• ehemaliges Gebäude der Staatsbank im Januar 2020 : © Historisches Archiv des OSV

Konspirativ fing es an …

Blogserie, Teil 8

Konspirativ war es, das erste persönliche Zusammentreffen von Vertretern des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und der Abteilung Sparkassen der Staatsbank der DDR. So wusste deren Präsident Dr. Horst Kaminsky nichts von der Zusammenkunft, die am 2. Januar 1990 bei der Sparkasse in West-Berlin stattfand. Denn dienstliche Kontakte waren eigentlich untersagt. Abteilungsleiter Rainer Voigt und sein Stellvertreter Hans-Georg Günther hatten deswegen dringende Arzttermine vorgeschoben und sich „abgesetzt“.* Empfangen wurden sie vom stellvertretenden Geschäftsführer des DSGV, Dr. Walter Geiger, und dem Leiter der Deutschen Sparkassenakademie, Prof. Dr. Günter Ashauer.

Man tauschte sich über das Sparkassenwesen in Ost und West aus. Ein wichtiges Gesprächsthema stellte die Bildung eines Sparkassenverbandes in der DDR dar, mit der Voigt beauftragt war. Die Vertreter des DSGV wollten bei der Etablierung helfen und gaben Hinweise, verwiesen etwa auf die rechtlichen Grundlagen von Regionalverbänden. Im Osten gab es jedoch (noch) keine Länder, sondern Bezirke. Und auch der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik war noch nicht beschlossen. Die Schwierigkeit bestand darin, einen überregionalen Verband mit einer regionalen Satzung zu schaffen.** Die Sparkassen wollten keinesfalls von zentraler Stelle bevormundet werden, wie sie es schon von der Staatsbank kannten. Beim Entwicklungsprozess der Verbandssatzung vor 30 Jahren konnten alle ostdeutschen Sparkassendirektoren und -direktorinnen mitwirken.

Vor diesem Hintergrund fand schließlich am 26. Januar 1990 ein Treffen statt, zu dem Kaminsky selbst geladen hatte. Er wurde vom Vizepräsidenten Bruno Meier und von Rainer Voigt begleitet. Zu Besuch nach Ost-Berlin kamen der DSGV-Präsident Dr. h. c. Helmut Geiger, der Verbandsgeschäftsführer Dr. Hannes Rehn sowie sein Stellvertreter, Dr. Walter Geiger. Vereinbart wurde die Zusammenarbeit zwischen der Sparkassenabteilung und dem Dachverband. Der DSGV-Präsident kündigte nach der Zusammenkunft öffentlich an, dass die für März geplante Gründung des DDR-Sparkassenverbandes von der bundesdeutschen Sparkassenorganisation voll unterstützt werde.*** Endlich würden die Sparkassen aus ihrer Abhängigkeit von der Staatsbank entlassen. Ihre Geschäftstätigkeit sollte der neue Verband koordinieren und Hilfestellung bei der Umgestaltung des Sparkassenwesens geben, so Geiger.

Fortsetzung am 07.02.2020
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* So berichtet z. B. Hans-Georg Günther im Entwurf einer Abschiedsrede für den DSGV-Präsidenten Dr. h. c. Helmut Geiger 1993; Bestand: Historisches Archiv des OSV, HA-81/2004, Bd. 1

** Vgl. ZZI Rainer Voigt, 15.05.2012; Bestand: Historisches Archiv des OSV

*** DDR-Sparkassenverband vor Gründung, in: Deutsche Sparkassenzeitung, Nr. 8, 30.01.1990, S. 1; Bestand: Historisches Archiv des OSV

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Ein Sparbuch der Sparkasse der Residenzstadt Potsdam

Es ist wieder an der Zeit, ein außergewöhnliches Sparbuch aus unserem Archivbestand vorzustellen. Im Mittelpunkt des Interesses soll aber nicht das hübsche Bienenkorb-Motiv stehen, das im Blog schon mehrfach thematisiert worden ist. Auffällig ist das Sparkassenbuch wegen der Bezeichnung „Sparkasse der Residenzstadt Potsdam“. Sie findet sich nicht nur auf dem Cover. Eröffnet wurde das Buch im Januar 1928. Zu diesem Zeitpunkt „residierte“ Wilhelm II. schon seit fast einem Jahrzehnt in den Niederlanden. Im November 1918 war er geflohen und hatte als preußischer König und Deutscher Kaiser abgedankt. Damit hatte Potsdam die Funktion als Residenzstadt verloren. Die Stadtverwaltung behielt die Bezeichnung jedoch bei. Noch Anfang der 1930er-Jahre tauchte sie in den Sparbüchern der kommunalen Sparkasse auf.

  • Die Daten für die Grafik sind dem Geschäftsbericht der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig für 1989, Seite 6 entnommen. : © Historisches Archiv des OSV

Personalnot bei der Sparkasse Leipzig

Am 10. Januar 1990 fertigte die Stadt- und Kreissparkasse Leipzig, nach der Sparkasse der Stadt Berlin das größte Institut in der DDR, ihren Jahresabschluss für 1989 aus. Durch die Unterlagen der Staatsbank der DDR ist nicht nur er, sondern sind auch die Abschlüsse der anderen ostdeutschen Sparkassen in unserem Archiv überliefert. Allein aus Leipzig haben wir jedoch zugleich den zugehörigen Geschäftsbericht im Bestand. In ihm sind die Probleme, welche die Großsparkasse im System der zentralistischen Planwirtschaft hatte, klar benannt.

Wegen der Mangelwirtschaft konnte die Sparkasse zum Beispiel nicht ausreichend Drehstühle für ihre Beschäftigten beschaffen. Und weil die neuen Geldautomaten aus DDR-Produktion öfters ausfielen, war die Kundschaft sauer. Beschwert wurde sich auch über lange Wartezeiten am Schalter. Dabei war der Sparkasse doch gar nicht genügend Personal zugestanden worden. Die Personalsituation hatte sich 1989 sogar weiter verschlechtert. Es gab 128 Ab- und 71 Zugänge. Die Unterbesetzung war aber kein neues Phänomen, wie der Geschäftsbericht darlegt. Für eine hohe Fluktuation sorgten etwa die schlechten Arbeitsbedingungen und die unterdurchschnittliche Entlohnung.

  • Dieses Sparbuch wurde 1927, in den Aufbauzeit nach der Inflation, ausgestellt. : © Historisches Archiv des OSV

Vertrauen zur Sparkasse

Vor genau 190 Jahren wurde in Brandenburg an der Havel die erste Stadtsparkasse im Gebiet der heutigen Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam eröffnet. Auf ihre Entwicklung blickte die Stadt anlässlich des 100. Geburtstags im Verwaltungsbericht 1929/30 auf Seite 81 zurück. So habe sich das Wirken des kommunalen Geldinstituts für das Gemeinwesen als „überaus segensreich“ erwiesen. Grundlage seines Erfolgs war, den Ausführungen nach, das Vertrauen der Kundinnen und Kunden.

„Zahlreiche öffentliche Einrichtungen, deren sich heute der Bürger bedient, städtebauliche Verbesserungen und Verschönerungen sind der sichtbare Ausdruck der ihrer Tätigkeit entsprungenen Erfolge. Die Sparkasse durfte sich zu jeder Zeit ihres Bestehens des uneingeschränkten Vertrauens der Einwohnerschaft erfreuen, das allein sie befähigte, alle Hemmnisse eines von Wirtschaftskrisen, Kriegsstürmen, Revolutionswirren und Inflationsnöten so hart betroffenen Jahrhunderts kräftig zu überwinden.

Dem auch heute ungemindert anhaltenden Vertrauen zur Sparkasse ist es zu verdanken, daß nach der alles vernichtenden Inflation in sechsjähriger Aufbauarbeit bereits wieder 52 Prozent des Vorkriegseinlagenbestandes [1913] erreicht sind. Auch im neuen Jahrhundert ihres Daseins wird die Geschäftspolitik der Sparkasse darauf gerichtet sein, ihre Arbeit, den ihr vom Gesetzgeber gestellten idealen Aufgaben getreu, nicht als Selbstzweck, sondern als Dienst am Bürger und der Wirtschaft […] zu verrichten.“

  • Die Karte wurde am 31.12.1899 geschrieben und am 1.1.1900 in der Post in Lengefeld gestempelt. (Ansichtskarte eines unbekannten Verlags; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Zur Jahreswende

Die ältesten Ansichtskarten im Bestand des Historischen Archivs des OSV, die Sparkassen zeigen, wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts versendet. Genau am letzten Tag des Jahres 1899 wurde diese Postkarte geschrieben. Es wurde sich für einen Weihnachtsgruß bedankt. Es folgten Glückwünsche zur Jahrhundertwende. Zum neuen Jahrzehnt hingegen möchte wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, alles Gute wünschen. Kommen sie fröhlich & gesund in 2020 an. Insbesondere senden wir an dieser Stelle und mit passendem Motiv herzliche Grüße an Horst Möckel vom Historischen Archiv der Erzgebirgssparkasse in Schwarzenberg und bedanken uns für die liebe Stollenpost zur Adventszeit.

  • © Historisches Archiv des OSV

Verbandsprüfer gesucht I

Mit dieser in den Verbandsmitteilungen veröffentlichten Stellenanzeige suchte der regionale Sparkassen- und Giroverband in Magdeburg vor genau 90 Jahren Verstärkung. Der Verband hatte sage und schreibe 310 Mitglieder, vor allem Stadtgemeinden und Kreise. 1929 fanden insgesamt 326 Revisionen statt. Im Folgejahr sollten es sogar 446 sein. Nicht nur Sparkassen, sondern auch andere Kassen, Verwaltungen und Betriebe der kommunalen Mitglieder wurden gemäß der Verbandssatzung geprüft. Dazu zählten etwa Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke oder Krankenhäuser. Auf Wunsch von Sparkassenvorständen erfolgten 1930 sogar einige Prüfungen von Privatfirmen. Dies halft, ihre Kreditwürdigkeit richtig zu beurteilen.

Das Aufgabenspektrum eines Verbandsprüfers war umfangreich. Bei Sparkassen und Kommunalbanken fanden unvermutete Revisionen statt. Prüfungen von Jahresabschlüssen konnten zum Beispiel auch zentral in Magdeburg stattfinden, wenn die notwendigen Unterlagen dort eingesendet wurden. Wegen ihrer „Billigkeit und Bequemlichkeit“ nutzten die Verbandsmitglieder diese Möglichkeit gern. Ein besonderes Thema war damals die Prüfung der Aufwertungsbilanzen der Sparkassen, die eine Erstattung eines Teils der in der Inflation verlorenen Kundenguthaben ermöglichten. Die Prüfungsstelle hatte aber noch mehr zu bieten. So wurden die Sparkassen unter anderem bei der betrieblichen Rationalisierung und der Einführung moderner Technik beraten.