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Geld zum Kekse backen?

Hier sehen Sie den letzten Guthabenstand eines Quittungsbuchs der Stadtsparkasse Dresden, Zweigstelle Pieschen. Genau 6,44 Mark blieben vor 100 Jahren stehen. Was war dieser Betrag wert? Interessant sind in dem Zusammenhang etwa die damaligen Lebensmittelpreise. Das Statistische Jahrbuch für den Freistaat Sachsen 1918/20 bietet auf Seite 283 einige Informationen. Die Weihnachtszeit rückte heran. Angenommen, die Sparkassenkundin hätte Kekse backen wollen, wären wohl die folgenden Preise maßgebend gewesen. So kosteten in Dresden im Kleinhandel ein Pfund Butter 4,36 Mark und ein Hühnerei 1,20 Mark, das Kilo Zucker 1,45 Mark und das Kilo Weizenmehl 84 Pfennige. Falls zu den Keksen ein Glas Milch serviert wurde, schlug der Liter mit 82 Pfennigen zu Buche.

  • Nur 15 DDR-Mark durften 1 zu 1 in Deutsche Mark gewechselt werden. : © Historisches Archiv des OSV

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DM für die Reise

Blogserie, Teil 3

„Zur Verbesserung der Betreuung der Bevölkerung im Reisezahlungs- verkehr sind die Sparkassen im Auftrag der Staatsbank der Deutschen Demokratischen Republik berechtigt, Zahlungsmittel in Währungen anderer Staaten […] zu verkaufen.“* So stand es in der Satzung der DDR-Sparkassen geschrieben. Allerdings bekam man vor 30 Jahren lediglich einmalig 15 DM im Verhältnis 1 zu 1 gewechselt. Mehr Reisegeld gab es nicht. Aufgrund der knappen Devisenvorräte und wohl auch, um den privaten Reiseverkehr einzudämmen, hatte die Regierung 1987 die Ausstattung so gering festgelegt. Die Reaktion der Bundesregierung war die Erhöhung des Begrüßungsgeldes auf 100 DM gewesen.

Nach der Grenzöffnung am 9. November 1989 reisten sehr viele Ostdeutsche in die Bundesrepublik und nach Westberlin. Allein bis zum 15. November sollen sich über drei Millionen Menschen ihre 15 DM geholt haben.** Innerhalb von zwei Wochen hatten etwa 12,8 Millionen Bürger rund 200 Millionen DM in der DDR eingetauscht, so der Präsident der Staatsbank Horst Kaminsky.*** Seinen Ausführungen nach gestaltete sich die Versorgung mit Devisen als logistischer Kraftakt, weil Unmengen kleinerer Banknoten und 5-DM-Münzen zentral beschafft und in alle Teile der Republik weitergeleitet werden mussten. Die enorme Arbeitsbelastung, insbesondere der weiblichen Beschäftigten der Sparkassen, thematisierte er. Ein Ende des Ansturms war da noch nicht abzusehen.

Ein Abteilungsleiter der Kreissparkasse Zschopau berichtete rückblickend: „Mit der neuen Reiseregelung hat uns im November 1989 der Tausch der 15,– DM regelrecht überrollt (ca. 60.000 Bürger haben bei uns umgetauscht). Gegenwärtig bereitet uns der DM-Tausch aus dem gemeinsamen Devisenfonds manches Kopfzerbrechen. Für die zuletzt genannten Aufgaben wurden viele Wochenenden gearbeitet.“**** Nachdem das Begrüßungsgeld zum Jahresende abgeschafft worden war, durfte der DDR-Bürger auf Grundlage eines gemeinsamen Devisenfonds von Bundesrepublik und DDR Reisegelder im Umfang von 100 Mark 1 zu 1 wechseln. Weitere 100 DM bekam man für 500 Mark. Es war nämlich für diesen Betrag ein „Aufschlag“ von 400 % festgelegt.

Der „Run“ auf die harte Mark, noch vor der Währungsunion 1990, stellte eine große Herausforderung für die ostdeutschen Sparkassen dar, weil sie bereits mit Aufgaben – auch sparkassenfremden – überladen und gleichzeitig noch unterbesetzt waren. Auch galt es, lange Öffnungszeiten zu gewährleisten. Die physische und psychische Leistungsgrenze des fast ausschließlich weiblichen Personals war erreicht. Außerdem wurde die Leistung der Angestellten verhältnismäßig schlecht honoriert. Die meisten Sparkassenfrauen bekamen 1989 lediglich 850 Mark brutto.***** So konnte es nicht weitergehen.

Fortsetzung folgt am 12.12.2019

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* Statut der Sparkassen der Deutschen Demokratischen Republik, 23.10.1975, § 7, in: Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik, Teil I, 20.11.1975, S. 703 (Historisches Archiv des OSV)

**  DDR-Staatsbank-Vizepräsident: An Abwertung der Währung wird nicht gedacht, in: Freie Presse, 16.11.1989, S. 3 (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz)

*** 200 Millionen DM bisher an Bürger der DDR ausgezahlt. ADN-Interview mit Staatsbankpräsident Horst Kaminsky, in: Freie Presse, 25.11.1989, S. 4 (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz)

**** Schreiben von E. N. an den Vorsitzenden des Ministerrats der Deutschen Demokratischen Republik, Hans Modrow, 21.1.1990 (Historisches Archiv des OSV)

***** Wysocki, Josef/ Günther, Hans-Georg: Geschichte der Sparkassen in der DDR 1945 bis 1990, 1998, S. 236

  • Hier gab es nicht nur frischen Kaffee, sondern auch Sparkassendienstleistungen. : © Historisches Archiv des OSV

Lausitzer Sparkassen-Agenturen

Vor 100 Jahren existierten im preußischen Teil der Lausitz zwei besondere Flächensparkassen mit Hauptsitz in Lübben und Görlitz. Sie hatten jeweils in mehreren Landkreisen Nebenstellen. Diese Einrichtungen für die örtliche Bevölkerung waren aber keine mit Beamten besetzten Geschäftsstellen. Vielmehr boten angesehene und Vertrauen genießende Privatleute einen Sparkassenservice an. Unter diesen fanden sich, zeittypisch, noch wenige weibliche Personen. Im heutigen Verbandsgebiet waren das 1919 Frau Johanne Krügel geb. Gossert in Sonnewalde und Frau Philomena Rittermann in Wittichenau sowie Fräulein Martha Becker in Dobrilugk.

Die Männer waren in den unterschiedlichsten Berufen tätig, ob nun als Handwerksmeister, Apotheker beziehungsweise Drogist, Postagent oder Gastwirt. Häufig übten Kaufmänner nebenberuflich das Amt des Rendanten aus, so zum Beispiel Otto Lehmann in Calau, Max Thiers und Ferdinand Ziegler in Görlitz, Emil Wolf in Hoyerswerda, Alfred Rätze in Kreba, Eugen Floeder in Lübbenau, Oskar Bernhardt in Melaune, Gerhard Menzel in Niesky, Hermann Jurk in Ortrand, Felix Bellmann in Reichenbach, Ernst Schneider in Ruhland, Friedrich Müller in Spremberg, Hermann Bärow in Straupitz und Gustav Braecker in Weigersdorf.

Der Service der Neben-Sparkassen beschränkte sich vor allem auf die Abwicklung von Ein- und Auszahlungen. Dazu mussten die Kundinnen und Kunden ihre Sparkassenbücher vorlegen. Sorgfältig wurden die Buchungen quittiert. Manchmal gab es auch Schutzhüllen für die Sparbücher. Sehr praktisch waren diese für die großformatigen Exemplare der Oberlausitzer Provinzial-Sparkasse zu Görlitz. Diese dünnen Hefte konnte man, in der Mitte gefaltet, darin verstauen. Die abgebildete Hülle und das zugehörige Sparkassenbuch gehörten einem Kunden, den August Marschner und danach Ferdinand Ziegler als Geschäftsinhaber betreuten.

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Berg und Tal

Hier sehen Sie eine historische Grafik, die 1950 vom Sächsischen Sparkassenverband erstellt wurde. Sie zeigt eine wechselvolle Geschichte, welche die Sparkassen und ihre Kundinnen und Kunden in 100 Jahren durchlebt hatten. Deutlich markiert sind Spareinlagenrückgänge. Sie bedürfen einiger Erklärungen. Die Ursachen waren nämlich durchaus unterschiedlich. Im Ersten Weltkrieg hob die Kundschaft viel Geld ab, um Kriegsanleihen des Deutschen Reichs zu kaufen. Mit diesen Wertpapieren wurde ein Großteil der Aufwendungen für die Kriegsführung finanziert. 1931 hingegen bewirkte vor allem der Zusammenbruch einer Großbank eine Vertrauenskrise, die sich auch auf die Sparkassen auswirkte. Es wurde vermehrt abgehoben und weniger eingezahlt. 1948 führte schließlich eine Währungsreform zur Reduzierung der Geldmenge.

Große Katastrophen zeichnen sich deutlich durch die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg und das Ende des Zweiten Weltkrieges ab. Für die einzelnen Inflationsjahre sind keine konkreten Werte eingetragen. Überliefert ist, dass die Spareinlagen bei den sächsischen Sparkassen infolge der staatlichen Geldpolitik 1923 über 51 Billiarden Mark betrugen. Dies war gar nicht grafisch umzusetzen. Als Umstellungsverhältnis galt dann 1 Billion Mark : 1 Reichsmark. Ganz auf Null ging es jedoch 1945. Gemäß Anweisung der sowjetischen Besatzungsmacht wurden die in den Kriegsjahren enorm angewachsenen Guthaben schlichtweg „eingefroren“. Durch die verbrecherische Politik des NS-Regimes war die Währung ruiniert. Glücklicherweise konnte die krisengeschädigte Kundschaft in beiden Fällen teilweise entschädigt werden.

  • Siegelmarke der Sparkasse, um 1900 : © Historisches Archiv des OSV

175 Jahre Sparkasse im Jerichower Land

Pressemeldung +++ Pressemeldung +++ Pressemeldung
Halle-Burgsche Kurier-Zeitung, 7.10.1844

Bekanntmachung

Um den hiesigen Einwohnern Gelegenheit zu geben, ihre kleinen Ersparnisse sicher und zinsbar unterzubringen, und sich ein kleines Capital zu sammeln, welches sie beim Anfange eines Geschäftes, im Alter oder in Fällen der Noth benutzen können, ist für die Stadt Burg und deren Stadtbezirk eine Spar-Kasse errichtet worden, von welcher Einlagen von 10 Silbergroschen an bis zu 99 Thaler für eine Person angenommen und jährlich mit 2 1/2 pro Cent oder 9 Pfennigen pro Thaler verzinset werden. Das Lokal derselben ist auf dem hiesigen Rathhause, woselbst im Konferenzsaale vom 7. des Monats an, jeden Montag Nachmittags von 2 bis 6 Uhr die bestellten Beamten gegenwärtig seyn werden, die etwaigen Einlagen anzunehmen. Indem wir das Publikum hiervon in Kenntnis setzen, können wir es nicht unterlassen, dasselbe zur fleißigen Benutzung dieses von Staatswegen und überall als höchst wohlthätig anerkannten Instituts kräftigst zu ermuntern.

Burg, den 1. Oktober 1844
Der Magistrat. Nitschke

  • Logo der Bausparkasse : © Historisches Archiv des OSV

Vor 90 Jahren: Die Anfänge des Bausparens in Sachsen-Anhalt

Um die Wohnungsnot zu bekämpfen, wurden 1929 in den deutschen Ländern und Provinzen öffentliche Bausparkassen nach den Richtlinien des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes gegründet. Vor genau 90 Jahren wurde solch ein Institut auch bei der Mitteldeutschen Landesbank in Magdeburg eingerichtet. Die Kasse war unter anderem für die Provinz Sachsen im Freistaat Preußen und den Freistaat Anhalt zuständig. Die Sparkassen im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt übernahmen die Vermittlung der Bausparverträge für die Menschen in der Region.

Wer Geld zum Bau eines Wohnhauses brauchte, musste nicht unbedingt über lange Zeit den ganzen Betrag ansparen. Er konnte sich mit Gleichgesinnten zusammentun. Man sparte gemeinsam. Vier Tarife regelten die Vertragsdauer, 9, 12, 15 oder 18 Jahre, sowie die zu leistenden monatlichen Einzahlungen und resultierenden Sparbeträge.* Für ein gerechtes Zuteilungsverfahren wurden die Bausparer in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Mindestens drei Monate musste eingezahlt werden. Mindestens 20 % der Gesamtbaukosten, inklusive Spargeld, hatte der Kunde vorzuweisen. Die Zuteilung erfolgte dann im Losverfahren im Beisein einer unparteiischen Urkundsperson.

Bekam man aus dem gemeinsamen Spartopf die benötigten Mittel zugeteilt, wurde der bis dahin selbst erreichte Sparbetrag abgezogen. Es ergab sich ein Tilgungsdarlehn. Als Sicherheit war eine Hypothek zu Gunsten der Bausparkasse aufzunehmen. Diese durfte nicht über 80 % des Bau- und Bodenwerts hinausgehen. Beim Todesfall waren die Erben des Kreditnehmers übrigens abgesichert, denn bei Vertragsschluss war eine Lebensversicherung bei der öffentlichen Versicherungsanstalt abgeschlossen worden. Diese übernahm die Zahlungspflichten.

* Die Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge von 1929 sind im Historischen Archiv des OSV überliefert.