• Tabelle Sparkassen Regierungsbezirk Frankfurt (Oder) Innenministerium 1845

    Das preußische Innenministerium kontrollierte zum Beispiel die Geschäftsergebnisse der Sparkassen im Regierungsbezirk Frankfurt (Oder) von 1845. : © Historisches Archiv des OSV

  • Sparkassenreglement Preusse 1838

    Das preußische Sparkassenreglement vom 12. Dezember 1838 regelte die Staatsaufsicht über die Sparkassen. : © Historisches Archiv des OSV

Die Staatsaufsicht über die Sparkassen in Brandenburg

Bereits 1838 ist im Königreich Preußen ein umfangreiches, fortschrittliches Rahmengesetz für Sparkassen erlassen worden. Es förderte die Gründung kommunaler Institute und hatte sogar für das Sparkassenrecht anderer deutscher Länder Vorbildwirkung. Kernland Preußens war Brandenburg. Auch die hier ansässigen Kassen mussten sich an das Reglement halten. Es ließ ihnen gewisse Freiheiten, gab ihnen aber auch strenge Regeln vor.

Der preußische Staat beaufsichtigte das Wirken der Geldinstitute. Er wollte sich von einem ordnungsgemäßen Geschäftsbetrieb überzeugen. So konnten die Regierungsbehörden in den brandenburgischen Bezirken Potsdam und Frankfurt (Oder) außerordentliche Kassenrevisionen vornehmen, um eventuelle Missstände aufzudecken. Ihre Aufgabe war es auch, die von den Sparkassen abgelieferten Jahresabschlüsse zu bearbeiten. Die gesammelten Nachweisungen erhielt dann die oberste Aufsichtsbehörde, der preußische Innenminister, zur Kontrolle.

Und wer beaufsichtigt heute die Sparkassen? Preußen gibt es längst nicht mehr. Auch die DDR ist Geschichte. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands liegt auch die Aufsicht in Ostdeutschland wieder bei den Ländern. In Brandenburg ist nun das Finanzministerium in Potsdam zuständig. Seine Befugnisse sind durch ein Landesgesetz (§ 31) geregelt.

  • Denkmal Jules Verne Amiens

    Die 1912 versendete Ansichtskarte zeigt das Denkmal für den Autor Jules Verne in Amiens. (Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Jules Verne – Schriftsteller und Sparkassenmann

Weltbekannte Romane hat er geschrieben. Bestimmt kennen Sie, liebe Leserinnen und Leser, einige davon. Oder Sie erinnern sich an die Verfilmungen? Sind Sie nicht auch schon einmal in Ihren Gedanken mit Kapitän Nemo 20.000 Meilen unter dem Meer im U-Boot Nautilus gefahren? Oder zusammen mit Phileas Fogg in 80 Tagen um die ganze Welt gereist? Haben Sie nicht vielleicht im Team von Professor Lidenbrock den Weg zum Mittelpunkt der Erde gesucht?

Jules Verne heißt der Schöpfer dieser und anderer fantasievoller Geschichten, die bereits ab den 1860er-Jahren veröffentlicht wurden. Durch seine schriftstellerische Arbeit können wir viele Abenteuer beim Lesen erleben – seit anderthalb Jahrhunderten. Als Begründer der Science-Fiction-Literatur gilt Verne. Aber nicht nur als Autor hat er sich einen Namen gemacht. Er war auch ein engagierter Bürger der Stadt Amiens.

Die letzten Jahrzehnte seines Lebens wohnte Jules Verne in dieser Stadt an der Somme. Dort kandidierte er 1888 erfolgreich für den Stadtrat. Dreimal bestätigten ihn die Wähler im Amt. 1895 wurde er auch Mitglied im Verwaltungsrat der Stadtsparkasse von Amiens. Von 1898 bis 1904 war der Kommunalpolitiker dann sogar ihr ehrenamtlicher Direktor. Erst im Alter von 74 Jahren zog er sich von seinen Ämtern zurück.

Überliefert ist, dass Verne sich nicht nur privat für wohltätige Zwecke engagierte. Er war zum Beispiel von 1892 bis 1904 Vorstand des örtlichen Armenhilfswerks. Während seiner Tätigkeit bei der Sparkasse setzte er sich für die Förderung des Kleinsparens ein. So befürwortete er etwa die Einführung von Sparprämien für ärmere Kundinnen und Kunden. Sie sollten als Anreiz dienen. 1897 wurde das vom Verwaltungsrat beschlossen.

  • Karte Kreis Jessen 1983

    Vor 25 Jahren wurden in Ostdeutschland die Länder neu gegründet, durch die Zusammenlegung von Bezirken und Kreisen. So war etwa der Kreis Jessen Teil des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. (Ausschnitt Verwaltungskarte der DDR von 1983, hrsg. vom VEB Tourist Verlag Berlin/Leipzig; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Weimarer Verlagsgesellschaft in der Verlagshaus Römerweg GmbH

  • Laendereinfuehrungsgesetz 1990

    Bereits im Sommer 1990 wurde in der DDR die Wiedereinführung der fünf Länder beschlossen. Im Einigungsvertrag wurde der Termin auf dem 3. Oktober 1990 vorverlegt. (Gesetz in: Gesetzblatt der DDR, Teil I Nr. 51 1990, S. 955; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Vor 25 Jahren: Die Einheit Deutschlands und die Neugründung der ostdeutschen Bundesländer

Vor 25 Jahren wurde sie Wirklichkeit. Die staatliche Einheit Deutschlands wurde nach Jahrzehnten der Teilung wiederhergestellt. Bereits am 31. August 1990 schlossen Vertreter der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland den Einigungsvertrag. Er regelte den Beitritt der DDR am 3. Oktober 1990. Das Grundgesetz sollte fortan für das gesamte deutsche Volk gelten.

Sowohl im damaligen ostdeutschen Parlament, der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR, als auch im Bundestag fand der Vertrag am 20. September 1990 eine breite Mehrheit. Danach erfolgte die Zustimmung des Bundesrates. Der Bundespräsident Richard von Weizsäcker unterzeichnete das Gesetz. So konnte der Einigungsvertrag noch nicht einmal ein Jahr nach dem Mauerfall in Kraft treten.

Damit bekam die Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 fünf neue Länder. Die Volkskammer hatte die Neugründung der 1952 aufgelösten ostdeutschen Länder schon am 22. Juli beschlossen, für den 14. Oktober. Im Staatsvertrag zur Einheit wurde dieser Termin dann vorverlegt. In der DDR gab es seit der Verwaltungsreform der 1950er-Jahre nur noch Bezirke und Kreise, die es 1990 zusammenzuführen galt.

Die Bezirke Magdeburg und Halle wurden zum Beispiel zum Bundesland Sachsen-Anhalt, wobei der Kreis Artern an Thüringen ging. Zugleich gehörte der Kreis Jessen (vormals Bezirk Cottbus) zu Sachsen-Anhalt. Er grenzte nun an Brandenburg und Sachsen. In dieser Region gab und gibt es also eine direkte Nachbarschaft von Sparkassen dreier Bundesländer. Jetzt wirken dort die Sparkasse Wittenberg, die Sparkasse Elbe-Elster und die Stadt- und Kreissparkasse Leipzig.

Die letztgenannte Sparkasse war übrigens vor 25 Jahren die größte in den neuen Ländern. Gleichzeitig gab es viele kleine Sparkassen. So hatte damals die Kreissparkasse mit dem geringsten Umfang ihren Sitz in Röbel. Heute ist hier die Müritz-Sparkasse vor Ort. Zahlreiche Landkreise und Sparkassen existierten 1990 in den neuen Bundesländern: 31 Kassen in Mecklenburg-Vorpommern, 40 in Brandenburg, 50 in Sachsen, 39 in Sachsen-Anhalt sowie 36 in Thüringen.

Sie bewährten sich seit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (1. Juli 1990) in der Marktwirtschaft. Eine wichtige rechtliche Grundlage, um unter den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen agieren zu können, war das DDR-Sparkassengesetz vom 29. Juni 1990. Es galt mit der Einheit zunächst als einheitliches Landesrecht weiter. Sparkassenrecht war auch in Ostdeutschland wieder Landesrecht. Später wurden einzelne Ländergesetze eingeführt, zuletzt 1996 in Brandenburg.

  • Ansichtskarte Bad Brambach

    In Bad Brambach im Vogtland gibt es die Sparkasse seit 1906. (Ansichtskarte Verlag Kurt Rössiger in Brambach, versendet 1912; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Geschaefststelle Bad Brambach

    In dem sächsischen Kurort befindet sich die südlichste Geschäftsstelle im OSV-Gebiet. : © Sparkasse Vogtland, 2015

  • Foto Filiale Bad Brambach

    So sah die Sparkasse im damaligen Radiumbad Brambach vor über 80 Jahren aus. (Foto aus dem Jubiläumsbuch für Dr. Johann Christian Eberle anlässl. 25 Jahre Giroverkehr in Sachsen, 1933; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Landkarte Ruegen

    Irgendwo hier liegt der gesuchte Ort. Er ist sogar auf der Karte verzeichnet. (Ausschnitt Karte der preuss. Provinz Pommern, um 1900; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Vom Süden in den Norden

Vier ostdeutsche Bundesländer umfasst das Gebiet des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. In mehr als einem Viertel der Fläche der Bundesrepublik Deutschland ist der Regionalverband Interessenvertreter und Dienstleister der Sparkassen und ihrer Träger. Ein Mitgliedsinstitut im Freistaat Sachsen ist die Sparkasse Vogtland. Sie hat ihren Sitz in Plauen, wo bereits 1839 eine Stadtsparkasse gegründet wurde.

Im Vogtland ist die südlichste Sparkassengeschäftsstelle in unserem Verbandsgebiet zu finden, im bekannten Kurort Bad Brambach. Seit 1912 gibt es dort nach der Entdeckung einer Radiummineralquelle den Bade- und Kurbetrieb. Die Sparkasse wirkte schon 1906 in der Gemeinde. Die Anfänge waren klein. Am Ende des Jahres bestanden 143 Sparbücher. 1912 waren es schon 1.223. Durch mehrere Zusammenlegungen von Sparkassen ist Bad Brambach dann im Laufe der Geschichte eine Filiale der Sparkasse Vogtland geworden.

Aber wo liegt denn die nördlichste Geschäftsstelle? Zwei Tipps gebe ich Ihnen. Sie befindet sich auf der größten Insel Deutschlands, im Geschäftsgebiet der Sparkasse Vorpommern. Wer die richtige Antwort weiß, kann gern einen Kommentar zu diesem Beitrag verfassen. Die erste Meldung gewinnt: ein sparkassenrotes Sparschwein!

  • © Historisches Archiv des OSV

  • Deutscheinsiedel und seine Nachbarorte an der Grenze zu Böhmen (Ausschnitt Königlich Sächsische Generalstabskarte, 1902; Privatbestand Thomas Einert)

  • Ansichtskarte Deutscheinsiedel Winter 1916

    So sah der kleine Ort vor 100 Jahren aus. (Ansichtskarte Verlag Bruno Böhm in Frankenberg, versendet 1916; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Gemeindesparkasse Deutscheinsiedel

    Bis 1937 bestand in Deutscheinsiedel eine Gemeindesparkasse. (Foto aus dem Jubiläumsbuch für Dr. Johann Christian Eberle anlässl. 25 Jahre Giroverkehr in Sachsen, 1933; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

Die kleinen Sparkassengemeinden in Sachsen

Derzeit arbeiten zwölf Sparkassen mit zahlreichen Geschäftsstellen im Freistaat Sachsen. Früher war das anders. So gab es 1919 in dem Land sogar 369 Sparkassen. Mehr Institute haben in der fast 200-jährigen Sparkassengeschichte Sachsens niemals existiert. Es bestanden 199 Zweig- beziehungsweise Annahmestellen. Vergleichsweise viele Geschäftsstellen unterhielten die Großstadtsparkassen. So hatte etwa die Sparkasse in der Landeshauptstadt Dresden neben der Hauptstelle 18 Zweigstellen.

Aber die großen Institute sollen hier gar nicht Thema sein. Denn die Anlaufstellen der Kundinnen und Kunden in Sachsen waren damals vor allem die vielen kleineren Sparkassen in Städten und Landgemeinden. Kreissparkassen, wie zum Beispiel im Nachbarland Preußen, gab es nicht. Verbandssparkassen verbreiteten sich nur langsam. Im Freistaat dominierten die eigenständigen Gemeindesparkassen.

Das ist heute schwer vorstellbar. Sogar Orte mit geringer Bevölkerungszahl hatten 1919 eine eigene Sparkasse. Die zehn kleinsten Gemeinden habe ich hier für Sie zusammengefasst. Sie sind nach der Einwohnerzahl geordnet. Auffällig ist die Verbreitung in der Amtshauptmannschaft Freiberg. Dies war der untere Verwaltungsbezirk, der die meisten Sparkassen in Sachsen aufwies. So kam hier eine Kasse auf durchschnittlich 23 km² oder 2.809 Einwohner, was weit über dem Landesdurchschnitt lag.

Die kleinste Sparkassengemeinde im Bezirk hieß Deutscheinsiedel. Dort wirkte seit 1898 ein kommunales Geldinstitut. 1919 gab es erst 417 Sparbücher, im Juni 1937 Einlagen von nur 39.646 Reichsmark. Die Kasse wurde zu dieser Zeit aufgelöst und ein benachbartes Institut zuständig. Nachbarschaft meinte nicht nur in diesem Fall lediglich wenige Kilometer.

Auch die Selbstständigkeit der anderen aufgeführten Sparkassen endete bald, nämlich Ende 1943. Während des Zweiten Weltkriegs fanden in Sachsen sehr viele angeordnete Zusammenlegungen statt, weil das Reichswirtschaftsministerium „Konzentration und Leistungssteigerung“ forderte.

  • Ansichtskarte Blankenburg Harz

    In Blankenburg am Harz ist die Sparkasse seit 180 Jahren vor Ort. (Ansichtskarte Verlag C. Greve in Blankenburg, versendet 1912; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Karte Braunschweig Blankenburg Provinz Sachsen

    Früher gehörte die Stadt zum Land Braunschweig. Heute liegt sie im Bundesland Sachsen-Anhalt. (Ausschnitt Landkarte von 1912; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

  • Ansichtskarte Herzog Wilhelm II. Braunschweig

    Der braunschweigische Herzog Wilhelm erließ 1834 ein Landessparkassengesetz. (Ansichtskarte Hildesia-Verlag/ E. Baxmann, versendet 1910; Bestand: Historisches Archiv des OSV)

Eine braunschweigische Sparkasse in Blankenburg am Harz

Leihhäuser gelten als Vorgängerinstitute beziehungsweise den Sparkassen verwandte Einrichtungen. Sie waren nicht zum Vorsorgen gedacht, sondern halfen den Menschen in Notlagen, indem sie bei Hinterlegung eines Pfandes Geld liehen. Seit dem 16. Jahrhundert existieren diese Pfandleihen in Deutschland. Viele öffentliche Leihhäuser wurden im 18. Jahrhundert von Städten oder Landesherrn gegründet. Ein herzogliches „Leyhaus“ bestand etwa schon vor 250 Jahren im Land Braunschweig.

Das unter landesfürstlicher Aufsicht stehende Kreditinstitut wurde 1832 vom Staat übernommen. Es widmete sich nicht nur der Pfandleihe, sondern zum Beispiel auch dem Boden- und Kommunalkredit sowie der Staatsfinanzierung. Beim Leihhaus konnten Depositen, auch kleinere vorübergehend nicht benötigte Geldbeträge, untergebracht werden.
Ende 1834 bestimmte schließlich ein Sparkassengesetz des braunschweigischen Herzogs Wilhelm, dass zunächst in Verbindung mit den Filialen der Leihhausanstalt Kleinspareinrichtungen entstehen sollten.

„Um auch dem minder begüterten Theile unserer Unterthanen die Gelegenheit zu verschaffen, erübrigte geringfügige Geldsummen auf sichere Weise zu belegen, und durch Verzinsung nutzbar zu machen, haben Wir die Errichtung von Sparcassen beschlossen“, so steht es in dem Sparkassengesetz vom 20. Dezember 1834. Bald konnten die Kundinnen und Kunden in der Landeshauptstadt Braunschweig, in Helmstedt, Holzminden und in Blankenburg am Harz die Sparkassen nutzen.

Blankenburg? Ja, auch diese Stadt lag früher im Land Braunschweig, jedenfalls bis zum Sommer 1945. Gemäß einer Vereinbarung der Alliierten ist sie nach dem Zweiten Weltkrieg sowjetisches Besatzungsgebiet geworden. Die dortige Zweigstelle der Braunschweigischen Staatsbank (Landessparkasse) gab es bald nicht mehr. Es entstand vor 70 Jahren gemäß einem Befehl der Besatzungsmacht die neue Kreissparkasse Blankenburg. Sie hatte aber nur ein kurzes Leben, denn 1950 wurden im Land Sachsen-Anhalt die Kreisgrenzen neu gezogen. Blankenburg lag fortan im Kreis Quedlinburg und war Hauptzweigstelle der dortigen Kreissparkasse. Heute gibt es in Blankenburg eine Geschäftsstelle der Harzsparkasse und 180 Jahre Sparkassentradition. Die Braunschweigische Landessparkasse befindet sich derweil in ihrem 250. Jubiläumsjahr.