudes.

  • Schon bald wurden Revisoren hauptamtlich angestellt. (grafisch bearbeitete Stellenanzeige aus dem Fachblatt des Deutschen Spakassenverbandes, "Sparkasse"; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Musterformular Teltower Kreissparkasse

    Solche Unterlagen waren zu prüfen. (Musterformular für preußische Sparkassen, aus: Hannemann, Adolf: Die Sparkasse des Kreises Teltow und ihre Einrichtung, 1893; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Diese 20 Mark konnte ein brandenburgischer Verbandsrevisor 1896 für die Ausarbeitung von zwei Prüfungsberichten erhalten. : © Historisches Archiv des OSV

Die ersten Verbandsprüfer

Sachsen und Brandenburg sind die Länder im Geschäftsgebiet des OSV, in denen Verbandsrevisionen bereits im 19. Jahrhundert stattfanden. 1892 war es, als der 1886 gegründete Schlesische Sparkassenverband beschloss, seinen Mitgliedskassen, u. a. denen in der heute sächsischen Oberlausitz, die Möglichkeit einer freiwilligen Prüfung anzubieten. Einer der ersten Revisoren war Rechnungsrat Jonas aus Görlitz.

1892 begann auch der Brandenburgische Sparkassenverband, der 1884 am selben Tag wie der Deutsche Sparkassenverband errichtet worden war, mit Prüfungen. Erste Revisoren waren z. B. Kämmereikassenrendant Püschel und Kämmereikassenbuchhalter Hartwig aus Frankfurt an der Oder, Sparkassenrendant Richter aus Brandenburg an der Havel und Stadthauptkassenrendant Deichmann aus Potsdam.

Beiden Regionalverbänden war übrigens der Hannoversche Sparkassenverband von 1887 Vorbild. Er sah seine erste Hauptaufgabe in der Revision und ging diese schon 1888 an. Auch hier erfolgte zunächst keine obligatorische Prüfung. Erster Revisor war der Sparkassenbuchhalter Stackelbeck aus Osnabrück.